Helikoptereltern – ein neues Phänomen?

Sicher, man lernt viel in der Schule. Auch so einiges,  was man im späteren Leben gut gebrauchen kann. Sogar wie man Kinder macht. Aber nicht wie man Kinder erzieht. Das war immer so und wird auch so bleiben. Deshalb ist das dann jeweils eine Entscheidung aus dem Bauch raus. Die meisten richten sich danach, wie sie selbst aufgewachsen sind und übernehmen die Regeln aus dem Elternhaus. Das gilt sowohl für die guten, aber auch für die weniger guten Erziehungsmethoden.

Mein Eindruck ist, dass die Erziehungsmethoden einem Wandel unterliegen. Sie ändern sich ständig. Das denke ich oft, wenn ich andere Eltern im Umgang mit ihren Kindern erlebe oder sie sich über die Kleinen oder auch Großen beklagen höre. In 99% der Fälle behalte ich für mich, was ich davon halte. Vorallem dann, wenn mir nicht gefällt, was da passiert. Natürlich würde ich mich einmischen, wenn jemand sein Kind gnadenlos verdrischt. Schon klar. Oder?

Neulich habe ich im Fernsehen eine Sendung gesehen, die ich hier gerne weiter empfehlen möchte. Wer will kann sich in der 3sat Mediathek die 45-minütige Reportage mit dem Titel „Generation Weichei“ (noch) einmal ansehen.

Wer die Reportage nicht ansehen möchte oder nicht die Zeit dafür hat, für den die folgende freie Zusammenfassung. Alles, was bei mir so hängen geblieben ist.

Immer mehr Eltern agieren als sog. Helikoptereltern. Sie kreisen ständig über den Kindern wie Hubschrauber. Damit wollen sie alles beobachten und ggf. helfend eingreifen und Schaden verhindern. Doch leider wird diesen Kindern die Chance auf eigene Erfahrungen genommen. Es werden Stolpersteine aus dem Weg geräumt und die Kinder können aus Fehlern nicht lernen, weil kaum welche passieren. Und wenn welche passieren, dann kommen die Eltern gesaust und reparieren alles ganz schnell. Alles ganz schnell wieder gut. Und Spuren sind im Handumdrehen beseitigt. Nichts erinnert an das Mißgeschick.

Das geht lt. Reportage soweit, dass Eltern ihre Kinder über die Ausbildung/das Studium hinaus begleiten und gegen böse Einflüsse von außen schützen. Da stellt die Mutter dem Kind das Blümchen an den Arbeitsplatz und ruft den Rechtsanwalt auf den Plan, wenn das Gehalt nicht stimmt.

Ich stelle fest, ich war ein harter Hund in der Erziehung meiner Kinder. Sie mussten sehr vieles selber ausfechten. Aber ich würde es wieder so machen.

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12 Antworten zu Helikoptereltern – ein neues Phänomen?

  1. Winnie schreibt:

    Ich bin da eher wie du, … aber ich glaub mein GöGa ist ein Helikopter-Papi 😉

  2. Dirgis (Sigrid) schreibt:

    Ich versuche noch den goldenen Mittelweg zu finden ;-).
    Manchmal habe ich das Gefühl, ich erwarte zu viel von den Waldkindern, manchmal denke ich, dass müssten sie doch alleine regeln können.
    Die Entscheidung ist nicht immer einfach und führt auch zu Diskussionen mit dem Förster.

  3. Bellana schreibt:

    Ich denke, wir waren auch keine Helikoptereltern, aber das ändert sich vermutlich von Generation zu Generation. Früher waren wohl auch die Einflüsse von außen nicht so zahlreich.
    Grüßle Bellana

  4. torenia schreibt:

    Das sehe ich genauso.
    Meine Kinder werden auch nicht gepudert…

    Allerdings habe ich oftmals ein schlechtes gewissen, wenn ich sehe, was andere Eltern für und mit ihren kindenr machen, Da wird auch in der 8. Klasse noch täglich und in den Ferien gemeinsam gelernt, abgefragt, Aufgaben bearbeitet. Da wird dies und das und jenes geregelt. Und überall organisierend eingegriffen.

    Ich komme mir dann immer so vor, als würde ich meine Kinder vernachlässigen.
    Andererseits denke ich, dass es ihnen gut tut, wenn sie sich selbst durchwursteln müssen. Und ich bin stolz auf die Selbständigkeit meiner Kinder!

    • Ruthie schreibt:

      Das glaube ich auch, dass es gut ist, Kinder zu haben, die sich durchwursteln können. Die auch nicht vor dem vollen Kühlschrank verhungern. Aber einfach ist es nicht, zu entscheiden, was ist richtig und gut… Wir haben halt dafür, wie oben gesagt, kaum Lehre bekommen.

  5. torenia schreibt:

    Habe mir gerade die Reportage angeschaut. War sehr interessant. Danke für den Tipp!!

    Unglaublich, was manche Eltern da allen Erstes machen… *staun Bauklötze*

  6. martinacarmenluise schreibt:

    Frisch gesprächskreiserprobt und nach der Kur kann ich dazu schlaumeiern: ich bin da eher montessori… hilf mir, es selbst zu machen 🙂

  7. Irgendwie war das schön, 1965-1983, mein großer Bruder hat die „Tracht Prügel“ abgeschafft, wir haben auf dem Deich getobt, Hosen zerrissen und Schultern gebrochen, wir haben endlos nach der Schule mit der Schulfreundin telefoniert und studiert, wie wir das Schloss am Telefon hinterher austricksen können, wir haben Handtaschendiebe gestellt und wurden mit der „grünen Minna“ nach Hause gebracht. Wir haben Grenzen ausgetestet, mit mehr weniger als mehr Erfolg und wenn wir nicht pariert haben, dann war der Platz unter dem Weihnachtsbaum auch schon mal leer (zumindest für zwei-drei Stündchen 😉 ) Und wenn wir Schei*e gebaut haben, dann durften wir auch dafür gerade stehen.
    Nach 83, pünktlich mit der Friedensbewegung kam die antiautoritäte Erziehung auf den Plan und ich lernte die Kinder kennen, die ich nie selber haben wollte – das hat mich wohl wirklich geprägt. Eislaufmuttis, Münchhausenmuttis, Legasthenikermuttis und Hochbegabtenmuttis – habe ich etwas vergessen? Nun haben wir Helikoptermuttis, die allen Schaden von ihren Kindern abhalten, nur nicht den, den sie im Netz verbreiten oder selbst ausgesetzt sind, weil sie vor lauter Fürsorge im realen Leben, das virtülle Dasein ihrer Kinder nicht verstehen. Im Gegenteil, da werden Bilder von den lieben Kleinen gepostet und die nächste Generation Eltern herangezogen – wie sie wohl heißen wird, diese Generation, die not amused darüber ist, dass sie als kleines dickes Kind am Strand auf Sylt mit Schwimmflügelchen und Sonnenschutzfaktor 50 abgelichtet wurden (oder Schlimmeres)?!

  8. ernstblumenstein schreibt:

    Ich (JG42) und meine Frau waren streng mit unseren Töchtern, gaben ihnen aber genügend Freiraum, damit sie auch Fehler machen konnten.
    Was heute vielfach abläuft, lässt mich staunend und fragend zurück. Wohin treibt die heutige Gesellschaft?

  9. Ingrid/ile, die Bastelmaus schreibt:

    Passt nicht, aber dennoch die Frage: Alles o.k. bei Dir? Man hört bzw. liest so gar nichts mehr von Dir, weder im Blog noch als Mail. Mache mir Sorgen!
    LG Ingrid

    • chinomso schreibt:

      Liebe Ingrid,
      ja alles gut. Ich gehe beruflich neue Wege und bin zu 100% da eingespannt. Daher nichts von mir gerade. Danke für die Nachfrage. Ich hoffe, dir und deinem Mann geht es gesundheitlich auch wieder besser.

      • Ingrid/ile, die Bastelmaus schreibt:

        Liebe Iris!
        Danke für Deine Zeilen, ich drücke die Daumen, dass alles so wird, wie von Dir erdacht und gewünscht!
        Unsere Gesundheit?: Besser, aber nicht gut bzw. optimal, hauptsächlich bei mir….
        Liebe Grüße, ein wunderschönes und entspanntes WE
        Josef und Ingrid

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