Glück & Unglück

Gestern blieb ich beim Zappen wieder einmal bei einer dieser „Restaurierungs-Sendungen“ hängen. Zwei Frauen, die sich häßlich fanden, wurden von dem Fernsehsender, der das veranstaltet, umgenäht und ausstaffiert. 

Eine Frau, Mutter von 5 hübschen Kindern, saß am Küchentisch ihres kleinen Häuschens und weinte in ihre Kaffeetasse. Sie zeigte ihren handgeschriebenen Abschiedsbrief, in dem sie sich vor einem geplanten Selbstmord von ihren Kindern verabschiedete. Voller Überzeugung beteuerte sie, dass ihr Leben glück- und sinnlos sei mit ihren fehlenden Zähnen und dem Hängebusen. Der Mann würde auch bald weglaufen, weil er sie nicht mehr auspacken dürfe.

Die andere Frau sah man, wie sie mit tränenüberströmten Gesicht nackt aus dem Badeschaum ihre Wanne heraus ragte und klagend die Fettwulst an ihrem Bauch in die Kamera hielt. 

Beide erklärten, sie seien am Boden zerstört und am Ende ihrer Kräfte.

In den folgenden 8 Wochen gab es für Zahnklempner und Scalpell-Künstler viel zu tun. Da wurden alte Zähne heraus gebrochen und neue in den Kiefer geschraubt, Augen und Hälse bekamen Abnäher, Fettschürzen an Bauch, Po und Oberschenkeln wurden weggeschnippelt und schlaffe Brüste mit Siliconkissen ausgepolstert und ein paar Zentimeter nach oben verfrachtet. Die Damen bekamen nicht nur einen neuen Haarschnitt, der Schopf wurde auch komplett umgefärbt. Abschließend wurden die Gesichter mit ordentlich Farbe bestrichen und man steckte die Frauen in Kleider und Schuhe, die zum neuen Typ passen sollten. 

Die Frauen heulten dann schon wieder. Diesmal vor Freude.
Und ich hätte heulen mögen über soviel Dummheit. 

Ein armer Bauer beklagte sich darüber, dass er keine Schuhe besaß.
Aber nur bis zu dem Tag, an dem er einen Mann traf, der keine Beine hatte. 
Nig. Sprichwort

 

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22 Antworten zu Glück & Unglück

  1. fudelchen schreibt:

    Ich heule mit dir mit…. 😉

  2. Himmelhoch schreibt:

    Hätten sie ernsthafte Sorgen, heulten sie über die – und jetzt heulen sie über ihre angefutterten Speckfalten. (Das mit den Zähnen kann ich ein wenig verstehen, aber auch da gibt es eine medienunwirksamere Lösung)

    • Chinomso schreibt:

      Die gute Frau ist Jahrzehnte nicht zum Zahnarzt gegangen und hatte gerade mal noch 3 Stummel, vorne unten. Da möcht man doch reinhauen.

      • Himmelhoch schreibt:

        Jein – ich kannte mal jemand, der hatte eine so hochgradige Zahnarztphobie, das ich nie geglaubt hätte, dass es so etwas gab. Er war auch kurz vor diesem Zustand. – Der ist tiefenpsychologisch behandelt worden und dann alles in Narkose gemacht worden. – Aber bei ihr war das wahrscheinlich nicht der Fall. – Geldfrage? – Die hätte doch eine Zahnprothese tragen können.

  3. dorosgedankenduene schreibt:

    Ich kann das auch nciht verstehen. Sie haben Angst vorm Zahnarzt? Nun, die wenigsten haben keine Angst davor. Und plötzlich weil das Fernsehen da ist gehts?
    Ich möchte k…. wenn ich das sehe. Abschiedsbrieg, Selbstmordgedanken. Hallo? Es gibt Menschen die es wirklich schlimm trifft, durch Unfälle jedweder Art. DIE sind arm dran, denen sollte geholfen werden. ABer Menschen die zu feige sind zum Zahnarzt zu gehen oder die sich nicht damit abfinden können, daß der Busen vielleicht nach Geburten nicht mehr so straff ist oder aber der Bauch schwabbelt? Das ist das Leben wenn man nicht gerade jeden Tag sein Leben lang Sport macht. Ich hab in den letzten 5 Jahren gut 20 kg zugelegt, muß ich jetzt auch ins Fernsehen und heulen?

    Das musste jetzt raus, so! und nu is wieder gut. 🙂
    Lieben Gruß Doro

  4. Chinomso schreibt:

    Genauso sieht das aus.
    Zu feige zum Zahnarzt zu gehen, aber sich von oben bis unten aufschneiden lassen, absaugen, ausstopfen, hier bisschen nähen und dort —mehrmals Vollnarkose. Nöööö, das ist ja alles nicht schlimm. Gaaaaaaaarnicht.
    Und danach sehen sie aus wie Schaufensterpuppen. **kotz**

  5. freidenkerin schreibt:

    Anstatt sich wegen Äußerlichkeiten in Selbstmordgedanken und Selbstmitleid zu suhlen hätten die Damen besser an ihrem Inneren, dem Charakter, der Persönlichkeit feilen sollen. Wer ein lebendiges und gesundes Seelenleben hat, mit sich und der Umwelt einigermaßen im Reinen ist, der kann sich so akzeptieren, wie frau nun mal ist. Das kostet kein Geld – allerdings viel Arbeit an sich selbst…

  6. Bellana schreibt:

    Deshalb schauen wir inzwischen keine Privatsender mehr. Wir haben das Kabelfernsehen abbestellt und begnügen uns mit den öffentlich/rechtlichen Sendern, die über DVB-T per Antenne empfangen werden können. Wir haben zum Glück so einen Sendemast in der Nähe.
    Grüßle Bellana

  7. Träumerle Kerstin schreibt:

    Ich habe die Sendung noch nie angeschaut, ist mir viel zu blöd. Für schöne oder wenigstens gepflegte Zähne kann man was tun. Zum Friseur kann man auch von selbst gehen. Schmuck und Schminke kann sich jeder kaufen. Na ja, Hängebrust bekommen wir alle mal jenseits der 40, auch schlaffe Haut und Falten. Hey – das ist das Leben. Nicht immer einfach, wenn man älter wird. Aber so zur Schau würde ich mich niemals stellen.
    Liebe Abendgrüße von Kerstin.

  8. Lucie schreibt:

    Solche Sendungen erspare ich mir. Kann das alles überhaupt nicht nachvollziehen!!!
    War bestimmt toll dass die Frauen mal im Fernsehen waren! *frechgrins*

    Liebe Grüße
    Lucie 🙂

  9. Pauladieerste schreibt:

    Prinzipiell finde ich das, was da in der Sendung abgehen soll (Habe sie noch nie geguckt) auch eher bedenkswert. Allerdings… fallt übr mich her ;), aber ich finde es immer ein bißchen schwierig, Leid gegeneinander aufzuwiegen. Oder darf man jetzt nur noch verzweifelt sein, wenn man vorher genau überlegt hat, ob das Leid, das man gerade empfindet, auch groß genug ist?
    Den Rest (Zahnarztangst ist ja „mein“ Thema…) verkneife ich mir. Das würde zu weit führen ;).
    *vorsichtshalberduckundnrennweg* 😀

  10. paradalis schreibt:

    Diesem Beitrag ist nichts hinzuzufügen.
    Außer, dass ich froh und dankbar bin, dass ich meistens bis 22.00 Uhr arbeitend am Schreibtisch sitze und gar nicht erst in die Versuchung komme, solche Sendungen zu sehen.
    🙂

    Liebe Grüße, hab einen schönen Tag.
    Heike

  11. Obelix schreibt:

    Es handelt sich um eine der vielen Sendungen, in denen Menschen sich geradezu prostituieren. Früher nur in den Privaten zu finden, ziehen nun auch die Öffentlichen nach.

    Wer sich einmal von Dieter Bohlen hat zur Sau machen lassen, um ein Superstar zu werden, wer dann publikumswirksam seine Kinder von der Super-Nanny zur Raison bringen lässt, sich anschließend nach der ersten gescheiterten Ehe an einen Bauern verkuppeln lässt, zwischenzeitlich in einer Nachmittagsshow es sich öffentlich von seinen Kindern geben lässt, weil er ein Totalversager ist, der hat dann auch überhaupt keine Probleme mehr, all das mitzumachen, was dieses Show-Format verlangt. Ich vergaß übrigens, dass man natürlich in der Zwischenzeit mindsestens einmal im Fernsehen (frei)beruflich scheitern muss, um sich dann von einem Schuldnerberater vorrechnen zu lassen, wie man eigentlich Geld richtig ausgibt, welches man eigentlich nicht hat.

    Der Zuschauer – also wir alle – haben es in der Hand, mit der Fernbedienung abzustimmen, ob wir so etwas sehen wollen oder nicht. Ein gutes Buch tut es schließlich auch, oder?

    • Chinomso schreibt:

      …ein gutes Buch kann man ja trotzdem lesen, gell??
      Oblix, sei doch nicht immer so vernünftig. Man muss doch auch mal was Unvernünftiges machen.
      Oder etwa nicht??

  12. Chinomso schreibt:

    Hihi, es ist wie so oft. Keiner hat es gesehen, aber so ziemlich jeder kennt es.

    @Paulasdierste, ich möchte nicht wissen, was die mit denen machen, damit die so richtig medienwirksam weinen. Der Abschiedsbrief war garantiert frisch geschrieben. Alles inszeniert. Diese bedauernswerten Menschen merken nicht mal, wie sie sich vorführen lassen. Früher gab es den Jahrmarkt und das Kalb mit den zwei Köpfen, heute solche Shows. Die Leute wollen Drama sehen und selber das Gefühl haben: Puh, ein Glück. Mir gehts nicht so schlecht.

    • Pauladieerste schreibt:

      Ich habe es wahrscheinlich doof geschrieben, aber was die Sendung betrifft, dürfte unsere Meinung in etwa gleich sein. 😉 Nur, daß ich mir meine Meinung eben ausschließlich aus dem, was ich so gehört/gelesen habe, gebildet habe.

      Ich hatte mich eher auf die Kommentare bezogen, in denen es ja (Oder hab‘ ich mir das eingebildet?) nicht mehr ausschließlich um die Sendung ging. 🙂

  13. Anna-Lena schreibt:

    Wenn ich mal auf solche Sendungen treffe, bekomme ich Guckzwang und mich peitscht der Ekel. Da frage ich mich, wieviel Dummheit verträgt ein Hirn? Scheinbar ist das Maß unendlich!

    Liebe Grüße aus dem Morgennebel,
    Anna-Lena

  14. marie418 schreibt:

    Bei uns gibts das auch, ich frage mich, was dieser Exhibitionnismus denn nur bringen soll? Aber die Zuschauer schauen zu, träumen auch von so einer Rundumerneuerung und die Gesellschaft macht mit – ich wähle sowas ab und schau gar nicht hin.

  15. Brigitte schreibt:

    Ob denen irgendwann mal das Material ausgeht?

    Also im Ernst, wenn ich so aussehen würde, dann würde ich mich sicher nicht noch filmen lassen, ich find solche Sendungen schlichtweg ober-peinlich. Aber so wie du das beschreibst, auch unglaublich lustig.

    Vielen Dank, hab jetzt echt lachen können 😉

    Liebe Grüsse
    Brigitte

  16. april schreibt:

    Tja, das ist das gleiche Thema wie mit dem ‚Altern‘ neulich. (Dazu hatte ich auch noch was schreiben wollen …). Die Sendung kenn‘ ich nicht (weil ich ja zu viel im Internet bin *gg* und deshalb kein TV gucke). Was du schilderst, ist extrem, aber man braucht nur mal mit der Straßenbahn in die Innenstadt zu fahren und dann kann man nur sagen (also ich jedenfalls): Ach, die armen jungen Frauen, die meinen, sich so schrecklich stylen zu müssen, dass sie gar nicht mehr sie selbst sind. Ich wette, viele von denen würden das auch mit sich machen lassen.

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