Bummeln auf alten Pfaden

Ingrid und ich waren schon mehrfach in Paris, zusammen und auch mit anderen Freunden. Und wir lieben diese Stadt. Wie alle Städte, die an einem großen Fluß liegen, hat sie ein besonderes Flair.

Hier „Frau Republik“ auf dem Place de la République, der auffer Ecke 10-tes /11-tes und 3-tes Arrondissement liegt. Das war der Platz, an dem wir Sonntag um 10:30 Uhr vom Bus niederkamen und von wo aus wir Montagmorgen 00:30 Uhr wieder gen Bielefeld abhoben.

Die „wichtigsten“ Sehenswürdigkeiten, also die, wo sich die Touristen am meisten knubbeln, die waren uns nicht mehr so wichtig. Die wollten wir nicht alle abklappern. Aber Sacré-Cœur de Montmartre ist ein Muss. Allein der Blick über die Stadt ist immer wieder gigantisch schön. Und dann von dort aus runter in die Stadt laufen. Bummeln durch die Gäßchen und hier und da reinschnuppern. Dabei laufen einem die besonderen Fotomotive quasi vor die Kamera. Das allerdings braucht Zeit. Schnell, schnell und voller Hektik, Blick auf die Uhr und die Zeit im Nacken – das wird nix. Weiterhin spielen auch das Wetter und der Stand der Sonne eine enorm wichtige Rolle. Und die eigenen Befindlichkeiten. Gute Laune, entspannte Stimmung und einfach die Antennen ausfahren für den besonderen Blickwinkel.

Mein Problem, was immer gravierender wird mit den Jahren – ich kann ohne Kamera gar nicht mehr. Wenn ich nicht fotografieren darf / kann, dann bin ich regelrecht geknickt. Und wenn ich dann loslegen kann, dann müssen alle ständig auf mich warten. Und ich fange immer immer wieder Blicke meiner Begleiter ein, die sagen wollen: Was hat sie denn nun schon wieder gesehen? Was, bitte schön, soll da dran denn schön und fotografierenswert sein?? **augenroll**

Und da beginnt und endet der Spagat. Der zwischen dem, was ich will und wieviel die anderen ertragen und tolerieren können. Für mich wäre es okay, wenn ich mit der Metro ein Fotokulissen Hopping machen würde. Ich muss (im Gegensatz zu meiner Freundin Ingrid) nicht alles zu Fuß bewältigen. Denn es gibt einfach Ecken, die sind in meinen Augen einfach nur hässlich. Da fahre ich lieber mal paar Stationen und grase dort ab, was ich sehenswert finde. Und dann steige ich in die U-Bahn und hoppe weiter, spare Zeit und Energie. Dann bleibt auch mal ne halbe Stunde, in der ich in aller Ruhe in einem Lokal sitze und dort ausruhe und die Leute beobachte. Wenn ich dann noch Zeit habe, meine Eindrücke aufzuschreiben – meine Gedanken fest zu halten – dann ist es großes Erholungs-Kino für mich. Und ich komme nach so einer Reise mit meiner Art von Souvenirs zurück. Meine aufgeschriebenen Impressionen und meine Fotos. Das sind meine kleinen Schätze.

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6 Antworten zu Bummeln auf alten Pfaden

  1. shelkagari schreibt:

    Ich fühle da ganz und gar mit dir. Ich kann auch nicht mehr ohne Kamera, und ich kann mich noch gut an etliche frustrierende Situationen während der Florida-Reise vor zwei Jahren erinnern, als mein Nicht-mehr-Freund Timo mit seinem hastigen Stechschritt vorneweg eilte, als sei der Teufel hinter ihm her, und ich kopfschüttelnd und immer wieder knipselnd hinter ihm her bummelte…

  2. tonari schreibt:

    Drum sind mir Reisegruppenreisen auch ein Graus. Es ist einfach nicht mein Rhythmus. Nicht beim Gucken und Verweilen, nicht beim Genießen und Knipsen. Komme mir dann auch immer vor wie die berühmte Eisenkugel an den Hufen der Mitreisenden.

  3. april schreibt:

    Du müsstest mit mir in Urlaub fahren; ich brauchte auch so jemanden, der in Ruhe fotografieren und vielleicht auch etwas ntoieren möchte. In meiner kleinen Rheintour habe ich bei (1) so was angedeutet. Der Meinige versucht, geduldig zu sein. Aber beim Dalí-Haus sagte er (sehr typisch): „Da macht man EIN Foto und dann war’s das.“ ??? !! Oder: „Wenn du alle zwei Minuten stehen bleibst, kommen wir heute nicht mehr an.“ Du siehst, du bist nicht alleine. – Vielleicht hättet ihr euch tatsächlich für zwei Stunden oder so trennen sollen und dann in einem Café wieder treffen.

  4. Ruthie schreibt:

    Gib’s zu! Den Satz: „Mein Problem, was immer gravierender wird mit den Jahren – ich kann ohne Kamera gar nicht mehr. Wenn ich …. da dran denn schön und fotografierenswert sein?? **augenroll**“, den hast Du mir aus dem Mund geklaut!! Meine Kinder, die gleichen, die mir die Spiegelreflex geschenkt haben, beschweren sich, wenn ich in Berlin, in der Hauptstadt wohlgemerkt, Fotos machen will… Es war SEHR entspannend, mit Clara alleine unterwegs zu sein. Die hatte da keine Probleme mit mir :mrgreen:

  5. Gedankenkruemel schreibt:

    Reisegruppen hilfe nein Danke. Nie nicht.
    Und ohne Cam geht auch bei mir nichts mehr.

    So wie du es machen würdest mit Metro ein Fotokulissen Hopping
    machen ist ne gute Idee. Das hab ich die letzten Reisen (wo ich alleine
    dort war) immer so gemacht. Ne Metro Karte, Stationen aussuchen
    und dann kanns los gehen.

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