Montagsmemories °° Keller °°

In loser Folge angle ich mir eins der Themen der Montagsmemories von Angela raus und bringe es an Land. Heute das Thema Keller.

In meiner Kindheit verbrachte ich sehr gerne möglichst viel Zeit in den Ferien bei meiner Oma. Sie lebte  viele Jahre in einer sehr bescheidenen Einzimmerwohnung, die nur aus einem Schlafzimmer und einer Wohnküche bestand. Der Keller war ein regelrechtes Gewölbe, fast schon eine Grotte. Er war extrem dunkel und feucht. Es roch dort wie in einer Höhle, ein wenig muffig, aber nicht direkt ekelhaft. Eben nach Keller. Da meine Oma mehr als die Hälfte ihres Lebens keinen Kühlschrank besaß, diente der Keller zur Aufbewahrung aller verderblichen Lebensmittel, wie Butter, Wurst, Käse, Fisch, Fleisch und Milch. Aber auch Kartoffeln und sonstiges Gemüse wurden dort teilweise in mit Sand gefüllten Holzkisten aufgehoben.

Elektrisches Licht gab es nur für die steile Treppe, die hinab in die Tiefe führte. Am Fuße der leicht schlüpfrigen Treppe mit den unebenen schmalen Stufen  begann die Finsternis. Deshalb war ein Gang in den Keller nur mit der großen, alten Taschenlampe möglich. Der Lichtkegel dieser museumsreifen Funzel machte die Vorräte sichtbar. Schaltete man sie mal aus oder ging die Batterie zu Ende, war es „dunkelschwarz“ vor Augen. So muss es sein, wenn man blind ist.  

Niemals hatte ich Angst, in diesen Keller zu gehen. Ich konnte sicher sein, dass es dort weder Käfer noch Spinnen und auch keine Mäuse oder Ratten gab. Und an Gespenster glaubte ich noch nie. Vorallem aber, weil meine Oma mir garantiert hatte, dass ich in diesem Keller nichts aber auch garnichts zu befürchten hatte, ging ich furchtlos in diese unsere hauseigene Speisekammer-Höhle. Die einzige Gefahr, die mir drohte war die, dass ich ausrutschen und die lange glitschige Steintreppe hinunter schlittern könnte. Das ist aber nie passierte.

Heute würde ich gerne wissen, ob es den Keller noch gibt – ob es überhaupt das Haus noch gibt? Leider gibt es meine Oma seit 1986 nicht mehr auf dieser Erde. Aber sie ist nicht aus meinem Leben verschwunden…. anderes Thema.

Und immer wieder habe ich mich (von damals bis heute) gefragt, wie der Keller wohl bei voller Beleuchtung aussah? Wie groß er wohl in Wirklichkeit war? Ich habe nie weiter gesehen, als bis in den gut abgedeckten Topf aus Steingut oder die Holzstiege mit den Kartoffeln. Wenn ich heute an den Keller denke, dann ist er wieder in meiner Nase – der modrigen Geruch. Aber sogar dieser Erinnerung ist eine schöne.  

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13 Antworten zu Montagsmemories °° Keller °°

  1. freidenkerin schreibt:

    Wenn man als „Erwachsene“ irgendwann an die Stätten der Kindheit zurück kehrt, die in einem früher so viel Staunen, vielleicht sogar Ehrfurcht und Neugierde wach gerufen haben, dann ist diese späte Begegnung oftmals recht enttäuschend… 😉
    Danke dir für diese schöne Keller-G’schicht!
    Liebe Grüße!

    • chinomso schreibt:

      Margot, das ist richtig. Ich habe solche Enttäuschungen auch schon erlebt und lasse es seitdem eher sein. Man kann die Zeit nun mal nicht zurück drehen. Das ist auch irgendwie richtig so.

  2. dachfenster schreibt:

    Das ist wohl wahr. Mit Kinderaugen sieht alles viel größer aus. Eine schöne Keller-Geschichte, die mich an den gewölbten Keller meiner Kindheit erinnert. Den gibt es noch. Ich hatte damals immer ein wenig Angst. Wenn ich nächstes Mal in mein Elternhaus komme, muss ich mal wieder runter. Liebe Grüße

  3. Gedankenkruemel schreibt:

    Stimmt man kann die zeit nicht zurück drehen.
    Aber manche Dinge bleiben in schöner Erinnerung
    und man vergisst sie nicht.

    Danke für deine schöne Keller-Geschichte.
    Liebe Grüsse

  4. paradalis schreibt:

    Ja, die Großmütter … ich widmete meiner mehrere Kurzgeschichten.
    Guten Morgen, liebe Chinomso.
    Lese ich deine Geschichte, spinne ich sie sofort weiter. Vor meinem Auge entstehen abenteuerliche Episoden, die du da im Keller erlebst … geht es dir nicht so? Du kannst do so wunderbar unterhaltsam schreiben.
    🙂

    Ich würde gern noch mehr lesen.

    Hab einen schönen Tag,
    herzliche Grüße
    Heike

  5. minibares schreibt:

    Das ist ja wirklich selten, dass sich ein Kind nicht vor dem Keller fürchtet.
    Schöne Erinnerungen hast du beschrieben.
    Ja, diesen Keller noch einmal sehen, das wäre es!

    Ich habe auch einen Geruch, der mich in die Kindheit versetzt.
    Mein Vater war gelernter Schreiner, konnte aber nach einer Kriegsverletzung diesen Beruf nicht mehr ausüben. Doch er war Mitbegründer des Tischtennis-Vereins von Schalke 04. Und er klebte die losgelösten Beläge der Tischtennis-Schläger. So stand immer ein Topf mit Leim hinten auf dem großen Kohleherd.
    Genau diesen Geruch schnupperte ich dann vor ein paar Jahren, als ich in eine Tischlerwerkstatt kam.
    Oh, wie tat das gut!
    Ich fühlte mich richtig glücklich.

  6. april schreibt:

    So einen Gewölbekeller gab es im Hause meiner Großmutter auch, mit einer steilen Holzstiege, die hinunter führte. Allerdings hat mich der Keller nie besonders interessiert, wohl aber der Speicher. Doch das ist eine andere Geschichte.

    P.S. Also doch weiter Projekte? ;-))

    • Chinomso schreibt:

      Ja, es ist ja eigentlich nur das „Farbe bekennen“ wo ich versuche regelmässig mitzumachen. Die Montagsmemories oder Freitagsfüller oder „7 Inside“ sind eher so lose Geschichten, ohne dass es ne Teilnehmerliste gibt.

  7. Bellana schreibt:

    Ich hatte als Kind immer etwas Bammel, wenn man mich in den Keller geschickt hat um etwas zu holen. Manchmal mußte ich da 2x gehen. Wenn ich unten war, mußte ich schnell noch einmal nach oben auf die Toilette. Es war da unten aber auch immer so dunkel.
    Grüßle Bellana

  8. Lilo schreibt:

    Ich kann mich an den Keller unseres Hauses noch sehr gut erinnern. Aber das liegt vielleicht auch daran, dass ich auch heute noch mindestens einmal im Jahr dort bin und meine Schwester und meinen Papa besuche. Und ich gehe dann auch in den Keller 🙂

  9. Ruthie schreibt:

    Ich kenne auch dunkle, feuchte Gewölbekeller. Und ich habe auch sofort den Geruch in der Nase! Danke für den Erinnerungsschubser 😉

  10. tonari schreibt:

    Ich glaube, ich muss meine Oma (90) mal fragen, warum sie eigentlich keine Leuchtstoffröhre in ihrem Keller hatten, obwohl sie (Oma und Opa) doch sonst beide so fortschrittlich waren. Gruftig und dunkel wars, modrig zudem.

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