Ich erzähle euch nichts

Und das nun schon beinahe einen Monat lang.

Das liegt daran, dass ich mich nicht entscheiden kann, was wertig genug wäre, hier hin geschrieben zu werden. Und wenn ich etwas rausfiltere und es in diese Kathegorie fällt, dann heisst das noch lange nicht, dass es euch interessiert. Aber wenn es keinen interessiert, dann doch wenigstens mich. Ist das denn nicht genug? Mein Leben schreibt jeden Tag unzählige Blogs für mich. Und würde ich sie nieder schreiben, gäbe es auch Leser. Da bin ich sicher. Aber will ich das denn (noch)?

Okay, die meisten lesen Blogs nicht, um sich einen Knoten ins Hirn zu machen. Allenfalls um Fotos zu sehen und ein wenig Unterhaltung zu haben. Ist das so? Oder ziehen sie es vor, sich abwatschen zu lassen, wenn sie ihre politische Gesinnung nicht jeden Tag wie ein großes Banner vor sich her tragen? Wenn es einem Blogger Freude macht seine Blogthemen nur noch den diversen Projekten oder dem Bewerben seiner Geschäftsidee zu widmen, dann stellt man ihn auch gerne mal an den Pranger.

Ein paar Blogger, die ich sehr geschätzt habe schätze, haben aufgehört das aufzuschreiben, was ihnen mal wert schien zu veröffentlichen. Das bedauere ich immer noch und immer wieder. Aber es gibt mir auch zu denken. Ich finde es traurig. Und ich vermisse genau diese Beiträge sehr. Das Bloggersdorf, was ich kenne, wird immer mehr schwarz-weiß. Die farbige Vielfalt geht verloren, die Leichtigkeit. Die Zahl der Ja-Sager ist gestiegen. Die, die alles gut finden und bejubeln, füllen die Kommentarspalten. Aber die schweigende Fraktion, die nur liest und sich genervt abwendet, wird auch nicht kleiner.

Vier Wochen lang war ich immer mal wieder kurz davor, hier Fotos und Berichte rein zu stellen, wie ich das nun seit Anfang 2009 mit schöner Regelmässigkeit gemacht habe. Aber dann habe ich das Fenster doch lieber zu geklickt. Rotes Schließkreuz.

Bin ich allein mit diesem Empfinden? Wie kriegen es die aktiven Blogger denn noch hin, sich die Laune am Bloggen zu erhalten? Ich bin wirklich gespannt das mal zu erfahren. Mir ist gerade die Leichtigkeit beim Bloggen abhanden gekommen. Ich mag es immer weniger.

Irgendwie ist scheinbar alles schon mal gesagt worden. Vielleicht hat auch alles seine Zeit. Und meine Zeit des Blogschreibens ist jetzt vorbei(?) Ich bin noch nicht ganz sicher.
Aber zu mehr als 90%.

Alternativ könnte ich mal, wie früher die Handwerksburschen, auf Wanderschaft gehen und andere Bloggersdörfer sehen und erleben. Und dann nach einem Jahr oder länger, wieder zurück kommen. Oder auch nicht. Jedenfalls wünsche ich mir, voll mit neuen Eindrücken sein zu können und wieder positiv aufgeladen zu werden.

Ich glaube, ich kaufe mir schon mal nen großen Hut und ne Kordhose mit ordentlich Schlag.

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25 Antworten zu Ich erzähle euch nichts

  1. freiedenkerin schreibt:

    Mach das, geh auf Wanderschaft, mal eine Weile abseits der gewohnten Blogger-Pfade. Ich tue das auch schon seit einer Weile. „Da draußen“ gibt es eine überwältigende Menge an schönen und guten Blogs mit einer ungemein bunten und interessanten Themenvielfalt. Diese zum Teil noch recht jungen Blogger/innen sind es, die mir jeden Tag neue Lust und Freude am Bloggen geben…
    Was immer du auch tun wirst, ich wünsche dir von Herzen alles Gute dabei…

    • chinomso schreibt:

      Persönliche Kontakte und Aktivitäten sind mir inzwischen lieber. Es wird in der virtuellen Welt zuviel vorgegaukelt und getäuscht. Und es vergeht zuviel wertvolle Zeit bis man hinter die Masken schauen kann.

      Ich wünsche dir auch Alles Gute.

      • Anna-Lena schreibt:

        Da magst du grundsätzlich recht haben, aber wenn man eine Weile bloggt und den Menschen hinter dem Bildschirm mit einbezieht, dann kann man doch einschätzen, wer ein Gaukler und wer ein authentischer Mensch ist. Meinst du nicht?
        Und da gilt auch für mich: weniger ist mehr.

        Hab einen friedvollen Sonntag.

  2. Beate Neufeld schreibt:

    Ich habe mich in letzter Zeit auch sehr rar gemacht, weil ich irgendwie das Gefühl hatte, alles was ich schreibe ist entweder belanglos oder zu privat um es zu veröffentlichen. Ich hatte auch keine Lust mehr, mir selber immer wieder Zwänge aufzuerlegen in Bezug auf Blogbesuche und Kommentare. Nun werde ich es so halten, dass ich nur noch blogge, Blogbesuche mache oder kommentiere, wenn es mir wirklich ein Bedürfnis ist. Mal schauen was die Zeit bringt.
    Liebe Grüße von:
    Beate

    • chinomso schreibt:

      Hallo Beate, ich habe gerade bei dir gelesen Da ist ja einiges in Bewegung.
      Auch mir geht es so, dass ich persönliche Dinge nicht veröffentlichen möchte und über Berufliches was mich bewegt nicht schreiben kann.

      Daher werde ich es halten wie du. Weniger ist mehr.
      Alles Gute für dich.

  3. Anna-Lena schreibt:

    Liebe chinomso,

    das Bloggen von Zeit zu Zeit in Frage zu stellen, zeigt, dass es mehr ist, als ein Projekt nach dem anderen und das Zeigen von Bildern. Und ob und wen man damit erreicht, steht auf einem ganz anderen Blatt. Ich sehe die reine schwarz-weiß-Färbung nicht, denn es gibt genüg lesenswerte Blogs, die den Horizont erweitern, zum Austausch anregen und einfach schön zu lesen sind. Mir ist der Blick über den eigenen Tellerrand sehr wichtig. Und mich entspannt das Bloggen, was ich vom Rest des Tages sonst nicht immer behaupten kann.

    Es täte mir sehr leid, wenn du nun auch aus der Bloggerwelt verschwinden würdest. Vielleicht machst du einfach mal eine Pause, wenn dir der Sinn nicht mehr so klar ist und kommst dann mit neuen Ideen zurück?

    Liebe Grüße
    Anna-Lena

    • chinomso schreibt:

      Wenn die Zeit knapp ist, dann will man sie effektiver nutzen. Und jeder stellt andere Ansprüche ans Bloggen. An das, was man selber schreibt und das was man anderswo lesen will. Und auch die Meinung dazu ändert sich immer mal wieder.

      Klar, es gibt immer noch Blog wo ich etwas mitnehmen kann an Ideen und Anregungen, wenn ich da lese. Aber sie werden weniger. In den letzten Wochen ist es mir immer wieder passiert, dass ich Beiträge gelesen habe, die mich entweder langweilen oder sogar ärgern. Leser oder Blogger wurden schlecht gemacht oder einfach ungehörig angegangen. Ich war nicht selber betroffen von diesen Diskussionen. Aber dennoch ist mir dafür meine knappe Freizeit zu schade. Ich mag mich über sowas nicht mehr ärgern.

      Die wenigen Perlen, wie dein Blog zum Beispiel, werde ich mir aber aufbewahren und immer wieder mal reinschauen. Davon möchte ich mich auf keinen Fall verabschieden.

      Danke für deine Meinung.

      • Anna-Lena schreibt:

        Aber genau das kann man sich doch aussparen, Dinge, die einen nicht interessieren.
        Mir gehen z.B. die vielen Projekte momentan ein wenig auf den Nerv, da lese ich nicht und kommentiere auch nicht. Jeder mag das so halten, wie er möchte, dafür verurteile ich auch niemanden, wenn das sein Bloginhalt ist, mein Interesse ist das jedenfalls nicht.

        Wenn jemand zu Unrecht angegangen wird, ist es auch die freie Entscheidung, etwas dazu zu sagen. Unrecht sollten wir nicht stillschweigend hinnehmen.
        by the way: Danke für die „Blumen“ 😉

  4. Liebe Chinomso,liebe Iris, da geht es wohl uns allen ähnlich, wenn wir uns ab und an die Frage stellen: Was mach ich hier eigentlich?? Und richtig! Alles hat seine Zeit und wenn die vorbei ist, dann ist eine Richtungsänderung angesagt, die vielleicht irgendwann mal wieder in die BloggerWelt führt, aber zeitweise mal ein Stück davon weg. Ich selbst mache auch öfter mal eine längere Pause, bin dann mal weg. Weil wenns nixx zu erzählen gibt, dann kann ich eben auch den Mond halten oder wie das heißt. Und dann geh ich mal wieder auf längere BlogRunde, guck, wer noch da ist, sehe vielleicht was Neues, bin auch traurig, wenn ich jemanden nicht wiederfinde, wie jetzt kürzlich die Vivi aus Jerusalem, die aufgrund von Mobberei im Netz ihren Blog zugemacht hat. Die KleinKriege, die so einige in Bloggershausen ausfechten zu müssen glauben, finde ich ziemlich abstoßend. Und kleine faschistoide Armleuchter aus der NaziDiaspora, die hier herumspuken – die können wir doch getrost abperlen lassen, oder? Wir sollten uns auch im Netz so bewegen, daß wir dem Anderen noch in die Augen sehen können. Einige Thesen des Freiherrn Knigge gelten auch an der Tastatur. Ich hab durch die Bloggerei einige liebe Menschen (auch real) kennengelernt und würde gern auch noch einige aus der BloggerSzene real kennenlernen wollen… (Ja, auch Du!)…
    Da schließe ich mich den Worten Anna-Lenas an und hoffe, daß Du nicht gänzlich aus dem Netz verschwindest. Ich wünsche Dir und auch Deinem WildHüter alles Liebe, besonders Zeiten und Orte ganz allein für Dich, denn auch die sind wichtig. Ganz liebe Grüße aus dem Pommerschen PlattLand, aus der schönsten Hansestadt am Ryck vom ollen grauen Wolf.

  5. Bellana schreibt:

    Ich lese gerne hier bei Dir, da Du so wunderbar erzählen kannst. Diese Begabung hat nicht jeder. Ich kann mir aber vorstellen, dass es schwieriger wird, Themen zu finden, wenn man über viele Jahre so intensiv scheibt. Ich hoffe mal, dass Du Deinen Blog nicht ganz aufgibst.
    Grüßle Bellana

    • chinomso schreibt:

      Vielen Dank. Jetzt habe ich beinahe ein schlechtes Gewissen. Schließlich war das hier kein Beitrag für „fishing for compliments“. Ich muss nur meinen Umgang mit dem Bloggen überdenken. Ich will keine Zeit mehr vergeuden. Weniger ist mehr. Für mich jedenfalls. Und anders. Nicht mehr jeden Quatsch mitmachen und jedem Trend hinterher rennen. Das ist mein Vorhaben.

      Wir lesen uns. Ganz ganz sicher.

      • Ruthie schreibt:

        Det weeß ick noch nicht. Eher: Hm. Weiß auch nicht. Aufhören -> Du hier -> würde ich schrecklich finden. Wenn alle „Guten“ aufhören, kannst den Rest in die Tonne treten. Allerdings -> ich hier -> bin nun mal ne Knipstante. Daran wird sich auch nix ändern. Und schreiben könnte ich. Wenn ich mehr Zeit hätte. Tja. Pause machen güldet. Aufhören nicht. Find ich. *drückdichganzfest*

  6. Franka schreibt:

    *grins* Ich kann’s nicht lassen und tu’s dann doch wieder. Aber zuerst musste ich mich wieder auf mich besinnen und auf das, was für mich ein Blog sein soll, bei wem ich lesen will, was ich mitmachen will und wieviel Zeit ich investieren will. Also auf ein Neues,
    herzliche Grüße,
    (jetzt) Franka,
    die jetzt mal eine kleine Runde dreht

  7. razortooth schreibt:

    Liebe Chinomso,
    ich bin sehr bewegt und danke Dir, daß du das, was ich momentan in Sachen Blog denke, so schön und nachdenklich in Worte fasst. Ich lese deine Einträge immer sehr gerne, kann aber auch mit Pausen leben – denn die braucht jeder mal 🙂
    Darf ich deinen Beitrag dazu vielleicht verlinken, falls ich mich wider Erwarten demnächst doch zu einem neuen Post aufraffen kann?
    Liebe Grüße
    Melly

    • chinomso schreibt:

      Noch eine, die mich versteht. Sehr schön.
      Klar. Verlinken kannst du gern.
      Ich hatte gestern noch einen etwas längeren Kommentar geschrieben. Den habe ich dann aber wieder gelöscht. Warum Öl ins Feuer gießen, wenn es nicht mein Feuer ist?
      Ich werde die Kampfhähne nicht ändern. Ist auch nicht meine Aufgabe.

      Wir bleiben in Kontakt.

  8. Hans-Georg schreibt:

    Ich blogge seit fast 11 Jahren. Die Frage, ob ich weitermachen soll bzw. was ich bloggen soll, habe ich mir noch nie gestellt. Ich schreibe halt gerade das, was mich bewegt, was ich erlebt habe, was ich gut finde und was in meinen Augen schlecht ist. Manchmal vergehen 3 oder 4 Tage bis ich was ins Blog schreibe. Es gibt aber auch Tage, da kann ich mit 2 oder 3 Blogeinträgen aufwarten.
    Wenn es jemanden interessiert – schön. Wenn nicht ist es mir auch egal.
    Ich finde, wir sollten die Bloggerei nicht so ernst nehmen und einfach schreiben, wonach uns der Sinn steht.

  9. Liebe Chinomso,
    auch ich gehöre zu denjenigen, die das Bloggen immer mehr in den Hintergrund gestellt haben. Das reale Leben ist bunt, vielseitig und manches Mal ziemlich anstrengend. Ich wurde müde von der ständig wachsenden Zahl an Projekten, Stöckchen und was es da sonst noch so gibt, Daran mochte ich mich nicht mehr beteiligen. Auch ein „was für ein ein schönes Foto“ sollte kein Kommentar von mir sein. Hatte ich eine gute Idee, die ich veröffentlichte, kam es vor, dass ich sie in abgeänderter Form woanders wiederfand. Die Lust am Bloggen wurde immer weniger. Also kehrte ich zum Schreiben zurück. Also, keine Blogeinträge, sondern das „wirkliche“ Schreiben. Einige Kurzgeschichten sind entstanden und derzeit habe ich ein Buch-Projekt im Kopf. Mein Blog besteht immer noch. Ab und zu werde ich dort auch etwas einstellen, aber auf der Prioritätenliste steht das Bloggen ziemlich weit unten. Dennoch lese ich immer wieder auf meinen Lieblingsblogs. Ich kann dich also sehr gut verstehen. Nimm dir eine Auszeit – lass es einfach auf dich zukommen. Die treuen Seelen in der Bloggerwelt werden immer wieder Ausschau nach dir halten 😉
    Ganz liebe Grüße von Iris zu Iris

  10. paradalis schreibt:

    Weißt du, liebe I., die treuen Seelen sind immer bei dir oder bei mir, oder bei anderen, so innerlich, unabhängig von Blogeinträgen. So sehe ich das. Und glaube daran.

    Mit den Blogeinträgen … manches kann man auch nicht thematisieren, aus den verschiedensten Gründen. Dann ist es gut, wenn man weiß, dass man in der Seele getragen wird, oder selbst trägt.

    Fühl dich umarmt!
    Heike

  11. tonari schreibt:

    Ich glaube, dass es mit dem Thema ist, wie mit dem Murmeltier 😉 Immer wieder stellt man (frau) sich die Frage, ob es wirklich interessiert, was man (frau) schreibt, ob es nicht nur „Voyeurismus“ ist, dass man immer wieder vorbei schaut oder ob die Person hinter dem Blog wirklich eine Rolle spielt.
    Zugegeben: Aufgrund der knapp bemessenen Freizeit beteilige ich mich gerne an Projekten, die einen Zugewinn an Informationen (zum Thema) versprechen, gerne auch mal augenzwinkernd und immer gespannt auf die Reaktionen.
    Was mir deutlich weniger gefällt, wenn man (frau) beginnt zu polarisieren, keine anderen Aspekte mehr zulässt oder diese im Keim einer beginnenden Diskussion erstickt. Tendenzielle Bloggerathosphären schaffen ist nicht so mein Ding. Da mag ich mich auch nicht wirklich beteiligen, zumal Schlichtungsversuche offenbar gegen die positive Absicht ausgelegt werden.
    Auch ich kann über meinen Joballtagswahnsinn nicht so berichten, wie mir manchmal ums Herz wäre. Auch mag ich nicht immer wieder darüber berichten, wie es um den Filius steht… Bleiben die Themen Urlaub oder besondere Dinge im Alltag. Interessierts? Ich weiß es nicht…

    ich würde Dich vermissen. Dich und deine Meinung, dein Augenzwinkern, deinem Humor.
    Aber ich respektiere natürlich auch deinen ureigenen Entschluss – egal in welche Richtung.

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