Worthülsen-Salat

Mein privater Aufreger der Woche.

Montagmorgen gegen 7 Uhr. Anruf von meiner Schwägerin aus Nigeria. Sie spricht mit ihrem Bruder, meinem Wildhüter. Das ist mir sehr recht, denn meine Zeit ist morgens exakt verplant. Es gibt kein Polster für Plaudereien. Lasse ich mich drauf ein, dass fehlt mir die Zeit anderswo. Und wenn ich eins nicht haben kann, dann Hektik am Morgen. Das versaut mir die Laune, vorallem wenn die Hektik vermeidbar ist. Wenn es nen wichtigen Grund gibt, morgens zu telefonieren, schön. Dann kann man es nicht ändern. Aber nur so? Nee, ohne mich.

Und heute kam er also mit dem Telefon auf mich zu. **kreisch** Er weiss genau, dass ich bissig werde, wenn mir morgens einer die Zeit stiehlt. Aber er versicherte, es wäre sehr wichtig.Na, da war ich ja mal gespannt. Die Schwester hatte eine Beschwerde, die sie loswerden wollte. Während der Wildhüter drei Monate lang in Nigeria war, hat sie mich mehrmals auf meinem Handy angerufen (ich weiss nicht wie oft) und ich habe das Gespräch nicht angenommen. Grund: Ich wusste wirklich nicht, dass sie es war.

Hintergrund: Leider ruft wirklich jeder Hans und Franz auf meinem Handy an. Das kommt daher, dass ich dummerweise 2007 mal einer Person aus der Großfamilie meine Nummer gegeben habe und derjenige hat sie „per Postwurfsendung“ verteilt. Und wenn ich nun die Vorwahl von Nigeria auf dem Display sehe, dann geh ich nicht ran. Außer der Meinige ist gerade dort. Und seine Nummer kenne ich natürlich auswendig.    Nun könnte der eine oder andere sich fragen: „Ach, was ist sie denn so hartherzig? Wenn die Leute doch nur mal nett fragen wollen, wie das werte Befinden ist? Was ist denn daran schlimm?“ Normal nix. Aber normal ist anders. Seit nunmehr 10 Jahren läuft die Konversation mit allen Mitgliedern der nig. Großfamilie immer, immer, immer wie folgt.  
Nigeria: Hallo, wie geht es dir?
Ich: Danke gut. Und dir?
Nigeria: Ja, mir geht es auch gut. Wie geht es deinen Kindern?
Ich: Meinen Kindern geht es gut.Was macht die Familie im Dorf? Wie geht es Mama?
Nigeria: Im Dorf ist alles fein. Sie sind alle gesund. Mama ist auch okay.
Ich: Das ist gut. Grüß mal alle schön.
Nigeria: Was machen deine Eltern?
Ich: Meinen Eltern geht es gut. Danke.
Nigeria: Was macht deine Arbeit?
Ich (schon leicht angenervt—vorallem wenn es Montagmorgen 7 Uhr ist): Auf Arbeit ist alles okay.
…..
……..
………..
(Schweigen, während man überlegt was man mal noch fragen könnte)
…..
……..
………..
Ich (um das Ganze abzukürzen): Okay, dann machs mal gut. Grüß die anderen von mir. Bis bald.
Nigeria: Danke, grüß auch schön. Tschüß    

Anfangs habe ich es noch gelassen gesehen. Da dachte ich mir, dass die mich einfach noch nicht genügend kennen, um großartig viel reden zu können. Und deshalb diese gestelzte Konversation. Aber so nach und nach stellte ich Fragen. Und mein Gegenüber ging nicht drauf ein oder stammelte rum oder so. Ich war verwundert. Fragte dann beim Wildhüter nach. Gerade wenn es um Probleme in der Familie ging, von denen ich durch ihn erfahren hatte. Er erklärte mir, dass sie (aus Respekt vor mir) mich nicht mit ihrem Problemen belasten wollten. Und wenn ich dann mal was erzählte, was außerhalb der oben genannten Worthülsenfamilie angesiedelt war, dann gab es nicht mehr als beklemmendes Schweigen in der Leitung. Das wurde dann von dem Wildhüter auch so verargumentiert. „Die sind es nicht gewöhnt zu telefonieren.“ Hä? Dann sollen sie es lassen. Oder??   Aber nein. Man(n) muss einfach hin und wieder anrufen. Das gehört zum guten Ton. Und vorallem, wenn (wie in meinem Falle) jemand längere Zeit auf sich selber gestellt und allein ist. Dann muss man mal fragen, wie es denn so geht.

Wäre da auch wirklich ein Interesse und ein echter Dialog, dann würde ich dem zustimmen. Aber nicht so. Auf dieses Spiel habe ich keine Lust mehr. Schon länger nicht. Wenn ich nun aber an einem trüben, regnerischen Montagmorgen in diese Spielchen verwickelt werden soll und dann noch (was ja mal erfrischend neu ist) Vorwürfe zu hören kriege, dass ich die Person nicht sprechen wollte und somit nicht den Call entgegen genommen habe—-dann funkt es aber in der Kiste.    Diesmal habe ich einfach wieder und wieder und wieder versichert, dass ich ihre Nummer nicht kenne und deshalb den Call nicht angenommen habe. Und ich weise darauf hin, dass ich in wenigen Minuten los muss zur Arbeit und ich jetzt aber wirklich keine Zeit mehr habe und ………Wenn sie dann sagt: „But you are supposed to know my number. I’m you sister in law……..“   
PENG—-DANN FLIEGT MIR DER DRAHT AUS DER MÜTZE.    

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6 Antworten zu Worthülsen-Salat

  1. Jouir la vie schreibt:

    Nun ja, wenn man das hier so als unbeteiligter liest, dann hört sich das ganze bschon recht witzig an…
    Sei lieb gegrüßt
    Kvelli

  2. marie418 schreibt:

    Ja, ich versteh dich – das geht mir mit vielen sinnlosen Telefonaten genauso, auch wenns Freunde sind, wenn man zu Hause arbeitet, wird das nicht verstanden … nicht das selbe, aber vom Druck her schon …

    Ich hab meine Lieben erzogen, vielleicht etwas brutal, aber so, dass sie sich jetzt gar nicht mehr trauen, anzurufen :mrgreen:

    Ob du das mit Nigeria so schaffst? Das ist schliesslich eine andere Sicht des Lebens. Schwierige Situation.

  3. nicky-neck schreibt:

    ein breites Schmunzeln liegt in meinem Gesicht und ich nicke ganz wild mit dem Kopf…
    Ja,ja, das kenn ich auch nur allzugut.
    Wir haben gerad unsere FN- Nummer geändert, weil unsere Nummer in N. rumgereicht wurde. Und leider alle möglichen Leut meinten Tag und Nacht anzurufen- wie gut das es in Afrika keine Uhren gibt und den Menschen dort keine (dt.) Höflichkeit beigebracht wurde (zumindest was die Telefonzeiten und abgemachten Termine betrifft).
    Und wenn man doch ausversehen rangegangen ist, ist das Anliegen meistens Geld.
    ;oc

  4. Anna-Lena schreibt:

    Da bist du nicht gerade zu beneiden.
    In Afrika tickt sicher so manche Uhr anders.

    Mitfühlende Grüße
    Anna-Lena

  5. Brigitte schreibt:

    Naja andere Länder, andere Sitten. Die meinen das ja nicht böse, aber ich kann verstehen, dass du dafür herzlich wenig Zeit und keine grosse Lust hast.

    Ich hab da mal ein afrikanisches Zitat gelesen, ich hoff ich geb das jetzt auch richtig weiter:

    ihr habt die Uhren, wir haben die Zeit.

    Ja, würde doch passen, oder?

    Liebe Grüsse
    Brigitte

  6. Chinomso schreibt:

    Ja Brigitte, das würde passen. 🙂
    Aber was mich schon traurig macht, ist die Tatsache, dass man nicht richtig an die Leute rankommt. Ein echtes Gespräch ist so nicht möglich.

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