Andere Länder, andere Sitten (Nachtrag)

Eins ist mir an dieser Stelle noch sehr wichtig zu erwähnen.

Ich habe immer ein bisschen ein schlechtes Gewissen, wenn ich solche Geschichten aufschreibe. Einerseits denke ich, es ist für euch so spannend wie für mich. Oder eben schockierend, amüsant, befremdlich etc.pp. Andererseits hat das immer so einen Touch von: „Schau sie dir an, diese Wilden!“ Und das will ich nicht. Das wäre unfair.

Denn nur weil jemand anders lebt bzw. anders aufgewachsen ist als wir, ist er noch lange nicht  (schon lange nicht mehr ) ein Wilder aus dem Busch. Ich kannte mal ne Frau, die mit einem Nigerianer verheiratet war (beides nun bereits Vergangenheit) die rief ihren Mann allen Ernstes „Buschi“. Das tat mir in der Seele weh. So eine Respektlosigkeit, so eine von-oben-herab Denkweise. Unerträglich.! Dabei war/ist diese Frau dumm wie Brot. Die kann ihrem Mann in keiner Weise das Wasser reichen. Sie glaubt aber, allein die Tatsache, dass sie weiß ist und er nicht,  bewirkt ihre Überlegenheit. Das ist Rassismus pur und sowas bringt mich noch mehr auf die Palme als meinen Wildhüter. Ich fremdschäme mich dann für diese Leute, die sich so verhalten.

Die Kultur der Nigerianer (allein in dem bisschen, was ich bisher kenne) hat viele Facetten, die uns als Vorbild dienen könnten. Da sind sie uns um einiges voraus. Ich nenne da nur mal den Gemeinschaftssinn, den Zusammenhalt, das Miteinander und Füreinander, das füreinander einstehen…. all das ist dort sehr viel mehr ausgeprägt, als hier bei uns. Dort passiert es so gut wie nie, dass ein alter Mensch einsam stirbt und keiner bemerkt das. Ich könnte viele andere Beispiele nennen. Auch Beispiele aus unserem Alltag, wo ich Fremden gegenüber eher stur und zurückhaltend reagiere, er aber offen und mit einem Strahlen auf Menschen zugeht und so die Herzen mit Leichtigkeit erobert. Ich kann da noch viel von ihm lernen. Und das möchte ich auch.

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9 Antworten zu Andere Länder, andere Sitten (Nachtrag)

  1. dorosgedankenduene schreibt:

    Also mir geht es so, daß ich es sehr interessant finde und ich einen Einblick in eine andere Kultur bekomme. Und genau wie du schreibst, spannend und auch manches mal amüsant. Diese Frau ist ja wohl das Allerletzte, kam sich bestimmt noch toll vor, oder? Jetzt bin ich mal richtig gemein, ich denke nicht das sie diesen Mann aus Liebe geheiratet hat sondern eher aus ganz anderen Beweggründen. Bei dem was du u ns so berichtest, über deinen Mann und dessen Kultur, da spricht sehr viel Liebe und auch Stolz raus, auf ihn, auf sein Land und seine Kultur. Und es ist schön, daß du uns daran teilhaben läßt.

  2. Gedankenkruemel schreibt:

    Wer „Schau sie dir an, diese Wilden!“ denkt oder gar
    ausspricht, ist in meinen Augen zweifels los Rassist.
    Unkenntniss und Respektlosigkeit zerstört vieles
    Zwischenmenschliche.

    Diese Frau z.B. macht mich sprachlos. Aber leider giebt
    es immer wieder solch dummen Menschen.

    Ich freu mich das du uns daran teilhaben lässt
    und finde es interessant davon zu lesen. Danke dir.

    Herzlichst
    Elke

  3. bigi schreibt:

    Ich hoffe niemand von uns hat in dir den Eindruck erweckt, dass dieser Nachsatz nötig wäre?
    Ich freue mich sehr über deine Anekdoten und Einblicke in eben die Kultur deines Mannes.
    Liebe Grüße
    bigi

  4. freidenkerin schreibt:

    Ich habe über den ersten Teil deiner Geschichte von Herzen lachen müssen, weil du das mit solch einem staubtrockenen Humor erzählst. Ich hätte mich darüber genaus so erheitert, wenn der Wildhüter und seine Kumpels Deutsche wären…
    Meine Liebe, nicht umsonst stand die Wiege der Menschheit in Afrika. Und dort hat es unendlich lange vor unserer Zeit, als wir allesamt noch hinter die Büsche sch…en, blühende Hochkulturen gegeben. Das sollten sich manche immer wieder vor Augen halten, bevor sie Jemanden, der einem anderen Kontinent entstammt, eine andere Hautfarbe und eine andere Lebensweise hat, abwertend ansehen und diskriminieren. Es stimmt, grade was soziales Gefüge, Zusammenhalt, Toleranz und Fürsorge betrifft, können wir allesamt viel, sehr viel von Menschen wie deinem Wildhüter lernen…

  5. lejontine schreibt:

    Ich beneide dich ja um deine Abenteuer mit dem Wildhüter und dass du auf dem Fest gleich als Dazugehörige betrachtet wurdest. Ist doch viel schöner als sich nichts mehr zu sagen haben weil ja sowieso schon alles gesagt ist, weil man alles weiß und sich auch die Kindergartenzeit des Partners nicht vorzustellen braucht, weil sie genauso war wie die eigene.
    Aber dann jemanden zu heiraten und so über ihn zu sprechen wie besagte Dame… Ihr armer Mann ist für sie vermutlich nur Dekoration und ein Garant für dauerhaft gutes Gewissen. Vermutlich hat sie ihn „persönlich aus der unzivilizierten Hölle gerettet“. Ich kannte so jemanden auch mal. Ui, war sie aber aufgeschmissen als ihre Deko sich scheiden lies und eine neue glückliche Familie gegründet hat.

  6. april schreibt:

    Nun, auf den ersten ‚Blick‘ findet man das außergewöhnlich, aber auf den zweiten Blick ist es, wie du schreibst: man kann von anderen viel lernen, überhaupt von anderen, nicht nur von anderen Kulturen. Man neigt allzu leicht dazu, seine Sicht der Dinge und die eigenen Art des Lebens als die ‚allein seligmachende‘ anzusehen, aber in Wirklichkeit gibt es so vieles, was man verbessern könnte und wo man ruhig mal über den eigenen Tellerrand gucken kann. Man muss ja nicht Ziegenköpfe kochen, aber es gibt schon einiges in der Weltsicht anderer Menschen, das durchaus nachdenkens- und nachahmenswert ist.
    Schöne Grüße an deinen Wildhüter (an dich natürlich auch ;-),
    Ingrid

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