Geh mal auf die Knie

Manchmal ist ein Wechsel der Perspektive ein sehr spannendes Erlebnis. Ich habe das am ersten Tag im neuen Jahr gemacht. Und es war eher zufällig. Erstaunt war ich, wie schön das sein kann. Emily war zu Besuch. Die Eltern und der große Bruder waren im Kino. Sie erkundet gerade alles robbend. Und irgendwann kam ich auf die Idee sie dabei zu begleiten. Auf ihrer Ebene. Da kann ich nämlich auch besser sehen, was sie gerade anpeilt, um es in den Mund zu stecken.  Ich bin also ganz nahe dran. Nicht nur an dem Objekt ihrer Erkundung sondern auch an ihr.

Stell dir vor du siehst alles aus Krabbel-Perspektive. Höher kommst du nicht. Du bewegst dich auf allen Vieren auf Knien voran oder robbst auf dem Bauch übers Parkett. Wann hast du das zuletzt getan?

Zugegeben, wenn sich ein erwachsener Mensch allein ohne ersichtlichen Grund so fortbewegt wird er für betrunken oder geistig leicht verwirrt angesehen. Aber hey, ich habe Begleitschutz. Ich darf das. Das ist mein persönliches Forschungsprojekt. Und meine kleine Mitarbeiterin und ich verstehen uns blind. Sie kann nicht sprechen, aber sie lacht mich an, quietscht vor Vergnügen, kneift die Augen zusammen und zieht die Nase kraus, sie patscht mir mit ihren Händchen ins Gesicht, zieht an meinen Bling-Bling Ohrringen oder zupft an meinen Haaren. Ab und zu knallt sie mir Eine, weil sie das mit zart und hart noch nicht so raus hat. Sie darf grundsätzlich erstmal alles anfassen, es sei denn es könnte gefährlich werden. Und ihr solltet diese unvergleichlichen blauen Augen sehen. So voller Lebensfreude, so quietschvergnügt. Da geht einem das Herz auf. Echt wahr. Nur wenn der Hunger ruft, dann hört der Spaß aber auf. Sie fordert energisch ihr Recht auf Nahrung ein. Und das gefällt mir besonders. Sie ist immer fröhlich, außer wenn es heisst: Hunger oder Hose voll. Dann versteht sie keinen Spass mehr. Aber ist das Problem behoben, dann gehts solange wieder weiter bis die Müdigkeit sie aus dem Verkehr zieht. Dann gibts ne halbe Stunde Schlummer. Wenn sie aufwacht, dann dreht sie sich noch im Halbschlaf auf den Bauch, Kopf hoch gereckt und lacht. So ist das immer. Das scheint fest einprogrammiert.

Es ist, als würde sie fragen wollen: Wo ist mein nächstes Abenteuer?

Als Mutter hat man für solche Studien irgendwie nicht die Zeit und Ruhe. Aber als Oma schon. Und wie ihr merkt ….. ich genieße es. Es ist irgendwie alles wieder ganz neu.

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9 Antworten zu Geh mal auf die Knie

  1. ute42 schreibt:

    Genieße es in vollen Zügen. Kinder werden so schnell groß.

  2. freiedenkerin schreibt:

    Das ist überwältigend, was für eine Freude und Liebe und Wärme aus deinen Worten strahlt. 🙂

    • chinomso schreibt:

      Das freut mich. So geht es mir mit ihr auch. Ich kann soviel mitnehmen, wenn ich Zeit mit ihr verbringen kann. Es ist auch ganz wunderbar, dass ich das Glück habe und ihre Eltern mir so bedingungslos vertrauen.

  3. minibares schreibt:

    Das hast du so herrliche beschrieben. Danke, dass wir teilnehmen durften an deinem Glück.
    Ich krieche auch ab und zu auf den Knien, aber nur, weil ich sonst nicht nach unten komme. Dann brauche ich am besten einen Stuhl, um mich hochhieven zu können.
    Die Zeiten des einfachen Aufstehens sind für mich leider vorbei.
    Liebe Grüße Bärbel

  4. torenia schreibt:

    Wie schön! Ich finde es wunderbar, wie Du die Zeit mit ihr erlebst und schilderst. Unglaublich herzerwärmend!

  5. vivilacht schreibt:

    das klingt wirklich wundervoll. Geniesse es, die Enkel werden schneller aelter als die Kinder, grins. Dann wirst du mehr als eine brauchen, um so weitermachen zu koennen. Ich habe ja 5 Enkel, (noch) und erfreue mich immer wieder und viel an ihnen.
    Als meine Kinder in dem Alter waren, da hatte ich mich auch auf den Boden gelegt um festzustellen, was nicht in Reichweite sein darf. Heute koennte ich es nciht mehr, aber alles, das haette gefaehrlich werden koennen, das ist ja seit dem immer oben, und nicht zu erreichen.

  6. Da wünsche ich Dir ein wunderbuntes Jahr mit Deinem kleinen Sonnenschein, hoffe, daß Du solche Momente noch sehr oft genießen kannst. GLGr. vom ollen grauen Wolf aus dem Land am Meer, der zur Zeit ins Land am Berg gewechselt ist.

  7. Ruthie schreibt:

    Das freut mich auch sehr für Dich! Vor allem, dass Du Zeit dafür hast.
    Ein kleines Bisschen Neid fliegt mich auch an 😦

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