Die flotte Feder °° Mai °°

Und plötzlich war da nur noch Stille. An diesem wunderbaren Ort, wo es sonst oft zuging, wie auf dem Time Square in der Silvesternacht. Wo das schillernd bunte Leben tobte, wo sich eigentlich immer irgendwas abspielte und schon manches Freudenfeuerwerk
abgebrannt worden war. Wo es seit ich denken kann immer geknistert hat, geknackt, gebrodelt, geleuchtet, geglitzert, getrommelt, gepfiffen und gefaucht.

Äußerst selten hatte ich erlebt, dass es hier so ruhig und dunkel war wie heute. Da war auf einmal nichts mehr. Nur diese gähnende Leere und gespenstische Ruhe. Man hätte die berühmte Stecknadel fallen hören können. Aber keiner ließ sie zu Boden gehen.

Außer mir war da scheinbar nichts und niemand. In den düsteren Gängen kein Zeichen von Leben. Nichts rührte sich. Aber so schnell gebe ich nicht auf. Also nahm ich all meinen Mut zusammen und stapfte im Halbdunkel mit zitternden Knien voran. Die Situation war irritierend. Da war nur der Widerhall meiner eigenen Schritte auf dem feuchten Untergrund. Mir war heiss und das wurde von Minute zu Minute schlimmer. War das etwa die Aufregung? Oder spürte ich schon einen leichten Anflug von Verzweiflung?

Das schien mir alles nicht normal. Ich hatte in der Vergangenheit hier immer gefunden, was ich suchte. Meist konnte ich sogar aus dem Vollen schöpfen. Meine Anfragen waren mitunter sehr exotisch, sie kamen spontan und mussten in der Regel schnell beantwortet werden. Aber dennoch bekam ich bisher zuverlässig das, was mir vorgeschwebt hatte. Okay, manchmal dauerte es länger, ein anderes Mal ging es dann wieder rasend schnell. Aber ohne Antwort war ich eigentlich noch nie geblieben. Nur heute war alles anders.

Hin und wieder blieb ich stehen und lauschte konzentriert in diese beunruhigende Stille hinein. Was ich hörte, war nur mein Echo. „Wie heisst der Bürgermeister von Wesel?………..esel.“

Die Zeit drängte. Es blieben mir nur zwei Tage. Dann musste ich ein Ergebnis vorweisen. Aber wie sollte das denn gehen ohne die bewährte Hilfe??Ich fühlte mich allein gelassen. Enttäuschung machte sich breit. Ich war wirklich langsam beunruhigt. Was war denn nur hier los?

Sollte am Ende etwas kaputt gegangen sein? Falls ja, dann was? Und wen könnte ich denn jetzt fragen? Gab es für solche Fälle vielleicht eine Hotline? Wer sonst würde den Fehler feststellen? Und war er zu beheben? Auch in der Kürze der Zeit? Fragen über Fragen, die mich alle nicht weiter brachten.

Während ich grübelte, ging ich tapfer voran. Tiefer und tiefer in die Dunkelheit hinein. Immer neue Weggabelungen zwangen mich jeweils zu einer Entscheidung. Ging es rechts herum oder eher links herum zu meinem gewünschten Ziel? Hoffnungsvoll ging ich jeden neuen Abschnitt des Weges an. Irgendwann musste da doch Licht kommen, musste ich doch die Erleuchtung finden.

Als ich schon nicht mehr recht dran glauben wollte, da war sie auf einmal da. Die verzweifelt gesuchte Geschichte.

Die dunklen Gänge im Labyrinth meines Gehirns wurden wieder hell. Und ich freute mich, endlich die vertrauten Geräusche zu hören. Ein lebhaftes Pumpen und das kraftvolle Hämmern, untermalt vom fröhlichen Sprühen meiner Gedanken.

Meine Phantasie hatte einfach mal eine Pause gebraucht. Und nun ließ sie es im Gehirn wieder ordentlich krachen.

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15 Antworten zu Die flotte Feder °° Mai °°

  1. Wow, tolle Idee! Ich tappte lang im „Dunkeln“, hatte keine Ahnung. Aber dann dämmerte es …

    Bei mir liegt grad eher „in der Kürze liegt die Würze!“ …

    Freu mich schon auf Deine nächste Geschichte!

    • chinomso schreibt:

      So sollte es sein….. keinen Schimmer haben. Das war meine Absicht. 🙂
      Eigentlich wollte ich die Geschichte „Schreibblockade“ nennen. Aber dann hätte ich die Katze gleich aus dem Sack gelassen. Und das wollte ich nicht. Mir ist kein geeigneter geheimnisvoller Titel eingefallen.

      Ich war auch schon bei dir und habe deine würzige Geschichte gelesen. s. comment

  2. Anna-Lena schreibt:

    Das ist aber eine starke Entwicklung mit einer gelungenen Wortwahl und einem Wirrwarr an Gefühlen, liebe chinomso. Ich hatte ein völlig anderes Ende vermutet und doch erscheint die Lösung am Ende überzeugend.
    Sehr gelungen!!

    Einen lieben Sonntagsgruß
    Anna-Lena

    • chinomso schreibt:

      Mir ging das am Mittwoch so. Ich hatte mir vorgenommen an dem Tag die Geschichte zu schreiben. Und da war nichts. Keine Spur einer Idee. Und dann dachte ich mir: Warum denn nicht mal über diese Leere im Kopf schreiben??

      Freut mich, wenn es spannend für euch war. So soll das sein.

  3. Follygirl schreibt:

    Auch Deine Geschichte ist überraschend, gefällt mir gut, eine tolle Idee.
    Vielen DANK fürs mitmachen , liebe Grüße Petra

  4. kuddels schreibt:

    Nach den ersten Sätzen assozierte ich “ Computer“, denn so geht es mir immer, wenn ich im meinem PC Chaos etwas suche und zum Teufel nicht finde.Ich gehe dann auf „off“ und beim späteren „on“—–sofort war es da.Ist doch komisch?Oder?

    • chinomso schreibt:

      Auch ne Variante.
      Ich denke, so etwas erlebt jeder User mal. Selbst meine Kollegen, die Experten sind, wissen manchmal nicht anders weiter. Dann heisst es: Bitte 1 x alles aus und dann 1 x alles wieder an. Und schon gehts.

      So ein PC ist eben „auch nur ein Mensch“ (nee, zum Glück sind wir soweit noch nicht)

      Schönen Sonntag dir da oben auf der Insel. Da wäre ich jetzt sehr, sehr gerne. Dann würde ich am Wasser entlang laufen, laufen, laufen. **schwärm*

  5. Brigitte schreibt:

    Schön beschrieben, der Moment wo es wieder hell wird, gefällt mir besonders gut 😉

    Ich wünsch dir noch einen schönen Sonntag
    Liebe Grüsse
    Brigitte

  6. Gedankenkruemel schreibt:

    Das war spannend von Anfang bis Ende.
    Erst am Ende ging mir ein Licht auf.
    Nachdem es wieder heller wurde..

    Liebe Grüsse
    Elke

  7. freidenkerin schreibt:

    Klasse, ganz große Klasse! 😀 Ich hab‘ vor lauter Spannung fast das Schnaufen vergessen! 😀

  8. werkstattschreiber schreibt:

    Wunderbar, Deine Geschichte. Einige Möglichkeiten hatte ich im Sinn, aber darauf wäre ich nicht gekommen. *Cool*. 🙂

    Viele Grüße
    werkstattschreiber

  9. april schreibt:

    Sehr gut. Du hast Spannung aufgebaut und bis zum Ende aufrecht erhalten, obwohl ich wusste, da kommt ein überraschendes Ende. Aufs Gehirn wäre ich jetzt allerdings nicht gekommen. Schön beschrieben.

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