Donnerwetter

Als ich gestern trockenen Fußes und mit beschwingtem Gang das Büro verließ, sah der Himmel aus, als wenn die Welt nun tatsächlich untergehen wollte. Ich überlegte kurz ob ich den Weltuntergang an meinem Arbeitsplatz, auf dem Weg nach Hause oder zu Hause erleben wollte und entschied mich dann doch schnell fürs Verkehrsgetümmel. Was ich Minuten später bereuen sollte. Ein wenig zumindest, denn mir ging streckenweise echt die Düse. So ein Wetter hatte ich noch nicht erlebt. Der große Duschkopf da oben bei Petrus war auf den ganz harten Strahl gestellt worden und duschte alles gründlich ab. Die Straßen glichen innerhalb weniger Momente reißenden Bächen und ich kam mir vor, als würde ich einen Schwimmpanzer lenken. (Nicht, dass ich weiss, wie sich so ein Ding lenkt, aber so stell ich mir das eben vor.) Immer wieder hielt ich Ausschau nach einem geeigneten Ort mit dem Auto anzuhalten und dem strudelnden Bächlein zu entkommen. Zumal es dann auch noch anfing zu hageln. Die Hagelkörner waren aber nur erbsgroß und es bestand nicht die Gefahr, dass mein Auto Schaden nehmen könnte. Aber es bot sich keine Gelegenheit anzuhalten, denn entweder waren überdachte Stellplätze entlang der Straße schon belegt oder freie Plätze befanden sich unter gewaltigen Bäumen, die bereits anfingen ihr Blattkleid und kleinere Äste abzuwerfen. Also? Weiterfahren! hieß die Devise.

Wann immer sich der Verkehr nicht so besonders knubbelte und auch gerade mal keine bedauernswerten Fußgänger in der Nähe waren, machte ich mir den Spaß und trat ordentlich auf die Tube um damit schöne Wasserfontänen zu erzeugen. Was für ein Gaudi!

Meine Strecke führt unter anderem auch durch einen Tunnel in der Innenstadt. Dort trat das Wasser in Sturzbächen aus den Fluchttüren in den Seitenwänden und flutete die Fahrbahn. Das waren die Momente wo ich ein wenig das eigene Herzerl bubbern hörte, denn ich stellte mir vor…. es gibt gleich Stau, das Wasser steigt und ich saufe samt Auto ab und sterbe den Heldentod im Luisen-Tunnel. Dazu kam es Gottseidank nicht. Ich fand unbeschadet den Weg hinaus, hörte die Feuerwehr aber schon hinter mir anrücken. Außerdem ertönte  in der gesamten Stadt eine einzige Sinfonie der Martinshörner. Und es blinkte beinahe überall wild durcheinander… soweit man überhaupt was sehen konnte. Gewaltiger Donnerschläge ließen mich zusammen zucken und kräftige Blitze erhellten den schwarzen Himmel. Ein perfektes Naturschauspiel wurde mir geboten.

Ursprünglich hatte ich nicht vor über die Autobahn und auf dem schnellsten Weg heim zu fahren, denn ich wollte meine Lieblingstankstelle in einem kleinen Ort auf dem Heimweg ansteuern um meinen Gastank aufzufüllen. Diesen Plan warf ich unter den gegebenen Wetterbedingungen über den Haufen, denn der Weg hätte mich kilomerlang durch ein dichtes Waldgebiet geführt. Und auch wenn man bei Gewitter im Auto vor Blitzschlag recht gut geschützt sitzt, umfallende Bäume sind eine nicht zu unterschätzende Gefahr.

Mittlerweile hatte der Regen auch nachgelassen. Im Rückspiegel konnte ich sehen, dass die Welt in der Stadt immer noch im Untergehen begriffen war. Ich aber war dem entkommen. Und so fuhr ich fröhlich singend nach Hause.

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21 Antworten zu Donnerwetter

  1. Audubon Ron schreibt:

    Sing it baby!!!

    • chinomso schreibt:

      🙂 I want but I wasn’t able to memorize the lyrics. So my singin‘ in the car is mostly in a kind of lalalalaaaaa mode.

      • chinomso schreibt:

        So, I made my homework:
        I will learn it now. 🙂

        Raindrops keep fallin‘ on my head
        And just like the guy whose feet are too big for his bed
        Nothin‘ seems to fit
        Those raindrops are fallin‘ on my head, they keep fallin‘

        So I just did me some talkin‘ to the sun
        And I said I didn’t like the way he got things done
        Sleepin‘ on the job
        Those raindrops are fallin‘ on my head, they keep fallin‘

        But there’s one thing I know
        The blues they send to meet me won’t defeat me
        It won’t be long till happiness steps up to greet me

        Raindrops keep fallin‘ on my head
        But that doesn’t mean my eyes will soon be turnin‘ red
        Cryin’s not for me
        ‚Cause I’m never gonna stop the rain by complainin‘
        Because I’m free
        Nothin’s worryin‘ me

  2. Bellana schreibt:

    Du hast wirklich gute Nerven. Bei so einer Fahrt könnte ich nicht auch noch photographieren, ein Video aufnehmen und dabei noch singen. Wenigsten war die Autobahn ziemlich leer.
    Grüßle Bellana

    • chinomso schreibt:

      Bin ja auch recht langsam gefahren. Ich wollte so gerne die Blitze und den Donner einfangen. Aber hat nicht geklappt. Musste ich halt das Entertainment übernehmen.

  3. Aurum schreibt:

    Lach… das Video hätte von mir sein können. Solch ein Weltuntergangszenario hatten mein Mann und ich, als wir aus Schweden zurück kamen und auf die Fähre warteten. Der Himmel war schwarzlila und wild und die Fähre schaukelte tüchtig. Zum Glück kam sie überhaupt, es war die letzte an dem Tag.

    Weiterhin gute Fahrt wünscht Aurum

  4. freidenkerin schreibt:

    Pünktlich um elf Uhr abends ist dann das Donnerwetter – zum Glück in etwas abgeschwächter Form – hier in München eingetroffen. Es hat ordentlich geschüttet, geblitzt und gegrummelt, und ich war über das perfekte Timing schlichtweg entzückt! Denn es hat nicht nur schön abgefrischt, sondern auch das überlaute Volk vor der Radau-Kneipe am Eck vertrieben, so dass ich in Ruhe schlafen konnte…

    • chinomso schreibt:

      Das Unwetter war auf Deutschland-Tournee. Und hat deine Störenfriede wurde abgeduscht oder zumindest verjagt. Sehr schön. Eine dauerhafte Störung der Nachtruhe muss übel sein.

  5. ute42 schreibt:

    Du bist aber mutig. An Fotografieren hätte ich bei dem Unwetter nicht mehr gedacht. Singen während der Autofahrt schon eher, aber nicht so schön wie du, meist total falsch. Macht nichts, hört ja keiner. Die „raindrops“ sind auch ein Lieblingslied von mir. Ich werde mir gleich mal den Text klauen.

  6. Claudia Sperlich schreibt:

    Hier schüttete es auch und nahm mir mein schlechtes Gewissen, weil ich am frühen Abend beschlossen hatte, ich sei zu faul, den Garten zu sprengen.

  7. april schreibt:

    O lala, du hast Nerven, dabei noch ein Video zu machen. Toll. Deine Worte gefallen mir noch besser. Das sind so die kleinen Alltagserlebnisse, die du sehr anschaulich beschrieben hast. Und es tröstet auch ein wenig zu lesen, dass woanders das Wetter auch nicht normal ist.
    LG, April

    • chinomso schreibt:

      Freut mich April. Ich finde diese Alltagsdinge auch erwähnenswert und will mal wieder öfter was drüber schreiben. Denn eigentlich passiert jeden Tag was.

  8. Frau Fröhlich schreibt:

    Bei uns hat es sich nicht blicken lassen. Es wurde zwar mal kurz dunkel und in der Ferne hörte man ein Grummeln, aber Petrus hat es bei ein bisschen Regen belassen.
    Das scheint sich bei euch ausgetobt zu haben 🙂

    Meine Güte … ich hätte aber nicht die Nerven gehabt noch ein Video zu drehen *lach*

    • chinomso schreibt:

      Ach, als ich das gedreht habe war das Schlimmste schon vorüber. Ich habe ein kleines Stativ mit Klammeraffen-Beinen gekauft. Das werde ich bald mal an meinem Lenkrad anbringen und dann kann ich fahren wie die wilde Wutz und muss beim Filmen nicht mehr die Kamera halten. Und singen kann ich immer. Auch wenn die Hütte brennt (im übertragenen Sinne).

  9. Ruthie schreibt:

    Bei uns war das Unwetter schon um 9 Uhr abends. In der Stadt (16 km von hier) war die ganze Nacht Land unter. Bei uns war’s nicht sooo schlimm.

    Schönes Video mit klasse Gesang. (Mehr Text hätte ich auch nicht gekonnt 😦 )

    • chinomso schreibt:

      Oh neee, Ruthie!! Das Video ist aber wirklich in keiner Hinsicht ein Qualitätsprodukt. 🙂 Echt nicht. Das ist nur so ein just for fun Ding gewesen.

      Ansonsten, lass dich nicht fluten. Kopf immer hoch halten.

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