Paris in 3 1/2 Stunden

Das ist übrigens der neueste Trend aus Paris. Nix mit dürre Hühner. Üppige weibliche Formen habe ich in einer Galerie im Schaufenster gesehen. Na? Wie findet ihr das?? Oder hab ich da was falsch verstanden?? So ganz sicher bin ich nicht.

Der Wildhüter, meine Freundin Ingrid und ich waren dann gegen 17 Uhr per U-Bahn zu Sacre Coeur gelangt, ausgestiegen und den Rest bergauf gelaufen.

Egal wie hoch wir stiegen, meine Laune war eh im Keller. Und zwar wegen meiner Schusseligkeit in Sachen Geldbörse. Okay, es war gut, dass ich sie nicht verloren hatte. Es war auch gut, dass sie keiner geklaut hatte. Sie war unversehrt und rechtzeitig gefunden worden. Aber dennoch haderte ich mit mir. Das bisschen Zeit was uns noch blieb, hatte ich endlich gelassen und in vollen Zügen genießen wollen. So aber war ich in Gedanken immer bei Camille. Würde er es rechtzeitig wieder zurück in die Stadt schaffen? Oder gar im Stau stecken bleiben? Und ich müsste ohne meinen Perso, den Führerschein und all meine Karten wieder abreisen müssen??

(psst***unter uns***Camille ist nicht das, was man einen sehr orientierungsstarken Pariser nennen könnte. Er irrte mit uns anfangs in den U-Bahnstationen umher und schaut mehr als einmal eher ratlos aus der Wäsche, als wir ihn fragten, welche Linie denn nun die beste und kürzeste wäre. Und so sorgte ich mich, dass er es nicht hinkriegen würde, uns wieder zu finden. Und es wäre auch beinahe so gekommen. **räusper** der Rest ist Schweigen)

Ich saß also grummelnd unterhalb der vielbesuchten Kirche auf den Höhen Paris‘ auf einer Bank und grämte mich. Ingrid und der Wildhüter gingen weiter hoch, in die Kirche rein und ließen mich (auf meinen Wunsch hin) mal ne Weile in Ruhe. Ich muss dazu sagen, dass es mir schon seit Donnerstag auch körperlich nicht so pralle ging…. hormonbedingte Probleme. Die letzten Ausläufer einer Ära, die zu Ende geht. Und so war ich regelrecht bockig. Es gibt Fotos von diesen Momenten, da sitze ich mit wütend verschränkten Armen, ne Schnute ziehend auf der Bank und schaue böse. Sehe ich diese Fotos heute an, muss ich laut los lachen. Wie ein Kleinkind, das seinen Willen nicht kriegt. Wer mich besser kennt, der weiß, dass solche „Zustände“ äußerst selten vorkommen. Das sind dann kleine Naturereignisse. Immerhin keine Naturkatastrophen. Lässt man mich ne Weile in Frieden, gehts dann auch bald wieder. **zwinker** Aber ich bin eben auch nur eine kleine Zicke. 🙂

Und danach war es das Bestreben meiner Freundin zu Fuß runter zur Seine zu marschieren. Dort wollten wir dann irgendwann in den Tuilerien Camille wieder treffen. Und den Louvre wollten wir noch bei Abendlicht sehen. Aber sie wollte auf keinen Fall in die Metro rein und ein Stück des Wegen per Bahn zurück legen. Es galt die verlorene Zeit vom Mittagsbesuch bei Camille wieder rein zu holen. Und ich trabte immer in der Mitte. Sie weit vorne weg, der Wildhüter noch recht entspannt in langsamen Schritt hinterher. Im Gewimmel der vielen Leute ist es nicht einfach zusammen zu bleiben.

Ich schaute eigentlich ständig nach den beiden. Und heute frage ich mich: Wieso habe ich nicht die Notbremse gezogen. Mir war nach ner Weile ganz schwindelig vom vorwärts und rückwärts orientieren. Ich kaufte im Sauseschritt am Wegesrand Postkarten und Briefmarken und weiter, weiter, weiter ging die wilde Hetzjagd.

Hier eins der Fotos, wie ich sie liebe. So ein bisschen verwittertes Leben. Hinter diesen Fenstern fand ein lautstarker Streit statt. Dieses Paar, wohnhaft über den Souvenirläden von Montmartre, hatte sich ordentlich in den Haaren. Und es hörte sich sehr gut an, dieses französische Geschrei. Ich hätte gerne gewusst, worum es ging.

Die Zeit verging wie im Flug und wir sind trotz Rennerei erst bei Einbruch der Dunkelheit am Seine Ufer angekommen. Nach einigen Verirrungen und Verwirrungen fanden wir Camille wieder zusammen. Dann war dringend eine Rast im erst besten Restaurant nötig. Denn die Füße wollten nicht mehr und die Blase signalisierte Alarmstufe rot. Also fielen wir in ein kleines abseitiges Restaurant ein. Wir setzten uns bewusst rein, weil wir wussten drinnen ist günstiger als draussen. Trotzdem kostete ein kleines Wasser 6,-€ und der Rotwein war sogar billiger. **kreisch** Und ich hatte gedacht, das Wasser wohl das preisgünstigste sein würde. Pustekuchen. Aber mal egal. Irgendwann war die Batterien leer. Ich versuchte dann die Ruhe zu finden und endlich meine Ansichtskarten zu schreiben. Denn das ging im Laufen so schlecht. Es war klar, dass wir den Abend in dieser Lokalität nicht den gesamten Abend verbringen würden. Denn wir wollten unseren Dispo nicht überziehen. Und so ging nach dem Wässerchen die Wanderung weiter. Dann wieder mit Hilfe der U-Bahn. Wir orientierten uns in Richtung Place de la Republique, wo der Bus um 00:30 Uhr die Heimfahrt antreten würde. Schließlich ließen wir uns dann dort in der Nähe in einer Dönerbude nieder und verspachtelten jeder nen Dönerteller. **uff**
Geschafft. In vielfacher Hinsicht. Aber dieser Part war beinahe der entspannteste des gesamten Tages. Denn wir wussten, die Hektik ist jetzt vorbei.

Direkt neben der Busabfahrtsstelle lagen Obdachlose im Park auf Doppelmatrazen mit Bettdecke, ein Ehepaar einträchtig nebeneinander schnarchend unter der Bettdecke unter freien Himmel. Die Clochards wurden unter den Seine Brücken weg gejagt. Die haben nun die kleinen Parks für sich entdeckt.

Da steigt man in den bequemen Reisebus zum heimwärts schlafen und freut sich, dass es einem so gut geht.

Wer eine Reise tut, der kann etwas erleben….. Oder? Man wird nicht dümmer.

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21 Antworten zu Paris in 3 1/2 Stunden

  1. shelkagari schreibt:

    Du meine Güte! Was für ein Stress! Da wäre ich auch zickig geworden – und zwar richtig… 😕

    • chinomso schreibt:

      Meine Unterschenkel und Füße erhielten auf der Rückkehr im Bus dann den Rest. Sie waren am Morgen der Rückkehr geschwollen, wie nie zuvor in meinem Leben. Ich war schockiert. Mir ging echt ein wenig die Düse.Mittlerweile ist alles wieder gut. Eigentlich Dienstagmorgen schon.

  2. Ruthie schreibt:

    Liebes Zicklein, auch hier öffnet sich wieder sehr mein Herz für Dich! Ich kann das alles SO GUT verstehen und nachvollziehen. Einschließlich der geschwollenen Beine! Lass uns miteinander was Schönes machen, ja? I mog Di! ♥

    Die Bilder sind klasse!

  3. april schreibt:

    Das war dann eine Reise genau so, wie sie nicht sein sollte. Aber man kann nur daraus lernen. U-Bahn-Fahren in Paris finde ich genial, diese alten Stationen, die Schilder, die Menschen dort, die Reklame, die langen Gänge. In Paris kann man nicht alle Wege zu Fuß zurücklegen; dazu ist es zu groß. Alles ist viel weiter voneinander entfernt, als man denkt. Na ja, beim nächsten Mal wird alles besser. Um so mehr muss ich dir für die Karte danken.

    • chinomso schreibt:

      Ich liebe U-Bahnen generell. Gerade das Spielchen der Orientierung ist so spannend und ein regelrechter Sport für mich, es schnell und reibungslos hinzukriegen. Besonders reibungslos geht das in London. Die Nord-Süd-West-Ost Regelung zusammen mit der Endstation ist ideal.

      • Ruthie schreibt:

        Wie auf amerikanischen Autobahnen. Wenn man einigermaßen weiß, was wo ist auf der Landkarte, dann kann da erstmal nix schief gehen. Bei uns bin ich am nächsten Autobahnkreuz oft schon überfordert, weil ich nicht weiß, welches „Kaff“ in welcher Richtung liegt… Man sieht, es geht auch anders!

  4. theomix schreibt:

    Das ist ein Urlaub – von dem man sich erst noch erholen muss… Aber du hast es überlebt! Brauchst an keinem Survivaltraining mehr teilzunehmen. 😉

  5. Bellana schreibt:

    Und dabei ist Paris so eine schöne Stadt. Mit einem Metroplan in der Hand, auf dem man die Endstation der jeweiligen Linie ablesen kann, macht das U-Bahn-Fahren richtig Spaß. Und mit einer Tageskarte kann man, wenn man müde wird, sich auch die oberirdischen Strecken aussuchen, dann gibt es sogar noch etwas zu sehen. Vielleicht kannst Du den Ausflug ja wirklich noch einmal ganz in Ruhe nachholen.
    Grüßle Bellana

  6. Träumerle Kerstin schreibt:

    Au fein, ich kann Erinnerungen auffrischen. Wir waren 2010 mit Freunden vom Urlaubsort aus – an der Mosel – zu einem Tagesausflug in Paris. Schnelldurchlauf der wichtigsten und schönsten Orte. 24 Stunden waren wir unterwegs und ziemlich geschafft.
    Liebe Grüße von Kerstin.

  7. Das ist ja ein ReiseBericht der besonderen Art. Ich ziehe den Hut vor Deiner Geduld, wo doch so vieles so gar nicht nach Deinen Vorstellungen gelaufen ist. So große Städte sind nicht wirklich was für mich. NichtsdestoDrops war ich auch schon in Paris, auffem EiffelTurm und im Louvre. Allein dafür bräuchte ich ne Woche. Nach 6Stunden in diesem RiesenGebäude war ich so pflasterlahm, daß mir auch der exorbitante Preis des dort dargebotenen Kaffees noch akzeptabel erschien. Auch ich liebe es, solche Details wie das Fenster zu photographieren und Du hast trotz des Frustes schöne Bilder gesehen. Mit der Orientierung in der Stadt mittels StadtPlan und U-Bahn-Fahrplan hatte ich wenig Malaise, wir sind auch mit dem SchiffchenBöötchen nachts auf der Seine herumgeschippert, waren auf MontMartre, haben sogar die Rote Mühle gesehen. Aber bei solch dichtbevölkerten EinkaufsMeilen oder in der knüppeldickevollen U-bahn krieg ich schnell den klaustrophobischen Kasper und muß da auch schnell wieder wech, war dann auch wieder froh, als es wieder nach Hause ging.
    Nun bist Du wieder „an Land“ hast hoffentlich die WadenSchwellung von der langen Busfahrt wieder überstanden. Liebe Grüße an Dich und Deinen WildHüter vom Wolfgang aus der regennaßkühlwindigen Stadt am Meer.

    • chinomso schreibt:

      Dann hast du ja auch so einiges an Paris Erfahrung und kannst es nachfühlen, was wir so erlebt haben.

      Mittlerweile ist alles wieder easy. Die vergangenen Tage waren sehr relaxt.

  8. Gedankenkruemel schreibt:

    Ja das kann man wohl sagen „wenn einer eine Reise tut“.
    Ich bewundere dich, denn ich hätte da gestreikt.
    Ok man lernt draus…

    Ein Reisebricht der sehr spannenden Art.
    Danke das du das alles mit uns teilst.

    Liebe Grüsse, Elke

  9. ute42 schreibt:

    Zu kurz, zu schnell, zu hektisch. Ich kann dich gut verstehen, da hätte ich auch nichts von Paris gehabt. Ich bewundere deine Geduld. Ich fürchte, ich hätte nicht nur eine Schnute gezogen sondern gestreikt. Dabei ist Paris eine schöne Stadt. Schade. Aber was solls, ihr habt Paris besucht und seid wieder glücklich zu Hause gelandet. Deine Beine haben sich auch erholt und wenigstens ein paar nette Erinnerungen werden hoffentlich bleiben.

  10. Anna-Lena schreibt:

    Ich kann dich gut verstehen, denn wenn ich mich nicht gut fühle, sind mir Menschenmassen und ein Muss in anderen Dingen ein Greuel.

    Aber ihr hattet ja insgesamt auch schöne Tage und du hast dich hoffentlich gut erholen können.
    Ich habe mich an anderer Stelle schon für deine liebe Karte bedankt, mache es aber noch einmal hier, falls du es nicht gelesen haben solltest.

    Kommt gut wieder heim, oder seid ihr schon da?
    Alles Liebe euch beiden,

    Anna-Lena

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