Wann ist genug genug?

Nach einer Stunde an der Seine entlang spazieren kam Camille an meine Seite und fragte, ob es denn jetzt nicht genug sei. Das Rumlaufen. Ich hielt es für einen Witz. Später wurde mir klar, er meinte es ernst. Es wurde deutlich, dass ihm diese Touristen Nummer nur bis zu einem gewissen Maße sinnvoll und als Vergnügen erschien. (da ist sie wieder—die Abneigung der Afrikaner gegen solche Aktivitäten) Dann hatte er vor, uns zu sich nach Hause zu entführen, wo seine Freundin bereits ein Festessen vorbereitet hatte.

Wir hätten ihn gerne zum Essen in ein lauschiges kleines Lokal eingeladen und uns von ihm eine entsprechende Empfehlung erhofft. Aber das wäre gegen seine Ehre gewesen. Nach afrikanischer Tradition bewirtet man Freunde selber und nimmt sie zu sich nach Hause mit. Und dass das anders laufen könnte, daran hatten der Wildhüter nicht wirklich gedacht. Drüber gesprochen haben wir im Vorfeld nicht. Das war der Haken. Und so einigten wir uns, dass wir aber nach maximal einer Stunde wieder zurück in die Stadt fahren und unsere Paris Tour fortsetzen wollten. Die Männer stimmten zu…. ja ja alles klar. Nach ner Stunde fahren wir zurück.

So fuhren wir los gen Camilles home. Irgendwann dämmerte uns beiden Mädels auf dem Rücksitz des Autos, dass er ganz schön weit draussen wohnen musste. Und gerade Ingrid wurde mehr und mehr sauer. Sie legte ihr Veto ein und wollte an einer der Metrostationen am Wegesrand aussteigen und alleine in die Stadt zurück fahren. Das konnte und wollte Camille nicht akzeptieren. Er hatte ernsthaft Sorge, dass sie sich nicht zurecht finden und verloren gehen könnte. Irgendwie fühlte er sich für sie verantwortlich. Die Metro Station, die wir gesehen hatten, war übrigens die letzte am Außenring Paris‘ sozusagen. Dann begann das metrofreie Areal, wo es nur noch Bus und Regionalbahn gab. Und da tut man sich schon irgendwie schwer, wenn man wie wir wenig (Ingrid) bis gar nicht (ich) französisch spricht.

Also ging die wilde Fahrt weiter. Wir wurden bei Camille herzlich empfangen und an einen weißen Tisch unter dem Sonnenschirm platziert. Dann gab es ausgesprochen leckeres afrikanisches Futter. Und wir haben es genossen. Nach genau einer Stunde brachen wir wieder auf und fuhren zurück zu besagter letzter Metrostation, stellten Camilles Auto ab und fuhren mit der U-Bahn weiter.  Der Sonntagsnachmittags Rückreise Verkehr der Pariser hatte begonnen und es staute sich überall. Als wir in der U-Bahn waren rief Camilles Freundin an. Jemand hatte seine Geldbörse auf der Couch der Wohnung liegen gelassen. Es stellte sich heraus, dass ich der jemand war. Und so gab es nur eins. Camille fuhr alleine zurück um die Geldbörse für mich zu holen. Und wir drei düsten weiter gen Innenstadt.

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10 Antworten zu Wann ist genug genug?

  1. shelkagari schreibt:

    Little trouble in Paris? 😉

  2. april schreibt:

    Gut – bzw. nicht gut. Aus solchen Reisen kann man nur lernen, wie man es das nächste Mal anders macht. Ihr seid ja nicht nach Paris gefahren, um dort eingeladen zu werden und nichts von der Stadt zu sehen. Ich war übrigens tatsächlich einmal mit einer Freundin in Paris (noch gar nicht so lange her). Die fotografiert auch leidenschaftlich gerne. Nur, dass ich damals eine winzige, allererste Digitalkamera hatte und ‚ein anderes Auge‘ als heute.

    • chinomso schreibt:

      Das mit dem anderen Auge ist auch bei mir so. Das kann nur verstehen, wer so tickt wie wir. Ich glaube, ich muss da noch mal alleine hin oder mit jemandem der auch so ein Fotofänger ist. Es gibt manchmal billige Flüge. Ich glaub Ruthie war noch nicht in Paris. **grübel**

      • Ruthie schreibt:

        Liebchen, ich schwöre: Den letzten Kommentar hab ich geschrieben, ohne dies hier gelesen zu haben. Ja, es stimmt: Ich WAR noch nicht in Paris. Aber mein Englisch ist besser, als mein (kaum vorhandenes) Französisch 😉 Wann machen wir Urlaub??

  3. Audubon Ron schreibt:

    Look like fun to me.

  4. tonari schreibt:

    Immerhin blieb noch Zeit zum Kartenschreiben, was mich heute besonders gefreut hat 🙂

    • chinomso schreibt:

      Ein paar Blogger bekamen Nordsee Post und ein paar Paris Post. So habe ich das gerecht aufgeteilt. Und nur die, die mir sonst auch mal hin und wieder schreiben, die kriegen dann auch ne Urlaubskarte. Habe ja auch nicht alle Adressen. Gell?? So wird es Schuh draus. 🙂

  5. Gedankenkruemel schreibt:

    Liebe Iris,
    ganz ganz herzlichen Dank für eure Karte aus Paris.
    Paris ist eine meiner Lieblingsstädte.
    Das mag vieleicht daran liegen, das ich so oft dort,auch
    berufsbedingt war. Ich habe mich sehr gefreut, damit hatte ich
    nicht gerechnet. Desto grösser war meine Freude.

    Notre Dame im AbenLicht ist aus dieser Perspektive/Südseite
    fantastisch.
    (sie war Donnerstag Abend im Postkasten, gestern war ich nicht zu Hause)

    Herzliche Grüsse, Elke

  6. Gedankenkruemel schreibt:

    Das war ja ziemlich Abenteuerlich mit der Geldbörse.
    Ein Glück das du sie dort vergessen hattest und nicht
    anderswo in der Stadt.

    Nach einer Stunde schon genug vom rumlaufen haben..
    Ich habe noch nie genug bekommen, auch jetzt noch nicht.

    Die Idee Ruthie und Du mal alleine hinfahren sehr gut.
    Du/ihr werdet einen ganz anderen Eindruck von der Stadt
    bekommen denke ich.

    Liebe Grüsse, Elke

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