Let your love grow

Die Liebe ist wie eine Blume. Ohne Pflege geht sie ein.

Frau Paradalis stellte neulich hier die berechtigte Frage nach den lebenserhaltenden Maßnahmen für die Liebe. Und damit meinte sie nicht die Liebe zu Maus, Hamster, Hund und Katz. Auch nicht die zu den Eltern oder Kindern sondern die zwischen Lebenspartnern. Lebensabschnittspartner sind in den Zusammenhang wohl auch nicht gemeint, denn für einen Abschnitt im Leben muss man sich keine großen Gedanken machen. Der geht schnell vorbei. Ich frage mich sowieso, wie man einen Partner so nennen kann? Da ist das Ende des Abschnitt doch schon eingeplant. Oder? Gibt es in der Liebe auch befristete Verträge? —-> Verträge und Beziehungen, das wäre auch noch mal so ein Acker, den es umzupflügen wert wäre.

Aber zurück zum Thema von Paradalis, stelle ich mir selber diese Frage:
„Was tun wir für unsere Liebe?“
Dann wäre die spontane Antwort: „Ähm, nix.“

Was natürlich so nicht ganz stimmt. Wäre es so, dann wäre unsere Liebe schon  verkümmert und wir in entgegengesetzte Richtungen auseinander gerannt. Es ist ja nicht so, dass ich das nicht auch schon erlebt hätte. Mit mehr als einem Partner. Wir sind ja keine Youngster mehr. Und ich bin eine ungeduldige Haut. Manchmal sogar rastlos. Und dass wir nun bereits 12 Jahre verheiratet sind, das ist nicht allein darauf zurück zu führen, dass wir (ich) älter und ruhiger/vllt. vernünftiger/geduldiger bzw. duldsamer geworden sind. (Sind wir das überhaupt? Außer älter natürlich?)

(Seit drei Tagen knabbere ich hier schon an dem Thema … oder ich kaue drauf rum. Heute will ich mal endlich zu Potte kommen)

Es lohnt sich nur, die Liebesblume zu gießen, wenn es sich tatsächlich um eine solche handelt und sie kein Unkraut ist. Unkraut kann auch gut aussehen und herrlich duften. Ist aber dennoch ne Mogelpackung.

Weg von der Flora…. wenn die erste Verliebtheit vorbei ist, der Rausch des Neuen verflogen und der Alltag einzieht, dann zeigt sich, ob die beiden mit den Macken des anderen umgehen können. Ich würde jedem dringend abraten, sich in eine Ehe zu stürzen ohne vorher den Alltag geprobt zu haben.  Ich glaube aber, dass die Zeiten eh vorbei sind, wo man rosarot verliebt bei den Eltern aus und beim frisch gebackenen Ehepartner einzieht. Heute sind die Leute klüger, sie ziehen erstmal zusammen und machen den Alltagstest bevor sie JA sagen und dafür unterschreiben.

Bei echter Liebe kann man die Macken des anderen ertragen. Und, dass jeder Mensch welche hat, das steht außer Frage. Oder??

Für den Liebes-Unkraut-Test muss man sich folgende Fragen stellen:
1. Was finde ich an diesem Menschen so spannend?
2. Ist es nur Interesse an dem, was er denkt und tut?
2a. Oder bin ich in einem Maße von diesem Menschen fasziniert, dass ich auf keinen Fall ohne ihn weiter leben will??

3. Was gibt es mir, wenn ich mit ihm zusammen bin?
3a. Was fehlt mir, wenn er weg ist?

4. Wie fühlt sich das an, wenn ich mir vorstelle, ich sehe ihn heute zum letzten Mal und dann ist er für immer weg?
4a. Tut das weh?
4b. Oder wär es okay?
4c. Leben geht auch ohne ihn weiter?

5. Gibt es bestimmte Verhaltensweisen, die mich an meinem Partner massiv stören?
5a. Hege ich die Hoffnung, dass er sich mir zuliebe während der Partnerschaft diese Verhaltensweise abgewöhnt?

Diesen Fragenkatalog könnte man natürlich beliebig erweitern. Und für jedes Paar wäre er anders, denn nicht allen Menschen sind die gleichen Faktoren wichtig.

Hat die Pflanze den Echtheits-Test bestanden, dann kann es los gehen.

Für mich muss es Faszination sein. (will sagen, für mich IST es das) Begeisterung alleine reicht nicht. Das wäre mir auf Dauer zu langweilig. Ich brauche auch Dinge am anderen, die ich (noch) nicht verstehe, die ich (noch) nicht nachvollziehen kann. Und ich muss Fragen stellen dürfen an meinen Partner und auch schlüssige Antworten bekommen. Bekomme ich die nicht, lasse ich nicht locker. Das hält die Beziehung am Leben und wir beide wachsen zusammen in zweierlei Hinsicht. Wir wachsen einmal mehr zusammen im Sinne von enger miteinander sein. Und wir wachsen zusammen im Sinne von gemeinsamer Weiterentwicklung als Paar.

Dennoch gibt es bestimmte Eigenheiten, die der andere hat, die würde ich nicht in Frage stellen. Denn die sind auf seine Herkunft zurück zu führen und auf die Art und Weise wie er aufgewachsen ist. Wäre das ein echter Störfaktor, dann würde DAS MIT UNS nicht funktionieren. Ich habe aus den Fehlern meiner Vergangenheit gelernt und bin heute der starken Überzeugung, dass man den andern so „belassen“ muss, wie er ist. Verlangt man, dass er sich grundlegend ändert, dann wird die Person eine andere sein. Und die Liebe wird kaum spürbar aber dennoch schleichend absterben und eines Tages tot  sein. Wir sind nicht Gott und nicht berechtigt, einen anderen nach einem Bild zu formen, das wir für richtig halten. (mit ändern meine ich nicht die Zahnpastatube, die jemand offen am Waschbecken liegen lässt oder die leer Klopapierrolle etc.)

Liebe ist für mich, den anderen so anzunehmen wie er ist und mich an ihm zu erfreuen, genauso wie mich an ihm zu reiben.  nein, nicht nur so—aber schon auch 🙂  Ich will  ihn besser verstehen, seine Begeisterung für Dinge teilen und ihn in mein Leben „einbauen“  können und das auch wollen.

Liebe ist Arbeit, die unglaublich Spaß macht. 

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5 Antworten zu Let your love grow

  1. freidenkerin schreibt:

    Das ist ein großartiger Post, liebe Iris! 😀 Toll!
    Ich danke dir von Herzen für deine in Worte gefassten Ansichten!
    Herzlichst!

  2. paradalis schreibt:

    Ich liebe deine Art, die Dinge zu beleuchten. Lese ich solche Artikel von dir, muss ich erst schmunzeln, dann nachdenken und schließlich fast weinen. Die ganze Gefühlspalette also.

    Und nun versuche ich mal für mich ein paar Antworten zu finden.
    🙂

    Euch auch weiterhin viel Liebe, Glück und Spannung. Grüße bitte auch den Pascal von mir.

    Heike

  3. april schreibt:

    Oh wow, eine regelrecht philosophische, aber allgemeinverständliche Abhandlung über die Liebe, ein flammendes Plädoyer fürs Zusammenleben, ein guter Test was die Ernsthaftigkeit der Liebe anbetrifft. Toll geschrieben.

  4. Anna-Lena schreibt:

    Ein bemerkenswerter und nachdenkenswerter Text , liebe chinomso – Hut ab!
    Liebe Sonntagsgrüße
    Anna-Lena

  5. fudelchen schreibt:

    Der letzte Absatz sagt alles, dem stimme ich zu 😆

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