Let me influence you

Leute, wollt ihr euch nicht mal ein bisschen von mir beeinflussen lassen?

Wo das doch heute so hip ist, dass alle Augen auf sogenannte Influencer gerichtet sind. Und auch wenn ich hier viel zu wenig und viel zu selten was schreibe, besteht theoretisch die Möglichkeit, dass ich euch mit dem, was ich dann mal hin und wieder schreibe, beeinflusse. In die eine oder andere Richtung. Entweder mögt ihr das, was ich schreibe. Oder ihr stellt euch auf die Seite derer, die finden, ich schreibe über langweilige und unwichtige Themen. Belanglosen Kram.

Ich kann mich einfach nicht dafür erwärmen, im aktuell vorherrschenden Stil influenced zu werden. Daran merkt man / merke ich, dass ich alt werde. Okay, ich sag mal: älter. Klingt schöner.  Von Mode Blogs, von Schmink Tutorials, von Werbeseiten und Seiten, wo man mir sagt, was ich zu tun und zu lassen habe, wenn ich dazu gehören will. Denn hey, ich will das gar nicht. Und ich bin völlig schmerzfrei, wenn ich mir die Tatsache vor Augen halte, dass ich auf Insta – was man früher noch Instagram nannte – nur sehr wenige Follower habe. Ganz zu schweigen von den wenigen Menneckes, die sich auf FB meine Freunde nennen. Ich putze da öfter als in meinem Zuhause. Wollmäuse können auch lebendig sein und sich auf FB Accounts niederlassen.

Mein Lebensglück hängt nicht von solchen Zahlen ab. Weder von Klicks noch von Followern. Aber diese Erkenntnis kommt nach und nach auch Insta Stars. Gerade gestern habe ich auf der Insta Seite eines jungen Mannes aus Stuttgart gelesen, dass ihn diese Hetzjagd nach mehr Followern und Klicks nervt und er sich allen Ernstes fragt, was das soll? Leute zeigen da ausschließlich sich selbst und nur sich selbst an immer anderen Orten mit immer anderen Klamotten, die teilweise auch noch grottenhässlich sind. Die Leute, die Orte und die Klamotten. Und die Follower jubeln. Schööööööner  Standort, schöööööner Pullover, schöööööööne Aussicht. Like, Herzchen, Bussi, Bussi und hdgdl.

Kotz. Alles so verlogen. Alles so unendlich sinnlos und oberflächlich. Es zeigt, wie sagenhaft langweilig diesen Leute sein muss. Und wie wenig sie mit ihrer Zeit und ihrem Leben anzufangen wissen. Mehr noch, sie machen ihren eigenen Wert an dieser Art der Zuwendung fest. Selbstverständlich geht es auch um Geld. Und teilweise nicht um wenig. Immer mehr verdienen ihren Lebensunterhalt mit Werbung auf Insta und nennen Influencer, wenn man sie nach ihrem Beruf fragt. Krass! Finde ich das jedenfalls.

Bin ich altmodisch? Bin ich rückwärtsgewandt? Muss man heute umdenken und all diese Einflüsse ernst nehmen? Ist das die Zukunft? Sieht das denn keiner? Es geht doch nur um noch mehr Umsätze und mehr Profit. Wir alle sollen konsumieren auf Teufel komm raus. Alles Geld ausgeben, was wir haben und mehr noch. Schulden machen ist so hip wie nie. Shoppen ist das meist genanteste Hobby junger Leute unter 25. Da wird nicht was gekauft, weil man es braucht. Da wird gekauft um des Kaufens Willen. Noch vor wenigen Jahren wurden solche Leute zum Psychologen geschickt, weil  dieses Verhalten auf ein seelisches Defizit hin wies. Aber arme, einsame Seelen. Verloren im Konsumwahn.

Ich finde diese Entwicklung bedenklich.
Was meint ihr? Male ich schwarz?

 

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Erwartungen

In den ersten Tagen des neuen Jahres sind mir sehr interessante Menschen (wieder)begegnet, die mir einen Spiegel vorhalten oder mich anderswie zum Nachdenken bringen. Ich geniesse das gerade sehr, denn diese Begegnungen sind so viel reichhaltiger als das übliche Blabla, auf das sich jeder von uns immer wieder privat  freiwillig einlässt oder aus beruflichen Gründen einlassen muss.

Und da sind sie schon. Die Erwartungen, die wir alle leider viel zu oft erfüllen ohne dass wir das guten Gewissens oder aus voller Überzeugung tun. Jeder kennt das. Da ist ein Mensch, mit dem du zusammen triffst und der sich mit dir unterhält. Oft ist das ein seichtes Geplänkel, was auch mal sehr nett sein kann. Es müssen nicht immer die Gespräche mit enormen Tiefgang sein – auch leichte Kost geht mal – aber dennoch verfallen wir in solche Gedanken wie….“Ich kann das nicht mehr hören, nur noch Jammern und Klagen über unser Leben, die Gesellschaft, die Politik, die Umwelt und die dunkle Wolke der Zukunftsangst, die über unseren Köpfen schwebt.“ Immer wieder gehörte Phrasen und immer das gleiche im Hamsterrad der Gespräche. Irgendwie in Endlosschleife werden immer gleiche Gedanken wiederholt, als wenn sie allein durch die Wiederholung wahrer würden.

Aber man erwartet von uns, und das steht unausgesprochen irgendwie im Raum, dass wir auch in diese Kerbe schlagen und mitmachen. Jeder tut das doch. Oder?

Und tut es mal einer nicht, dann wird er mit großen staunenden Augen angeschaut wie ein etwas seltsames exotisches Tier. „Wie kann sie nur? Was soll das jetzt? Wieso kommt sie denn jetzt mit diesen seltsamen Gedanken um die Ecke? Es war doch gerade so schön in unserer warm gepupsten Jammer Gemeinschaft.“

So jedenfalls ging es mir jetzt mehrfach hintereinander. Und ich fühlte mich nicht unwohl in dieser Situation. Ich spielte dann weniger eine Rolle als wenn ich mit der Herde laufe. Dennoch…. ein Freund machte mich aufmerksam, dass er aus meinen Erzählungen heraus fischt, dass ich viel zu oft noch die Erwartungen der anderen erfülle. Alte Gewohnheit? Betriebsblind? Merke ich das nicht mehr?

Deshalb ist es gut, wenn da ab und zu mal einer von draussen drauf schaut und entsprechend Rückmeldung gibt. Thats what friends are for. Danke Konrad.

 

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Es war einmal…. Stefan, der Handwerker

In diesem Sommer hatte ich euch von meinen Dates mit einem örtlichen Handwerker erzählt. Wer es nachlesen möchte — hier und auch in  Teil 2 dann hier.

Es wurde in der Folge kein Traumpaar aus uns, aber sowas wie Freunde. Wir gingen gemeinsam zum Essen aus, trafen uns am See, badeten dort und hatten eigentlich ne ganz nette Zeit zusammen. Sogar seinen 63. Geburtstag konnten wir ungeplant zusammen feiern.

Vorige Woche dann die Nachricht. Das sollte also sein letzter Geburtstag gewesen sein. Stefan ist  ganz plötzlich und unerwartet gestorben.

Vor einiger Zeit hätte er mich überraschend zu Hause „heim gesucht“ und war dann noch paar Mal zu mir ins Büro gekommen, weil er einen neuen Gebrauchten suchte. Immer recht gesund und munter, gut gelaunt und über alle Maßen mitteilungsbedürftig. Er gehörte zu der Sorte Mensch, die einen schwindelig reden können. 🙈

Wann immer ich ihm sagte, dass ich unsere Beziehung nicht ausbauen wolle, erwiderte er, dass wir doch auch einfach nur freundschaftlich verbunden bleiben könnten. Und so war es dann. Ich habe ihn nicht nur in Autofragen beraten sondern ihm auch Tipps zu Kleidung, Haarschnitt, Brillenauswahl, „Pflegezustand“ und dgl. gegeben. Alleinstehende Männer neigen dazu diese Themen allzu pragmatisch zu sehen.

Na ja….. wie auch immer. Gerade bei unserer letzten Begegnung hab ich ihn wegen seiner unmöglichen und runtergerissenen Kordhose kritisiert. Er wollte zu einem Date…. in so einem Aufzug. Da musste ich was sagen. Denn ich habe ihm ja immer Glück bei der Partnersuche gewünscht. Wenn es schon zwischen uns nicht gefunkt hatte.

Und nun isser nicht mehr….. Das lässt mich schon ein wenig traurig zurück. Und ich erkenne, auch wenn wir nur Freunde waren…. das ist doch auch was sehr Schönes.

Ein gutes und warmes Gefühl breitet sich in mir aus, bei dem Gedanke an seinen letzten Geburtstag. Ich weiss, ich habe sehr viel dazu beigetragen, dass dieser Tag ein richtig schöner Tag für ihn war. Den Ablauf des Tages hatte ich ja in „Handwerker 2“ beschrieben.

Das Leben ist zu kurz für Trübsal. Lasst es uns geniessen. Wir wissen nicht wann es vorbei sein wird. Kann schneller gehen als man denkt. Und Stefan hat nicht mal das Rentenalter geschafft. Dabei hatte er so viele Pläne. *soifz*

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