Das arme Würstchen

….wohnt bei uns nebenan.

Es geschah vor einigen Jahren.
Man denkt an nix Schlimmes und da kauft ein kleiner mittelalter Mann die Wohnung nebenan und zieht mit seiner Frau und einem Kind ein. Die Frau ist viele Jahre jünger als er und eine Person, die der Kosmetikindustrie langfristig das Überleben sichert. Das Kind, ein sehr fülliges Mädchen von ca. 8 Jahren, sieht dem Vater so sehr ähnlich, dass es ein Jammer ist.

Diese Fakten allein hätten einer freundlich-friedlichen Nachbarschaft nicht im Wege gestanden. Aber es kam zu einigen Ereignissen, die uns veranlassten, die Nachbarn etwas näher studieren zu müssen. Und die unser Verhältnis deutlich abkühlten.

Nach einer Weile fiel es auf, dass der Hausherr nicht die Hosen an hatte, auch wenn das äußerlich so wirkte.  Beispiele dafür gab es viele.

Kommen die Drei vom Einkauf zurück, steigen sie aus dem Auto und Madam geht beschwingt, allein mit dem Handtäschchen beschwert, voraus. Der kleine Mann ist regelmässig bepackt wie ein Maultier und droht nicht selten unter der Last der Einkäufe beinahe zusammen zu brechen. Sie stolziert dessen ungeachtet, sommers wie winters mit Sonnenbrille getarnt, voraus und öffnet ihm maximal die Haustür, mahnt ihn aber gleichzeitig zur Eile und ruft den Fahrstuhl.

Man sieht sie niemals irgendeine Art von Hausarbeit tun. Er putzt die Fenster blitzeblank, bringt den Müll und die gelben Säcke runter, wischt die Treppe auf der Etage und tritt auch an, wenn die Familie mit der Kellerwoche an der Reihe ist.

Da wir zu den Nachbarn gehören, die anderen offenherzig und freundlich entgegen gehen, haben wir die Familie von Anfang an mit einem fröhlichen Hallo oder Guten Morgen/Guten Abend etc. gegrüßt. Bis uns dann eines Tages auffiel, dass immer wir diejenigen waren, die grüßen. So machten wir die Gegenprobe und siehe da…. man begegnet der Familie im Treppenhaus, im Fahrstuhl oder vor dem Haus und sie schauen einen an, wie Fische, die aus dem Aquarium raus staunen. Stumm. Teilweise mit offenem Mund und einem Blick in den Augen, der sagen will: Kennen wir uns irgend woher?

Es herrscht eisiges Schweigen. Verlegene Blicke, unsicheres Gezuppel am Schlüsselbund oder fluchtartiges Verschwinden sind die Regel. Die bringen es fertig, einem die Haustür vor der Nase zu zu schlagen, wenn man schwer bepackt ihnen entgegen und auf die Tür zu läuft. So ein Verhalten macht mich einfach nur sprachlos und wütend.

Besonders bemerkenswert ist, wie das Verhalten der Eltern die Tochter irritiert. Vorher, als wir immer diejenigen waren, die freundlich grüßten, wurde unser Gruß auch 3-fach beantwortet. Dann, bei unserem Gruß-Experiment, trafen wir auf die Familie und die Tochter schaute Mama und Papa überrascht und verunsichert an. So als wollte sie fragen: Was ist denn jetzt hier los? Wieso grüßt denn keiner?

Das Mädchen ist zu bedauern. Wenn ich sie alleine treffe, plaudere ich immer mit ihr.  Und wir sind uns einig, dass es viel schöner ist, wenn man sich als Nachbarn freundlich grüßt und ein paar Worte miteinander wechselt. Das tut sie auch immer, wenn wir unter uns sind. Sind die Eltern dabei, schaut sie genau wie ihre Erzeuger betreten zu Boden und schweigt eisern.

Benutzt man den Fahrstuhl kurz nachdem ihn die Nachbarin betreten hatte, dann droht akute Atemnot. Die Luft ist hochgradig parfümgeschwängert. Ihr Äußeres ist zu jeder Jahreszeit ausgesprochen körperbetont und freizügig lässt sie die Menschen ihre körperliche Beschaffenheit betrachten. Eines Tages erwarteten wir Besuch. Als unsere Gäste endlich eingetroffen waren, nahm ein männlicher Besucher meinen Mann zur Seite und fragte, seit wann in unserem Haus Damen des horizontalen Gewerbes ein und aus gehen würden. **räusper**fremd schämen** Noch dicker kam es, als ein anderer Freund von uns, der Single  und auf der Suche nach der passenden Herzdame ist, uns auf seinem Handy ein Foto unter die Nase hielt und fragte: „Sagt mal, ist das nicht eure Nachbarin von gegenüber?? “ Es stellte sich heraus, dass sie sich unter einem Decknamen und mit bekannt aufreizender Pose mit Foto im Internet auf einer Dating-Seite anbietet. Ihr Aufruf dort: Ich suche Männer
Das Foto war so gewählt, dass eine Verwechslung ausgeschlossen ist. Wir waren echt erstaunt und haben unsere Zweifel oder der Mann davon weiß.

Es begab sich dann eines Tages, dass der dritte Nachbar auf unserer Etage schwer krank wurde und nicht mehr in der Lage war, die Treppe zu putzen. Ich muss an der Stelle erwähnen, dass in diesem ehrenwerten Haus sehr straffe Regeln gelten, nicht nur was die Hausordung angeht. Erfreulicherweise und zu unserer großen Überraschung konnten wir uns mit dem putzfreudigen Familienvater einigen, dass wir gemeinsam den kranken Nachbarn entlasten wollen, und uns von nun an den Treppenreinigungs-Dienst im wöchentlichen Wechsel teilen würden.  Ich schlug vor einen Putzkalender zu erstellen, damit wir nicht durcheinander kommen. Der Nachbar winkte ab und meinte, er würde das gerne auch jede Woche übernehmen, denn er hätte ja freitags sowieso sein Wischwasser vom Hausputz parat. Und das bisschen Treppe würde er dann gleich mit machen. Ich hatte schon bei dieser Ansage ein ungutes Gefühl. Daher sagte ich, wir sollten es dann doch besser im Wechsel machen. Einmal wir, einmal er. Kalender wurde aber keiner erstellt.

In der Folge ging es wochenlang so, dass ich freitags nach Feierabend nach Hause kam und die Treppen war offensichtlich schon geputzt. Auch gut, dachte ich. Aber weit gefehlt. Bei der nächsten Eigentümer Versammlung der Wohnungseigentümer des Hause (bei der wir als Mieter nicht anwesend sind – aber dafür unser Vermieter) hat der feine Herr Nachbar sich lauthals beschwert, dass wir seit Wochen keine Treppe putzen würden. (Wir haben dies von einer Nachbarin erfahren, die uns sehr wohl gesonnen ist.)  Sicherlich hat er sich gefreut. Hatte er doch endlich auch mal was zu sagen. **hinterhältige Mistkröte….brodel-koch-vor Wut schnaub**

Ich habe daraufhin umgehend einen 2013-er Putzkalender erstellt und demonstrativ aufgehängt. Danach klappte es wunderbar und ohne Fehler.

Nun haben wir 2014 und ich war der Ansicht, es sollte nun weiterhin so gut funktionieren. Aber ich fand, einen Kalender kann auch der Nachbar mal aufhängen. Wer sagt denn, dass das immer ich machen muss??

Folge? Es klappt wieder nicht. Er putzt nicht, wenn er sollte. Dafür putzte er dieses Wochenende, wo er gar nicht dran ist. **kreisch** Bevor er nun wieder die Alarmglocke anschlägt und ich vor „aller Welt“ als Putzmuffel dargestellt werde, habe ich heute wieder einen Kalender aufgehängt. *soifz*

Hoch lebe die Korinthenkackerei!!!!

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7 Antworten zu Das arme Würstchen

  1. ute42 schreibt:

    Was bin ich froh, dass wir einen Hausmeister haben, der das Putzen besorgt. So ist dieser Streitpunkt schon mal ausgeräumt. Ich verstehe einfach nicht, warum man nicht in Frieden miteinander leben kann. Muss denn immer ein Stinktier dabei sein?

  2. Lutz schreibt:

    Was hast du denn für einen Nachbarn.Dem hat die Tante wohl sehr zugesetzt. Ich wünsche dir noch einen schönen Abend. L.G.

  3. torenia schreibt:

    KLingt extrem anstrengend.
    Ich bin ja ein verwöhntes Eigenheimbesitzerkind und habe in meinem ganzen Leben nur 6 Jahre lang zur Miete gewohnt. Mit Kehrwoche. Und den ganzen Zankereien. Und das fand ich so grässlich, dass das ein sicher nicht unerheblicher Punkt ist, ein eigenes Häuschen haben zu wollen…
    hust.

  4. Franka schreibt:

    Es gibt schon recht seltsame Leute 😉

  5. Tanja`s Allerlei schreibt:

    Ach herje.. Das hört sich aber super anstrengend an. Da kann man echt froh sein, wenn ne Firma zum Putzen kommt oder man nur für sich alleine putzt 😉 Bei meinen Eltern gibt es diese Probleme mit dem Schneefegen.. lach… Zum Glück mußte das diesen Winter noch keiner machen…

  6. Ruthie schreibt:

    Warum auch immer, aber anscheinend muss es auch blöde Menschen geben. Das wäre sonst zu schön zum Aushalten 😀 *andiestirnfass*

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