Von Kolanüssen, Ogu Blättern, Alligator Pepper & Malaria

Wie versprochen mal ein kleiner Report darüber, was mein Wildhüter so alles aus Nigeria mitgebracht hat. Da wären zunächst Kolanüsse. Hier auf dem Foto rot und beige. Die bietet man an, wenn Besucher kommen. Es gibt dazu ein Kolanuss Ritual.

Für die, die es interessiert, hier mal zur Erklärung, wie so was abläuft, ein Rückblick in das Jahr 1999, als ich im Dezember bei unserem Aufenthalt in Gabun diese Zeremonie zum ersten Mal miterleben durfte. Wir waren im Hause von Sabinus und seiner Familie. Er ist wie Pascal Igbo und als Gastgeber ist er der Tradition nach verpflichtet für Besucher in seinem Haus diese Kolanuss-Zeremonie durchzuführen.

Der Hausherr brachte zu unserer Begrüßung auf einem kleinen Teller zwei Kolanüsse. Er fragte mich, ob ich wüsste was das sei. Ich erzählte ihm, dass ich über dieses Begrüßungsritual schon im Buch „Things fall apart“ von dem nigerianischen Schriftsteller Chinua Achebe gelesen hatte. Sabinus strahlte und sagte, dass es ihm gut gefalle, wie ich mich für die Traditionen der Igbos interessiere. Und er entschuldigte sich, dass ihm der Palmwein ausgegangen war, der eigentlich auch zu dem Ritual dazu gehört. Dem Brauch nach sollte der Hausherr den Gästen mindestens zwei Kolanüsse und dazu Palmwein anbieten.

Zunächst nehmen nur die männlichen Besucher an dieser Zeremonie teil. Und zwar gibt der Hausherr eine ganze Kolanüsse dem ältesten Besucher mit, damit der später bei sich zu Hause berichten kann, das er bei dieser Igbo-Familie würdig empfangen wurde. Die zweite Kolanuss überreicht der Hausherr auch dem ältesten Besucher. Dieser Mann gibt die Nuss dann immer an denjenigen weiter, der mit ihm am nächsten verwandt ist. So können alle Anwesenden etwas über die Beziehungen der Anwesenden zueinander erfahren. Nach den Verwandten sind die Bekannten dran und wenn der letzte der Besucher diese Nuss in der Hand hatte, gibt er sie wieder zurück an den Hausherrn. Der spricht anschließend ein Gebet, bevor er die Nuss mit einem Messer in kleine Stücke zerteilt und jedem der Anwesenden ein Stück gibt. Hier kommen dann die Frauen wieder ins Spiel, da sie nun auch jeweils ein Stück erhalten. Alle kauen die Kolannuss und manchmal wird dazu auch sogenannter Aligator-Pepper angeboten. Das sind kleine Pfefferschoten, deren Inhalt aussieht wie das Innere von Hagebutten, winzige rote, haarige Kügelchen. Diese Kügelchen sind sehr scharf und man kaut sie mit der Kolanuss zusammen und dabei entsteht dann ein süßlicher Geschmack im Mund.

Manchmal wurde uns aber auch eine braune Paste angeboten. Die besteht aus verschiedenen Sorten gemahlener Nüsse, ist scharf gewürzt mit Pfeffer und man isst sie ebenfalls zusammen mit der Nuss. Ich habe während meines Aufenthalts in Gabun und Nigeria gemeinsam mit Pascal sehr viele Igbo-Familien besucht und musste somit viele Colanuss-Stückchen essen. Ich sage ganz bewusst “musste“, weil ich den Geschmack eher unangenehm finde. Die Colanuss schmeckt bitter und hinterlässt ein trockenes Gefühl im Mund. Aber es gilt als sehr unhöflich, diese Geste der Gastgeber abzulehnen und so habe ich mich bemüht, diesen alten Brauch zu akzeptieren. Nicht zuletzt auch Pascal zuliebe. Er war deshalb sehr stolz auf mich und hat mir gesagt, dass ich dadurch bei seinen Leuten viele Sympathien gewonnen hätte. Es gilt gerade für Ausländer, und vor allem für eine Weiße wie mich, als besondere Ehre, so begrüßt zu werden. Das bedeutet, dass man wirklich willkommen ist und als neues Mitglied der Gemeinschaft angenommen und akzeptiert wird. Und das ist schließlich keine Selbstverständlichkeit.

Hier mal eine Nahaufnahme vom  Alligator Pepper.
Innen sieht die schrumpelige Samenkapsel so aus.

Die Kolanuss enthält soviel Koffein, dass man sie durchaus als Aufputschmittel nutzen kann.  Da ich das damals noch nicht wusste, war ich überrascht, nach dem übermässigen Genuss während der vielen Familienbesuche, am Abend nicht einschlafen zu können.

Als nächstes möchte ich euch die (weniger fotogenen) Ogu-Blätter vorstellen, die man als Würzmittel für Fleisch- und Fischgerichte benutzt. Ogu Blätter gehören zu den Basics der nigerianischen Küche. Sie sehen getrocknet aus wie schwarzer Tee und schmecken im Essen dann auch so ähnlich., ein bisschen bitter. Man muss also bei der Dosierung vorsichtig sein, wenn man zuviel nimmt, dann bekommt man so ein pelziges Gefühl auf der Zunge. Jeder kennt das von zu starkem Schwarztee.

Weiter gehts mit Erdnüssen. Sicher werdet ihr denken: „Und? Was soll daran denn so besonders sein?“
Diese hier sind frisch, weder gekocht noch geröstet. Das seht ihr an dem Keimlich, der hier schon vorwitzig raus schaut. 

Die Erdnüsse sind innen richtig pink und schmecken herrlich frisch wie frische Erbsen aus der Schote. Da wir davon mehr haben, als wir auf die Schnelle essen können, werde ich morgen mal welche mit ins Büro nehmen. Die Kollegen haben alle Kinder und ich möchte denen mal den Geschmack von frischen Erdnüssen gönnen. Einige Erdnüsse werde ich aber auch einpflanzen. Denn ich möchte probieren, ob ich Erdnussbüsche ziehen kann. Ich werde berichten. 

Damit verlassen wir die Lebensmittel Abteilung der Mitbringsel. Hier eine Zusammenstellung der DVDs mit Filmen und Music Clips, die man in Nigeria für weniger als 1€/Stck. kaufen kann. Auf eine CD sind mehr als 100 Clips oder bis zu 21 Kinofilme.

Bei den Filmen sind auch wieder solche unsäglichen Nollywood -Produktionen dabei. Ich muss immer mein Lästermaul zügeln, wenn diese Filme laufen. Mein Wildhüter mag diese Schmalzschinken und ich kann sie nicht ertragen. Soviel Kitsch und künstliches Drama ist einfach zuviel für mich. So schaut er die Filme meist dann, wenn ich nicht zu Hause bin. Dann muss er meinen Hohn nicht hören. 🙂 Die Music Clips dagegen sind ganz nett. Die kann man so nebenher laufen lassen wie MTV oder Viva.

Und nun —last but not least— noch ein schönes Mitbringsel für mich. Parfum, gekauft in Paris, der Stadt der Liebe.

Heute Morgen erwähnte der Wildhüter, was er sich selbst als Mitbringsel mitgebracht hat. Er sagte: „Ach ja, was ich noch sagen wollte. Ich habe Malaria! Ich nehme meine Medikamenten noch für ein paar Tage und dann ist es überstanden.“

Er ist immer für Überraschungen gut. So wird mir wirklich nie langweilig.

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22 Antworten zu Von Kolanüssen, Ogu Blättern, Alligator Pepper & Malaria

  1. nicky-neck schreibt:

    „Ach ja, was ich noch sagen wollte. Ich habe Malaria!“
    Europäer kriegen ´nen schreck. Afrikaner nehmen es wie einen kleinen Schnupfen.
    Wobei ich auch weiss das die es manchmal ach nicjht so leicht wegstecken…
    vor ein paar Jahren kam auch ein Freund mit Malaria wieder und sah furchtbar aus und die Ärzte von hier haben ihn erstmal in Quarantäne gesteckt.
    Na, da is ja nur gut, das die OP verschoben wurde und es rechtzeitig mitbekommen hat.
    Bekommt er eigentlich Voll- oder Teilnakose?? Oder nur lokale Betäubung??
    VLG
    P.S. Seine Mitbringsel sind echt schön- wobei mein Mann warscheinlich auch auf die Music-CDs und Filme abfahren würde.
    Das Parfüm sieht auch „lecker“ aus- aber das wichtigste ist: es ist aus der Stadt der Liebe von deinem Liebsten ;oD

    • chinomso schreibt:

      Ich seh schon Nicky, wir verstehen uns.
      Wenn wir uns jemals treffen sollten, dann müssen die Männer dabei sein. Dann haben sie genügend Themen und wir auch.

      Die OP wird mit Vollnarkose sein.

      • nicky-neck schreibt:

        Falls ich nicht mehr (die nächste Woche)dazu komme: Ich wünsch ihm viel Glück und das er alles gut verkraftet. Und dir natürlich starke Nerven.

  2. VEB wortfeile schreibt:

    hätte der wildhüter nicht die malaria am zoll abgeben sollen ;-)? alligator und kola sind schließlich durchgewunken worden.

    die früchte/gewürze sehen sehr schön aus, so warme farben. ganz frische erdnüsse habe ich auch noch nie gegessen. wenn du schreibst – so ähnlich wie erbsen aus der schote, habe ich wenigstens ein vorstellung davon.

    ich habe heute bei dir wieder viel über fremde kulturen gelernt. mir sagte dieses ritual gar nichts. aber ich nehme an, als fremder muß man sehr darauf bedacht sein, die traditionen zu wahren und vieles geduldig zu ertragen bzw. sich mit dingen zu arrangieren, die man sonst nicht tun würde.

    ich wünsch dir einen schönen abend!

    ps: wenn du morgen den neuen duft auflegst, dann wird dich der wildhüter ja auch ein bißchen ins büro begleiten :-).

    • chinomso schreibt:

      **grins** Ja ja die Traditionen und Rituale. Wenn es mir zu heftig wurde, habe ich auch schon mal auf „sterbenden Schwan“ gemacht und Magenschmerzen vorgegaukelt, wo garkeine waren. Einmal sollte ich einen sog. afrikanischen Salat essen. Der sah aus und roch wie Tannennadeln in Öl schwimmend. Und da schwammen Stücke von gekochter Schweineschwarte drin. Da dachte ich, ehe es dann zum Lebensmittel-Auswurf kommt, esse ich lieber nix. Und Pascal hat allen gesagt, mir wär nicht so gut. Ich könne nix essen.

      Ich wünsche dir auch ne schöne Woche.

  3. fudelchen schreibt:

    Na klasse…Malaria als Mitbringsel…oh, kenne mich ja nicht so aus, deswegen wäre es für mich schon fatal.
    Deine Geschenke aus der Stadt der Liebe sind aber wirklich mit Liebe gekauft.
    Ich gehe mal davon aus, daß Du die Gewürze und sämtlichen Dinge auch verarbeitest, bzw. zum Würzen nutzt ?
    Für mich alles ganz neu, ganz faszinierend…so einen Wildhüter hätte ich gerne, aber meiner hütet wohl bald die Klinik 😦

    GLG Marianne 🙂

    • Chinomso schreibt:

      Marianne, ich koche recht wenig mit diesen Gewürzen. Das macht mein Mann, der für die afrikanische Küche zuständig ist. Und wenn er zuviel davon ans Essen gibt, dann streike ich und esse nichts mit. Aber das weiss er schon. 🙂

      Mein Wildhüter hütet auch bald die Klinik. Genauer gesagt, ab dem 07.09.10 Zum Glück nur für wenige Tage (wenn alles gut läuft) Alles Gute für deinen Hüter.

  4. Anna-Lena schreibt:

    Andere Länder, andere Spezialitäten ;-).
    Toll, was er da alles mitgebracht hat, wobei mir die kulinarischen Dinge nicht unbedingt zusagen.

    Die Malaria hätte aber nicht sein müssen, oder? Kann er dich damit anstecken?
    Ich wünsche ihm jedenfalls gute Besserung.

    • Chinomso schreibt:

      Mir sagen einige der Dinge auch weniger zu. 🙂 Aber das macht ja nichts. Ich muss zwar alles wissen, aber nicht alles essen.
      Mit Malaria kann man sich (meines Wissens nach ) nicht anstecken. Es ist nicht wie eine Grippe, auch wenn es einen ähnlichen Verlauf gibt. Schlappheit, hohes Fieber etc.

      Danke für die guten Wünsche.

  5. Jorge D.R. schreibt:

    Habe deinen Beitrag mit großem Interesse gelesen.
    Gruß Jorge D.R.

  6. paradalis schreibt:

    Wenn man sich so überlegt, gegen welche Krankheiten man sich vorsichtshalber impfen lässt, bevor man in ein fremdes Land reist … sind wir vielleicht empfindlicher? Ängstlicher?

    Deinen Bericht habe ich mit großer Freude gelesen, schön, dass dein Wildhüter dich noch immer überraschen kann.
    Das ist toll!

    Ich wünsche euch einen schönen Wochenbeginn,
    weiterhin Guten Appetit und alles Liebe.
    🙂

    Herzliche Grüße
    Heike.

    • Chinomso schreibt:

      Heike, wir sind auf alle Fälle ängstlicher und bestimmt auch anfälliger für diese Krankheiten. Ich gehe da niemals ein Risiko ein. Im Alltag nehme ich außer ner Kopfschmerztablette nix ein, aber vor Reisen lasse ich mich grundsätzlich durchimpfen. Leider gibt es für Malaria aber keine Impfung, nur Tabletten zur Vermeidung einer Infektion. Nur einnehmen muss man sie halt.

      Dir auch eine schöne Woche.

  7. april schreibt:

    Die Erdnüsse und das Parfüm, die nähme ich dann auch 😉 Alles andere, na ja, schon gar nicht die Malaria. Aber wenn dein Wildhüter so zuversichtlich ist, dann wird es schon wieder schnell in Ordnung kommen. Gute Besserung ihm,
    Ingrid

  8. Gedankenkruemel schreibt:

    Erdnussbüsche wäre toll wenn dir das gelingt.

    Malaria steckt zwar nicht an, aber meist
    kommt sie leider ab und an wieder, wenn
    man sie im Körper hat.

    Danke für deinen Bericht,
    war sehr interessant zu lesen.
    Herzliche Grüsse an euch beide,
    auch an deinen Wildhüter.

    Elke

  9. Träumerle Kerstin schreibt:

    Ist das schön, dass Dich Dein Wildhüter nach so vielen gemeinsamen Jahren immer noch mit kleinen Geschenken überrascht. Nur Malaria muss nicht sein. Ich hoffe für euch, dass es ihm bald wieder richtig gut geht und die OP bald wieder vergessen ist.
    Alles Gute, liebe Grüße von Kerstin.

  10. minibares schreibt:

    Oha, Malaria. Nun, er kennt sich offensichtlich aus. Ich nicht.
    Das ist ja echt eine Sache mit diesen Begrüßungen. Ich weiß nicht, ob ich das so durchgehalten hätte mit diesen Nüssen….

    Und oooh, Parfum, damit wünsch ich dir viel Freude.

    Jedoch geht Parfum bei mir üüüüüüüüüüberhaupt nicht. Vertrage es einfach nicht, bekomme sogar halbseitige Migräne davon, auch wenn ich sonst nie Migräne habe.

  11. freidenkerin schreibt:

    Sehr exotische Mitbringsel. Und sehr interessante… Außer der Malaria natürlich…
    Es gäbe unweit der Afrikanischen Atlantikküste eine Seeanemone, die einen Wirkstoff in sich hat, der Malaria heilen würde, richtig und wirklich heilen. Aber weil Malaria nach wie vor als Arme-Leute-Krankheit und Krankheit der Entwicklungsländer gilt, kümmert man sich weder um die Forschung noch um das Entwickeln eines einzusetzenden Präparats. Der zu erwartende Reibach wäre zu gering…
    Liebe Grüße!

    • chinomso schreibt:

      Wenn mit der Klimaerwärmung die tropischen Temperaturen hier auch bald Einzug halten, dann bekommen wir auch all die „netten“ Krankheiten. Und dann werden sich garantiert die Pharma Riesen gegenseitig übertrumpfen, wer das Malaria Mittel eher auf den Markt bringt. Die sitzen sicher schon dran.

      • freidenkerin schreibt:

        Gut möglich. Ich habe diese Information aus dem Buch „Nachrichten aus einem unbekannten Universum“ von Frank Schätzing, welches er vor einigen Jahren quasi als Sachbuch-Ergänzung zum „Schwarm“ geschrieben hatte…

  12. Ruthie schreibt:

    Ob er denn überhaupt operiert wird, wenn er gerade Malaria hatte?

    Schöne, fotogene Mitbringsel sind das!

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