Projekt Zwanzig-dreizehn

Jahresrückblick 2012 gefällig? Warum eigentlich? Das alte Jahr hat doch jetzt wirklich abgefrühstückt. Warum wollen wir auf den alten Knochen weiter herum kauen?
Macht das denn Sinn?

Die Medien überschütten uns momentan wieder mit Jahresrückblicken aller Art. Sie beginnen schon Anfang Dezember damit. Dann hat 2012 nur noch 11 Monate. Wie  Weihnachtsdeko und -leckereien schon im September im Laden erscheinen, wird es bald einen Jahresrückblick im Spätsommer geben. Wetten? Oder kommen demnächst vierteljährliche Rückblicke in Mode?

Und was hab ich davon, wenn man mir datumsgenau erzählt, wann der Österreicher sich aus dem Himmel gestürzt hat? Haben die Menschen keine eigenen Erlebnisse mehr, Erinnerungen in denen sie schwelgen wollen? Muss die Aufregung  immer aus zweiter Hand kommen? Wollen wir nur mehr konsumieren?

Für mich macht Rückblick nur Sinn, wenn ich auf der Suche danach bin, was ich ändern oder beibehalten möchte. Und das ganz unabhängig von den schlagzeilenträchtigen Ereignissen, die immer über den Bildschirm flimmern, sei es im TV oder Internet.

Ich stelle in diesen Tagen mein Jahr 2012 auf den Prüfstand. Ich finde Kratzer und  Striemen, aber auch ganz rosige Ecken, neu und jung. Natürlich bleiben auch rostige Stellen nicht unentdeckt.  Hier und da blättert der Lack ab. Doch darunter blinkt schönes, blankes Material. Nicht immer weiß ich, ob es wertvoll und erhaltenswert ist. Ich kratze immer öfter hier und da ein bisschen und entdecke mich dabei neu. So wie ich eigentlich bin. Auch ich habe in diesem Jahr wieder ein bisschen mehr Patina angesetzt. (bin ich denn ein Teekesselchen?) Die hat einerseits einen gewissen Reiz.  Aber sie verdeckt auch Wesentliches.

Und gerade jetzt zur Jahreswende habe ich große Lust darauf, mal entgegen der Gewohnheit keinen neuen Lack aufzutragen, auch wenn er ein Schutz ist. Ich will mich in 2013 unlackiert bewähren und alten Lack weiter der Witterung des Lebens aussetzen. Wer weiß was sich da noch so alles offenbart?

Das Leben ist und bleibt spannend. Meins jedenfalls. Euers hoffentlich auch.

Viel Spaß beim Aufdecken der eigenen Geheimnisse in 2013.

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6 Antworten zu Projekt Zwanzig-dreizehn

  1. Anna-Lena schreibt:

    Das zu Ende gehende Jahr hatte auch bei uns ähnliche Seiten, so dass ich ganz bewusst nach vorne schauen will und das alte Jahr ad acta lege.

    Kommt gut ins neue Jahr 🙂 .
    Mit herzlichen Grüßen
    Anna-Lena

  2. Doro schreibt:

    Es ist schon wahr, daß man uns mit Jahresrückblicken zuschüttet. Und wen es nicht interessiert, der braucht ja einfach nicht hinschauen. Eine Rückblickssendung schaue ich mir fast immer an und dann kommt doch schon das eine oder andere: Ach, das war dieses Jahr? Weil, man hört es oder liest es und vergisst es wieder, weil man ja meistens selber genug am Kopf hat.
    Wenn ich m ein Jahr 2012 auf dem Prüsstand stelle, kann ich nur feststellen, es war ein absolutes Sch…. jahr. Punkt. Und nun warten wir geduldig, weil anderes bleibt einem ja nicht übrig, das neue Jahr kommt, ob wir wollen oder nicht, was 2013 bringen wird. Bleibt alles so? Wirds besser? oder noch schlechter?
    Ich finds schön, daß du mal wieder hier was geschrieben hast und hoffe, so ganz ab und zu kommt auch nächstes Jahr etwas von dir? Wäre schön und würde mich wirklich sehr freuen.
    Dir und deinem Schatz ein gutes neues Jahr.
    Doro

  3. Franka schreibt:

    Sehr kluge Gedanken … sowas schwirrt momentan auch in meinem Kopf herum. Ich lese gerade ein Buch, in dem es um mehr ‚Leben im Jetzt‘ geht. Und ich habe bei mir gedacht, dass ich die Vergangenheit aber dennoch brauche, um zu überprüfen, was ich besser oder anders machen kann – und die Zukunft, weil ich finde, dass auch ein wenig Pläne-Schmieden zum Leben mit dazu gehört. Eine sehr überdenkenswerte Sache.
    (Meinen eigenen Jahresrückblick finde ich fast langweilig … das kommt daher, dass ich nichts Persönliches schreiben möchte. Oder vielleicht sollte ich doch? … Mal überlegen 😉
    Liebe Grüße dir,
    Franka

  4. freiedenkerin schreibt:

    So ist’s recht! Gar oft überdeckt man mit einem neuen, glänzenden, blitzblank polierten Lack die ungewöhnlichen Schönheiten darunter. Und gerade jene sind es, die einen ganz besonderen Reiz ausüben, die faszinieren, stutzen, zweimal hinschauen lassen. Und die unverwechselbar, einzigartig, authentisch machen…
    Ich wünsche dir, dem Wildhüter und all deinen Lieben einen unbeschwerten Rutsch ins neue Jahr. Und möge 2013 vor allem Gesundheit, Liebe, und ein wahres Füllhorn guter und schöner Dinge, groß und klein, für euch bereit halten…

  5. Ludger schreibt:

    Du hast die richtige Einstellung. Was man nicht mehr ändern kann, sollte man auch links liegen lassen. Mit positivem Denken geht vieles leichter. Für das neue Jahr 2013 die besten Wünsche . Einen guten Rutsch. L.G. Ludger

  6. paradalis schreibt:

    Glänzend und schillernd – es ist mir zu oberflächlich. Und so freue ich mich über jedes kleines bisschen Patina, dass ich bei anderen und bei mir entdecken kann. 🙂 Auch ich werde es im neuen Jahr so halten. Schließlich erzählt das angesetzte Patina eine Geschichte. Glänzend ist nur glänzend. 🙂

    Habt einen schönen Jahreswechsel – ihr alle zusammen – und alles Gute für 2013!

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