Überrascht

In den wenigen Tagen, die wir hier am neuen Wohnort sind, wurde ich bereits mehrfach mit einem lang vergessenen Gefühl der Verwunderung konfrontiert. Und das kam so…

An einem sonnigen Tag im Juli wollte ich im nahe gelegenen Supermarkt ein paar Sachen einkaufen. Ich fuhr auf den Parkplatz und sah einen jungen Mann, der in einigen Metern Entfernung von meinem Auto über den Platz lief. Er schaute zu mir rüber und winkte mir freundlich zu. Erst dachte ich an eine Verwechslung, drehte mich um und sah in den Rückspiegel. Aber da war niemand außer mir und ihm. Immer noch glaubte ich, dass er mich mit jemandem verwechselt haben musste. Schließlich kenne ich hier im Ort noch keinen und so gut wie keiner kennt mich.

Schmunzelnd und an den freundlichen Mann denkend ging ich in den Markt rein. Am Automat für die Flaschenrückgabe wehrten sich einige Flaschen hartnäckig dagegen in den Schlund geschmissen zu werden. Sie sprangen mir immer wieder entgegen. Wie aus dem Nichts stand auf einmal der junge Mann von eben neben mir und bot mir seine Hilfe an. Er erklärte mir, dass es sich um Saftflaschen handelte, die leider pfandfrei sind und somit nicht angenommen werden können. Na dann….
Beim Blick auf sein Poloshirt fiel mir auf, dass es den Namen des Supermarktes trug. Er war ein Mitarbeiter dieses Marktes. Freundlich und hilfsbereit. Ohne mich zu kennen winkt er mir strahlend zu, wenn ich mit meinem Auto seinen Markt ansteuere. Ich bin eine Kundin. Und ich bin hier wohl allen Erwartungen entgegen doch als Königin angesehen. Wow!!

Das macht mich schon ein wenig sprachlos. Ich will nicht sagen, dass die Leute in unserem alten Wohnort unfreundlich gewesen sind. Aber da, wo wir immer eingekauft haben, hat das Personal kurz und knackig die Kunden gegrüsst, weil /wenn man sich jahrelang kannte. Ansonsten wurde man an  guten sowohl schlechten Tagen seinem Schicksal überlassen und nicht durch überraschend euphorische Freundlichkeit irritiert. 🙂

Ich glaube, die haben hier dem Trinkwasser was beigemischt. Oder die Leute bekommen von der Stadtverwaltung Gute-Laune-Pillen ins Haus geschickt. Denn diese Freundlichkeit zieht sich durch wie ein roter Faden. Sei es bei der Anmeldung in besagter Stadtverwaltung, bei der Zulassungsstelle  um das Auto umzumelden, in der Nachbarschaft und auf der Straße. Die Leute grüßen, lächeln und halten einander die Türen auf.

Was soll ich sagen? Ich bin beinahe sprachlos und vollends begeistert. Und ich habe mir vorgenommen: Da mache ich mit. Das will ich auch.
Mit oder ohne die Pillen.

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8 Antworten zu Überrascht

  1. dorosgedankenduene schreibt:

    Das hört sich ja richtig gut an. Aber es ist doch schade, daß diese Freundlichkeit vielen, besonders hier in den großen Städten abhanden gekommen ist. Aber schön das es das noch gibt.
    LG Doro

  2. Myriade schreibt:

    Nach Überwindung des ersten Schrecks ist das doch großartig 🙂 Hoffentlich sind die Leute privat auch so freundlich. Aber auch wenn nicht, ist doch professionelle Freundlichkeit auch schon was

  3. ute42 schreibt:

    Wie schön, dass es das noch gibt. Du hast wohl den richtigen Wohnort ausgesucht. Oder seid ihr nach USA ausgewandert? 🙂

  4. Lutz schreibt:

    Es gibt doch noch freundliche Leute. Ich glaube du bist in den richtigen Ort gezogen. Die noch einen schönen Sonntagabend. L.G.

  5. freiedenkerin schreibt:

    Das ist wundervoll! 🙂 Von dem Supermarkt-Angestellten könnten sich die Leutchen in dem kleinen Supermärktchen bei mir am Eck eine dicke Scheibe abschneiden. Obwohl ich seit ca. 25 Jahren regelmäßig dort einkaufe, werde ich recht selten gegrüßt…

  6. torenia schreibt:

    Sehr schön!!!

  7. Josefine schreibt:

    Da möchte ich auch wohnen! Paradiesisch!

  8. Ruthie schreibt:

    Das freut mich für Dich! Im Bayernland sind „Zugroaste“ eher Fremdkörper, glaub ich 😦

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