Schwarz-weiße Geschichten °°2°°

Untertitel: Was ist die Black Community?

Ich saß also am Dienstagabend in meinem Wohnzimmersessel und laptopte bisschen rum. Das Essen für den Gatten war fertig gekocht und wartete darauf gegessen zu werden. Tick-tack-tick-tack. Die Zeit verging und ich dachte, es wäre nun bald mal soweit, dass der Mann auftauchen könnte. Schließlich war es mehr als zwei Stunden her, dass er als Standort den Hauptbahnhof in Frankfurt angegeben hatte. Da ertönte das wohlbekannte Handysignal. Der Gatterich verkündete, dass er zwar jetzt immer noch in Frankfurt sei, nun aber endlich den restlichen Heimweg antreten würde.Und **Trommelwirbel*** er würde eine fremde Person mitbringen. Es handele sich um eine Frau von der Elfenbeinküste. Die würde bei uns übernachten.

„Halllooooooooooooooooooo??????? Geht’s noch??“

Hintergrund war der folgende. Just als der Wildhüter in Frankfurt aus dem Zug gestiegen war, erreichte ihn der Anruf eines Freundes aus Bielefeld.

Honorè, ein früherer Nachbar von uns kündigte das Eintreffen einer „sister“ an, die „any moment from now“ aus dem Zug steigen würde. Die gute Frau wäre fremd in der Gegend, hätte wenig Kohle und müsste in Frankfurt und/oder Umgebung eine Unterkunft finden. Am besten für lau. Sprich, sie hat definitiv nicht das Geld für ein Hotel. Nicht mal für ne Pension. Und da sie am Mittwoch nen wichtigen Termin in Frankfurt haben würde, musste sie bereits Dienstag von Hannover kommend anreisen.

Und so ist das mit der black community. Wenn jemand in einer solchen Situation ist, dann muss man dem helfen. Und vor allem, wenn dann ein Freund sagt: „Kannst du die bitte aufnehmen? Sie ist okay. Keine Sorge.“ Dann macht man das eben. So die Regel.

Und ich hänge dran, an der black community. Und so etwas kam schon öfter vor und ist bisher nie schief gegangen. Nur, ich bin halt nicht entzückt, wenn ich das am Abend um 22: XY Uhr erfahre, wenn ich auf dem Weg ins Bett bin. Denn das heißt dann: Für genügend Essen sorgen und ein Bett beziehen.

Grrrrmpf!!! Kann sein, ich bin da nicht so offen und gastfreundlich und nett, wie man das von mir erwartet. Aber hey, ich bin einfach nicht entzückt von solchen Überfällen. Als der Wildhüter mich dann noch gebeten hat, doch bitte so lange wach zu bleiben, bis die beiden kommen, bin ich an meine Toleranzgrenze gestoßen. Nennt mich Sturschädel, aber ich bin ins Bett gegangen. Hab zwar alles vorbereitet, aber bin von der Bildfläche verschwunden.

Morgens bin ich wie immer zu meiner gewohnten Zeit aufgestanden und habe mich für die Arbeit fertig gemacht. Leider lag mein Handy im Wohnzimmer und ich musste mal rein schleichen. So habe ich die Frau schlafenderweise auf der Couch gesehen. Mein Gatterich wollte sie wecken, damit sie mir mal Hallo und Tschüß sagen kann. Aber ich hielt das für unnötig.

DOCH jetzt kommts. Im Nachhinein habe ich es bereut, sie nicht am Abend empfangen und morgens verabschiedet zu haben.

Denn….. sie arbeitet als Reporterin für ein Sport-Magazin in Abidjan und war für das Match Japan: Schweden gestern in Frankfurt eingesetzt. Sie hat es gesehen, Fotos gemacht und drüber berichtet. Das heißt, sie ist (in meinen Augen) eine mega spannende Person. Und ich Drösel habe mir diese Begegnung durch die Lappen gehen lassen. Ich Depp, ich depperter.

Und nun fragen sich sicher einige: Wenn das stimmt, wieso bekommt eine solche Reporterin nicht ihr Hotel vom Auftraggeber bezahlt? Bekommt sie eigentlich auch. Vor ihrer Abreise hätte sie das Geld bekommen sollen, aber eine sehr neidische Sekretärin des Verlages hat den Scheck nicht ausgestellt, weil angeblich der Direktor XY im Urlaub war und nicht sein Okay gegeben hatte. Die Frauen Fußball WM wartet aber nicht auf die Rückkehr des Herrn Direktor. So musste die Reporterin die Reisekosten aus eigener Tasche zahlen, bekommt das Geld nach ihrer Rückkehr sicherlich erstattet.

Happy End gibt’s dennoch. Wir sind jetzt telefonisch und per Mail in Kontakt und sie kommt Samstag vielleicht wieder, weil sie Sonntag beim Endspiel in Ffm dabei sein und drüber berichten wird. Eben, um 19:30 Uhr, hat Elisabeth angerufen. **froi**

Ergo: Mit ein bisschen mehr Offenheit und weniger Mißtrauen kann man viel mehr nette Leute kennen lernen als ohne.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Abenteuer Alltag, Erlebtes veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

9 Antworten zu Schwarz-weiße Geschichten °°2°°

  1. freidenkerin schreibt:

    Ich freue mich schon auf deinen Bericht, den du hoffentlich schreiben wirst, wenn diese spannende Person noch einmal unter eurem Dach weilt! 😀
    Ansonsten hast du aber nicht den geringsten Grund, dich in den A… zu beißen. Es ist ganz normal, und bisweilen auch sehr vernünftig, nicht immer über den Schatten unserer eingefleischten Gewohnheiten sowie Vorbehalte springen zu können…
    Herzlichst!

  2. theomix schreibt:

    Herzerfrischend zu lesen. Deine Ehrlichkeit am Schluss, umwerfend. Wie die Freidenkerin bin ich auf die Fortsetzung gespannt.

  3. chinomso schreibt:

    🙂 Ich werde berichten.
    Ich habe mir gerade vorgestellt, was meine Mutter wohl dazu sagen würde. Besser ich erzähl nix davon. Denn sie macht sich am Ende noch Sorgen, dass wir uns mal nen Kettens.ägenmö.rder ins Haus einladen.

  4. ute42 schreibt:

    Du bist wirklich ein Sturkopf 🙂 Ich kann dich ja voll und ganz verstehen. Bei mir allerdings hätte die Neugier gesiegt. Du hast das so schön erzählt und ich hoffe für dich und auch für uns, dass die Geschichte weitergeht.

  5. tonari schreibt:

    hm, sollte ich mir überlegen, euch urlaubsbedingtes asyl zu gewähren?
    wer weiß, wer da noch alles mit einreitet…. ;.)

  6. zimtapfel schreibt:

    Wie cool, du hattest die Fußball-WM in deiner Wohnung! 🙂

    Hihi, das mit der Black Community kenne ich gut von meiner halb-ghanaischen Freundin. Grundsätzlich, jeder und jede andere Schwarze ist ein brother oder eine sister. Auch die Mutter, die zwar selbst urdeutsch und käseweiß ist, jedoch, keine Ahnung, 10 oder 15 Jahre in einem kleinen Kaff in Ghana gelebt und gearbeitet hat, hängt da sehr drin, da schläft dann auch gern mal jemand auf dem Sofa, den man 5 Stunden vorher noch gar nicht kannte, weil er halt gerade in der Stadt ist und ’ne Bleibe braucht.
    Oder wenn ich mit meiner Freundin unterwegs bin, wird sie grundsätzlich (man sieht ihr ihre afrikanische Abstammung halt nunmal an) von Schwarzen (hauptsächlich Jungs) angelächelt und meist auch angesprochen „hey sister!“, wovon sie manchmal dann doch ein wenig genervt ist… Schwierig wirds immer, wenn es sich nicht um englischsprachige brothers handelt, sondern um frères aus dem französischsprachigen Afrika. Da darf ich dann immer dolmetschen, haha, ich mit meiner Fünf in französisch! Wobei ich das afrikanische Französisch auch tatsächlich fast, ich betone fast, ein kleines bißchen leichter zu verstehen finde, das scheint mir grammatikalisch ein klein bischen weniger kompliziert gestrickt zu sein.

    • chinomso schreibt:

      Die Frau schreibt leider auch in french. **grummel** Wo ich das nun so gut wie gar nicht beherrsche. In der Elfenbeinküste ist Französisch die Amtssprache. ABER die spricht recht flüssig englisch. Also können wir wenigstens reden. Das ist ja schon mal was.

      Ich bin echt gespannt, denn sie wird am Wochenende wieder in Rhein-Main sein und möchte gerne wieder kommen. Dann kann ich sie mal direkt sprechen und nicht nur schlafend betrachten oder am Telefon hören.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s