Mein (mit)geteiltes Leben °°Ende & Anfang°°

Der Clown fand einen Tag vor der gemeinsamen Unterzeichnung unseres WG-Mietvertrages eine andere Bleibe. Und so trat er zurück und überließ uns diese Wohnung. Nie werde ich vergessen wie ich mit meinem kleinen Auto über die Autobahn zum Vermieter fuhr. Auf dem Rückweg, mit dem Mietvertrag in der Tasche ….die Sonne schien heller, der Himmel war blauer als je zuvor und im Radio lief „What a wonderful world“ von Louis Armstrong. Da kamen die Tränen in Sturzbächen. Es waren Tränen der Erleichterung und des puren reinen Glücks.

Ich wohnte zu dem Zeitpunkt noch mit Kater Mäxchen zusammen bei meiner Freundin. Nachdem ich den Mietervertrag unterschrieben hatte, fiel natürlich eine enorm große Last von mir ab. Aber mehr noch. Innerhalb von 24 Stunden war meine angebliche Katzenhaar Allergie verschwunden. Der Juckreiz war wie weggeblasen, die Pusteln auf der Haut heilten in rasender Geschwindigkeit ab. Das Schlimmste war überstanden. Nachdem ich die Schlüssel für die Wohnung bekommen hatte, buchte ich drei Flüge nach Griechenland, holte die Kinder von meine Eltern ab und wir machten drei satte Wochen Urlaub auf Samos. Unterkunft in einem Bergdorf bei Bekannten. Erholung fernab jeglichen Tourismus Rummels. Baden, gutes einfaches Essen, viel Schlaf und noch mehr Sonne. 

Zurück in Deutschland begann der Einzug in unser erstes, wirklich eigenes Zuhause. Die Schule fing für die Kinder wieder an und damit das normale Leben. Endlich war das Leben wunderbar normal. Gerade in der Anfangszeit saß ich abends, wenn die Kinder schliefen, allein auf meiner Couch und brauchte weder TV noch Buch noch sonstige Unterhaltung (PC hatte ich da noch keinen).  Ich strahlte wie ein Honigkuchenpferd und freute mich über unser neues Leben, das jetzt begann. Nie vorher und niemals seitdem hatte ich so wenig Geld wie genau in dieser Zeit. Und? Es war eine fantastische Zeit, die ich unter garkeinen Umständen missen möchte.

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12 Antworten zu Mein (mit)geteiltes Leben °°Ende & Anfang°°

  1. minibares schreibt:

    Wie sagt man? Ende gut, alles gut.
    Kein Geld aber glücklich.
    Immerhin hattest du doch eine Arbeit, nicht wahr?
    So fügte sich Gott sei Dank doch alles zum Guten.

  2. Anna-Lena schreibt:

    Danke für deine Einblicke in eine wesentliche Phase deines Lebens.
    Gerade sah ich einen weiteren Teil von „Weißensee“. Selbst, wenn man dabei große Abstriche macht, läuft es einem eiskalt über den Rücken.

    Habe deine Geschichte sehr gern gelesen!

  3. torenia schreibt:

    Wow. Eine beeindruckende Geschichte hast Du da hinter Dir. Gebannt lese ich seit Tagen bei Dir mit und warte auf die nächste Fortsetzung. Vielen Dank, dass Du uns teilhaben lässt.

  4. paradalis schreibt:

    Tja. Das Leben. Es hält schon immer die spannendsten Geschichten bereit.
    Ich finde es Klasse, dass du dich nie hast unterkriegen lassen. Du so spontan handeln kannst. Und die Fähigkeit hast, dich an „kleinen“ Dingen zu freuen. Das ist so unheimlich viel wert.
    Du kannst stolz sein.
    !

    Mein Exfreund aus Jugendtagen reiste damals übrigens auch samt Familie nach Stuttgart aus. Deren Beschreibungen vom „Auffanglager“ bzw. der Zeit in der DDR nach dem Ausreiseantrag, waren grauenvoll.
    Inzwischen wohnt er am Bodensee, seine Schwester und Familie noch immer in Stuttgart.
    Auch sie haben es nie bereut.

    Ich wünsche dir einen schönen Tag,
    liebe Grüße!
    Heike

  5. chinomso schreibt:

    Danke für euer Feedback. Das alles war beim Schreiben wieder sehr nah an mich heran gerückt. Heute kommt selbst mir das alles vor wie eine erfundene Geschichte. Als ich das mit dem Clown für die WG aufgeschrieben habe, dachte ich: Das glaubt dir eh keiner.

  6. VEB wortfeile schreibt:

    liebe chinomso,

    es ist schon verrückt, daß man mit wenig geld in der tasche doch so glücklich sein kann. ich kenne das auch gut. du hast eine wahre odyssee hinter dich gebracht, so viel verkraften müssen, schon fast auf der straße gestanden samt kindern und alles hat sich dennoch wieder von dir und mit hilfe richten lassen. und du hast deine kinder geschützt, so gut du konntest. wie zufrieden ist man doch manchmal, wenn das leben wieder normal ist. du hast das so lebendig erzählt, daß ich bis zum schluß mitgelitten habe.

    herzlichst,
    frau w.

  7. Sigrid schreibt:

    Danke fürs Teilhabenlassen.
    Und „Weißensee“ ist zwar eine Zuspitzung, aber in Einzelfällen hat es das alles leider gegeben.

  8. april schreibt:

    Wow. Boh. Geschafft. Wahnsinn, dass du dich nicht hast unterkriegen lassen und soviel Lebensfreude und Stärke hast. Denn die hast du ja imemr noch 🙂

  9. Pingback: Erste virtuelle Grüße aus der NahFerne / FernNähe « Claras Allerleiweltsgedanken

  10. Träumerle Kerstin schreibt:

    Ich habe Deine ganze Geschichte mitgelesen. Alle Achtung, dass Du diesen Weg allein geschafft hast. Und schau, wie glücklich Du heut bist!
    Herzliche Grüße von Kerstin.

  11. freidenkerin schreibt:

    Danke für diese deine bewegende Lebensgeschichte!

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