Marion

Perfekt! Alles lief wie am Schnürchen. Das hätte sich Marvin damals in der Anfangszeit niemals träumen lassen, dass sich aus dieser so stressreichen Beziehung eines Tages die pure Harmonie entwickeln würde. Seit sechs Monaten waren er und Marion nun zusammen. Sie hatte gerade in den letzten Wochen einen kompletten Wandel durchgemacht. In der Anfangszeit war sie oft ziemlich widerlich zu ihm gewesen. Damals war es ihm manchmal so vorgekommen, als wenn sie ihn hasste. Was immer er wollte, das sie tun sollte, sie verweigerte es komplett. Er bemühte sich wirklich sehr um ein angenehmes Miteinander. Aber eins war ihm auch klar, “It takes two to tango“, sie waren aufeinander angewiesen, wenn es wirklich funktionieren sollte. Und so übte er sich in Geduld, brachte seine Wünsche wieder und wieder vor und hoffte auf ihr Verständnis. Schließlich verlangte er nichts Unmögliches. Seiner zugegeben etwas altmodischen Ansicht nach, sollte sie sich schon weitestgehend seinem Willen unterordnen. So hatte er es von seinem Vater gelernt. Und der war zeitlebens immer gut damit gefahren. Marvin war es schließlich, der wusste, was für sie beide gut war. Seine Absichten waren nur die besten. Würde sie tun, was er wollte, so konnte alles sehr harmonisch ablaufen und beide hätten Freude an ihrem Zusammensein. Ihr fehlte einfach die Lebenserfahrung und der Weitblick, über den er verfügte. Warum konnte sie ihm nicht einfach vertrauen und sich führen lassen? War das denn so schwer? Warum musste sie nur immer so schrecklich rumzicken? Wollte er rechts herum gehen, ging sie wie aus Protest nach links. Eine wirklich anstrengende Zeit damals. Marvin erkannte bald, würde es ihm nicht gelingen, sie zu überzeugen, dass er das Sagen haben musste, dann käme es früher oder später zum Bruch. Leider hätte das gerade für ihn weitreichende Konsequenzen. Sie würde bleiben wo sie war, aber er würde wegehen müssen, um woanders und mit einer anderen neu anfangen zu können. Manchmal war er echt mit den Nerven am Ende und bekam große Angst vor der Zukunft. Sie bedeutete ihm viel. Für ihn war sie nicht eine x-beliebige, oder gar austauschbar. Nein, sie war etwas Besonderes. Eben die Marion, seine Marion.

Glücklicherweise hatte sich jetzt, am Ende seiner Probezeit, alles zum Guten gewendet und er hatte den Job mit Marion sicher.  

Mein Beitrag zu Donnas Schreibprojekt im Mai.

Dieser Beitrag wurde unter Dies & Das, Projekte veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

22 Antworten zu Marion

  1. freidenkerin schreibt:

    Hervorragend!!! 😀
    Liebe Grüße!

  2. Donna schreibt:

    Chinomso!!!!! Einfach klasse, „deine Schnürchen“….

    Ja, manchmal ist es nicht einfach, alle Fäden in der Hand zu haben! Du machst es spannend bis zum Schluss.

    Liebe Grüße ins Wochenende hinein – Donna

    • chinomso schreibt:

      Echt? Hat es also geklappt mit der Spannung bis zum Schluß?
      Ich war mir nicht sicher, weil ich bei Schnürchen gleich daran denken musste.

      Freut mich.

      Dir auch ein schönes Wochenend.
      Mein Baby ist wieder daheim und ist gerade auf dem Balkon in der Sonne eingeschlafen. 🙂

  3. Ja, eine wirklich berührende und spannende Geschichte – bis zum Schluß. Etwas BESONDERES.
    Vielen DANK !
    Herzliche Grüße
    Doris

  4. BeaNeu schreibt:

    Hallo Chinomso!
    Meine Güte, das ist ja total klasse, tolle Idee. Ich war sehr überrascht über das Ende :mrgreen:
    Liebe Grüße :
    Beate

  5. chinomso schreibt:

    Herzlichen Dank Doris und Bea,
    und Willkommen auf meinem Blog.

    Ich finde es auch immer wieder spannend auf diese Weise neue Leute und deren Blogs kennen zu lernen.

    Ein Dank an Donna an dieser Stelle, die uns das möglich macht.

  6. Follygirl schreibt:

    Hat mir gefallen! Zuerst war ich auf einer falschen Spur, deshalb fand ich den Schluß besonders klasse.
    liebe Grüße, Petra I

    • chinomso schreibt:

      Ich bin heute bei einigen Geschichten auch schon in die Falle getappt. Das ist schon erstaunlich, wie sich die eigene Vorstellung auf Umwege macht.

      Ich geh dann gleich mal bei dir lesen. Hangel mich immer von oben nach unten durch die Geschichten. Ein echtes Vergnügen.

  7. Quer schreibt:

    Die Fäden der Geschichte sind echt toll gezogen. Mensch und Marionette kommen sich da sehr nahe …
    Ja, letztere sind nun mal nicht einfach zu beherrschen, da braucht es schon viel Übung und Geduld.

    Liebe Grüsse,
    Brigitte

  8. Sterntalerchen schreibt:

    Boah…Klasseeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeee

    eine tolle Geschichte..man erahnt zunächst etwas ganz anderes und dann der Schluss…bin einfach begeistert

    und das mit dem Foto das die Auflösung darlegt…geniiiaaaal

    ich wünsche dir einen schönen Sonntag
    und verbleibe als begeisterte Leserin deiner Geschichte

    ***** Sterntalerchen

  9. gori schreibt:

    Ja, das hat super geklappt mit der Spannung bis zum Ende. Und ich erahne eigentlich recht oft, dass mich noch ein Twist erwartet. Hier nun gar nicht und ich wäre beinahe so weit gewesen, mich innerlich fürchterlich über Marvin aufzuregen 😀

    Liebe Grüße,
    gori

    • Chinomso schreibt:

      Hähäää..kleines schadenfrohes Lachen.
      Der Satz, dass er ja nun mal das Sagen haben müsste, der hat schon Zündstoff.

      Sorry, aber das war Absicht.

  10. Lilie schreibt:

    Super Idee – klasse umgesetzt!!!!! Ich merkte beim Lesen, wie ich mich über Marvin aufregte … aber dann …
    Chapeau
    Iris

  11. april schreibt:

    Ja, es hat geklappt mit der Spannung bis zum Schluss. Ich habe wohl gedacht (von Anfang an – denn ein bisschen kenne ich dich ja), dass diese ‚Marion‘ aus der Überschrift keine echte Frau ist, aber auf eine Marionette wäre ich nie gekommen. Eine sehr feine Geschichte, gut erzählt und mit einer überraschenden Pointe.

    Ach ja, über Marvin wollte ich mich auch ein bisschen aufregen, aber im Nachhinein hat er wohl Recht 😉

  12. Himmelhoch schreibt:

    Genau wegen solcher „Wendungen“ wollte ich gleich 12.00 Uhr hier auf der (leider eingerollten) Matte stehen. Aber dann war ich im sonnigen Britzer Garten und schöne Story-Fotos geschossen.
    Kurzzeitig dachte ich, dass der Kerl was von Gehirnwäsche verstehen möchte, es aber nicht klappt – Gott sei Dank kam dann die Wendung, sonst wäre Chinomso nicht Chinomso!

  13. chinomso schreibt:

    Das ist mir immer die größte Freude, wenn es mir gelingt, die Leute ein wenig an der Nase herum zu führen.

    @alle, vielen Dank für euer Lob und eure Kommentare.

  14. Jorge D.R. schreibt:

    Mann, Chinomso!
    Das ist einfach gut.
    Das ist so gut.

  15. Donkys Freund schreibt:

    Genial um die Ecke gedacht und ebenso gut in die Irre geführt. Ich habe die Geschichte anschließend noch einmal überflogen… und sie stimmt immernoch!

  16. sayuris-exile schreibt:

    Genial, ich war auf dem völlig falschen Weg 🙂 Sehr spannend und schön geschrieben. Und toll kreativ umgesetzt. Herrlich, ich liebe es, wenn ich am Ende so überrascht werde 🙂

  17. Ruthie schreibt:

    Diese tolle Geschichte hab ich nun auch endlich mal gelesen! Klasse!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s