Können Sie uns bitte helfen?

Das fragten mich neulich mittags im Herrngarten ein paar junge Mädchen mit osteuropäischen Akzent. Sie waren Teil einer Schülergruppe. Zwei der Mädchen, eine muntere Rothaarige und eine junge Muslima kreuzten meinen Weg, blieben dicht vor mir stehen und schauten mir bei der Frage direkt in die Augen. Ich war überrascht und anfangs auch ein wenig skeptisch. Denn auch in diesem Park ist es mir einfach schon zu oft passiert, dass ich von Leuten angesprochen wurde, die teilweise unter einem Vorwand für irgendwen oder -was Geld sammelten. Sei es ein Zirkus im Winterlager oder eine als Umfrage getarnte Bettelaktion für vermeindlich Behinderte, die sich später aber als kerngesund herausstellten.

Gebranntes Kind also…..

Deshalb habe ich diesmal besonders lang überlegt bevor ich sagte: „Ja gerne, wenn ich denn kann?“ Sie fragten dann, ob es in der Nähe ein Apotheke gibt und wie man da am besten hin kommt. Diese Frage konnte ich schnell und unkompliziert beantworten und war richtig erleichtert, dass es sich bei den Mädels nicht um Schnorrer handelte. Der Rest der Gruppe stand ein wenig abseits und alle lauschten gespannt darauf, was ich antworten würde. Eine Lehrerin war wohl auch dabei. Und im Weggehen habe ich gehört, wie die Frau sagte: „Das habt ihr sehr gut gemacht.“ Vielleicht war das eine Gruppe Sprachschüler, die auf diese Weise ihre Kenntnisse getestet haben. Ich weiß es nicht.

Was ich damit sagen will…. Ich finde es sehr schade, dass ich durch die vielen Schnorrer und Promoter, die was anpreisen und verkaufen wollen, beinahe ganz normalen Leuten, die mal ein wenig Hilfe brauchen, diese verweigert hätte.

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14 Antworten zu Können Sie uns bitte helfen?

  1. Dann hast Du doch genau richtig reagiert, wenn es sich wirklich als Bettelei entpuppt hätte, wär ja immer noch die Möglichkeit, sich abzuwenden. Leider ist es ja so, daß gesundes Mißtrauen erstmal angebracht ist. Das beginnt bei „Behinderten“ die mit Bettel-Hut irgendwo in der Fußgängerzone sitzen – immer im Zehn-Meter-Abstand und endet bei Kettenbriefen und E-Mails, die unter fadenscheinigen Gründen unser Geld ergaunern wollen. da schalte ich sofort auf „ignore“ und gut is‘ . Liebe Grüße vom Wolfgang aus der schönsten Hansestadt am Ryck(hier ists noch nicht so schön bunt wie im „HerrnGarten“)

  2. laya schreibt:

    Da hast du recht. Aber ich sehe es als Herausforderung trotz aller Unannehmlichkeiten die das Leben manchmal mit sich bringt, immer wieder de eigene Haltung zu überprüfen. Ohne Schubladen wäre das Leben in komplexen Zusammenhängen nicht möglich. Aber wir können sie immer wieder aufziehen und nachschauen ob der der vor uns steht wirklich hineinpasst oder ob wir eine neue Schublade eröffnen müssen. Überhaupt ist es hin und wieder nützlich zu überprüfen ob die Schubladen nicht mal wieder ausgemistet werden müssten. Erstaunliches passiert! Manchmal enden dadurch Beziehungen, manchmal bekommen sie eine neue Chance oder es passiert sonst irgendeine Überraschung. Manchmal schieben wir sie wieder zu. „Alles beim Alten!“
    Danke für den schönen Beitrag!
    Liebe Grüße Laya (die sich über deine Leserschaft aus Greifswald freut-es grüßt die Ex-Zinnowitzerin aus Berlin)

  3. ute42 schreibt:

    Gut, dass du erst mal zugehört hast. Ist es nicht traurig, ich glaube ich wäre einfach weitergegangen. Schon zu oft habe ich schlechte Erfahrungen gemacht.

    • chinomso schreibt:

      Wenn einer irgendwelche Listen in der Hand hält oder sonstwie der Kommerz droht, dann wimmel ich sofort ab und gehe auch schnurstracks weiter. All diese Anpreisungen von Proben und sowas. Selbst in Parks ist man davor nicht sicher. Das nervt mich auch unglaublich.

  4. theomix schreibt:

    Auf die Intuition achten und das Misstrauen im Hinterkopf halten – das ist doch legitim. Künstlich naiv bleiben ist auch nicht das Wahre.
    Da war mal was mit „Klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben.“ Halte ich auch hier für angebracht.
    Und gut, wenn es mal zu einer positiven Erfahrung kommt!

  5. Clara Himmelhoch schreibt:

    Im Ausland bin ich bei irgendwelchen Aktionen, die mein Geld betreffen, sehr vorsichtig. Hier im Inland hält sich mein Misstrauen noch in Grenzen.

    • chinomso schreibt:

      Oh Clara, du hattest dich im Spamfilter verfangen. Hoffentlich hast du keinen Schaden genommen.

      Vorsicht ist wohl überall geboten. Aber im Ausland besonders, gerade wenn man der Sprache nicht mächtig ist. Ich fahre deshalb ungern nach Fronkreisch. Fühle mich da unsicher.

  6. Ludger schreibt:

    Hast du genau richtig gemacht. L.G. Ludger

  7. Bellana schreibt:

    Durch die vielen negativen Berichte überall ist man inzwischen extrem vorsichtig. Neulich auf dem Frankfurter Flughafen saß ein junger Schwarzer neben mir und bat mich, ob er mein Telefon benutzen dürfe, weil er nicht wie erwartet abgeholt wurde und zum ersten Mal in Deutschland sei. Spontan habe ich das getan, aber dann ging mir doch durch den Kopf, was ich machen soll, wenn er jetzt mit meinem Telefon davon rennt. Es ist schon schlimm, dass man immer gleich solche Gedanken hat. Der junge Mann war jedenfalls glücklich, dass er jemanden ans Telefon bekam, der ihm weiterhelfen konnte.
    Grüßle Bellana

    • chinomso schreibt:

      Ging mir auch schon so ähnlich. Als ich meinen Mann im Februar zum Flughafen brachte, da war ich nach Verabschiedung mit dem leeren Gepäckwagen unterwegs. Noch weit weg von der nächsten Wagenstation sprach mich ein junger Reisender an. Auch offensichtlich Afrikaner. Er bat mich um den Wagen, weil er kein Kleingeld in € hatte. Da dachte ich an die vielen, die um die Wagenstationen herum darauf warten, dass es einer eilig hat und das 2€ Stück des Wagens abgibt. War das ein Trick Geld zu ergattern? Oder hatte er echt kein Kleingeld?

      Ich habe ihm den Wagen gegeben. Vielleicht wurde ich wieder mal verarscht. Aber hey, egal. Ich will daran glauben, dass ich einem geholfen habe, der das echt gebraucht hat.

  8. freiedenkerin schreibt:

    Du hast genau richtig reagiert! – Ich bin mittlerweile auch sehr misstrauisch geworden, vor allem, was bettelnde Menschen anbelangt. Denn seit einigen Jahren wird immer öfter von organisierten Bettelbanden berichtet… Nur – jedesmal, wenn ich jemanden, der in Lumpen gehüllt auf dem Boden kauert, geflissentlich ignoriere, packt mich hinterher so etwas wie ein schlechtes Gewissen – wenn dieser Mensch jetzt doch ein wirklich Hilfsbedürftiger gewesen ist…

  9. minibares schreibt:

    Tja, wie oft kommen dann noch andere und bemühen sich um deine Tasche. Oft genug liest man so etwas. Diese Bettler-Konsorten sind ja bestens organisiert. Alle unter 14,damit sie nicht festgehalten werden können. Und im Hintergrund irgendwo der Meister, der alles bekommt, was sie zusammenklauen.
    Aber ich hätte auch so reagiert wir du. Dafür kenne ich mich.

  10. Anna-Lena schreibt:

    Das Misstrauen sitzt wahrscheinlich tief in uns allen. Aber ich finde deine Haltung gut, richtig und vorbildhaft. Das zeigt, dass es auch noch ehrliche Menschen gibt, die es wert sind, angehört zu werden.

    Ich wünsche dir sonnig-wonnige Maientage.
    Von Herzen
    Anna-Lena

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