Licht aus in Lagos

Wegen eurem offensichtlich großen Interesse (was mich wirklich freut) kommen hier noch ein paar mehr Geschichten zum Thema. Einige Langzeitleser hier, die kennen die vielleicht schon. 🙂

Der Wildhüter und ich haben vorhin telefoniert und ich habe ihm von meinem Blogbeitrag berichtet. Er grüßt besonders alle, die ihn seit letzter Woche nun persönlich kennen, aber auch die anderen, die sich für das Thema Nigeria interessieren.

Die Situation ist unverändert. Kein Strom seit Mittwochabend. Als er mir berichtete, was er zum Frühstück getrunken hat – in kaltem Wasser aufgelöste Trockenmilch (bäh)- habe ich mich gewundert und wollte gerade nachfragen, wieso er denn keinen Tee trinkt. Da ging mir ein Licht auf. Er hat keinen Strom und wie soll er in der Großstadt dann heisses Wasser machen?? Mittlerweile weiß er, dass nur der Stadtteil  betroffen ist, wo er bei einem Freund wohnt. Es heisst, der Transformator für diesen Stadtteil ist kaputt… bis auf Weiteres.

Im Dorf bei seiner Mama wird nach wie vor alles auf dem Feuer gekocht, auch Wasser zum Haare  und Wäsche waschen. Aber in der Großstadt ist das problematisch. Ich weiss schon, wieso ich so gerne bei Mama Salomina im Dorf bin. Da ist man unabhängig von all dem modernen Kram. Sie lebt ihr Leben lang ohne Strom und alles, was damit zusammen hängt. Seit ungefähr 10 Jahren hat sie zwar auch dort Stromanschluß, nutzt ihn aber nicht. So hat sie witzigerweise einen großen Gefrierschrank, (von uns bekommen) den sie als Schrank für ihre Vorräte nutzt, aber ohne ihn an zu stecken. Sie sagt, das ist praktisch, denn da kommen keine Mäuse an die Lebensmittel.  **kicher**Dazu muss ich erklären, dass das Haus mitten im Wald liegt und die Insekten und Mäuslein jederzeit vorne ins Haus herein laufen und hinten wieder raus. Da muss man als Europäer schon unempfindlich sein. Und alles, was nicht von Mäusen zerfressen werden soll – Reisepass, Geld und Ticket zum Beispiel – muss sehr gut verpackt und versteckt werden. Sonst wird es in kleine Schnipsel zerlegt oder aufgefressen.

Meine Schwiegermutter hat eine komplett ausgestattete Küche mit einem Gaskocher und sogar einem Schnellkochtopf. Die Küche ist,  bis auf den Gefrier-Küchenschrank, unbenutzt. Salomina kocht bei Regen in ihrem Kochhaus auf dem Hinterhof oder im Freien auf der Feuerstelle. Sie hat das voll drauf und ich bewundere sie dafür. Sie kann mit dem offenen Feuer die Hitze hoch und runter regeln, so wie wir den Herd regulieren. Ich staune immer Bauklötze, denn ich sehe vor lauter Qualm gar nichts und huste mir einen ab. Die Augen tränen. Und sie lacht sich schief über mich.

Sie hat seit 2007 auch ein WC und eine Dusche. Wir haben  für sie dafür einen Anbau ans Haus bauen lassen. Hier mal die Baustelle der Wellness-Oase. Wir haben Arbeiter angeheuert, die sich vor Arbeitseifer regelrecht überschlagen haben… wie man hier sieht. Und der Bauleiter (in der Grube) blicket stumm auf dem Baugrundstück herum.

Bad und WC  werden mittels einer elektrischen Pumpe mit Wasser versorgt. Wenn beides in Betrieb ist. Ist beides aber  nicht, denn Salomina ist stur und geht auf ihr altes Klohäuschen, wie sie das immer gemacht hat. Das WC und die Dusche sind ihrer Meinung nach nur für Besuch. Also für uns. Sie findet, dass das eine ungeheure Wasserverschwendung ist. Und damit hat sie Recht.

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17 Antworten zu Licht aus in Lagos

  1. freidenkerin schreibt:

    Tausend Dank, meine Liebe, für deinen sehr interessanten Post!… Die Einstellung deiner Schwiegermutter gefällt mir sehr, ich werde versuchen, mir davon ein Scheiberl abzuschneiden… Grüße den Wildhüter bitte von mir!
    Herzlichst!

  2. paradalis schreibt:

    Jetzt habe ich Hunger auf eine gegrillte Bratwurst.
    🙂

    Es gefällt mir, wie sie leben.
    Grüße bitte auch von mir!

  3. tonari schreibt:

    Einem deutschen Bauleiter würde das Herz stehen bleiben. Nicht wegen der lässigen Arbeitshaltung der Bauarbeiter, sondern wegen der unausgesteiften Baugrube. Und niemals würde er da hinein klettern.
    (Kann ich das Foto für unsere jährlichen Arbeitsschutzbelehrungen nutzen?)

  4. Gedankenkruemel schreibt:

    Oh da können wir uns alle eine Scheibe abschneiden.
    Ich bin impresst. Es ist schwer sich das vorzustellen
    ohne es in real erlebt zu haben.
    Danke für den sehr interessanten Post.
    Herzliche Grüsse an deinen Wildhüter und
    unbekannterweise an deine Schwiegermutter.

    • chinomso schreibt:

      Und meine Schwiegermutter ist soooo zufrieden. Den Eindruck macht sie jedenfalls. Als Europäer steht man da eigentlich nur dumm rum. Es gibt so viele Sachen, die ich nicht kann. Das fängt schon damit an, dass ich kein Tier tot kriegen würde. Das einzige was ich mal gekillt habe, waren ein paar selbst geangelte Forellen (hier in Deutschland).

      • Gedankenkruemel schreibt:

        ich habe den Eindruck das sie wirklich zufrieden ist
        denn sie kennt ja das Leben nur so.

        Oh mir würde es ebenso gehen ich würde
        niemals ein Tier tot kriegen können.

        Aber man weiss ja meistens nie zu was man doch
        alles fähig ist, wenns drauf an kommt.

        • Synapse schreibt:

          Vor zwei Jahren war Corinne Hofmann in unserer Stadt und hat eine Lesung gehalten. Natürlich gab es hinterher viele Fragen, eben auch zu dem Leben bei dem Massai Kriegern. Ich war so was von beeindruckt, denn sie erzählte von ihrer Schwiegermama genauso wie du. Wenn man sich all die Entbehrungen vorstellt. Aber das sind wohl nur welche für uns Europäer. Die Menschen dort scheinen nichts zu vermissen. Ganz, ganz toll deine Berichte. Ich mag mehr davon lesen.

          • chinomso schreibt:

            Corinne Hofmanns Geschichte ist wirklich extrem. Ich habe das Buch 1999 im Urlaub gelesen und war schwer beeindruckt. So könnte ich nie leben.

            Hast du den Film gesehen? Der ist schlimm. So reißerisch. Das ist übel.

            So wie meine Schwiegermutter lebt, das könnte ich mir vorstellen. Das heisst nicht, dass ich das auf Dauer wollte. Aber ich würde es hin kriegen. Sie wohnt ja in einem Steinhaus und nicht in einer Hütte. Aber dennoch…. keine Waschmaschine, keine Kaffeemaschine, Bügeleisen mit Holzkohle usw.

            • Synapse schreibt:

              Den Film habe ich nicht gesehen. Dafür habe ich ihre Bücher regelrecht verschlungen. Wie gesagt, ich mag solche Berichte unwahrscheinlich gerne und deshalb bin ich von deinen auch so angetan, zumal du eine wundervolle Art hast, bildlich zu schreiben.

  5. Ruthie schreibt:

    Sehr interessanter Einblick!

    Grüße Deinen Liebsten von mir, wenn Du ihn wieder sprichst!

  6. dorosgedankenduene schreibt:

    Ich lese deine Schilderungen auch mit Begeisterung und finde es soooo wahnsinnig interessant. Ich glaube ich hatte dich das schon mal gefragt bei einem anderen Artikel, hast du dir schon mal gedanken gemacht deine Erfahrungen und all das zu Papier zu bringen und dann vielleicht noch mit eigenen Fotos?
    Ich muss Mandy vollkommen recht geben, du schilderst das so bildlich, einfach toll.
    Fahrt IHR eigentlich öfter dorthin?
    Das Buch von Corinne Hoffmann hab ich auch gelesen, aber ich glaube das war wirklich ein Extrem, denn auch aus Dokumentationen weiß man ja, daß MassaiKrieger extrem sind.

    Ganz liebe Grüsse an deinen Schatz wenn er wieder da ist.
    ♥liche Grüsse Doro

    • chinomso schreibt:

      Danke Doro. Ich habe das alles (oder das meiste) schon mal aufgeschrieben.
      Wer mehr lesen will, kann das hier:
      http://sonntagskind.myblog.de/sonntagskind/page/594345/Nigeria-99-00
      oder auch hier:
      http://sonntagskind.myblog.de/sonntagskind/page/16194413/Nigeria-2007

      Wir waren zum Jahreswechsel 2006/2007 zuletzt zusammen dort. Seitdem war Pascal einige mal da. Ich aber nicht. Momentan ist auch keine gemeinsame Reise geplant, denn es ist mir gerade zu gefährlich. Es gibt ne Menge Raubüberfälle und gerade Weiße sind betroffen. Das muss ich mir nicht geben. Abwarten. Vielleicht wirds mal wieder besser. Hoffentlich.

      • dorosgedankenduene schreibt:

        Da les ich ja auch immer mal wieder, weil ich es sehr interessant finde, so in andere Kulturen (sagt man so?) eintauchen zu können. Nein, das würde ich dann an deiner Stelle auch nicht tun, wenns so gefährlich ist.
        Mit aufschreiben und mit eigenen Fotos dachte ich allerdings eher an ein Buch. Du kannst so wunderbar plastisch schreiben daß man es sich genau vorstellen kann.
        Ein wunderschönes Osterfest

        Gruß Doro

  7. valentiner schreibt:

    Grüß doch mal meinen Bruder von mir. 😉

  8. Audubon Ron schreibt:

    Große Foto amerikanischer Politiker – immer ein größeres Loch zu graben.

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