Mein Herr Nicht-Doktor…

….hat mich heute froh gemacht. Ich fühle mich wohl in seiner Nähe. Er geht auf mich ein, er hört mir zu, er beantwortet ohne Hektik meine Fragen, hat sogar ein Ohr für meine Sorgen und Nöte und sagt am Ende: „Kommen Sie wieder, wann es ihnen am besten passt. Ich bin immer für sie da.“ **schmelz**

Und es handelt sich nicht um den Herrn ab und zu Gut-Tenberg. Denn, dem würde ich nicht mal die Hand geben wollen. Geschweige denn mehr von mir anvertrauen. Gott bewahre!!! Blos nicht!!!

Ich war heute Morgen um 8 Uhr schon wieder beim Zahnarzt. Nachdem mir der „Schlachter“ neulich den Weißheitszahn heraus gerupft hat und mir mit finsterer Miene und in äußerst vorwurfvollem Ton einen Vortrag über meine Versäumnisse in Bezug auf zahnärztliche Vorsorgetermine vor den weißen Schlabberlatz geknallt hatte, war ich heute wieder in dieser Praxis.

********ängstliches Grummeln im Bauch****Wer-weiß-was-heute-wieder-passiert?*****

Aber es galt die Versäumnisse der letzten Zeit auszuMärzen. Und welcher Tag wäre dafür besser geeignet als der 1. März??

Keine fünf Minuten Wartezeit und schon gings auf den Folterstuhl. Latz umgebunden, Wasser in den blauen Plastikbecher plätschern hören und an der Wand hängt ein Poster von Janosch „Don’t worry, be happy“. Guter Gag.  Die Sprechstundenhilfe sagte, als sie aus dem Zimmer ging: „So, der Herr Gerhard kommt sofort!“ Ich war überrascht, denn den Namen hatte ich noch nie gehört, wusste aber zumindest, dass es nicht der Schlachter von neulich sein würde. Das allein war mir schon eine Freude.

Und dann kam er eben, der junge Zahnarzt ohne Doktortitel. Er hatte vom ersten Moment an eine beruhigende Wirkung auf mich. Er sah sich meine Knabberleisten an und diktierte der Sprechstundenhilfe den Ist-Zustand meines Gebisses in den PC. Dann folgte eine ausführliche Beratung, keinerlei Vorwürfe – Warnungen – Hiobsbotschaften – Weltuntergangsprognosen wie sein Kollege, der gottgleiche Weißkittel, neulich. Ich muss dazu sagen, ich habe – das muss ich zu meiner Schande gestehen – das komplette Jahr 2010 keine Zahnarztpraxis mit meiner Gegenwart beehrt und es gibt deshalb auch 2-3 kleinere Baustellen in meinem Mund. Nicht, dass ihr denkt, ich hätte irgendwie die Großbaustelle am Start oder faulig-stinkende Stummel in der Futterluke.  Ich bin auch kein Zahnarzt-Phobiker, watt mut dat mut. Ich gehe da nicht gerne hin, aber 2010 ist mir das irgendwie entfallen. Keine Probleme gehabt und somit die Notwendigkeit erfolgreich verdrängt.

ABER da ist dann noch mein Sorgenkind, ein Milchzahn im sichtbaren  oberen Schneidezahn-Bereich. Der hat – rechnet selber nach – fast 50 Jahre auf’m Buckel und ist eigentlich soweit noch gesund, nur eben nicht mehr so bombenfest. Und ich habe die albtraumhafte Vorstellung seit Jahren, dass ich einen unschönen Tages in einen harten Apfel beiße und der Zahn den Weg alles Irdischen geht. Und dann – Albtraum Teil II – laufe ich wer-weiß-wielange(?) mit ner Lücke rum und habe ein Hexe Kaukau Lächeln. Ihr werdet lachen, aber ich träume schon von.  Und wann immer ich einem Zahnarzt diese meine Ängste vorgetragen habe – was sehr selten mal möglich war, denn die sind ja immer auf der Flucht zum nächsten Patienten – dann hieß es: „Da reden wir drüber, wenn es soweit ist. Da findet man schon ne Lösung.“ Aber wie die aussehen könnte, dazu hat nie einer was gesagt. Bis heute eben. Und der junge Herr Nicht-Doktor hat mir genau aufgezeigt, wie man sowas handhabt. Passiert es am Morgen, dann hat man innerhalb weniger Stunden, spätestens am Nachmittag des gleichen Tages, eine provisorische Lösung eingebaut, die die Zeit bis zur finalen Lösung bestens übersteht und optisch die Lücke unauffällig füllt. **SOIZ** Ich bin noch nie so erleichtert und guter Dinge aus einer Zahnarztpraxis raus gegangen. Und eins sag ich euch: Das werde ich ihm genauso mitteilen, wenn wir uns am 31.03. 2011 wieder sehen…. mein Herr Nicht-Doktor und ich.

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4 Antworten zu Mein Herr Nicht-Doktor…

  1. Ruthie schreibt:

    Brav isser! So mögen wir das. Ich wünsche Dir und Deinen Zähnchen alles Gute!

  2. Martina schreibt:

    Hallo meine Liebe,
    lese grade deine netten Zeilen und liege dabei mit einer heute frisch angefertigen provisorischen Knabberleiste vor meinem PC. Genau was der liebe Onkel Doktor dir vorgeschlagen hat , habe ich heute live erlebt. Puhhh, es war der Horror.. 2 Schneidezähne weggeruppt, alte Kronen und Brücken abgezogen und ein strahlend weißes Provisorium drauf. Aber Abbeißen und Kauen ist erst mal für die nächsten drei Wochen nicht drin, eine echte Alternative zu den Weight Watchern :).
    Sehen wir uns bald in BI bei I, dann zeig ich dir das Ergebnis im Wert von einem Kleinwagen ??
    Drück dich
    Martina

    • chinomso schreibt:

      Ach du Sch….. !!!! Dann weisst du nun wovor ich immer den Horror hatte und schon auch noch habe. Ich hoffe, du kommst da möglichst schmerzfrei raus und bist mit dem Ergebnis zufrieden. Wenn es so teuer ist, schmerzt das ja genug.

      Würde mich freuen, wenn wir uns sehen könnten. Lust habe ich auf alle Fälle. Wir rufen dich an und sehen mal wann es klappen kann.

  3. Frau Fröhlich schreibt:

    *ggg* noch ein älterer Posts auf den ich etwas schreiben muss … Willkommen im Club … ich habe auch mit 37 Jahren auf dem Buckel noch einen Milchzahn und auch mich graut es vor dem Tag der Tage 🙄

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