West aan Zee & anderswo

Holländer sind freundlich und gelassen. Wir haben während der Woche auf Terschelling immer wieder geschmunzelt oder mitunter auch gestaunt, wie tiefenentspannt die Holländer sind. Jedenfalls die, die uns begegnet sind.

Sehr gerne und immer wieder haben wir die Strandbar „West aan Zee“ besucht. Das Mobiliar besteht aus alten, verwitterten Schiffsplanken und anderen Bestandteilen ehemaliger Schiffe.

Die Bezüge der Kissen auf den Sitzbänken sind aus alten Postsäcken genäht.
Diese Einrichtung wirkte abenteuerlich und ist wirklich unglaublich gut passend für eine Strandbar. Sowas habe ich nie vorher gesehen und war immer wieder auf Neue begeistert.

Aber was ich eigentlich erzählen wollte…. Bei einem unserer Besuche kam eine Gruppe Kinder rein gestürmt. Die Kids verteilten sich lautstark und nicht ohne Gerangel auf der großen Sitzecke direkt neben uns. Wir dachten zunächst, es wäre  eine Kindergruppe, Schulklasse oder sowas. Unsere schöne Ruhe an diesem Morgen am Meer schien dahin. Aber es kam anders. Nachdem die insgesamt acht Kids es sich bequem gemacht hatten, kamen vier Erwachsene dazu. 2 x Mama und 2x Papa, wie sich heraus stellte. Zwei Familien also, mit jeweils vier Kindern zwischen 4-10 Jahren.  Die Eltern ermahnten ein einziges Mal freundlich lächelnd und in ruhigem Tonfall zu mehr Ruhe, die Kinder verhielten sich von der Minute an äußerst zahm. Sie spielten zusammen  Karten oder gegen je einen Erwachsenen Schach. Die Strandbar hat diese kleinen Schränkchen. In den Schubladen sind die Schachfiguren. Kaffeetassen weg und los gehts.

Die ganze 12-köpfige Truppe war jedenfalls eine wahre Freude. Anzusehen und zu erleben.

Wie oft habe ich gerade hier in Deutschland Familien erlebt, die sich ankeifen und mit ihren Kindern in Lokalen einen riesigen Aufstand machen. Die Mütter zetern, die Kinder hören dennoch nicht auf das, was die Mütter einfordern. Die Eltern sind erst peinlich berührt und irgendwann höchstgradig genervt und treten den Rückzug an. Bis dahin ist das ganze Lokal in das Geschehen eingebunden, weil man sie einfach weder übersehen noch überhören kann.

Ganz anders haben wir das bei dieser und auch anderen holländischen Familien erlebt. Kann das denn nur Zufall gewesen sein? Ich wusste auch gar nicht, dass Holländer so kinderfreundlich sind. Und nicht nur das.

Einmal erlebten wir, wie einem erwachsenen Mann, der beim Reden wild mit den Händen gestikulierte, das „Appelgebak met slagroom“ (Apfelkuchen mit Sahne) auf den Boden fiel. Er sprang auf und lief zur Theke um nach einem Besen zu fragen. Seine Frau saß lächelnd dabei und zuckte nicht mal. Der Mann putzte den Boden sauber und wischte noch dem fremden Gast, dessen Hose auch Sahneflecken abbekommen hatte, alles sauber. Da kam der Chef vom Cafè und stellte dem Mann ein neues Stück Kuchen hin. Alle applaudierten. Den Kuchen hatte der Mann sich wirklich verdient. Und der nette Chef hat so gleich seine Fangemeinde erweitert.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Dies & Das, Erlebtes abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

6 Antworten zu West aan Zee & anderswo

  1. freiedenkerin schreibt:

    Hierzulande hätten Mann und Frau die Bedienung aufgefordert, den Schlamassel aufzuputzen… Und der fremde Gast vielleicht mit dem Anwalt gedroht, weil seine Hose Sahneflecken abbekommen hat… Und die vielköpfigen Familien – na ja, da schweige ich lieber… Irgendwas läuft bei uns in Deutschland schief, sehr sogar…

    • chinomso schreibt:

      Genauso Margot.
      Wir haben auch überdurchschnittlich viele Väter, junge und ältere, gesehen und erlebt, die alleine mit einem oder mehreren Kindern unterwegs waren und den Kids mit einer Engelsgeduld irgendwas erklärt oder erzählt haben. Auf der Fähre wechselten Väter Windeln und gabe ne Flasche. Nicht, dass es das bei uns nicht gibt. Aber wenn ne Mutter in der Nähe ist, ist das ihre Aufgabe und Papa tritt nen Schritt zurück. Oder?

      Holländer ticken da anders. Da scheint die Gleichberechtigung schon angekommen zu sein.

  2. Doro schreibt:

    Also erst mal zu der Strandbar, das ist ja ein Traum. So gemütlich, ich glaub da wäre ich fast jeden Tag gewesen. Hier in Deutschland wäre sowas wie mit den Kindern gar nicht möglich, allerdings wohl auch weil die Eltern sich einfach nicht kümmern. Wir haben uns, nicht nur einmal, in Restaruants oder ähnlichem, woanders hingesetzt weil es einfach von der Lautstärke und dem Rumgewusel nicht auszuhalten war. Und mit dem Kuchenrunterschmeisser, genau so, wie Margot es geschreiben hat, ist es wirklich.
    Was hälst du davon, wir tun uns alle zusammen und wandern aus??? 🙂
    ♥liche Grüße
    Doro

  3. Frau Fröhlich schreibt:

    Gerade solche Erlebnisse mit den zwei Großfamilien lassen eben doch hoffen … es gibt sie noch. Erwachsene, die sich kümmern und Kinder, die gut erzogen sind 🙂

    Und so ein Stück Apfelkuchen mit Sahne … das würde ich auch nehmen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s