Vorwärts und gen Norden

…geht jetzt die Reise. Ich sitze in der Bahn und habe endlich mal nen Vorwärtsplatz. Leider hatte ich auf der Hinfahrt immer nur Rückwärtplätze. Und das, wo ich doch so schlecht rückwärts fahren kann. Aber ich bin selber Schuld. Hätte ich halt bei der Reservierung dran denken müssen.
Aber die Reise nach Augsburg war eh eine sehr stressige Angelegenheit. Nachdem ich meinen Blog hier in einer recht entspannten Laune geschrieben hatte, flog ich aus dem Netz. Schreiben, bloggen, chatten waren also nicht mehr möglich. Der Zug wurde rappelvoll und neben mir kam ein Mann zu sitzen, dessen Leibesfülle in etwa mit meiner zu vergleichen war. Und dafür ist so ein Doppelsitz im IC einfach zu schmal.  Ich hatte dummerweise den Mittelsteg, auch Armlehne genannt, lange vor Eintreffen des Mannes hoch geklappt um mich besser entfalten zu können. Als er erstmal saß, war es zu spät. Er klebte regelrecht an mir dran, was mir mehr als unangenehm war. Er kam zwar nicht ungepflegt daher, aber der direkte Körperkontakt – Schenkel an Schenkel und Oberarm an Oberarm – mit einem völlig fremden, stark parfümierten Mann ekelte mich regelrecht an.
Irgendwann wagte ich die Armlehne runter zu klappen und tötete dabei beinahe Teile seines Bauchgewebes ab. Es half nicht viel. Ich spürte seine Wärme. Örks!! Ich hätte weglaufen mögen. Aber wohin denn bitte?
In diesen Momenten bereute ich, nicht mit dem Auto gefahren zu sein. De Härte kam aber noch. Er schlief ein und irgendwann wurde die Luft im Abteil immer schlechter. Die Mitreisenden, allesamt Männer (in meinem Sichtfeld jedenfalls,) schnorchelten und schnarchten vor sich hin. Ich konnte sie einzeln analysieren, mir vorstellen was sie wohl für Berufe haben mochten und ob Familie oder nicht, ob verheiratet oder Single. Und vielleicht ging meine Fantasie mit mir durch, aber es schien, einer der Schläfer musste die Abgasöffnung an seiner unteren Rückseite geöffnet und seine gesammelten Verdauungsgase ins Abteil verklappt haben. Mir wird allein bei dem Gedanke schon wieder schlecht.
Endlich erreichten wir Stuttgart. Ich durfte raus und den Zug wechseln. Der Schläfer neben mir wachte auf, fläzte aber auch dann noch völlig relaxt in seinem Sitz, als ich mich bemühte, über die sechs mir entgegengestreckten Beine zu steigen, ohne einem auf die polierten Schuhe zu treten. Es war ein Balanceakt. Und hätte das gesamte Abteil businesswilliger Männer nicht im Tiefschlaf gelegen, dann hätte ich einen lauten und unfreundlichen Abgang hin gelegt und den Kerl neben mir an seine (offensichtlich fehlende) Kinderstube erinnert. So ein Idiot! Meine Reisetasche im Gepäcknetz über den geneigten Köpfen glitt mir bei der Entnahme beinahe aus. Und ich hätte mir gewünscht, sie wäre dem Oberdeppen an meiner Seite auf die polierte Glatze gefallen. Jaaaaaa, ich kann auch ein Biest sein. Aber nur, wenn man mich ärgert.
Meine Güte, was war ich froh, als ich endlich da raus war. Frische Luft ist was Feines.
Nach dem Zugwechsel saß ich neben einer kleinen schlafenden Asiatin. Wieder rückwärts, Berlin mit besserem Feeling und ertragbarer Luft.

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5 Antworten zu Vorwärts und gen Norden

  1. freiedenkerin schreibt:

    Uuuuäääääh! Wie unangenehm!…
    Am Samstag saß ich auf der Rückfahrt von Friedrichshafen nach München in Nähe einer Gruppe Jugendlicher, die schon mal für das Public Viewing (diesmal passt die wörtliche Übersetzung „Leichenbeschau“ perfekt :mrgreen: ) des Bayern-Spiels vorglühte, mit einem Kasten Bier im Abteil, der sich zügig leerte. Und einer der sehr lauten Kerle rülpste ständig vor sich hin, während ich mein Möglichstes versuchte, die Ohren zu verschließen, um wenigstens halbwegs meine Brotzeit mümmeln zu können…
    Im Zug veklappte Abgase – herrliche Formulierung! – steigen ungemein kräftig in die Nase. – Ich oute mich jetzt mal als etwas snobbistisch: Wenn ich mit dem Bayern-Ticket Ausflüge mache, lege ich meistens noch einen Zehner drauf und leiste mir Erster Klasse. Die ist in der Regel so schön leer – keiner rülpst und pöbelt, schnarcht und f…t… 😉

  2. ute42 schreibt:

    Bei deinem Bericht habe ich richtig Platzangst und Atemnot bekommen. Ihhhhh, das war wirklich unangenehm. Schade, dass dir die Tasche nicht aus der Hand gefallen ist.

  3. Anna-Lena schreibt:

    So treffend geschildert, dass ich die Duftwolke direkt auf meinem Bildschirm sehen konnte 😯 😆

  4. torenia schreibt:

    Bääääh…. Ich kann mir das lebhaft vorstellen. Wie schrecklich!

    ich hasse es ebenfalls, neben irgendwelchen leuten eingequetscht zu sein und dann gar noch Körpoerkontakt zu haben. Brrrrr….
    Über die Ausdünstungen müssen wir uns jetzt gar nicht unterhalten…

    ICh fahre sehr selten Zug. Und wenn, dann nur dienstlich. Das ist dann aber glücklicherweise immer eine so weite Strecke, dass ich problemlos ein 1.Klasse-Ticket bekomme. Und das ist 1000mal angenehmer, als das, was Du da beschreibst…
    Im ICE hat man in der 1. Klasse doch erheblich mehr Platz um sich herum. Auch die Sitze sind einzeln – d.h. man kommt gar nicht in die Verlegenheit, sich eine Armstütze teilen zu müssen oder von einem Nebenmann eingequetscht zu werden.

    Im Thalys ist der platz auch in der 1. Klasse etwas beschränkter – aber immer noch besser, als zusammebngepfercht auf einem Doppelsitz zu vergehen…

    Oh weh, oh weh….

    *schudder*

    • chinomso schreibt:

      Mein Arbeitgeber zahlt nur den Großkopfeten eine 1. Klasse. Fußvolk muss 2.te Klasse fahren. Nächste Woche fahre ich wieder Bahn, dann fahre ich später mir den Hausfrauen. 🙂

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