Der Spagat

Darf man an Tagen wie heute fröhlich sein? Darf man sich wohl fühlen und lachen und sein Leben so leben, als wenn nichts wär? Ja, ich finde man darf sehr wohl.

Es so zu handhaben heisst ja nicht, dass man herzlos ist oder es einem egal ist, was diesen Menschen in NYC am 11.September 2001 passiert ist.

Gestern haben der Wildhüter und ich weite Teile der 12 stündige Reportage über „9/11“ auf VOX angeschaut. Es war unglaublich ergreifend und ich bin sehr froh, dass wir uns die Zeit genommen haben. In dieser XXL Reportage kamen „einfache Leute“, der Mann von nebenan zu Wort. Anwohner, die die Katastrophe aus ihrer Wohnung mit ansehen mussten. Und es wurde über Helden berichtet, die diese Bezeichnung wirklich verdient haben. Besonders bewegt hat mich der Bericht über Patrick Brown, einen Feuerwehrmann, der sein Leben im Einsatz am 11. September verloren hat. Er hat es regelrecht „gespendet“. Er wollte Leuten beistehen, die dem Tode geweiht waren und er ist mehr oder weniger wissend, was ihn erwartet, da rein gegangen und hat vermutlich mit ihnen gelitten und ist mit ihnen gestorben. Es wurde seine Biographie aufgeblättert, ein Bild dieses Menschen gezeichnet, was sehr berührend war. Am Ende kann man beinahe vermuten, dass er sich diese Art zu sterben gewünscht hätte. Anderen in der größten Not helfend und Beistand leistend. Am Ende der Reportage über Patrick Brown haben wir bedauert, ihn nicht gekannt zu haben. Echte Helden sind selten geworden.

Dieser Terrorakt hat uns allen einen empfindlichen Schlag versetzt. Er richtete sich gegen die USA, aber er hat uns alle verletzt. Die Unbekümmertheit und der starke Glaube in die Sicherheit in der „freien Welt“ sind dahin. Mir ist seitdem mehr als vorher klar, wie groß die Gefahr ist, die von solchen Menschen ausgeht. Das war aber immer so. Alle Fanatiker der Geschichte haben irrsinnig großen Schaden angerichtet, wenn man sie einfach machen ließ und ihnen keine Grenze aufzeigte. Meiner Ansicht nach werden heute überall auf der Welt in Namen der Religionsfreiheit solchen fanatischen Menschen zu viele Türen und Tore geöffnet. Und so leben sie ihren Wahn und breiten sich nahezu unmerklich aus. Ohne Unruhe streuen zu wollen muss ich sagen, dass mich das bereits an einen Flächenbrand erinnert. Toleranz ist gut. Aber manchmal ist kein Platz für Toleranz.

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8 Antworten zu Der Spagat

  1. freidenkerin schreibt:

    Ich glaube, dass wir den Toten vom 11. September auch dadurch großen Respekt und Anerkennung erweisen, indem wir nicht in Starre, Furcht und Gram versinken, sondern auch weiterhin möglichst angstfrei Freude am Leben haben…
    Noch dazu – ich will jetzt nicht respektlos erscheinen, für mich haben die Anschläge von vor zehn Jahren auch eine sehr große und tiefgreifende Bedeutung aaaaaber: „Christliche“ Soldaten metzelten während der Kreuzzüge im Nahen Osten und der Eroberung Nord-, Mittel- und Südamerikas, Teilen von China und Indien sehr oft an einem Tag weitaus mehr als 3.000 Menschen nieder, nur um „im Namen Gottes“ an Reichtümer und Bodenschätze zu gelangen. Dieser Menschen wird heute kaum mehr gedacht…
    Liebe Grüße!

  2. April schreibt:

    Liebe Chinomso, das hast du ganz wunderbar geschrieben. Ich möchte dem nichts hinzufügen!!!

  3. chinomso schreibt:

    Ich freue mich, dass wir uns da (wieder mal) einig sind. Wirklich sprachlos und verzweifelt macht mich das Sterben der Kinder am Horn von Afrika. Denn das ist sozusagen on going während wir vor vollen Tellern sitzen und Tonnen von verwertbaren Lebensmittel in „unserer Welt“ aus Profitgier weg geworfen werden. Da fühle ich mich mitschuldig und schäme mich so sehr, dass mir die Worte beinahe fehlen.

  4. Anna-Lena schreibt:

    Danke für deine Zeilen. Die unterschreibe ich sofort.

    Wenn irgendwo ein Flächenbrand gelöscht ist, fängt an anderer Stelle wieder einer an, so war es leider immer im Laufe der Geschichte und solange wird es so bleiben, solange Menschen Geschichte schreiben.

  5. Daniela schreibt:

    Sehr schön geschrieben! Ich habe die letzte Woche fast jeden Abend „Rebuilding Ground Zero: Rising“ von Steven Spielberg geschaut. Eine Reportage über die Bauarbeiten am Ground Zero und viele viele „kleine“ Geschichten über 9/11 und die Menschen dahinter. Hat mich ebenfalls sehr bewegt. Du hast Recht, an dem Tag verlor eine ganze Generation ihre Unschuld.

  6. Frau Fröhlich schreibt:

    Ich kann mich deinen Zeilen nur anschließen.

    Schade finde ich jedoch, dass in solchen Berichten nicht vielleicht auch mal Menschen zu Wort kommen, die dem Islam angehören und das Geschehene genauso grauenvoll finden. Es wird einem in den normalen Medien fernab von den Berichten zu der Tat selbst ja ständig regelrecht sugeriert, dass Leute, die dem Islam angehören schlechte Menschen sind und das ist ja nun bei weitem nicht so. Aber die Engstirnigkeit und „Weit“sichtigkeit vieler Menschen ist ja leider bemitleidenswert und so wird dadurch der Hass auf beiden seiten immer mehr geschürt.

    Fehlende Toleranz gibt es nämlich nicht nur auf Seiten der Anderen, sondern vielmehr auf Seiten der Westlichen Welt.

    • chinomso schreibt:

      Stimmt. Da gebe ich dir Recht. Danke für den wichtigen Gedanken. Wir haben hier im Haus auch eine türkische Familie, die gläubige Moslems sind. Und sie leben uns vor, wie nett und normal Moslems auch sein können. Ich habe daran nie gezweifelt. Aber im Zusammenhang mit 9/11 ist nie die Meinung der Moslems gefragt.

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