Frauen macht man es schwer

…vorallem die Männer tun das. Und das gilt sicher nicht nur für das Berufsleben, aber vorwiegend. Gerade erlebe ich das am Beispiel meiner neuen Chefin. Sie wird nicht direkt angegriffen. Noch nicht. Aber Mann beäugt sie voller Argwohn und Neid. Sie hat einen Posten ergattert, den gleich mehrere alte Hasen und auch ein paar karrieregeile Jungsspunte haben wollten. Und allein die Tatsache, dass sie das Rennen gemacht hat, macht sie schon zum Feind. (ist euch schon mal aufgefallen, dass es von Feind keine weibliche Form gibt?)

Die Frauen, die mit ihr zu tun haben (nicht nur ich) empfinden sie als einen Segen für alle. Sie bringt neue Blickwinkel, frisches Wissen, gute Ideen und viel Engagement mit. Sie ist klug und freundlich. Irgendwie herzlich. Irgendwie anders. Irgendwie ein kleines Wunder.

Aber damit steht sie auch auf einem Sockel. Und alle staunen, manche bangen und andere freuen sich auf die Arbeit mit ihr. Die ewigen Nörgler sagen voraus, dass sie garnichts bewegen wird, dass sie bald erkennen wird, dass sie schnell merken wird, sie kann hier nichts drehen. Und sie sehen in ihrer Glaskugel, dass sie dann aufstecken und gehen wird.

Diese Leute wollen das ganz entspannt aussitzen und sie machen lassen. Andere wollen sie recht bald in ihre Grenzen weisen und sich von ihr auf keinen Fall die Butter vom Brot nehmen lassen. Hier und da ein Bein gestellt, beschleunigt den Vorgang.

Und ich? Ich werde gut aufpassen, sie immer rechtzeitig warnen, sie auf jeden Fall über alles informieren, was ihr schaden könnte. Und ich werde ihr helfen, dass sie es schafft, dass sie bleibt. Denn ich glaube, sie hat das Zeug dazu. Und gemeinsam können wir durchaus was bewegen. Jawoll!!!

Frauenpower ist angesagt. Ich habe Spaß dran. Spaß an der Arbeit wie lange nicht mehr.

Mein Besuch bei ihr und dem Team lief ganz anders als von mir erwartet. Keine Folge von Meetings, keine leeres Palaver, keine Präsentations-Orgien, keine wilden Pläne, Seifenblasen oder vollmundige Versprechen. Es gab nur für mich Meeting. Und zwar Einzelgespräche mit jedem Teammitglied. Nach Terminplan, ca. ne Stunde mit jedem. Immer mal wieder durch eine Stunde mit ihr aufgelockert. Also ich und sie. Und sie hat nicht gefragt, was wir gesprochen haben. Die Teammitglieder und ich.

Völlig neu sowas. Ich kam mir vor wie ein Ehrengast. Es war manchmal wie beim Arzt. „Der Nächste bitte.“ Ich hatte ein eigenes Zimmer zugewiesen bekommen. Und die Kolleginnen und Kollegen kamen zu mir. Bei manchen fragte ich mich vorab, was um Himmelswillen ich nur mit der Person reden sollte.  Und dann? Dann lief es wie geschmiert.

Nach meiner Rückkehr bekam ich sogar von den ehemals  besonders fremden Kollegen Mails und Kontaktanfragen. Huch? Das hat mich beinahe beunruhigt. Weil es so neu war.

Hach, schön wars. Und ich bin guter Dinge. Das kann ich euch flüstern.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Erlebtes veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

7 Antworten zu Frauen macht man es schwer

  1. Himmelhoch schreibt:

    Dann wünsche ich dir toi toi toi mit der neuen Chefin. – By the way, mein Duden verzeichnet auch eine „Feindin“ – aber wie allgemein üblich, werden ja oft nur die männlichen Formen verwendet (Doktor, Professor, Minister – da sagt man eher Frau Professor, Frau Doktor oder Frau Minister. So ist das Leben.

  2. tonari schreibt:

    Vieles von dem, was ich hier eben gelesen habe, kommt mir irgendwie sehr bekannt vor.
    Ich finde prima, dass Du weibliche Solidarität übst.

  3. Sigrid schreibt:

    Das hört sich doch alles sehr gut an! Zusammen sind wir Frauen genauso stark wie die Männer.

  4. april schreibt:

    Das klingt sehr gut, dieser frische Wind. möge er den alten Mief hinwegpusten!

  5. ute42 schreibt:

    Freude am Beruf, das ist sehr wichtig und mit der neuen Chefin scheint das ja so zu sein.
    Also nichts wie los, Frauenpower voran.

  6. freiedenkerin schreibt:

    Oh, ich drücke deiner neuen Chefin ganz, ganz fest die Daumen, dass sie so bleibt, wie sie ist, dass sie mit dem gleichen Elan, den guten Ansätzen weiter macht, dass sie sich nicht einschüchtern und verbiegen und klein kriegen lässt!
    Und ich finde deine Loyalität toll! Ganz wunderbar!
    ♥lichst!

  7. Bellana schreibt:

    Frauenpower!!!
    Grüßle Bellana

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s