ER – gehört (nicht) zu mir

Und ich auch nicht wirklich zu ihm.

Seit vorgestern fahre ich einen schwarzen Audi A6, 3,0 TDI mit 280 Pferdestärken. Und aufgrund meiner Dummheit wäre dieser Tag beinahe unser erster und auch letzter gemeinsamer Tag gewesen. Und das kam so….

Mein älterer Sohn ist am Mittwoch in den Urlaub nach Australien geflogen. Er besucht seinen Bruder. Und die beiden machen für mehr als drei Wochen gemeinsam Sydney unsicher. Ich habe meinen Sohn also zum Flughafen gebracht. Und wie ihr sicher schon ahnt, es ist sein Auto, nicht meins. Aber ich fahre es für die Zeit seines Urlaubs.

Nun ist ER nicht nur ne Rakete, nein ER hat zu meinem Leidwesen auch ein Automatikgetriebe. Bei meinen ersten Fahrversuchen vorgestern auf der A5 bin ich irgendwann unkonzentriert gewesen, weil ich am Flughafen die richtige Spur finden wollte, die uns in ein Parkhaus nahe dem Abflugterminal bringt. Und dabei bin ich dann mit dem linken Fuß volle Lotte auf die Bremse gelatscht in dem Glauben, ich müsse die Kupplung treten. Au weia!!  Aber da gibts ja keine Kupplung. Mein linker Fuß hat beim Auto fahren also auch gerade mal drei Wochen Urlaub. Nur, dass er eben nicht mit nach Australien darf sondern mit dem Rest von mir unterwegs sein muss. Der Arme!!

Zum Glück war die Bahn recht frei. Und so sind wir mit nem Schrecken davon gekommen. Mein Herz war noch Minuten später in der Hosentasche und ich fand es nicht so schnell wieder und auch gleich mal garkein Parkhaus, bis ich wieder auf Normal Null war. Mein Sohn nahm es mit Humor und fragte mich: `“ Warum wirfst du denn ohne Vorwarnung auf einmal den Anker???“

Jedenfalls hat ER alles, was das Herz (von autobegeisterten Menschen) begehrt. ER weiß wann es dunkel wird und macht Licht an. ER weiss, wann es regnet und macht den Scheibenwischer an. ER „schreit wie am Spiess“ wenig helfenhaft jedenfall, will sagen: ER piepst herzzerreissend, wenn ich ihm damit drohe, ihn vor eine Wand zu fahren. Wenn ich sachte Gas geben, fährt ER im Affenzahn los. Wenn ich sanft bremse, knalle ich beinahe mit der Schnute innen gegen die Frontscheibe. Meine rechte Hand schwenkt immer noch hin und wieder fröhlich winkend durchs Wageninnere, weil sie schalten will. Und das linke Bein zuckt und zuckt.

Es steht natürlich nicht im Raum, dass ich den Audi übernehme, wenn der Urlauber zurück kommt. Das habe ich nur geschrieben, um ein wenig Verwirrung zu stiften. 🙂 Ich werde meinem kleinen roten Mazda Bj, 98 treu bleiben. Denn der liegt gut in der Hand, der reagiert auf mich und meine Zuwendung so, wie ich das haben will. Und er überlässt es mir, wann ich (wie der alte Goethe) „mehr Licht“ brauche und wann ich meine Sicht mittels Scheibenwischer verbessern will. Ich darf das selber entscheiden. Wir sind ein unschlagbares Team auch ohne elektronische Vollausstattung. Dafür kann er auch nicht schneller als mir lieb ist.

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Danke für eure zahlreichen und lustigen Vorschläge. Die Freidenkerin hat es (fast) erraten. Aber ER ist nicht Sportwagen und nicht gekauft. Aber trotzdem CONGRATULATION.

ER ist also nix mit i, weder iPhon noch iPad noch iPod oder sonstiges Apfelprodukt. Hab ich nicht und brauch ich erstmal auch nicht. Nen Klappspaten würde ich eher brauchen als den schwarzen Zappelfreund aus Gummi. Schrittzähler hab ich schon nen sehr guten. Und ne Küchenmaschine oder sowas ähnliches… da habe ich den Porsche unter den Küchengeräten.

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11 Antworten zu ER – gehört (nicht) zu mir

  1. hihi super!

    an auto dachte ich gar nicht, so gut hast du abgelenkt!

    dann schönes fahren!

    mir gings mal ähnlich mit einem bmw, der sauste aus der kleinen gasse raus, ich konnte ihn kaum bremsen ;)))

  2. Gisel@ schreibt:

    Hatte zwar nicht mitgeraten, aber deine Schilderung fand ich super lustig :D. So wäre es mir sicher auch gegangen, wenn ich einen Automatic fahren müsste….und ja, mein altes Nissan-Mottchen ist mir auch ans Herz gewachsen und ich glaube ich werde sehr traurig sein, wenn es mal das Zeitliche segnet.
    LG Gisela

  3. fudelchen schreibt:

    Weia, das mit der Automatik kenne ich auch. Mein Mann fährt so einen Schlitten…keinen BMW, aber ein großes mit Automatik, da geht es mir wie dir, immer die Kupplung treten wollen…boahh, das hat gedauert, bis ich das raus hatte, bin etliche Kilometer über Land gefahren, damit ich klarkomme.
    Aber sehr ungern fahre ich so ein Auto und auch noch so viel PS, bekomme schon einen Herzkasper, wenn mein Mann 140 fährt…ich lieber langsamer 😉
    Mein Autochen ist auch flott und schnell genug und es denk auch mit *g*
    GLG Marianne 😆

    • chinomso schreibt:

      Was? Bei 140 schon?
      Also ich fahre selber max. 160-180. Alles drüber bis 200, geht zur Not, wenn die Straße trocken ist und wenig Verkehr auf der Autobahn. Aber entspannt fahren hört bei mir ab 160kmh eigentlich auf. Ich habe dann immer das Gefühl ich muss sehr aufpassen und das ist anstrengend.

  4. freidenkerin schreibt:

    *Hahaha!* 😀 Mein Bauchgefühl! Ich sag’s ja, manchmal kann ich mich drauf verlassen!…
    Ich habe in Amiland schon einige automatik-getriebene Wägen gefahren. Da braucht’s auch immer eine gewisse Wiedereingewöhnungszeit. Aber so zum Dahingleiten auf amerikanischen Highways ist so eine Automatik schon passabel…
    Liebe Grüße!

  5. Bellana schreibt:

    Wenn man sich erst einmal an eine Automatik gewöhnt hat, möchte man sie vor allem im Stadtverkehr nicht mehr missen.
    Grüßle Bellana

  6. Anna-Lena schreibt:

    Ach, du Arme, du hast mein vollstes Mitgefühl. Ich fahre so etwas von ungern mit einem anderen Wagen, dass ich immer hoffe, der Kelch geht an mir vorüber. So ein Auto ist wie ein Partner, man merkt schnell, ob es passt oder nicht :-).

  7. torenia schreibt:

    Was für ein herrlicher Beitrag, was für eine herrliche Schreibe. Ich habe jede Sekunde genossen. 🙂
    Danke!

    Automatik bin ich übrigens noch NIE gefahren – und würde ich mir wohl auch erstmal nicht zutrauen. *grusel*
    Ich liebe meinen Nissan, der mit BJ 1997 und mittlerweile 200.000 km so langsam aber leider auch ins Rentenalter kommt. Ich hoffe von TÜV zu TÜV…
    – und spare schonmal…

  8. Träumerle Kerstin schreibt:

    Seit zwei Jahren fahre ich einen Automatik. Oh man, da war am Anfang höchste Konzentration fällig, damit das linke Bein ruhig bleibt. Mittlerweile liebe ich diese Gelassenheit beim Fahren. Und das Gute für Frauen: er fährt ja allein und auch beim Anfahren bergauf gibt es keine Problem mehr oder Ängste, wenn der Nachfolger zu dicht dran klebt 🙂

  9. HuiiiBuh! da mußte ich an meine erste Begegnung mit einem Automatik- Auto denken, das ich mir mal geliehen hatte weil es eine Anhängerkupplung hatte. Und – genau wie Du es beschreibst: linker Fuß auffe Kupplung, die eine Bremse is und steh’n! Ich hatte ein Motorrad auf dem Anhänger und sah dieses schon förmlich durch das Heckfenster einsteigen.*breitgrins* Gottlob hatte ich es ordentlich festgezurrt da hinten. Was’n Schreck.
    Aber mal ehrlich, wozu braucht jemand ein Auto mit 280PferdeStärken? Bekommt man für sowas nicht auch gleich einen Waffenschein? Mir würde das wohl schon wegen der extremen Motorisierung Angst machen, wenn ich vielleicht gar nicht gleich merke, wie schnell ich schon bin. Diese Dickschiffe gaukeln mir eine Sicherheit vor, die es so nicht gibt. Ich hab satte 100PS, die mir voll und ganz reichen – und SCHALTEN, damit die rechte Hand eben weiß, wo sie was tun kann und der linke Fuß im Auto nicht einschläft.
    Aber ich bin froh, daß ich nicht alleine bin mit meiner Ansicht über Automatik-Autos. Ich schalte lieber „zu Fuß“ und da ich auch selten schneller als 140 fahre, hab ich bisher auch immer rechtzeitig die Fahrt aus dem Schiff gekriegt.
    Da wünsch ich Dir mit dem großen Auto immer gute Fahrt, wobei ich denke, daß Du es eh stehenläßt und mit Deinem gewohnten Auto fahren wirst. Egal womit Du fährst: Hauptsache Du steigst heil und wohlbehalten wieder aus. Ganz liebe Grüße aus der schönsten Hansestadt am Ryck vom Wolfgang 😉
    PS: gut, daß Dein linker Fuß nicht mit nach Australien is! Wie sieht das denn aus, wenn Du ohne den ausm Auto steigst*lol*

    • chinomso schreibt:

      Wolfgang, das sind sie, die jungen Kerle. 🙂 Die brauchen Power unterm Hintern.
      Die werden auch noch ruhiger. Hoffe ich doch. Spätestens wenn die Frau und /oder das Kind mit drin sitzt.

      Aber er ist wenigstens kein Raser, d.h. er fährt die Karre selten aus. Und ist alles andere als ein rücksichtsloser Fahrer. Das beruhigt mich.

      Ich fahre den DICKEN nur auf der Strecke zur Arbeit und zurück. Für alles andere wie einkaufen nehme ich den KLEINEN. Nicht zuletzt, damit der DICKE keine Macken von Einkaufswagen etc. bekommt. Man weiss ja nie.

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