Das kleine Haus Nr. 12 in Dolní Dvůr (früher Niederhof)

Tja, wie gesagt…..
Wir waren im Urlaub im Geburtsort meine Mutter in Dolni Dvur, einem kleinen Dorf im Riesengebirge, was früher Niederhof hieß. Früher, das war als meine Mutter ein kleines Mädchen war. 1948 musste sie im Alter von 9 Jahren mit ihrer Mutter und dem älteren Bruder sowie anderen Familienmitgliedern aus dem Dorf weg, nachdem man ihnen ihr Haus weggenommen hatte. Sie wichen den Anfeindungen, denen sie als deutsche Kriegsverlierer ausgesetzt waren. Sie kamen dann als  sudetendeutsche Umsiedler ins Vogtland, wo sie sich notgedrungen niederließen.

Das Geburtshaus meiner Mutter wurde damals einer tschechischen Familie zugeteilt. Wie wir erfuhren, hat man Deutsche enteignet und die Häuser dann mit tschechischen Parteigenossen „gefüllt“. Nicht immer waren diese von dieser Art der Umsiedlung begeistert. Also konnte man diese Leute nicht für die Enteignung verantwortlich machen.
…..soviel mal zum kurzen historischen Hintergrund.

Meine Eltern sind mit der Oma dann Ende der 1960-er Jahre erstmalig wieder in das Dorf gefahren. In die alte Heimat. Und die tschechischen „Hausbesetzer“ hatten große Angst, dass die Deutschen kommen und ihr Eigentum zurück verlangen könnten. Was natürlich nicht ihre Absicht gewesen war.

Heute sind diese Leute bereits verstorben und das Haus, Bj. 1926, steht jetzt zum Verkauf. Es ist aber leider in einem recht erbärmlichen Zustand. Der Gedanke, es kaufen zu wollen kam mir schon. Er wurde von mir aber schnell wieder verworfen, als ich mit der Kamera „bewaffnet“ an einem sonnigen Nachmittag unerlaubterweise aufs Grundstück gegangen war und rund ums Haus schleichend alles fotografiert hatte.

Ich mag solche alten Häuser und frage mich immer welche Geschichten sie erzählen könnten. In ihnen lebt der Geist der Vergangenheit. Sie sind stumme Zeitzeugen und haben Freud und Leid gesehen. Doch leider können sie uns nicht davon berichten.
Wie schade!!


Der Gedanke, dass es dieses Haus irgendwann nicht mehr geben wird, macht mich traurig.
Aber das ist der Lauf der Welt. Den kann und will ich nicht aufhalten.

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10 Antworten zu Das kleine Haus Nr. 12 in Dolní Dvůr (früher Niederhof)

  1. Anna-Lena schreibt:

    Es sieht schon irgendwie idyllisch aus, doch so alte Häuser haben auch ihr Verfallsdatum. Behalte es in guter Erinnerung, als ein Stück familiärer Zeitgeschichte.
    Das Elternhaus meines Vaters, in dem ich sehr gerne war, ist mit der kompletten Siedlung abgerissen worden und ich habe mir bei Herrn Google schon die Finger wund gesucht, um wenigstens an alte Bilder zu kommen – leider vergeblich.

    • chinomso schreibt:

      Ja es ist sehr idyllisch dort. Hinter dem Haus, durch den Garten fließt ein kleiner munterer Bach. Das Wasser sieht so sauber aus, man möchte draus trinken.

      Schade, dass du keine Fotos mehr gefunden hast. Gibts denn keine Bewohner dieser Siedlung mehr, die man mal fragen könnte??

      • Anna-Lena schreibt:

        Die Häuser gehörte zu einer Glasfabrik, in der mein Opa als Glasbläser gearbeitet hatte. In den – ich glaube 80er Jahren schloss die Fabrik und die alten Häuser wurden abgerissen. Die Menschen, die dort lebten, waren damals schon sehr alt und leben nicht mehr, einschließlich meiner Tante und Großtante. Ich hätte mich viel eher darum kümmern müssen. In meinem Fotoalbum habe ich nur immer mal ein Stück Haus drauf.
        Vielleicht schreibe ich aber mal das Wittener Rathaus an, vielleicht können die mir helfen.

  2. Franka schreibt:

    Schade, wenn es dieses Haus irgendwann nicht mehr gibt. Es sieht sehr schön aus mit dem tief heruntergezogenen Dach, dem orange-braunen Anstrich und den Sprossenfenstern. Aber gerade an letzteren sieht man den Verfall. Man müsste wahrscheinlich eine Unmenge an Geld und Zeit hinein stecken, um es zu erhalten.. Also musst du Abschied nehmen, wie man das so oft im Leben muss. Dabei hängen gerade an Häusern so viele Erinnerungen *seufz*

  3. ute42 schreibt:

    Das war einmal ein wirklich hübsches Haus. Es ist sehr schade, dass es zerfällt. Ich glaube, ich hätte auch mit dem Gedanken gespielt, es zu kaufen 🙂

  4. freiedenkerin schreibt:

    Dieses schöne Haus wird in deinen, euren, Erinnerungen fortleben – und nunmehr auch in deinen Bildern… Die Heimstatt der Familie meiner Mutter in Asch, auch ehemals Sudetendeutschland, ist kurz nach der Vertreibung dem Erdboden gleich gemacht worden. Als meine Eltern vor ca. einem Dutzend Jahren endlich einmal dorthin fuhren, fanden sie nur mehr spärliche Reste des einstigen Fundaments vor…

  5. Ruthie schreibt:

    Oh ja, das gefiele mir auch. Wunderschön, wie es da so breit liegt. (Wenn ich doch sowas besitzen würde 😦 ) Die Collage sieht auch klasse aus!

  6. Treibgut schreibt:

    Naja, wenn das Haus ziemlich baufällig ist, kann man es vielleicht auch sehr günstig erwerben? Aber letztendlich willst du da in der Gegend wohl auch nicht wohnen wollen, und das ist wohl der entscheidende Punkt.

  7. supertabman schreibt:

    Hallo Iris ! Schöön! Ja, wenn die alten Buden doch erzählen könnten. Ich hatte das unendliche Glück, das mein Opa sehr alt geworden ist, und auch noch wach im Kopf war – so sind wir dann 1995 in seine alte Heimat in MeckPomm (Rehna) gefahren….Da hat er mir alles mögliche gezeigt: Das Geburtshaus, das Haus wo er aufwuchs, die Bank ,auf der er Oma das erste Mal gegüsst hat, den „Tanzboden“, wo er sich regelmässig mit den Musikern aus anderen Dörfern gerauft hat (vor allem dann, wenn von denen einer seiner Hertha schöne Augen machte) usw. Ein unvergesslicher Tag ! Er war zu dem Zeitpunkt schon 93, der Tag glühend heiß – aber er war nicht zu bremsen. Zu jdem Haus, zu jedem Stein gabs Geschichten, so lebendig erzählt, das ich meinte, ich wäre selbst vor Ort gewesen….glg

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