Schwarz-weiße Geschichten

Es gibt Tage, da springen mich die Unterschiede der Mentalitäten an. Will sagen, mein Mann hat die afrikanische Ruhe weg und ich reeeesch misch ufff. Und zwar wie Sau. Der Aussage meiner Mutter nach bin ich eh viel zu geduldig mit ihm und lasse ihm zuviel „durchgehen“. Aber da bin ich anderer Ansicht und ich freue mich schon über mein, in 12 Jahren mühevoll angeeignetes Potential an südländischer Gelassenheit. Weg vom typisch deutsch-korrekten Korinthenkacken, hin zu mehr leben und leben lassen. Das ist mir eine Errungenschaft und davon weiche ich nicht mehr ab. Basta.

ABER – und jetzt kommt die aktuelle Geschichte dieser Woche- manchmal ist er bestimmten Personen gegenüber zu großherzig und voll der Vergebung. Da, wo ich den entsprechenden Kandidaten den Kopf abbeißen könnte, wenn ich dürfte. Kurz, sowas geht gar nicht. Das bringt mich auf die Palme.

Der Wildhüter wollte Montag nach Amsterdam reisen. Dort wohnt ein Bekannter eines Freundes, und dieser Mann wird diese Woche noch nach Nigeria fliegen. Von Amsterdam aus, wohl gemerkt, und nicht von Frankfurt. Diesem Mann galt es ein wichtiges Medikament für Mama Salomina zu übergeben. Per Post kann man nach Nigeria nix schicken. Das käme niemals an. Und für ein Päckchen von uns nach Amsterdam hätte die Zeit nicht gereicht. Ergo, er musste selber hin.

Auto kam nicht in Frage. Sein alter VW Bus hätte zulange gebraucht und vielleicht die Grätsche gemacht und überhaupt; Auto wäre zu teuer. Nun machten wir was über die Mitfahrzentrale klar. Ein junger Russe fuhr Montagmorgen von hier direkt nach Amsterdam und da konnte der Wildhüter für 40 Öcken mitfahren. Prima. Wir haben das so gebucht und er hat telefonisch dem Amsterdamer Bekannten gesagt: Ich bin Montagvormittag bei dir. Und der meinte, das sei okay. So weit, so gut.

Alles klappte wie am Schnürchen. Montag kurz vor Mittag war mein Mann an Ort und Stelle und meldete sich bei dem Bekannten wieder per Telefon. Der tat ganz überrascht und meinte: „Ach heute? Ach so? Ich bin aber in Belgien.“

Ursprünglich wollte der Wildhüter dann am Montagabend wieder mit der Mitfahrzentrale nach Hause kommen. Und nun? Was tun? Der Mann meinte, das wär ja nicht schlimm. Er käme ca. nachts um 01:00 Uhr aus Belgien zurück. Mein Mann solle halt solange irgendwo warten.

Ach neeee, das sind ja nur schlappe 12-14 Stunden. Nööö, macht garnix. Alles prima. Alle haben sich lieb. Oder was??

So geschah es dann. Mein unendlich geduldiger Mann wartete auf die Rückkehr des Kerls. Wenigstens konnte er bei ihm dann übernachten. Mittlerweile habe ich im Internet nach einer neuen Mitfahrgelegenheit für Dienstagnachmittag oder – abend gesucht. Aber leider war da nix zu machen. Und so rief ich morgens in Amsterdam an und gab eine Bahnverbindung mit Umsteigen in Köln durch.  Der Kerl wollte mich (be)grüßen und plauderte munter in des Wildhüters Handy. Dabei machte er den entscheidenden Fehler und nannte mich mehrfach hintereinander „Schatz“. Das war zuviel des Guten. Da platzte mir der Kragen. Ich habe ihn so richtig schön zur Schnecke gemacht. So eine unverfrorene Art. Wegen ihm hatten wir bis dahin schon ne Menge Zeit und Geld verplempert und dann kommt er mir auch noch komisch. (Ab und zu meckere ich mal ganz gerne mit jemandem rum, denn der Wildhüter bietet mir so wenig Gelegenheiten). Der Kerl kam gar nicht erst zu Wort. Ich verlangte nach meiner Standpauke sofort wieder meinen Mann zu sprechen.

Ende vom Lied. Der Wildhüter nahm dann die Bahn für nen schlappen Hunderter. Er kam gestern Abend dann gegen 23 Uhr nach Hause. Und er brachte jemand vollkommen Fremdes mit…. Das ist dann die zweite, ähnlich haarsträubende schwarz-weiße Geschichte, die ich euch morgen erzähle.

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6 Antworten zu Schwarz-weiße Geschichten

  1. fudelchen schreibt:

    Bohh…Hammer. Ich bin gespannt 😆

  2. freidenkerin schreibt:

    Starker Tobak ist das! Dem Kerl hätte ich auch die Meinung gegeigt! Aber so was von! Bin auf die Fortsetzung schon überaus gespannt!
    Herzlichst!

  3. Claudia Sperlich schreibt:

    Klingt spannend, nervig und auch liebevoll – ja wirklich.
    Möge alles gut gehen mit dem Medikamententransport.

  4. theomix schreibt:

    Geduld und Liebe, zwei Eigenschaften, die dir gegeben sind und in den letzten Jahren wachsen konnten. Der Rest ist in den Genen.

  5. Das war doch der perfekte Blitzableiter, gell? Und dem Bauch geht es ohne diese sich aufblähende Wut auch gleich wieder besser. Manche Menschen und ihre „Unbedarftheit“ sind einfach ärgerlich, da darf nicht nur, da muss Luftabgelassen werden.
    Liebe Grüße
    Elvira

  6. ute42 schreibt:

    Du machst es wirklich spannend.
    Dass du wütend warst kann ich sehr gut verstehen. Ich fürchte, ich wäre am Telefon ausgeflippt. Aber nützen tut das ja auch nichts. 🙂

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