°Teil 8°- Russlandreise

Nach dem Ende der Bootsfahrt hatten wir noch einmal Zeit zur freien Verfügung. Raissa setzte uns im Moskauer Viertel „Alter Arbat“ ab. Sie hatte scheinbar wenig Vertrauen in unser Orientierungsvermögen und erklärte wieder und wieder wann und wo wir uns wieder treffen würden, um gemeinsam zu „unserem Schiff“ zurück zu fahren.

Der Alte Arbat könnte eines Tages, wenn es sehr gut läuft, mal das Montmartre Moskaus werden. Es ist eine Fußgängerzone, die unter Denkmalschutz gestellt wurde, weil es schöne alte Häuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert gibt, die in einem hervorragenden Zustand sind. Wir sind dort in der Mittagszeit herum gelaufen und es war wirklich wenig los. Außer den immer und überall präsenten Straßenhändler, die recht geschmacklose Souvenirs anbieten, war kaum einer da. Auch keine Straßenmaler, Gaukler, Jongleure oder andere Künstler, die man dort laut Reiseführer gewöhnlich finden kann. Die sind dann wahrscheinlich eher am Abend und bis in die Nacht hinein da. Kurz und nicht gut, ich hatte mehr erwartet, nachdem was ich drüber gelesen hatte. Dennoch konnte ich ein paar Schnappschüsse machen, die ich euch nicht vorenthalten möchte.

Alt und neu dicht beieinander.

Das „Hardrock Cafè Moskow“ befindet sich hier auch.

Es gab dort auch schöne kleine Lädchen, wo man sowas hier kaufen konnte.

Einen besonderen Platz, die Gedenkstätte für das 1990 im Alter von 28 Jahren verstorbene Jugend Idol, den Rockstar Wiktor Zoi, entdeckten wir am Alten Arbat mehr oder weniger per Zufall. Grafitti sieht man sonst in Moskau eher selten.

An manchen Fassaden fand man außen solche Gemälde.

Irgendwann war unsere Zeit um und wir nahmen erst Abschied vom Alten Arbat und  später dann auch von Moskau.

Am Nachmittag gegen 14:30 Uhr verließen wir also Moskau und machten uns auf den Weg gen Norden. Die „Novikov Proboi“ sollte zunächst 10 Stunden lang den 125km langen Moskwa-Wolga Kanal befahren, um zum Fluss Wolga zu gelangen. Der Kanal, der 44km länger als der Panama Kanal ist, wurde im Jahre 1937 nach nur 5 Jahren Bauzeit (durch den Einsatz von sehr vielen Strafgefangenen) für den Verkehr frei gegeben (zum Vgl., die Bauzeit des Panama Kanals betrug 30 Jahre). Er verbindet nicht nur die Stadt Moskau mit der Wolga, er dient seither auch als ein zusätzlicher und recht kurzer Verkehrsweg in den hohen Norden. Weiterhin versorgt der Moskwa-Wolga Kanal die Großstadt mit ausreichend Trinkwasser. Und last but not least wird der Kanal durch den Einsatz von Wasserkraftwerken auch für die Stromversorgung der Millionenstadt Moskau genutzt. Er ist im Durchschnitt 5,5m tief und 85m breit und kann von Schiffen bis 18.000 Tonnen befahren werden.

Wir schauten bei Ausfahrt aus Moskau den Moskovietern beim Baden zu. Die russischen Begleiter auf dem Schiff erzählten, dass das Baden im Kanal sonst nicht so besonders beliebt wäre, weil das Wasser doch recht kalt sei. Aber in diesem Sommer war alles anders. Es war seit Wochen so enorm warm, dass der Kanal schönes warmes Wasser führte. Leider zeigte dieser Jahrhundert-Sommer, der angeblich der heisseste seit 1933 gewesen sein soll, sein anderes und grausames Gesicht. Denn ungefähr 10 Tage später setzten die verheerenden Wald- und Torfbrände ein.
 
Aber an diesem sonnigen Sonntag war die Welt noch in Ordnung. Wir sahen alle paar Meter Leute in Badesachen ins Wasser steigen, am Strand Party machen. Immer wieder zeigte der Rauch von Grills an, dass die Sommerfrischler den arbeitsfreien Tag bei einigen Würstchen und ner Flasche Bier genießen wollten. An einer Stelle sahen wir im Vorbeifahren einen grauen Anzug mitsamt Krawatte und weißem Hemd auf einem Bügel am Baum hängen. Da hatte sich wohl einer gleich nach (oder vor?) der Arbeit auf den Weg zum Wasser gemacht.   

An Bord passierte in den folgenden Stunden nicht viel. Dafür passierten wir mit dem Schiff auf den kommenden 74km insgesamt 6  Schleusen gleicher Größe und Bauart. —für die, die es interessiert—- Es handelt sich dabei um Einkammerschleusen von 290m Länge, 30m Breite und 5,5m Tiefe. Dabei überwand „unser kleines Boot“ jeweils Höhenunterschiede zwischen 6 und 11 Metern. Während einer Schleusung müssen bei 8m Höhenunterschied ca. 70.000 Kubikmeter Wasser aus der geschlossenen Schleuse heraus gelassen werden, um den niedrigeren Wasserstand zu erreichen.  Technisch interessierte Passagiere konnten in den kommenden Stunden um 19:00 Uhr die 40-minütige Passage der Schleuse Nr. 6 beobachten, um 20 Uhr Schleuse Nr. 5, um 21:40 Uhr Schleuse Nr. 4, um 23 Uhr Schleuse Nr. 3, um 03:30 Uhr Schleuse Nr. 2 und endlich dann um 05:35 Uhr war der letzte Schleusengang durch die Nr. 2 dran. Dann konnte der Technik-Freak schlafen gehen.
Ich schaute mir die ersten beiden Schleusungen an, dann hatte ich ausreichend gesehen, wie sowas geht. Und damit gut.

Auch wenn es am Morgen kein Ausflugsprogramm geben würde, auf die dämliche Laberei des Herrn Chef-Reiseleiters war Verlaß. Die kam immer. Und auch für Montagmorgen war der Weckruf auf 7 Uhr angesetzt. **grrrrrrmpfffffff** Also gingen wir brav gegen 23 Uhr in die Heia.     

 

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Dies & Das, Reisen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

6 Antworten zu °Teil 8°- Russlandreise

  1. Danke für’s Mitnehmen!

  2. april schreibt:

    Das mit der Schleuserei ist nur die ersten Male interessant, danach wird’s langweilig und langwierig. Danke auch für die Mühe, uns mit Informationen zu versorgen. Ich wusste gar nicht, dass es einen solchen Kanal gibt und welch‘ vielfältige Funktionen er hat.
    Einen guten Start in den Montag,
    April

  3. Audubon Ron schreibt:

    Hard Rock Cafe – Russia? Great photos.

  4. Gedankenkruemel schreibt:

    Die Info mit der Schleuserei fande ich interessant.
    Ist ja ein riessen Unterschied zwischen diesen und
    den hier, was Höhe breite und Kubikmeter Wasser
    etc betrifft.
    Danke das du dir die Mühe gemacht hast, auch davon
    zu berichten.

    Und natürlich danke wieder fürs mitnehmen.
    Liebe Grüsse
    Elke

  5. minibares schreibt:

    Wieder so herrlich lebendig geschrieben, es macht Spass, dich zu begleiten.

    Sooo viele Schleusen, meine Güte. Interessant ist sowas ja, aber bei so vielen, da lässt das Interesse dann wirklich nach 😉
    Schöne Fotos, wie immer ♥

  6. Träumerle Kerstin schreibt:

    Hab jetzt erst mal alles nachgelesen, bin in den letzten Tagen nicht dazu gekommen.
    Toll, wie Du das alles beschreibst.
    Liebe Grüße von Kerstin.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s