Einsam unter Menschen

Noch immer beschäftigt mich der Tod von Jona J. und ich komme nicht darüber hinweg, wie einsam er gewesen sein muss, trotz der vielen Menschen, die er kannte und mit denen er beruflich zu tun hatte.

Er war das, was man einen geselligen Menschen nennt. Zwar sehr feinsinnig, tiefsinnig und zart. Aber auch lustig, offen und ermutigend anderen gegenüber. Er war Coach und hat den Klienten in vielerlei Hinsicht geholfen. Selbst hochsensibel hat er andere gerade in dieser Hinsicht sehr unterstützen und fördern können. Das war seine Passion. Darin ging er auf. Er brachte auch Menschen zusammen und half bei deren Vernetzung, bevor er sich wieder neuen Kunden zuwandte.

Viele glaubten, ihn ganz gut zu kennen. Dazu gehöre ich auch. Doch es stellte sich nach seinem Tod heraus, dass es wichtige Lebensbereiche gab, von denen keiner von uns etwas wusste.

So wäre es um ein Haar passiert, dass er anonym bestattet worden wäre. Seine Frau starb vor beinahe genau einem Jahr. Natürlich wäre es in seinem Sinne, dass er neben seiner Frau seine letzte Ruhestätte bekommt. Aber wenn in der Hinsicht nichts geregelt und festgelegt ist und es vor allem keine Familienangehörigen in seinem Lebensumfeld gibt, dann….. wer sollte all das wissen??

Es ist eine wunderbare Fügung, dass gute Freunde von ihm sich zusammen getan haben und spontan und großherzig all diese notwenigen Schritte in die Wege geleitet haben. Es wurden zunächst sein Bruder gesucht, gefunden und informiert. Der hat es dann übernommen, die Mutter mit der schrecklichen Wahrheit zu konfrontieren. Da bestand wohl schon länger kein Kontakt mehr. Warum und wie lange …? keine Ahnung. Und es ist jetzt auch nicht mehr wichtig.

Genau diese Freunde sind nun dabei, eine Art Bilderalbum mit Geschichten um das Leben von Jona zusammen zu stellen. Dies soll die Mutter dann überreicht bekommen. Ich finde die Idee ganz wundervoll. Wäre ich seine Mutter, mich würde das sehr freuen und auch ein Stück weit trösten. Denn so wüsste ich doch, der Sohn war in einer Gemeinschaft zu Hause, die sein Leben bereicherte.

Trotzdem…. ich finde es traurig und mir wird wieder einmal bewusst, wie privilegiert ich bin, eine intakte Familie (4 Generationen) um mich zu haben. Jeder sorgt sich letztlich um jeden. Wir sind auch nicht immer einer Meinung und manchmal knarrt es gewaltig im Gebälk. Aber am Ende des Tages und auch hoffentlich am Ende meines letzten Tages sind wir füreinander da.

Und wieder einmal nehme ich mir vor, kleine oder auch größere Probleme mal wirklich unter die Lupe zu nehmen. Lohnt sich das? Muss ich mich darüber aufregen? Ist es nicht einfach nur Pillepalle, gemessen an den Sorgen, die andere haben??

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Jona J.

Heute Morgen fuhr mir ein großer Schreck in die Glieder.

Ich erhielt die Nachricht, dass ein langjähriger Freund verstorben ist. Und das schon Ende Oktober. Eine gemeinsame Freundin schrieb auf FB darüber und beklagte seinen Tod.

Das ist eine echte November Nachricht. Draussen ist es grau und kalt und es regnet. Die gerade noch sonnengelben Blätter liegen jetzt am Boden und gehen den Weg alles Vergänglichen. So wie der Freund. Ich weiss noch nicht, was ihm geschehen ist. Das werde ich heute im Laufe des Tages erfahren. Aber im Grunde ändert das dann auch nichts mehr. Jona J. ist gegangen.

Wir hatten viele Jahre zusammen. Beinahe 20. Anders als bei anderen Online Bekanntschaften haben wir uns auch persönlich getroffen und gemeinsam gute Zeiten gehabt. Wir haben zusammen gefeiert, getrunken, gelacht, gegessen, getanzt und sein wacher Geist, seine Hochsensibilität und sein Wortwitz haben mich immer wieder staunen lassen und köstlich amüsiert.

Wie jede(r) von uns, war auch Jona einzigartig. Nichts und niemand wird ihn ersetzen können.
Er wird mir wirklich fehlen. Was mir bleibt, ist die Erinnerung.
Und die werde ich hüten wie einen Schatz.
Da klafft jetzt eine Lücke, die niemand füllen wird.

Machs gut, lieber Jona.

Das war wohl sein letzter Blogbeitrag, veröffentlicht am Tag, als er starb.
https://exhalat.blogspot.com/2021/10/corona-krise-kein-gefuhl-und-keine.html

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Es ist mir unverständlich…..

Wie soll das denn auch funktionieren? Wir sollen/müssen/dürfen im Leben so Vieles bewältigen und das Meiste und vor allem, das Wichtigste, haben wir nie gelernt.

Es gibt für alles Kurse und Ausbildungen, frontal und digital, und dennoch werden die grundlegenden Fähigkeiten damit nicht abgedeckt. In der Schule lernen wir sehr viel darüber, was wir alles gefälligst sein lassen sollen und was wir uns abgewöhnen müssen. Ist das Kind brav, sitzt still und hält die Klappe, dann wird es als angenehm empfunden, ist beliebt und unauffällig. Es hört zu und hält seinen Bewegungsdrang so lange im Zaum, bis es den halbwegs verloren hat. Aber das ist noch ein anderes Thema…..

Nach der Schule oder noch vorher kommt dann das Interesse am anderen Geschlecht – huch nein!!!- es darf auch das gleiche sein. Schulthemen geraten dann oft etwas in den Hintergrund, woran natürlich nur die Hormone Schuld sind.

Was macht man in (Liebes)BEZIEHUNGEN richtig?
Wovon wäre abzuraten?
Soll man sich erst wild und frei ausprobieren?
Oder sich aufsparen für den/die Richtige?
Und dann?
Heiraten?
Sofort oder später?

Kinder – jetzt oder nie?
Oder vorher noch etwas Geld scheffeln?
Urlaub machen?
Die Sau raus lassen und dann erst die Schwangerschaften?

Den Beruf an den Nagel hängen?
Oder Kind und Karriere?
Geht beides?
Ist das gut?
Wenn ja, für wen?
Für mich und das Kind?
Oder nur für mich?

Wir machen all das so nach Gefühl. Aus dem Bauch heraus.
Oder tappen durch ungewollte Schwangerschaft in die Falle.
Oder heiraten, weil es vernünftiger ist?
Für alle…. nur nicht für mein Lebensglück?

Überredet anstatt überzeugt?

Es wird Zeit, dass wir Schulfächer bekommen wie „Lebensglück“ und „Elternschaft“.
Wie fördere ich mein Kind so, dass es meine Fehler nicht treu und brav wiederholt?

Denn das ist es ja im Grunde…..
Jeder von uns hat das schon gedacht:
Typisch meine Mutter!
Typisch mein Vater!!

Ich wiederhole die Geschichte.
Und wenn sie noch so ungut war.

Meine Kinder sollen es mal besser haben….. auch das trifft selten ein.

Ihr seht schon, ich analysieren die Fehler meines Lebens und möchte, dass es meinen Kindern und Enkeln mal besser gelingt.

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