Montagsmemories °1°

Bei Kleines Strandgut habe ich eine Art Montags-Füller gefunden und mitgenommen. Und da man bis Dienstag abliefern darf, habe ich mir schnell mal zum Thema Brieffreundschaften ein paar unsortierte Gedanken gemacht, das in dieser Woche vorgegeben wurde.

Ich bin exakt seit der Zeit ein Brief-Freund, seit ich fast nur noch Mails bekomme. Leider sind die handgeschriebenen Briefe vom Aussterben bedroht. Sie sind schützenswert, denn sie sind Aufmerksamkeit oder gar Liebe zum Anfassen. Man kann sie wieder und wieder lesen, bei sich tragen wie eine Trophäe oder in einem geheimen Kästchen sorgsam verstecken. Sie bergen Erinnerungen und konservieren sie für viele Jahre. Manche Briefe leben länger als Sender und Empfänger und tragen Geschichte in neue Jahrhunderte. Wenn sie nicht eine längst vergangene Zeit, verstaubte Lebensumstände und verlorenes Glück beschreiben, dann eben Liebesrausch oder -kummer, Herzklopfen, Sehnsucht und Verlangen. Oder sie beschreiben Alltagsdinge, die Jahre später wie Märchen oder böse Träume erscheinen.

Briefe sind selten bunt. Aber ihr Inhalt umso mehr. Briefe werden spröde mit der Zeit und die Tinte verbleicht bis zur Unleserlichkeit. Aber dennoch bewahrt gerade der sie liebevoll auf, der von den Briefen an eine längst verblichene Liebe erinnert wird. 

All das kann eine Mail nicht leisten. Man kann sie auch auf Festplatten speichern oder auf CDs brennen. Aber das hat nicht den gleichen Zauber, den Briefe in sich tragen.

(P.S. Ich muss meinem Wildhüter mal wieder ein Klagelied singen über die Tatsache, dass er mir früher so wunderbare Briefe geschrieben hat und dies heute garnicht mehr tut. **schluchz** Den Inhalt habe ich damals noch nicht so ganz verstanden und mir teilweise mithilfe des Wörterbuchs zusammen gestückelt, weil mein Englisch damals erbärmlich war. Aber die Briefe haben mir Herzklopfen beschert. Und das lag nicht nur am Inhalt alleine. Nein, sie waren in einer 1a Schönschreibschrift geschrieben und dann auf Origami-Art befaltet. Hach, das schwelg ich gleich wieder in Erinnerungen. **schmelz** Heute Abend werde ich sie wieder raussuchen und dran herum schnüffeln.)

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9 Antworten zu Montagsmemories °1°

  1. Träumerle Kerstin schreibt:

    Hihi – der letzte Satz ist gut, da muss ich schmunzeln. Ich hab noch eine Glückwunschkarte von meiner Oma zur Geburt unseres Sohnes, der wird gleich 20. Sie besuchte mich damals, als ich grad aus der Klinik heim kam. Am Sonntag ist sie dann nach Hause gefahren und in der Nacht zu Montag friedlich eingeschlafen.
    Diese Karte nehme ich immer wieder mal in die Hände und betrachte sie einfach so, in Gedanken bei meiner Oma.
    Liebe Grüße von Kerstin.

    • chinomso schreibt:

      Kerstin, was für eine besondere Karte!
      Genau das meine ich. Das ist nicht nur ein Stück Papier. Ich freu mich für dich, dass du diese Karte hast.

  2. Blümchen schreibt:

    *seufz*
    Wie romantisch :o)

  3. VEB wortfeile schreibt:

    oh ja, aber briefe können / konnten noch viel mehr. eines meiner lieblingsbücher ist das hier:
    http://www.weidleverlag.de/buch.php?vorname=Peter&nachname=Crane

    ein briefwechsel zwischen einer jüdischen tochter auf der flucht vor den nazis mit ihren verwandten (vorwiegend der mutter). darin wird geschichte erlebbar. gelegentlich hat der sohn ein kapitel mit den damaligen ereignissen eingefügt, um den zusammenhang herzustellen. die tochter versucht, ihre ganze familie nach amerika zu holen und freunde auch. ein wirklich bewegender briefwechsel, in dem auch der alltag lebendig wird.

    wie wollte man einen solchen gedankenaustausch mit mails rekonstruieren? das stelle ich mir wesentlich aufwendiger vor. und die inhalte waren damals auch oft noch anderer natur. ich kann gut verstehen, wie sehr du an den briefen des wildhüters hängst. und schnüffeln an den dingen, das finde ich sowieso gut ;-).

    ich bedanke mich hier und passenderweise auch ganz herzlich für deine post aus moskau. das gum im westlook mag ich mir gerade nicht vorstellen. aber es war/ist schön, von dir zu lesen und bedacht zu werden.

    einen schönen abend, liebe chinomso!

  4. tonari schreibt:

    Ich habe mich heute auch wie doll und verrückt gefreut, mal wieder einen handgeschriebenen Gruß erhalten zu haben. Solche Briefkastenfüller sind inzwischen schon etwas Besonderes geworden. Vielleicht mag sie manch einer nicht zu schätzen wissen, aber ich bin da ganz romantisch veranlagt: Hey, da hat sich jemand nur für Dich ein wenig Zeit genommen, eine Karte ausgesucht und „handgedruckt“. Danke für die открытка aus Moskau.

  5. Ruthie schreibt:

    Ich liebe „echte“ Briefe auch, schreibe aber seit PC-Zeiten viel zu selten welche. Früher hab ich auch tolle Liebesbriefe bekommen – die gibt es noch, aber ich kann sie aus diversen Gründen nicht lesen…

  6. Pingback: ..welch Freude…. « promocia

  7. Gedankenkruemel schreibt:

    Heute habe ich eine wunderschöne Überraschung bekommen
    Ich habe mich riessig gefreut liebe Iris.
    Danke dir ganz ganz herzlich meine Liebe. Du hast mir damit eine
    sehr grosse Freude bereitet.
    Handgeschriebener Gruss ist eben etwas besonderes.

    Hach ja, Briefe und auch Postkarten, ich liebe sie.
    Früher habe ich viel Briefe geschrieben, leider hat das seit
    dem I-Net nachgelassen.
    Schade, denn handgeschrieben ist persönlicher
    finde ich.

    Was für schöne und romantische Erinnerungen
    diese Briefe von deinem Wildhüter sind.

    herzliche Grüsse
    Elke

  8. april schreibt:

    Wunderbare Gedanken zum Briefeschreiben. Tja, so praktisch die Mails auch sind, der Charme ist weg, selbst wenn man sie ausdrucken würde.
    Dein Wildhüter und du, ihr seid ja öfters getrennt, da würde es sich tatsächlich anbieten, sich zu schreiben. Wir hier, von Zimmer zu Zimmer, das hat keinen Zweck. Hach, was war das früher schön …

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