Helau, Kölle Alaaf & Narri Narro und wie sie heute alle rufen….

Heute möchte ich mal aus gegebenem Anlaß eine Lanze für den Karneval brechen.

Nicht nur hier in Bloggerhausen lese ich immer wieder, wie schrecklich die Leute den Karneval finden. Und was für unglaubliche Dinge da passieren, von denen man sich, wenn man noch ganz klar im Kopf ist, dringend distanzieren muss. Da wird dann die ganze Palette der negativen Vorurteile aufgezählt.

Als da wären….
Die Jecken – nicht selten sind das durchaus vernunftbegabte, erwachsene Menschen – steigen in unmögliche Gewänder, malen sich die Gesichter bunt an und setzen Polyesterperücken in schrillen Farben auf den Kopf. In diesem lächerlichen Aufzug trauen sie sich dann auch noch unter Leute. Bei der Karnevalsparty angekommen gröhlen sie wieder und wieder dä.m.liche Lieder, umarmen fremde Menschen, verteilen Bützje, sind aber eigentlich nur aufs Saufen aus. Dies dient der Herabsenkung der natürlichen Hemmschwelle und des angeborenen Schamgefühls und das allein zu dem Zwecke, mit dem/der Erstbesten im Vollrausch nach oder während der Party in einer dunklen Ecke den Austausch von Körperflüssigkeiten zu vollziehen. Später erinnert man sich weder an den Austauschpartner noch an Ort und Zeit. Sodom & Gomorrha landauf landab. Der Verfall der guten Sitten muss hier beklagt werden.

Was soll man nur tun? Tatenlos zusehen oder in völliger Verzweiflung einfach mitmachen? So nach dem Motto: „Jetzt ist es auch schon egal“

Ich habe mich schon vor Jahren dafür entschieden, dem wilden Treiben aus nächster Nähe beizuwohnen. Einer muss ja aufpassen und dafür sorgen, dass es nicht zum Äußersten kommt. Gell?

Dafür treffe ich mich am Nachmittag der Faschingsparty mit einer Freundin. Denn wir gehen nicht zum Straßenkarneval. Das ist uns zu kalt. Wir lieben die kuhstallwarmen Tanzsääle und das Bad in der Menge. Mit der Freundin zusamme nehme ich bei einem inspirierenden Gläschen Sekt die Umwandlung von uns beiden von farblosen dicklichen Raupen in betörend schöne, verführerische Schmetterlinge in Angriff. (auf ein Foto von uns muss an der Stelle leider verzichtet werden, weil die Gefahr besteht, dass der Betrachter beim Anblick von soviel Schönheit erblindet)

Und dann gegen Abend ziehen wir los. Man kann uns nicht erkennen, es ist ein bisschen wie beim Karneval in Venedig. Wir tauchen ab in die Welt des Karnevals und dort, wo wir auftauchen, kennt uns keiner wieder. Wir amüsieren uns, ganz wie es sich für Ladies gehört. Wir tanzen zwar wild und ausgelassen, wie niemals sonst das ganze Jahr über. Aber wir verfallen dennoch  nicht ein einziges Mal in unanständige Posen. Wir erlauben nur unschuldige Bützje und küssen keinen der zahlreichen Anwärter anders als auf diese Weise. Sie machen uns schöne Augen und wir ihnen mitunter auch. Aber wollen sie mehr, dann verschwinden wir so wie wir vorher aufgetaucht sind. Denn es gibt der Tanzsääle gar viele. Rücken uns wilde Burschen ungebührlich nahe auf den Pelz, dann verlassen wir den Ort des Geschehens und beginnen das Spiel einfach ein Haus weiter von neuem. So vergeht die Nacht. Wenn die Füße und Leiber müde vom Tanz und die Sinne vom Wein benebelt sind, dann ist es an der Zeit, den Fahrer zu rufen, auf dass er uns nach Hause holen möge.

Mit der Schminke und der Verkleidung legen wir auch die Hemmungslosigkeit ab. Wir werden wieder bescheiden wie die Röslein im Moos. Und wir leben unser stilles Leben als Hausfrauen, Mütter und Frau Mustermann, bis die Fanfaren von den Zinnen wieder den Ruf des Karnevals erschallen lassen. Dann beginnt sie wieder, die jährliche Metamorphose.

Dieses Jahr müssen die Fanfarenklänge leider vergeblich verklingen. Ich geh nicht los. Denn mir fehlt eine Begleiterin. Mit meinem Angetrauten habe ich das schon versucht. Das klappt nicht. Er ist kein Karnevals Fan und versteht nicht, was das alles soll. Zieht dann ein langes Gesicht, ist gelangweilt und drängt dauernd nach Hause zu gehen.

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11 Antworten zu Helau, Kölle Alaaf & Narri Narro und wie sie heute alle rufen….

  1. shelkagari schreibt:

    Möööönsch, du hast mir jetzt so richtig Lust auf den Karneval gemacht! 😀 Sehr, sehr schade, dass du so weit weg wohnst! Mit dir zusammen um die Häuser bzw. durch die Ballsäle zu ziehen, wäre mit Sicherheit eine Mordsgaudi!

  2. Ruthie schreibt:

    Also, MIT DIR um die Häuser ziehen könnte ich mir auch vorstellen. Aber dazu brauch ich keinen Fasching 😉

    Kuss und Gruß! Helau 🙂

  3. theomix schreibt:

    Ist einfach eine Fremdsprache für mich geblieben. Und mittlerweile merke ich, ich werde sie nicht mehr lernen und bemühe mich nicht mehr darum.
    Launige Worte und humorvoller Unfug sind für mich nicht an Termine gebunden.
    Aber wenn du in dieser Sprache sogar Lieder singst… da staunt selbst das Nasobem.

  4. torenia schreibt:

    *lach*
    Nun gut. Wenn man es so liest, wie Du es hier schreibst – okay, dann hört sich das richtig nett an.
    Es sei Dir gegönnt!!!!
    (Allerdings ist der letzte Abschnitt dann ja doch traurig. Wie schade für Dich, dass es dieses Jahr nicht geklappt hat. Aber nächstes Jahr ist wieder Fasching. Ganz sicher! *zwinker*)

    P.S,. Trotzdem ist es nicht meines. Wirklich nicht. (konnte ich mir jetzt nicht verkneifen)

  5. ute42 schreibt:

    Von klein auf hatte ich nichts mit Fasching oder Karneval zu tun. Tut mir leid, aber das „lerne“ ich auch nicht mehr. Trotzdem freut es mich natürlich, wenn ihr den Karneval genießt. Auch in der Beziehung heißt es „Leben und leben lassen“ oder „jedem Tierchen sein Pläsierchen“. Jedenfalls hoffe ich, dass du im nächsten Jahr wieder eine passende Begleiterin findest und so richtig abfreiern kannst.

  6. april schreibt:

    Wenn et Trömmelche jeiht – so sagen wir. Was Karneval angeht bin ich hin- und hergerissen. Früher habe ich es so ähnlich gemacht wie du, mich ähnlich vergnügt und wenn es ernst wurde: Ab durch die Mitte nach dem Motto: Woanders ist es auch schön. Das Tanzen und Singen, das kann man so ungehemmt und exzessiv nur im Karneval und ich fand es auch immer schön, mich mit fremden Menschen auszutauschen 😉 verbal und beim Singen und Flirten. Und dachte: Warum nehmen wir nicht etwa davon in den Alltag hinüber, etwas von dieser Leichtigkeit, diesem Wohlwollen, dieser Fröhlichkeit. Auch ‚inkognito‘ zu gehen macht Spaß und muss nicht zu übermäßiger Enthemmtheit führen. Aber leider gibt es auch diese andere Seite der Medaille: das Saufen und ‚Wildpinkeln‘ und das … in dunklen Ecken oder sonstwo, der Dreck und das Glas. Ich habe auch keinen Begleiter oder eine Begleiterin, hab’s schon mit verschiedenen probiert. Schade, dass du nicht hier wohnst.

  7. chinomso schreibt:

    Ich gestehe euch mal was….. Seit ich nicht mehr in NRW wohne hatte ich auch keinen solchen Spaß mehr am/im Karneval. Also nicht nur dieses JAhr nicht. Haltet euch mal fest…… Ich bin schon genau 10 Jahre da weg. Aber ich vermisse es echt. Jedes Jahr zum Karneval wieder aufs Neue. Doch die Geschichte hat auch einen Hintergrund, der irgendwie sehr traurig für mich ist. Die besagte Freundin ist mir regelrecht abhanden gekommen. Muss ich mal aufschreiben, das Drama.

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