Herzilein & Carola (2)

Mit diesem nett aussehenden Mann, nennen wir ihn mal Oliver, nahm sie dann also den Mailkontakt auf. Schnell flogen die Nachrichten wie Brieftauben im Halbstundentakt hin und her und es lief sehr geschmeidig an. Erstaunlich viele ähnliche Interessen und die gegenseitige Beteuerung, dass man auf eine ernsthafte Beziehung aus war, verband die beiden recht schnell. Carola fühlte sich verstanden und gleichzeitig geschmeichelt von seinem Interesse an ihr. Denn der Kandidat Oliver sah wirklich sehr gut aus. Genau ihr Typ. Groß, schlank, graue gepflegte Kurzhaarfrisur. Ein Mann, der im Anzug und auch in Freizeitkleidung sehr gut rüber kam. Mittlerweile hatte sie viele Fotos von ihm erhalten, denn die beiden waren von der Datingseite auf’s Handy umgestiegen, schrieben sich WhatApp Nachrichten. Und an Tag 2 nutzten sie am Abend Skype für das erste lange ausführliche Gespräch.

Oliver, ein gebürtiger Amerikaner ist Witwer, hat eine Tochter und wohnt in Berlin. Er ist selbständig und reist viel, auch international.

Carola rief in diesen Tagen nicht nur eine Freundin an und berichtete aufgeregt von ihrer neuen Bekanntschaft. Errungenschaft wollte sie ihn jetzt noch nicht direkt nennen, doch sie war schon irgendwie ein kleines bisschen euphorisch. Aber irgendwie klang das alles auch zu gut, um wahr sein zu können. Genau in diese Kerbe schlug dann auch eine Warnung, die Carola von einer Bekannten erhielt. Diese hatte wiederum eine Freundin, die vor einigen Monaten einen netten, gut aussehenden Mann ihres Alters per Online Dating kennengelernt hatte. Auch Witwer, auch ein Kind, auch gut aussehend und auch selbständiger Vielflieger. Und der stellte sich als moderner Heiratsschwindler heraus. Die Freundin war ihm voll auf den Leim gekrochen, er gab in Folge vor in finanziellen Schwierigkeiten zu sein, bat die Frau um Hilfe…. Überweisung ins Ausland. Geld weg. Mann weg. Gebrochenes Herz, geplündertes Konto. Drama auf der ganzen Linie.

Carolas gesundes Misstrauen von vorher war nun noch ein wenig verstärkt worden. Aber sie wollte sich den Spaß und das Glücksgefühl nicht verderben lassen. Nicht alle Männer konnten Betrüger sein. Sie hatte inzwischen nicht nur den Vornamen, sondern auch den Familienname von Oliver. Bei Google fand sie seine Adresse und per Google Street View konnte sie sich sogar sein Haus in Berlin anschauen. Das passte also alles. Und Carola war wieder beruhigt.

Weiter ging’s mit Oliver. Es war zwischen ihnen nun schon zur schönen Gewohnheit geworden, daß die beiden sich morgens begrüßten und abends eine gute Nacht wünschten. Aber auch tagsüber glühte der Draht. Es wurde berichtet, was man so machte, was man noch vor hatte, wie der Tag verlief und all diese kleinen Geschichten. Und alles immer schön flirty. Sie lernten sich besser kennen und ihnen gingen nie die Themen aus.

Eine kleine Wolke von Eifersucht zog aber am strahlend blauen Himmel der Beiden auf, als Oliver mehr und mehr darauf bestand, dass Carola berichtete, warum sie mitunter erst nach 20 Uhr von der Arbeit zu Hause am PC erschien, um mit ihm per Skype zu plaudern. Und wenn sie dann erst kochen und schnell was essen wollte, ne Maschine Wäsche aufhängen musste oder lieber bei dem schönem Wetter ein bisschen Zeit draußen im Garten verbringen wollte, dann war er regelrecht sauer. Er schrieb dann zwar: „Kein Problem. Nimm dir ruhig Zeit. Wir können ja später noch skypen.“ Aber für den Rest des Abends ward er dann weder am Handy noch am PC gesehen. Er schmollte.

Carola gefiel das ganz und gar nicht. Sie empfand es als Kontrolle. Und es ärgerte sie. Aber sie wollte sich auf keinen Fall in ihrer Freiheit einschränken lassen. Und so tat sie zunächst mal so, als bemerke sie seinen Ärger nicht.

Für Carola stand ein Wochenend-Trip stand bevor. Sie war auf einer Hochzeit in Hamburg eingeladen und fuhr am Samstag mit ihrem Auto dort hin. Oliver hatte sie vorab um Verständnis gebeten, dass ihr Handy bis Sonntag nach ihrer Rückkehr weitestgehend aus oder stumm geschaltet sein würde. Sie kündigte an, nicht ständig auf Nachrichten antworten zu können und zu wollen. Dafür war ihr dieses Hochzeitsfest einfach zu wichtig. Sie würde dort alte Freunde treffen, die sie lange nicht gesehen hatte. Und sie freute sich auf ein schönes entspanntes Wochenende mit Freunden. Oliver beteuerte erneut, dass dies ja selbstverständlich und gar kein Problem sei. Aber, so gut kannte sie ihn inzwischen, kam er dennoch angefressen rüber.

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Herzilein, du musst nicht traurig sein

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Wer kennt sie nicht? Die einsamen Herzen, die sich nach Liebe sehnen. So geht es gerade meiner guten Freundin Carola, die seit einiger Zeit schon Single ist und diesen Zustand gerne besser heute als morgen beenden möchte. Doch das ist nicht so leicht. Ist man wie sie jenseits der 40, dann geht man auch nur noch selten aus. Und wenn, dann mit Freundinnen oder der Familie zum Chinesen, Inder oder Italiener. Die Partytempel in der Großstadt, wo sie seit Jahren lebt, wo die Jugend wild abtanzt, kennt sie bestenfalls dem Namen nach und von außen. Deshalb fehlt es ihr an Gelegenheiten einen geeigneten Partner – ein passendes Gegenstück – zu finden.

Herzilein gesucht. Aber wie stellt frau das an? Wie uns die Werbung tagtäglich verspricht, kann man paarshipen, und damit ist nicht (nur) gemeinsames Schneeschüppen gemeint. Die Online Portale für Partnervermittlung boomen mehr als je zuvor. Millionen geschiedene, verwitwete und bislang noch nicht an den Mann oder die Frau gekommene Menschen suchen ihren Seelenpartner. Die Sehnsucht nach wohliger Geborgenheit und glücklicher Zweisamkeit wabert wie ein duftender Nebel durchs Netz. Und alle Willigen halten die Nase in den Wind.

Carola hat sich also entschlossen, wie viele andere vor ihr, diesen Schritt aus der Dunkelheit der Anonymität ans Licht der „Ich bin noch zu haben – Realität“ zu wagen. Heißt, sie meldete sich auf einem dieser Portale an. Schnell musste sie feststellen, dass man dort in einer kostenlosen Version so gut wie keine Informationen bekommen kann. Bilder der potentiellen Herzileins wurden nicht mit angezeigt und auch sonst alles sehr mager. Die Sparversion eben. Ganz anders und deutlich bunter wurden die Möglichkeiten der Partnerfindung, als sie bereit war für ihr Glück ein bisschen Geld in die Hand zu nehmen. Bei einem Jahresvertrag gab es das Glücksspiel schon für unter 20€/Monat. Aber sie wollte sich dann doch nicht gleich für so einen langen Zeitraum an eine Partnerbörse binden. Was wäre denn, wenn diese Börse ihr nicht wirklich zusagte? Außerdem glaubte sie gut vermittelbar zu sein und innerhalb von vier Wochen ein geeignetes Herzilein einsammeln zu können. Darum gabs nen Monats-Deal. Und los gings. Mögen die Spiele beginnen.

Sie lud hübsche Bilder von sich hoch, füllte das Profil sehr genau, ehrlich und äußerst vollständig aus. Und auch bei ihren Wünschen an den Zukünftigen war sie nicht sparsam. Wenn schon, dann sollte es ja auch passen. Und um ein möglichst gutes Suchergebnis zu erzielen, muss man schon mal ein wenig von sich verraten. Ohne Fleiß kein Preis.

Von Stund an bimmelte es wieder und wieder in Carolas Mailbox. Die Anfragen der Interessenten rauschten in unglaublicher Zahl herein. Einige fragten noch höflich und zurückhaltend per Mail nach ihrem Befinden, andere klickten sofort auf das Feld „Ich will dich gerne treffen“. Die Besucherzahl ihres Profils stieg innerhalb 48 Stunden auf eine unfassbare Zahl von über 1000 an. Frischfleisch war auf den Markt geworfen worden. Die Balgerei um ihre Gunst begann. Höher, schneller, weiter!!! Wer ist der Platzhirsch. Wer macht das Rennen? So erschien es ihr jedenfalls. Sie fühlte sich von dieser Flut eindeutig überfordert. Am Tag 2 fand sie am Morgen 42 Mailbenachrichtigungen über einen neuen Kontaktwunsch in ihrem Postfach. Dies galt es zu unterbinden. „Benachrichtigungen OFF“ war die Lösung.

Ein paar Männer waren ihr via Foto schon mal recht sympathisch, passten vom Alter und der Körpergröße her zu ihr und wohnten nicht allzu weit weg. Gemeinsame Interessen ließen auch Hoffnung aufkeimen. Ein paar schriftliche Anbandelversuche waren durchaus niveauvoll und klangen nett und normal. Sie ging darauf ein, beantwortete die gestellten Fragen und hatte auch selber welche. Manchmal versickerte das muntere Bächlein der Konversation schnell von alleine und in anderen Fällen rutschten die Ansagen im Niveau deutlich ab. Dann wurde klar: Mehr als ein erotisches Abenteuer, ne schnelle Nummer, war von den Herren da nicht gewünscht.

Löschen-löschen-löschen. Das wurde zusehends zu ihrer häufigsten Aktion. Irgendwann stellte sie in ihrem Profil mit deutlichen Worten klar, dass ihr an einer kleinen, wenn auch noch so feinen, Affäre nichts gelegen war. Daraufhin herrschte schlagartig Ruhe im Blätterwald. Es tröpfelten nur noch 1-2 Kontakte pro Tag rein.

Und Carola stellte sich die Frage: Wie sind die Männer denn drauf?
Die meisten beteuern ausdrücklich in ihrem Profil was Ernstes zu suchen, eine Partnerin fürs Leben und kein Abenteuer. Und wenn das weibliche Gegenüber dann klar signalisiert: „Hey, ich will nicht nur (d)eine Affäre sein!“ Dann gilt sie als frigide Person und wird gemieden wie die Pest? Oder was?

Eine Woche ging ins Land ohne nennenswerte Herzklopf-Momente. Sie fand Männer, die entweder zu klein, zu dünn oder zu alt waren. Die zu wenig Haare auf dem Kopf hatten oder überall so viele wie ein Bär. Da waren welche, die sahen so aseptisch aus wie ein feuchtes Toilettenpapier. Und andere rochen schon durch den Bildschirm. Fotos im Gegenlicht, mit Sonnenbrille und Strohhut. Unkenntliche Fotos von Männern in Ski-Montur und Fotos rotgesichtiger Herren mit Bierbauch und -dose am Strand von Malle. Es gestaltete sich mühsam.

Bis zu diesem Mittwochabend. Carola war schon ins Bett gegangen. Wie immer allein. Da erreichte sie eine Mail von einem nett aussehenden Mann passenden Alters, der bekundete, dass er ihr Profil interessant fand und gerne mehr von ihr erfahren würde.

Diese Mail entdeckte sie aber erst am Donnerstag, als sie wie beinahe jeden Morgen zur „Ernte“ ihrer Neuzugänge in ihr Liebes-Postfach schaute.
…..tbc… baldigst gibt’s mehr zu berichten.

Habt Ihr Ratschläge für Carola? Könnt ihr weiter helfen?

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Jubiläum der Völkerwanderung

Heute ist der 33. Jahrestag des Einmarschs meiner kleinen Truppe (6 Beine) auf westdeutschem Boden. Was für ein aufregender Tag damals. Traurig und freudig zugleich. Abschied vom alten Leben, der Kindheit, der Jugend, den Eltern, den Großeltern, der gewohnten „eingezäunten“ DDR Realität. Keine wirkliche Vorstellung von der neuen Heimat, und ob sie je eine werden würde. Klein Ossi-Alice im West-Wunderland. Wie ein Rausch kam das alles über mich. Ich wusste nicht so ganz genau wie mir geschehen würde.

ABER ich war es, die das genauso gewollt hatte. Darum kann und will ich keines Wegs klagen. Habe auch keinen Grund dafür.

Es war dennoch gut, dass ich damals nicht wusste, was auf mich zu kommt und was ich zurück lasse. Wie immer im Leben ist es besser alles optimistisch rankommen zu lassen und sich nicht allzu viele Gedanken vorab zu machen. Es kommt sowieso anders als man es erwartet. Das Leben ist bunter als man sich vorstellen kann. Viel bunter.

33 Jahre später sind alle Tränen von damals getrocknet. Die Großeltern lange tot und die Gräber mittlerweile sogar aufgelöst. Und die Lebenden, meine Eltern, sind mittlerweile hier her umgezogen. Das ist erst dieses Jahr passiert. Da haben wir die alten Bäume  so vorsichtig es geht hier her verpflanzt. Was nicht ohne Risiko war. Immerhin wurzeln manche nicht mehr woanders. Aber meine Eltern sind nach eigener wiederholter Aussage heilfroh, nicht mehr so weit weg vom Rest der Familie zu leben.

So sind jetzt vier Generationen vereint. Eltern-Kinder-Enkel-Urenkel. Zwar nicht in einem Ort oder Haus, aber im Umkreis von ca. 10 km. Und die Eltern erleben alles mit. Wie die Kleinsten aufwachsen, was sie für Schoten abfeuern und wie lustig es manchmal zu geht. Das ist beinahe ein Happy End. Wobei  das Ende von irgendwas sich noch lange nicht blicken lassen muss. Das wollen wir mal hoffen. Es ist gerade so schöööööön……

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