Der Rauswurf

… steht kurz bevor.
Und sowas muss nicht immer negativ sein.

Mittwoch habe ich erfahren, dass meine Enkeltochter Emily aller Voraussicht nach am 31.07.2020 aus der Kita geworfen wird. Ich war wirklich erstmal schockiert und fragte sie: „Wieso?? Was hast du  denn Schlimmes angestellt??“

Und da bekam ich die Antwort. Emily erklärte mir, dass ihre beste Freundin Fiona diese Woche schon rausgeworfen worden ist.

Mir war das völlig neu, dass es da sowas wie eine Tradition gibt. Kinder, die in diesem Sommer in die Schule kommen, werden an ihrem letzten Kita Tag durch eine Tür oder auch ein Fenster aus dem Gebäude geworfen. Draussen liegt dann eine dicke Turnmatte und das jeweilige Kind wird vom Kindergartenpersonal an Händen und Füßen gepackt und zur Belustigung der anderen Kinder im wahrsten Sinne des Wortes raus geworfen.

Am nächsten Freitag ist es also soweit. Ich werde mir das Spektakel anschauen und Fotos machen. Das darf ich nicht verpassen.

Und dann ist die kleine Motte, die gerade eben noch ein Baby war, ab Mitte August ein Schulkind.

 

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Mensch-ärgere-dich-nicht

Sind wir noch dieselben, die wir vor Wochen waren?
Was hat dieses Geschehen mit uns gemacht?
Hat es was gemacht?

Sicher hat darauf jede(r) eine andere Antwort.

Ich kann hier nur von mir sprechen.
Ende Februar ist mein älterer Sohn mit seiner Familie nach Ägypten in den Urlaub geflogen. Es war damals zwar schon von einem recht gefährlichen, aggressiven Virus die Rede, der umgehen soll. Aber so richtig erfassen konnte man das Ausmaß noch nicht, von dem, was da auf uns zu rollte. So verbrachten sie einen schönen erholsamen Urlaub und wir alle sorgten uns eigentlich recht wenig um diesen Virus. Wir, die wir zu Hause geblieben waren, noch ein bisschen mehr als die Urlauber. Denn uns erreichten tagtäglich die neuesten Zahlen und auch die Bilder aus Italien und Spanien, wo es leider viele Opfer gab.

Am Tag als die Urlauber zurück kamen und ich sie am 16. März abholte, war von Sicherheitsvorkehrungen hier in Deutschland nirgends was zu spüren. Ich beschloss, am Flughafen im Auto sitzen zu bleiben und nicht an unzähligen Türen und Durchgängen  die Klinken zu putzen und mir so eventuell was an den Hals zu laden.  Meine Lieben wurden bei ihrer Ankunft an keiner Stelle gefragt, ob sie sich krank fühlten, Fieber hätten oder ob irgendwelche grippeähnlichen Krankheitsmerkmal zu verspüren seien. Das zumindest hätte ich erwartet, damit man bereits bei der Einreise eventuell erkrankte Personen hätte erfassen und einer Behandlung zuführen können.

 

Erst eine Woche später wurde bekannt, dass aus dem Ausland eingereiste Personen sich freiwillig für zwei Wochen in Quarantäne begeben sollten. Dies erfuhren wir erst, als meine Schwiegertochter wieder arbeiten sollte, dann aber erstmal vorsorglich krank geschrieben und auf Corona getestet wurde. Alles gut. Keiner war krank.

Die Kita war geschlossen und das Kind blieb zunächst mit seinem Papa zu Hause, weil der sein Geschäft auch nicht öffnen durfte. Das Leben wurde quasi eingefroren. Die Urgroßeltern blieben zu Hause und wir kauften für sie ein. Tägliche WhatsApp Nachrichten, kurze Videos über die Kapriolen der Kinder und Anrufe ließen uns in Kontakt bleiben, ohne uns persönlich zu treffen. Komisch, aber erträglich. Natürlich fehlte uns was, aber wir hätten es schlechter treffen können. Immerhin haben wir alle Garten oder Balkone für die nötige Portion Frischluft und spazieren gehen war ja zu keinem Zeitpunkt untersagt. Ich bin auch froh und dankbar, dass meine 80jährige Mama mit der modernen Technik umzugehen weiss. Denn der tägliche Morgen- und Gute-Nacht-Gruss per WhatsApp ist uns auch außerhalb von Corona Zeiten eine lieb gewonnene Angewohnheit geworden. Und ich weiss dann auf jeden Fall, dass mit meinen Oldies alles soweit okay ist.

Ich habe diese ersten Wochen um Ostern herum dennoch wie in einer Blase erlebt. Denn ich bin die einzige meiner Familie, die alleine lebt. Und diese ungewohnte Ruhe, das Nicht-zur-Arbeit-Gehen war irgendwie unwirklich.  Doch habe ich das nicht als belastend empfunden. Viele, mit denen ich gesprochen habe, die litten unter der Situation. Ich empfand es als willkommene Zeit der Erholung. Lange schlafen und endlich die Bücher lesen, die gefühlte Ewigkeiten schon auf mich warten. Und ich auf sie.

Wenn ich nicht gelesen habe, dann stöberte ich auf Netflix. Ich bin Trittbrett-Zuschauerin beim Account meines Sohnes. Also kostenlos. Auch mal schön. Wo gibts schon noch was umsonst?

Irgendwie verbrachte ich  diese ersten Wochen in einer Art Wolken-Kuckucks-Heim. Ich war zuversichtlich, dass sich alles am Ende fügen würde und meine Lieben und ich unversehrt aus dieser Geschichte hervor gehen würden. Mit zunehmender Berichterstattung in den Medien, die ich aus heutiger Sicht vielleicht zu intensiv verfolgte, kamen Zweifel auf und es machten sich auch bei mir Ängste breit. Weniger um meine Gesundheit sondern mehr um den Fortbestand meiner Firma, über die finanzielle Situation nach dem Lockdown. Denn kein Einkommen zu haben ist alles andere als lustig. Denn die Kosten laufen weiter, die Konten bluten langsam aus, wenn nicht mehr rein kommt.

Niemand hätte anfangs geahnt, dass es solche Ausmaße annehmen würde. Und immer mehr und neue Regeln, die teilweise wirklich sinnfrei waren und sind, kamen dazu.

Gerade gestern habe ich wieder so eine Sache bewusst wahr genommen…..auf einem ein Foto: Einerseits trainierende Fußballspieler eine namhaften Vereins, die im Spiel deutlich auf Tuchfühlung gehen. Und dies ausdrücklich gehen dürfen. Es ist ein Verein, da wo es um die wirklich fette Kohle geht.
Andererseits ein Foto von Grundschülern in einer Schule irgendwo in Deutschland, die auf dem Pausenhof jeweils in einem mit Kreide gezeichneten Viereck einzeln verharren müssen, anstatt mit anderen Kindern herum rennen zu dürfen und spielen wie gewohnt. Denn das wäre verboten. Gegen die Regeln.

Sorry, aber da kommt mir das kalte Kotzen!!!!! Wieso wird da mit zweierlei Maß gemessen? Weil Kinder keine Lobby haben??

Das ist nur eins der Beispiele, wo die Regeln für mich keinen Sinn machen.
Habt ihr diesen bayerischen Politiker gehört, der vergeblich versucht, die Biergarten Regeln zu erklären?? Wer mit wem in welchen Abstand sitzen und sein Bier oder was auch immer trinken darf.  Und wo es zu einem Regelverstoß kommen würde. Sind wir bei dem Schildbürgern? Träume ich das hier gerade?

Jeder entscheidet für sich selber. Und selber denken ist zum Glück nicht verboten. Meine Lösung ist, dass ich das Denken zu keinem Zeitpunkt eingestellt habe und das auch nicht vor habe. Und ich bin zum Glück nicht allein mit dieser Einstellung.

Zurück zu meinem persönlichen Corona Abenteuer Spielplatz.
Am 20.04. hätte ich wieder arbeiten dürfen/können/sollen/wollen. ABER da war meine Enkelin Emily, die noch nicht wieder in die Kita gehen konnte. Das heisst, ich bin aus dem Lockdown raus und in die Mo-Fr Kindergartenkind Bespaßung über gegangen. Auch ein Vollzeitjob. Aber ein besonders schöner. Mittlerweile sind wir zusammen in Woche 5 der Oma-Enkelin Zeit. Und die wird an Pfingsten dann zu Ende gehen. Was ich eigentlich bedauere. Denn nie zuvor hatte ich so viel Zeit mit ihr und werde das vermutlich auch zukünftig nicht mehr so erleben. Wir spielen und malen und singen und reden und spielen Gitarre und Kalimba. Es gibt im Garten ein Trampolin und eine Nestschaukel, einen riesig langen Gartenschlauch, mit dem man Rasen und Blumen auch ertränken kann….. die Katze Jessie, die sich gerne unendlich viele Male am Tag rum schleppen und knuddeln und knutschen lässt, Bäume die von Kind und Tier bestiegen werden, Fahrrad fahren in der Sachgasse uvm.  Ich habe einige unvergesslich schöne Videos gemacht. Am besten sind die Gespräche, ihre Ideen, ihre Fragen, ihre Fantasien und ihre völlig hemmungslose und lustige Art. Sie ist in dem Alter, wo Kinder (noch) nicht schüchtern sind. So singt sie zum Bespiel auf Englisch, Spanisch und Arabisch obwohl sie diese Sprachen nicht beherrscht. Einfach ihr Fantasiesprache, laut gesungen auf dem Fahrrad. Und wenn ihr nichts mehr einfällt, dann singt sie auch einfach Weihnachtslieder mitten im Mai. Sehr zur Unterhaltung von Fußgängern auf der Straße oder den Leuten im Nachbargarten. Ihr merkt schon, ich komme wirklich ins Schwärmen.

Fazit: Wir sind nicht mehr dieselben wie noch vor Wochen. Aber keinesfalls geht es uns schlechter. Wir sind Glückspilze, die Emily und ich.

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#lovebomb

Gerade höre ich von einer berührenden Aktion und möchte sie mit euch teilen.

Meine Eltern (80) wohnen in einer Senioren Wohnanlage hier im Ort. Es gibt da einen Pflegebereich und einen Gebäudekomplex mit seniorengerechten Wohnungen. Vorgestern lag auf der Fußmatte vor der Wohnung meiner Eltern ein dicker Strauß Tulpen mit dem Hinweis „Dankeschön, dass sie zu Hause bleiben und somit sich und andere schützen“.

Ist das nicht wunderbar? Mich rührt das gerade ganz und gar. Eine echte #Lovebomb

Damit werden besonders die Senioren unterstützt und ermutigt, die alleine sind und keine Familie haben.

Außerdem erhalten die Senioren regelmäßig Anrufe von der ev. und kath. Kirche und werden gefragt, ob sie Hilfe brauchen beim Einkauf etc. 💙💚💛🧡🤎❤️💜💙

Mich macht das so froh.
Ich könnte hüpfen und springen. 💝

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