Mein (mit)geteiltes Leben °6°

Das Mädel aus der Zone

„Das Mädel aus dem Osten ist sicher schön naiv und mit ihrem 24 noch gut formbar. Die kennt sich hier nicht aus, der kann man „einen vom Pferd“ erzählen und die glaubts auch noch. Die ist jung, nett anzusehen und  kommt nachweislich aus gutem Elternhaus. Dass sie ein Kind mit in die Ehe bringt, ist unter den Umständen nicht weiter schlimm. Nur musst du aufpassen, dass sie dir nicht auf Abwege gerät, denn euer Altersunterschied ist ja schon erheblich. Also, lass sie am besten nicht alleine losgehen. Halte sie kurz und zu Hause. Mit den Kindern, dem Haus und dem Garten hat sie genug zu tun. Besser, sie hat garnicht viele Bekannte und Freunde, denn die könnten ihr Flausen in den Kopf setzen. Aber wenn schon, dann immer schön Obacht! Gell? Mach nicht den Fehler und lass sie aus den Augen.Gib ihr Haushaltsgeld und keinen Zugang zu deinem Konto. Man weiss ja nie… Pass von Anfang an auf, dass du immer die Oberhand behältst und sie dir nicht auf der Nase herum tanzt.“

So oder so ähnlich müssen sich die Ansagen der Kumpels meines Mannes angehört haben, mit denen er die letzten Jahre seine Wochenenden verbracht hatte. Sie hatten große Bedenken angemeldet, als er erzählte, dass er „Eine aus der Ostzone“ heiraten wollte. Es stellte sich heraus, dass der Einfluss seiner Freunde nicht unerheblich war.

Das Mädel aus dem Osten wusste aber sehr gut, was sie wollte. Und das war auf keinen Fall: Nur zu Hause hocken, die Vollzeithausfrau geben und lediglich das tun, was dem Ehemann gefiel. Ich ging ins Theater, sang in einem Gospelchor, traf mich mit anderen Kindergartenmüttern,  gestaltete den Garten nach meinen Vorstellungen um uvm. Der Garten war so groß und schön, dass man da was draus machen konnte. Aber mein Mann hatte dafür nie Interesse gezeigt. Als tobte ich mich (und das sogar mit seinem Einverständis) aus. Eines Tages… das muss ich euch erzählen… da war ich am Nachmittag mit der Spitzhacke damit beschäftigt, die Böschung der Wiese seitlich neben der Grundstückseinfahrt zu erweitern bzw. weg zu hacken. Da fuhren die oben zitierten Freunde meines Mannes mit dem Auto die Straße entlang und sahen mich hantieren. Am Abend kam ihr Anruf. Sie redeten meinem Mann ins Gewissen. Wenn ihm etwas an seinem guten Ruf läge, dann solle er mal bitte dafür sorgen, dass „die Kleine“ nicht mit der Spitzhacke das Unterste zu Oberst krempele. Solch schwere Arbeit und das von einer jungen Frau. Was sollten denn bitte die Leute sagen? So ein Verhalten von mir würde auf ihn zurück fallen. Wie stünde er als Mann denn da?

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5 Antworten zu Mein (mit)geteiltes Leben °6°

  1. VEB wortfeile schreibt:

    wahrscheinlich war der garten deine große leidenschaft, weil du darin die freiräume hattest, die du sonst nict genießen konntest. bis zu dem tag als die freunde kamen. werden sie dir deine freude daran durch blödsinniges geschwafel zunichte gemacht haben? ich lese gleich mal in teil 7 weiter.

    • chinomso schreibt:

      Nein nein, ich habe in dem Garten gemacht was ich wollte. Und auch sonst meinen Aktionsradius ständig erweitert bis hin zur größten „Ungehörigkeit“: Ich habe mir eine Arbeit gesucht. Ein Versuch, ein Vorstellungsgespräch und am anderen Tag angefangen.

  2. VEB wortfeile schreibt:

    gut, so erkenne ich dich wieder :-).

  3. minibares schreibt:

    Junge, junge, das ist aber starker Tobak.
    Wie gesagt, wir haben Verwandte in Thüringen. Auf solche Ideen wäre ich nie nicht gekommen. Ist ja grauslich. Aber solche Monster gibt es leider viel zu oft. Und ich denke, das hat wenig damit zu tun, dass du aus der Ostzone kamst. Er hätte es mit jeder anderen Frau vermutlich genauso getan und seine tollen Freunde auch. Nur die Ostzone eignete sich natürlich als „Grund“…

    Mir läuft es kalt den Rücken runter. ehrlich.

  4. freidenkerin schreibt:

    Auweh! Bei solch einem Geschwätz gehe ich sehr davon aus, dass seine Freunde nicht unbedingt auch die deinen gewesen sind…

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