Nicht rum hocken — Hockenheim 3

Von der für mich schwersten und grenzwertigsten Übung am Ende des Tages habe ich leider keine Fotos. Denn daran konnte ich keinen Gedanken mehr verschwenden. Auch die Ferraris hatte ich beinahe ganz vergessen. Sie erinnerten immer mal mit dem markanten Röhren der Motoren an ihre Anwesenheit, als sie ihre Runden auf der Rennstrecke drehten. (dazu später nochmal bisschen was) Aber wir hatten Anderes zu tun.

Wie fühlt sich das an…. was macht mein Auto, wenn mir bei 50 Sachen hinten ein Reifen platzt???

Wisst ihr das? Ich wusste es nicht.
Und als ich einen der Teilnehmer gesehen hatte, als ihm das in der Simulation „passierte“, da wollte ich am liebsten weglaufen und heim fahren. Ich habe wirklich mit mir und meinem inneren Angsthase kämpfen müssen. ABER der recht kleine mutige Löwe in mir hat gewonnen. Tschakka!!!!

Also. Man nehme wieder eine weiß lackierte Fahrbahn, gut mit Wasser benetzt. Das Auto möge dann mindestens 50 kmh drauf haben, wenn es auf der Fahrbahn ankommt. Und dann wird per eingebauter Mechanik in der präparierten Straße mit Wucht das Heck des Autos nach rechts oder links (per Zufallsgenerator…. d.h. man wusste als Fahrer nicht, wohin das Auto schleudern wird) weg gerissen. Aufgabe ist es, dann heftigst zu bremsen und gleichzeitig die Lenkung zurück in die Fahrtrichtung zu bringen. Wenn man das nicht schafft…..rasend schnell….. dann gibts Autoballett.

Und das passierte mir beim ersten Versuch. Und nicht nur mir. Ungefähr ein Drittel der 13 Teilnehmer machten ne Drehung von 180° oder sogar mehr.

Das macht was mit dir!!!! Das kann ich versprechen. Adrenalin pur. Aber nicht nur pure Glücksgefühle. Da geht dir die Düse. Mir jedenfalls. Meine (noch recht jugendlichen) Kollegen dagegen, die konnten den Hals garnicht voll kriegen. Die schalteten dann noch das ESP ab, um mal zu testen wie das Auto dann noch mehr ausbricht. Neee, also wirklich nicht. Nix für mich.

Ich habe mich 4 x da durch getraut. Beim ersten Versuch stand ich mit dem Auto um 180° gedreht bildlich gesehen im Gegenverkehr. Beim zweiten dann nur quer zu Fahrbahn und beim dritten und vierten konnte ich recht flott den Ort des heftigen Geschehens in Fahrtrichtung verlassen. Weg…weg….weg. Nix als weg.

Eine Übung macht mir zu meiner eigenen Überraschung richtig großen Spaß und ich saß lachend und jubelnd kreischend im Auto. Das war das Driften.
Ein Kreisverkehr mit „eisiger“ Fahrbahn und wir sollten und durften Bremsvorgänge üben. Immer wieder ging dabei das Heck zur Seite weg und man musste gegen lenken. Und hey, das kann ich richtig gut. Unser Trainer hat sich schlapp gelacht, weil ich so einen Spaß hatte. Der Angsthase hat sein Lieblingsspiel gefunden. Und das lag eindeutig daran, dass ich mal nen BMW gefahren habe. Und das ist für BMWs typisch, dass sie gerne mal im Winter hinten ausbrechen. Also?? Was sagt mir das? Übung macht die Meisterin.

Alles in allem bin ich sehr froh, dass ich das Training gemacht habe. Ich habe sehr sehr viel über mein Auto und mich gelernt. Was das Auto leisten kann und was ich leisten kann…. im Falle eines Falles. Diese Übungen in dem Training waren kein echter Notfall. Das ist mir natürlich klar. Aber es fühlte sich schon einige Mal an diesem Tag so an. Mein Herz klopfte bis zum Hals.
Ich weiss jetzt, was mein ABS und ESP können. Und ich weiss, ich muss volle Pulle das Bremspedal durchtreten.

Mein Handycap war neben meiner Ängstlichkeit auch, dass ich vor meinem jetzigen Auto viele Jahre lang Autos ohne diese sensationelle Technik wie ABS und ESP gefahren habe. Und da hat man gelernt: Bremsen – lösen – bremsen – lösen. Ansonsten blockiert die Bremse total und du schmirgelst wie ungebremst in das Auto vor dir, den Baum oder Gartenzaun. Und diese Fähigkeit so zu bremsen muss raus aus meinem Bewusstsein. Das ist leider nicht so einfach. Aber ich bin ein Stückchen weiter dran an einer guten Reaktionsfähigkeit.

P.S.
Einer der Männer meinte, es läge an seinem Mondeo, dass er diese schwerste Übung (auch) nicht so gut hin bekommen hat. Der Trainer bot an, mal mit dem Auto des Mannes die gleiche Aufgabe zu absolvieren. Und? Unter tosendem Jubel und viel Applaus aller Teilnehmer fuhr er über die „Reifenplatzer-Piste“ und hielt das Auto beinahe stabil in Fahrtrichtung. Wir waren alle schwer beeindruckt. Er hats voll druff.

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7 Antworten zu Nicht rum hocken — Hockenheim 3

  1. Ruthie schreibt:

    Ja, cool! Wenn ich mal Mitstreiter finde, mach ich das auch mal. Gibt’s ja hier auch im Angebot. (Aber ob ich da mit meinem popeligen Volvo antreten darf…?) Glückwunsch, dass Du es erfolgreich durchgestanden hast!

  2. ute42 schreibt:

    Dieses Training hat wirklich etwas gebracht. Ich wüsste nicht, wie ich reagieren würde, wenn ein Reifen platzt. Deine Ausdauer ist bewundernswert und ich bin überzeugt davon, dass du dich jetzt noch sicherer im Straßenverkehr bewegst. Trotzdem glaube ich nicht, dass ich dieses Training mitmachen würde, dabei mangelt es mir eigentlich nicht an Selbstvertrauen *schäm*.

    • chinomso schreibt:

      Ich würde es jedem empfehlen. Egal ob Mann oder Frau, egal ob im reiferen Alter oder als Jungspunt. Keiner kennt sein Auto und dessen Reaktionen auch nur annähernd gut genug, es sei denn er/sie hatte schon mal einen Unfall. Es ist zugegebenermaßen anstrengend und ganz schön aufregend. Aber die Mühe lohnt sich.

  3. torenia schreibt:

    Das klingt sooooooo genial!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
    Das nächste Mal (jaaaaaa…..) sagst Du bescheid… da nn mach ich mit!!! Denn alleine bekomm ich das sowieso nie auf die Reihe!

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