Waagerechtes Wetter °° Chinomso als Sterntaler

Heute haut der Herbst mal so richtig rein. Es regnet zwar nicht, aber der Wind macht Hausputz. Alle Blätter, die sich nicht mehr so richtig an den Zweigen halten können, werden vom Winde verweht.

Ich nehme morgens gerade (baustellenbedingt) eine andere Nebenstrecke als gewöhnlich. Und diese Straße führt kilomerweit durch Laubwälder. Die sind atemberaubend schön gefärbt. Da findet man gerade wirklich jede Schattierung von grün in hell/mittel/dunkel über gelb in hell/mittel/dunkel, orange in hell/mittel/dunkel, rot in hell/mittel/dunkel und schließlich braun von Milchcafè über Cappuccino bis hin zu Mokka. Alles da.  

Gestern noch sah ich Bäume in üppigem goldgelbem Laubkleid auf frühlingsfrischen grünen Feldern (neue Wintergerste) stehen. Ein paar Blätter waren wie zufällig auf dem grünen Teppich ausgebreitet. Und ich hätte so gerne angehalten und Fotos gemacht. Aber es fehlte die Zeit und die Gelegenheit das Auto abzustellen. Weiter gings in der Blechkarawane Richtung große Stadt. Sehnsüchtig schweift der Blick dabei immer wieder all den wunderbaren Fotomotiven hinterher. **soifz**Und die Gewissheit, dass es abends auf der Heimfahrt stockdunkel sein wird, macht einen auch nicht gerade froh. Kein Fotolicht mehr da, seitdem die Zeit wieder auf Winter gestellt wurde.

Und genau diese Bäume waren heute morgen nackt. Kein Blatt mehr dran. Selbst unter dem Baum im Feld lagen keine Blätter mehr. Der Wind hat ganze Arbeit geleistet. Und ich bin sicher, dass nicht die städtischen Laubbläser mit ihren stinkenden ohrenbetäubend lauten Pustekanonen Wald und Feld bereinigt haben. 

Heute Morgen gab es einen kurzen Streckenabschnitt, in dem flogen die Blätter wirklich waagerecht von einer Straßenseite zur anderen. Ich kam mir vor wie auf einer Fahrt quer durch den Windkanal. Beinahe hätte es mich mit meinem kleinen roten Flitzerchen von der Straße in den Graben gefegt, genau wie die Blätter alle. Ich musste echt gegenlenken. Und Sekunden später kam ich in ein windstilles Wäldchen. Dort segelten die kleinen goldenen Blätter wie Sternschnuppen in slow motion auf uns herab. Wie gerne hätte ich einfach angehalten, wäre ausgestiegen und hätte mein Hemdchen aufgehalten um die goldenen Taler aufzufangen. Aber ich hatte mein Nachthemd zu Hause gelassen.

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10 Antworten zu Waagerechtes Wetter °° Chinomso als Sterntaler

  1. fudelchen schreibt:

    Nur nicht im Nachthemd…bloß nicht….dicke Jacke und weiten Kittel drüber, dann sollte das klappen 😀
    Viel Erfolg wünscht Marianne 🙂

  2. chinomso schreibt:

    Stimmt, so schön mein Nachthemd auch ist, es könnte ein bisschen zu kalt sein.

  3. bigi schreibt:

    HmHmHm…
    also hier in der Mühlenstraße gibt es keinen einzigen Baum
    aber einen dicken LaubTeppich auf der Straße.
    Was sagt uns das?
    Dicken Knussi
    bigi

  4. Federwelt schreibt:

    Ja, wie Sterntaler (wundervoller Vergleich) fühle ich mich in den letzten Tagen auch immer, wenn ich mit meinem Hund im Wald unterwegs bin. Und du hast recht, die Bäume werde kahl innerhalb ganz weniger Tage. Es geht jetzt so schnell – zumindest hier im Odenwald.
    Es ist übrigens ein ganz eigenartiger Moment, wenn man einem Blatt zusieht, das langsam zu Boden trudelt. Es ist, als hielte die Welt für einen Augenblick den Atem an.
    Jedenfalls fühle ich mich dabei so … ruhig und irgenwie glücklich zufrieden.

    Liebe Grüße nach langer Auszeit
    Elana

    • chinomso schreibt:

      Elana, schön dich wieder mal zu lesen.
      Mein Sterntaler Erlebnis hatte ich heute zwischen Mühltal und dem Böllenfalltor in DA.

      • Federwelt schreibt:

        Das ist aber auch eine besonders schöne Odenwaldecke …
        Habe übrigens eben, 7.15 Uhr, aus dem Fenster zum dämmerigen Wald hin gelinst und … über Nacht hat der Herbstwind so gut wie alle Blätter von den Zweigen der Bäume gefegt. Schade. So schade. Diese Blätter-von-Bäumen-Schwebephase ist sooo kurz.

  5. freidenkerin schreibt:

    Oh, das tut beinahe körperlich weh, wenn man dann nicht anhalten, aussteigen und fotografieren kann, nicht wahr? 😉 Mir ist’s letzte Woche auf dem Weg nach Meersburg so ergangen, beiderseits des Wegs kurz vor Hagnau zwei wunderschöne Landschlösser inmitten sanft geschwungener Weinberge, ein wenig Morgendunst und Frühsonne – und keine geeignete, ungefährliche Stelle an der B 31 zum Stoppen!…
    Liebe Grüße!

    • chinomso schreibt:

      Ja genau. Vor dir Autos, hinter dir Autos und keine Möglichkeit zu halten. Und noch dazu keine Zeit. Schlimm. Aber jetzt ist alles kahl. Die Blätter sind am Boden. Aber ich nicht. 🙂

  6. Gedankenkruemel schreibt:

    wunderschön beschrieben.
    Aber Nachthemd, nein da erkältest du dich.
    irgend etwas anderes hättest du sicher gefunden
    um die kleinen Sterntaler einzusammeln/aufzufangen.

    Liebe Grüsse
    Elke

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