Wie drücke ich mich vor dem Winter?

Winter
Wenn die Blätter von den Bäumen stürzen,
die Tage täglich sich verkürzen,
wenn Amsel, Drossel, Fink und Meisen
die Koffer packen und verreisen,
wenn all die Maden, Motten, Mücken,
die wir versäumten zu zerdrücken,
von selber sterben – so glaubt mir:
es steht der Winter vor der Tür!

Ich lass ihn stehen! Ich spiel ihm einen Possen!
Ich hab die Tür verriegelt und gut abgeschlossen!
Er kann nicht ‚rein! Ich hab ihn angeschmiert!
Nun steht der Winter vor der Tür – und friert!

H. Erhardt

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Drama tut gut

Seit vielen Wochen gibt es zunehmend schlechte Stimmung mit unserem Vermieter, dem auch die angegliederte Werkstatt gehört. Er behandelt seine Mitarbeiter unfair und es grenzt teilweise an Mobbing, was er so treibt. Er hat wirklich immer schlechte Laune und sieht alles, wirklich alles völlig negativ. Der Knüller ist, er sieht sich als Opfer der Umstände. Alle anderen sind die Bösen. Und sobald es Aussicht darauf gibt, dass er ein paar Tage weg ist – im Urlaub oder im Krankenstand – dann atmen alle auf und freuen sich. Manche Mitarbeiter haben bereits körperliche Symptome, Verspannungsschmerzen, dauernde Kopfschmerzen und Beklemmungen. Er schikaniert aber auch uns. Er hat uns nichts zu sagen bzw. keine Anweisungen zu geben, denn wir sind eigentlich nur Geschäftspartner.  Aber es wird zusehends schwerer mit ihm klar zu kommen. Denn er behindert unsere Arbeit und sein Verhalten ist nun mittlerweile geschäftsschädigend.

Seit genauso vielen Wochen gibt es täglich Gerede. Jeder redet mit jedem über seine Sorgen mit dem Chef oder Geschäftspartner. Nur keiner redet mit ihm. Da ich als letzte in dieses Gefüge hinein „geraten“ bin, ihn am wenigsten lang kenne, wollte keiner auf meinen Vorschlag eingehen mit dem bösen Buhmann zu reden. Offen und ehrlich. Das nämlich war mein Vorschlag. Immer und immer wieder. Sobald ich ein Grüppchen zusammen stehen sah und dazu kam, und hörte, dass es wieder nur dieses eine Thema gab, winkte ich ab und meinte: „So lange ihr euch hier die Köpfe heiss redet und keiner mit ihm selber offen redet, so lange wird sich hier gar nichts ändern. Im Gegenteil, es wird schlimmer und schlimmer.“ Alle winkten resigniert ab und meinten: „Du hast ja keine Ahnung. Der ist so! Den ändern wir nicht mehr. Daran haben sich schon andere die Zähne ausgebissen.“

Ich hatte gedacht, ich könne es ignorieren. Ich versuchte ihn nicht ernst zu nehmen, mich nicht über ihn zu ärgern und ihm aus dem Weg zu gehen. Ich konnte seine Verhaltensweisen nicht nachvollziehen und mir keinen Reim drauf machen, warum er so und nicht anders agiert. Um möglichst wenig Kontakt zu haben, brachte ich meine Autos mittlerweile schon in eine andere Werkstatt zur Reparatur. Denn über die Qualität seiner Arbeit, die Wartezeiten bis zur Fertigstellung und die anschließende Rechnungsstellung gab und gibt es auch immer wieder Diskussionen.

Nachdem ich neulich zehn Tage eine Auszeit genommen hatte und im Urlaub war, kam ich wieder ins Geschäft. Ich merkte, wie mir die Stimmung vom ersten Tag an aufs Gemüt drückte. Mehr und mehr. Gestern dann war ich mir sicher, dass ich das auf Dauer nicht aushalten würde. Allein die Gedanken an die Zustände im Job und das Zusammentreffen mit dieser Person, machte mir Herzrasen und Übelkeit. Meinem Sohn und unmittelbaren Geschäftspartner habe ich mich mitgeteilt, dass sich was ändern muss, oder ich bin zum Jahresende weg. Das habe ich gestern ganz klar gesehen. Ich war mir mehr als sicher. Wirklich keine leeren Worte.

Die Frau des Vermieters war gestern auch da. Sie hat bei früheren Gesprächsversuchen immer mal als Vermittlerin agiert. Sie kennt ihren Mann und seine sture Art. Wie ich erfahren konnte, hat sie selbst auch seit vielen Jahren darunter zu leiden. Ich hielt den Zeitpunkt für geeignet und so baten mein Sohn und ich um ein Gespräch. Sie meinte genervt: „Was gibts denn zu meckern?“ (an dieser Bemerkung sieht man auch deren grundsätzliche Einstellung) Dann ging es los. Es wurde richtig heftig, erst ruhig und sachlich begonnen, dann kam der Chef dazu und fing an rum zu schreien. Das ist nicht mein Stil, aber ich kann das auch. Schreit mich einer an, dann kann er nicht mit einer ruhigen Antwort rechnen. Die Wogen glätteten sich aber irgendwann wieder. Ich wurde als die hingestellt, die immer dramatisiert…… hm…….. schon klar. 😌 Früher habe es solche Diskussionen nie gegeben, so hieß es. Neeeeee, logisch! Da wurde auch nicht geredet. Die Mitarbeiter haben gekündigt und sind gegangen. Das war deren einziger Ausweg. Da an dem Standort für uns aber das Kosten/Nutzen Verhältnis recht gut ist, wollen wir eigentlich nicht weg. Deshalb…… Fight for your right!!!

Um es abzukürzen, am Ende haben wir eine schriftliche Vereinbarung getroffen (nur für unsere Geschäftsbeziehung, also nicht für seine Mitarbeiter) die alle offenen Punkte beinhaltet. Und wir haben Regeln aufgestellt, an die sich beide Seiten halten werden. Alle haben unterschrieben. Er und seine Frau, mein Sohn und ich. 

Unbeschreiblich, mein Bauchgefühl danach. Es war wie fliegen. Ich fühlte mich wirklich richtig befreit. Und ich bemerkte, dass auch der „Buhmann“ und seine Frau sowas wie ein Lächeln im Gesicht hatten. Kann ich mir auch eingebildet haben. Aber mir war so. Ich würde mir wünschen, dass auch die Mitarbeiter sich endlich trauen, mit ihm mal Klartext zu reden. Aber das ist deren Baustelle.

Die ganze Aktion passt ins Bild. Seit einiger Zeit bin ich mehr und mehr und immer besser in der Lage, meine eigenen Bedürfnisse zu erkennen und für sie einzustehen. Das ist neu. Früher habe ich mich viel zu oft in das Unvermeidliche gefügt und drunter gelitten. Doch hey, das hier ist meine Lebenszeit. Und die ist kostbar. Jeder einzelne Tag.

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Die Sache mit dem Migrationshintergrund

… kann auch von großem Vorteil sein. Für denjenigen und sein Umfeld.

Vorgestern hatte ich hier einen sehr jungen Kunden, der sich für eins meiner Autos interessiert. Seinem Namen nach hat er einen sog. Migrationshintergrund. Er kommt aus einer türkischen Familie. Dem Klischee entsprechende wollte er einen ps-starken gewaltig großen BMW kaufen. Damit würde er besonders bei seinen Kumpels schwer Eindruck machen. Bereits im ersten Gespräch ist mir positiv aufgefallen, wie höflich und respektvoll er sich mir gegenüber verhielt. Sanfte Stimme, sehr vorsichtig und zurückhaltend, immer den Kontakt haltend mit seinen rehbraunen Augen. Das fand ich ungewöhnlich. Meist erscheinen Jungs  dieses Alters hier im Rudel  mit Kumpels und machen ne ordentliche Welle. Alles absolute Experten und einer kennt sich besser aus als der nächste. Sie übertrumpfen sich gegenseitig mit ihren Meinungen und Beurteilungen. Manchmal bin ich froh, wenn die Diskussionen im Freien stattfinden, denn ich habe es schon erlebt, dass die jungen Männer meine Büroluft mit regelrechten Testosteronschwaden anreichern. Das ist dann nicht wirklich angenehm. Diesmal war nur ein älterer fachkundiger Arbeitskollege dabei, der dem potentiellen Käufer mit Rat & Tat zur Seite stand. Auch der passte jetzt ins Bild und war ein sehr angenehmer Zeitgenosse.

Den weiteren Verlauf der Verkaufsverhandlungen haben wir gestern per WhatsApp fortgesetzt.  Der Jüngling schickte mir Fotos seines abzugebenden Fahrzeugs, damit wir uns da auf einen Preis zur Inzahlungnahme einigen. Wir schrieben also ne Weile hin und her. Er hatte zunächst versehentlich ein paar falsche Angaben zur Erstzulassung gemacht und entschuldigte sich tausend mal für den kleinen Fehler. Es war eine Aneinanderreihung von vielen „könnten Sie bitte“ und „wäre es möglich“ …… „vielen Dank für ihr Verständnis“…… „entschuldigen Sie vielmals“ …. „verzeihen Sie meine Schusseligkeit“. Ich fand ihn einfach süß. Und das sagte ich ihm auch. Zwar nicht mit diesen Worten, aber eben doch klar und deutlich. Er bedankte sich für mein Lob und meinte: “ Das ehrt mich und freut mich sehr. Ein respektvolles und offenen, vor allem aber ehrliches Reden miteinander ist für mich sehr wichtig. So vermeidet man viele Probleme und Missverständnisse. So haben mir das meine Eltern beigebracht.“ Hach! Ich war ganz geflasht von dem Burschen. Und ich sagte ihm, er möge doch seine Eltern unbekannterweise von mir grüßen und ihnen ausrichten, sie hätten bei seiner Erziehung einen tollen Job gemacht.

Als ich mit breitem, zufriedenem Grinsen meine WhatsApp Nachrichten las, fragten mich die Kollegen von der Werkstatt, was denn los sei. Ich erzählte von dem Burschen und seiner netten Art. Kommentar der Männer: „Der muss schwul sein! So benimmt sich kein Mann!“

Ich war sprachlos. Kann das wahr sein? Nettes Verhalten, Höflichkeit und Respekt gelten als schwules Verhalten?? **kreisch** Wo sind wir denn? Ich find’s unglaublich. Wenn das so ist, dann bitte schön……… mein Wunsch: Mögen doch meinetwegen alle Männer so ein Verhalten an den Tag legen. Und wenn sie dann als schwul gelten….. Ich habe damit kein Problem.

Morgen kommt er wieder. Der nette Junge. Ich freue mich schon drauf. Und wehe einer quatscht ihn blöd von der Seite an!!!

Edit:  Er war da und hatte diesmal Mutter und Onkel im Schlepptau. Und sie haben das Auto letztlich gekauft. Sehr schön!! So soll das sein. Ne runde Sache ….auf 4 Rädern.

 

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