Von 100 auf 0 in einem Jahr ° Nachricht von Rosalie°

Wie gehts eigentlich Rosalie? (Wer sie noch nicht kennt oder sich nicht erinnert, der möge mal schnell hier nachlesen, um im Bilde zu sein) Das könnte sich der eine oder andere fragen. Wir haben hier seit Januar 2011 nichts von ihr gehört.

Bis zu einem Freitag Ende Oktober ging es ihr zusehends schlechter. Aber das nur auf den zweiten Blick. Sie ging immer noch ihrer Arbeit nach, die sich aber im Laufe der Zeit sehr verändert hatte. Die Jungspinnen im Niemandsland waren angelernt und brauchten ihre Hilfe nicht mehr. Sie wurden nun immer dreister und bissen mitunter in die Hand, die sie bisher gefüttert hatte. Schlimmer noch, die Kreuzspinne im fernen Land erlaubte ihnen, sich in Bereiche zu begeben, wo sie direkt mit dem König zu tun hatten. Dem König Kunibert Kunde, der es bisher gewöhnt war direkt von Rosalie alle benötigten Informationen zu bekommen. Rosalie sah sich mehr und mehr auf dem Abstellgleis. Ihr wurde ein Aufgabengebiet nach dem anderen abgenommen. Nur die Idioten Jobs blieben an ihr kleben. Das machte ihr keinen Spaß mehr. Manch einer hätte sich gefreut. Endlich weniger zu tun. Und das alles ohne Gehaltskürzungen. Aber Rosalie fürchtete ein böses Ende am Horizont herauf ziehen.

Die Jungspinnen im Niemandsland behaupteten der Sprache von König Kunde mächtig zu sein. Das aber stellte sich als Lüge heraus. Wann immer der König den Kontakt zu den Jungspinnen suchte, kam zutage, dass sie nichts verstanden von dem, was der König begehrte. Das Ende vom Lied: Der König war verärgert, enttäuscht und mehr als frustriert. Als er merkte, dass seine Sorgen und Nöte auch nach mehrfacher Beschwerde nicht ernst genommen wurden, suchte er sich neue Bezugsquellen und wanderte ab.

Die Devise und Einstellung der Jungspinnen zur Arbeit war mehr und mehr der Dienst nach Vorschrift. Tue niemals mehr, als was man von dir verlangt! Mach dir keine eigenen Gedanken. Handle ausschließlich nach den vorgegebenen Regeln, auch wenn sie noch so hirnrissig sein mögen. Dokumentiere jeden Schritt, den du gehst, damit Mr Kreuzspinne zufrieden mit dir ist und dir keiner was nachsagen kann. Selber mitdenken wird nicht bezahlt, also stelle es ein. Mach dir nicht den Stress.

Diese Entwicklung fiel der Kreuzspinne erst auf, als sie die schlechter werdenden Ergebnisse betrachtete. Es war Gefahr in Verzug. So holte man in diesem Sommer Mr Spiderman, einen aus der alten Truppe zurück. Rosalie kannte ihn sehr gut und war begeistert, als sie erfuhr, wer von nun an am Steuerrad stehen würde. Ihre Augen waren seither immer öfter gen Brücke gerichtet. Und sie hoffte im Stillen auf eine Änderung der gegenwärtigen Zustände. Auch bezogen auf ihre eigene Arbeit. Musste sie doch immer wieder die Klagen von König Kunde anhören und konnte doch nichts bewegen, das Rad der Geschichte nicht mehr zurück drehen. Das kann man ja nie. Dachte Rosalie bis zu diesem Tag im Oktober. Spiderman kam für ein paar Stunden vorbei, weil er ein Meeting mit ein paar wichtigen Leuten hatte. Sie brachte ihm Unterlagen, hatte einen kleinen small talk mit ihm. Da sagte er: „Mach mal die Tür zu.“ Rosalie ging aus dem Zimmer, denn ihr war klar, er hatte wichtige Telefonate zu erledigen, die nicht für jedermanns Ohren bestimmt waren. Als sie draussen war, hörte sie ihn lachend rufen: „Hallo? Hier geblieben. Du sollst die Tür von innen zu machen und dich mal zu mir setzen.“

Und dann erklärte er ihr, was er vor hatte. Er wollte die Uhr zurück drehen. Gegen alle Widerstände. Er wollte sie als Nr.1 Ansprechpartnerin von Kunibert Kunde gewinnen. Wieder zurück gewinnen. Vorher musste er sie fragen, ob sie dafür bereit wäre, ob sie sich das vorstellen könne. Aber sie hatte eine wirkliche Wahl. Sollte sie nein sagen, würde er eben jemand anderes für DEN JOB finden müssen. Und ihre Situation, die unbefriedigende, würde unverändert unbefriedigend bleiben. So sagte sie JA.

Einziger Unterschied zu früher: Sie sollte Ansprechpartnerin sein, die Arbeit die dann folgte aber nicht selber erledigen, sondern den Jungspinnen auftragen. Und die Ergebnisse dann überwachen, dafür Sorge tragen, dass König Kunibert bekam, was er begehrte. Sie würde der Flaschenhals sein, durch den alles zu laufen hatte.

Rosalie konnte es kaum fassen. Sie hätte viel erwartet, aber nicht das. Und es folgte eine Zeit der Umstellung. Alles wieder von 0 auf 100. Die Spinnräder summten wieder, es brummte das Geschäft. Alle waren begeistert. Die einen mehr, die anderen weniger. Die Jungspinnen gar nicht. Hatten sie doch den Anweisungen von Rosalie ohne Wenn und Aber Folge zu leisten. Spiderman hatte angekündigt, wer sich dem Plan ohne guten Grund entgegen stellen würde, der würde gehen müssen. Und dass er Ernst machte, hatte er in anderen Bereichen schon bewiesen.

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13 Antworten zu Von 100 auf 0 in einem Jahr ° Nachricht von Rosalie°

  1. Rana schreibt:

    Schön, dass es auch mal so gehen kann. Hoffentlich bleibt Rosalie noch lange glücklich und kann die Jungspinnen in Schach halten! Viele Grüße von der echten Rana

    • chinomso schreibt:

      Ja, finde ich auch. Mal sehen wie sich das entwickelt. Die Jungspinnen lassen mittlerweile Mobbingpläne erkennen. Das wurde Rosalie zugetragen. Wenn sie jetzt fies wäre, dann würde sie dem Spiderman davon erzählen. Dann hätte es sich schnell ausgesponnen auf der Jungspinnenseite. Aber noch lächelt sie drüber.

      Viele Grüße an die echte Rana. Denn nicht überall ist Rana drin, wo Rana drauf steht. Habe ich gestern von der ersten Sekunde an gewusst.

  2. shelkagari schreibt:

    Ich finde das ganz große Klasse! Die Jungspinnen hatten ja ihre Chance – und haben sie nicht richtig zu nutzen gewusst… Der Mr. Spiderman hat in jedem Falle einen sehr guten Geschäftssinn und eine hervorragende Spinnenkenntnis! 😉
    ♥liche Grüße von der echten Freidenkerin!

    • chinomso schreibt:

      Und für Rosalie ist es eine Bestätigung. Ihr Weg, wie sie ihre Arbeit all die Jahre davor gemacht hatte, der war wohl der richtige.

      Liebe Grüße an die echte Freidenkein. Bisher bin ich nur der echten begegnet. Kein brauner Dreck von einer Pseudo-Freidenkerin.

  3. Ruthie schreibt:

    Coole Story, wie immer hier! Sollte diese Geschichte autobiografische Züge haben 😉 😉 , ganz ♥lichen GLÜCKwunsch!

  4. Sigrid schreibt:

    Sollte sie autobiografische Züge haben, klingt das doch sehr vielversprechend.
    Alles Gute!!!

  5. Bellana schreibt:

    Manchmal wendet sich doch noch alles zum Guten.
    Grüßle Bellana

  6. perle schreibt:

    Alle Jahre wieder ziehe ich mit dem Blog um 🙂 Das Jahr ist um und ich nun hier zu finden

    http://www.schnackblog.de

    LG Perle

    P.S. Nicht meckern … :-))

  7. tonari schreibt:

    Hach, ich freu mich für die Rosalie, auch wenn es ein gerüttelt Maß mehr an Arbeit und Verantwortung bedeutet. Aber das kann ja auch Spaß machen.
    Klar, dass die Jungspinnen zu spinnen beginnen. Ist ja nicht mehr so gemütlich im Netz 😉

  8. Ja so ist im Management endlich gesehen worden, daß die Alten, die Rosalies, Adelheids und Mechthilds dieser Welt doch gute und solide Arbeit leisten und letztendlich effektiver sind als die jungen Blender. Die Entwicklung ryckwirkend betrachtet ist ja überall auf dem Weg zum papierlosen Büro, was sich bei uns derart äußert, daß für Vorgänge, die vor Jahren mit nur einem dünnen begleitHeft dokumentiert wurden jetzt mit einer großen A4- Seite davor und einer großen A4-Seite zusätzlich zum BegleitHeft beantragt, beglaubigt, genehmigt, gesehen, beobachtet, sachlich und kaufmännisch geprüft, abgerechnet, überprüft werden müssen. Eine überbordende Verwaltung die sich nebenbei auch noch dem KernGeschäft widmen soll und immer mehr FachDeppen und HalbLeiter installiert und sich zunehmend selbst im Weg steht. Kannst ja mal den SpiderMan auch hier vorbeischicken, der das Rad wieder zurückdreht und dem JungSpinnenVolk mal wieder zeigt, wie der Hase wirklich läuft.
    Also auffi! Back to the roots! Es ging früher einmal darum, daß das Feuer nicht ausgeht. Da kommen wir über kurz oder lang wieder hin.
    Ganz liebe Grüße vom Wolfgangt aus der schönsten Hansestadt am Ryck.

    • chinomso schreibt:

      Das hast du ganz und gar zutreffend formuliert. Bei Rosalie heisst das A4 Blatt „Workflow“ und wird online ausgefüllt. Es werden immer hirnrissigere Anforderungen gestellt. Kunibert Kunde muss quasi beweisen, dass er existiert. Nicht nur dass er zahlungsfähig ist. Das reicht nicht mehr. Und die Jungspinnen im eben gerade noch sozialistischen Staat, die fordern ihn im Kasernenhofton auf, den Beweis dafür zu erbringen. Tut er das nicht, kann er nix bestellen. Oder schon bestellen, kriegt aber nüscht. **haare-rauf** Das muss anders werden.

      • … das sorgt dann letztendlich dafür, daß Kunibert Kunde bei so rüdem UmgangsTon ihm gegenüber sagt: „Dann klarrt mich doch an‘ Moors“(plattd. für das Zitat des Götz v. Berlichingen) Der wird sich internet sei dank ein Unternehmen suchen, irgendwo am anderen Ende der Welt, das ihm die Leistung auch bietet. Und den JungSpinnen ist zu wünschen, daß ihnen die gesamte Kundschaft auf die Weise wegbricht. Nur dann wird ihnen der Kasernenhofton gründlich vergehen. Rosalie und ihre Kolleginnen machen eine kleine Manufaktur mit DirektVermarktung in Eigenregie auf und gewinnen so ihren alten Kunibert Kunde zuryck.
        GLGr aus der hochnebeltrübgrauen Stadt am Meer vom Wolfgang.

        • chinomso schreibt:

          Wenn das so einfach wäre…. Wenn die Kundschaft geht, dann geht für Rosalie und alle anderen das Licht aus.Diese Woche hat gezeigt, das die Jungspinnen auf dünnen Eis wandeln. Und bald machts dann Knack. Und Blupp.

          Schönes Wochenende euch.

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