Der Duft der großen, weiten Welt

Frankfurt Airport – Sonntagmorgen

Die Abholung war eigentlich für Terminal 2 vereinbart. Aber wie das so ist, wenn man noch ein bisschen müde ist. Einmal falsch eingeordnet und schon steht man vor Terminal 1. Und da ich weiß, dass es kein Hexenwerk ist mit der flughafeneigenen Bimmelbahn von einem Terminal zum anderen zu gelangen, wartete ich seinen Anruf nach der Landung ab und bat ihn zu mir ans Terminal 1 zu kommen.

Gleich fiel mir auf, dass er davon nicht begeistert war. Aber Dickkopf wie ich manchmal sein kann, weigerte ich mich hartnäckig mit dem Auto von meinem schönen kostenlosen Parkplatz vor der Halle A weg zu fahren und mich auf verschlungenen Wegen zum anderen Terminal durch zu kämpfen um ihn dort abzuholen.

Als wir dann nach einer mittelgroßen Weile endlich aufeiander trafen, verstand ich schnell warum er so ungern den Weg auf sich genommen hatte. Er war beladen mit seinem großen Hartschalekoffer und einer mir unbekannten riesigen buntkarierten Tasche. Kennt ihr die hier? Man nennt sie Ghana must go – Taschen. Hier im Bild wurde das Material der Taschen mal für Kleidung verwendet. Sogar Louis Vuitton hat diese Taschen in seinen Modeschauen schon als Accessoire verwendet. Also sehr stylisch, die Dinger. Und unschlagbar stabil, wenn man viel und schwere Sachen transportieren will.

Und in dieser Tasche war nun der „Duft der großen, weiten Welt“. Und ihr ahnt ja nicht, wie schwerwiegend der ist. Der Wildhüter hat die Tasche in den Kofferraum gewuchtet und vielsagend geschmunzelt. Wenig später wusste ich dann auch wieso. Während wir nach Hause fuhren waberte dieser unvergleichliche Duft vom Kofferraum her durchs ganze Auto.

Die Tasche war bis oben vollgestopft mit Zutaten für typisch nigerianisches Essen. Stockfish zum Beispiel und Crayfish (getrocknete Krabben, pulverisiert), frische und getrocknete Kräuter aller Art. Mein Interesse an den Einzelheiten zum Inhalt dieser Tasche wurde von Minute zu Minute geringer. Endlich zu Hause angekommen bestand ich darauf, dass die Tasche auf den Balkon wohnt. Denn ich wollte den „Duft der großen, weiten Welt“ mit all unseren Nachbarn teilen und nicht allein für uns behalten. Gut, dass der Sommer weit hinter uns liegt und auf unserem Balkon ein gutes Lüftchen weht. So wurde der Duft sofort verdünnt. Am Nachmittag kam bereits eine Bekannte vorbei, die sich einen Teil der Ausbeute abholte. Waren es doch Zutaten, die ihre Schwester meinem Wildhüter mitgegeben hatte. All das, was man hier nicht zu kaufen bekommt und was für ein nigerianisches Essen unentbehrlich zu sein scheint. Sagt die Fachwelt und der Mann an meiner Seite.

Mittlerweile ist alles verteilt oder in Tüte-in-Tüte-in-Tüte gehüllt und im TK-Schrank in Perma-Eis verwandelt. Geruchsfrei. Und der Stockfish, mein ärgster Feind aus dieser Ansammlung von Leckereien, der darf erst wieder raus aus dem ewigen Eis, wenn ich mal verduftet und nicht zu Hause bin. Und dann wird er schnell vernichtet indem er aufgegessen wird. Unter Zuhilfenahme von guten Freunden. Aber ganz ganz sicher niemals von mir.

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19 Antworten zu Der Duft der großen, weiten Welt

  1. freiedenkerin schreibt:

    😆 Herrlich geschrieben!

  2. torenia schreibt:

    … kannst ja von Glück reden, dass da keine Ziege rausgetropft ist… ;-))

    (nie werd ich die Story vergessen… grins)

  3. torenia schreibt:

    … und so’n klitzekleines bisschen eine Zicke biste ja schon, oder? (nicht krumm nehmen…)
    Aber von Wiedersehensfreude war nicht so recht viel zu lesen… stattdessen von kostenlosen Parkplätzen… *tadelnd guck*

    🙂

  4. torenia schreibt:

    ach ja. ein Letztes… (ehe mich der Spam-Filter erwischt… *panisch um mich guck*)

    Aber das Zeug durfte er alles einfach so einführen?
    Da hat der Zoll nix dagegen?

    Ich dahcte immer, die sind so irre streng mit der Einfuhr von Lebensmitteln egal welchen Verarbeitungszustandes???

  5. Anna-Lena schreibt:

    Köstlich, so ein Duft der weiten Welt :mrgreen: . Aber Hauptsache, dein Wildhüter ist wieder bei dir ♥ .

  6. ute42 schreibt:

    Ein Bericht zum schmunzeln. Ich glaube, ich hätte en Duft der großen weiten Welt auch auf dem Balkon verbannt 🙂 Andererseits mal ehrlich, wie oft muss ich „ausgewanderten“ Schwaben Brezeln und Maultschen mitbringen, ist das nicht das selbe? Na ja, sie duften natürlich nicht so stark 🙂

  7. Lutz schreibt:

    Toll beschrieben die Ankunft. L.G.L.

  8. Jorge D.R. schreibt:

    Wie torenia habe ich mich schon auch gefragt:
    „…und was ist mit der Wiedersehensfreude?!?“

  9. Sterntalerchen schreibt:

    eine sooooooo herrliche Geschichte…:)))))))))))))))
    ich wünsch dir eine wundervolle Adventszeit
    Sterntalerchen

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