Abtauchen – auftauchen -abtauchen

Es ist schön im Alltag immer mal wieder in die Urlaubserinnerungen einzutauchen. Vorallem, wenn die Regentropfen an mein Fenster klopfen. Denn, was wir auch alles in unserem Dubai Urlaub erlebt haben, das war nicht dabei. Auf Regen mussten wir verzichten. Und das ist uns nicht schwer gefallen. Soviel kann ich versichern.

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Auf das eine oder andere Glas Wein am Abend hätten wir auch verzichten müssen., wären wir nicht dahinter gekommen, wie und wo man in einem Land mit streng gehandhabten islamischen Regeln an ein gutes Tröpfchen Rotwein kommt.

Es war wieder einer dieser Tage, an denen wir nach einem neuen, möglichst kurzen,  Weg zur nächsten Mall suchten. Ein junger Einheimischer zeigte uns eine Abkürzung und meinte, dass man so in 7-8 Minuten am Ziel sein würde. Ja, mit einem schnellen Auto vielleicht. Nicht aber zu Fuß unter der heißen Sonne Dubais.Und so waren wir wieder mindestens ne Dreiviertelstunden unterwegs. Im Schweiße unseres Angesichtes. Und alles nur für ein bisschen Wein.

Endlich dort angekommen, steuerten wir den großen Supermarkt an. Systematisch durchkämmten wir die einzelnen Gänge und fanden auch nach mehrmaliger eingehender Prüfung des Sortiments weder Wein, noch Bier noch sonst irgendeinen Alkohol. Meine Mama steuerte mit den Worten „ich frage jetzt mal die Verkäuferin“ auf eine verschleierte Frau mittleren Alters zu. Mir war ganz mulmig zumute und ich war gespannt, wie sie das ohne nennenswerte Englischkenntnisse jetzt anstellen wollte. Aber sie ist ja kreativ. Also machte sie nur eine Handbewegung, als würde sie trinken und fragte: „Vino? Wo?“

Die Verkäuferin bekam tellergrosse Augen, winkte uns zwischen zwei enge, hoch aufgetürmte Regale und  erklärte flüsternd, dass es da einen geheimen Hintereingang am Supermarkt gäbe. Nur von außen zugänglich, ohne Beschriftung, eine dunkelgrüne Blechtür.

Wir machten uns auf den Weg mit einem Gefühl, als hätten wir vor, eine Bank auszurauben. (Ich jedenfalls. Meine Mama sah das wohl gelassener.) Dort angekommen sahen wir nur einheimische Männer mit dunklen Sonnenbrillen schnellen Schrittes aus dem Laden eilen. Keine Touristen weit und breit. Und vorallem keine Frauen. Die Männer stiegen mit neutralen schwarzen Einkaufstüten in ausschließlich dicke Karossen ein und fuhren mit quietschenden Reifen weg. (kein Witz!) Innerlich war ich da schon am Ablachen. Aber es kam noch besser.

Der Laden bestand aus drei kleinen Räumen, die jeweils bis unter die Decke mit Regalen mit alkoholischen Getränke vollgestopft waren. Ein Raum, der kleinste, ca. sechs Quadratmeter groß, war der für Wein. Dort gingen wir auf die Suche und fanden spanischen Rotwein, von dem wir zwei Flaschen kauften. Es war alles wie an einem Film Set. Aber hier wurde nicht im verräucherten Hinterzimmer um Millionen gepokert und jeden Moment musste man mit einer Razzia rechnen. Doch ich fühlte mich irgendwie so. Und ich fand alles sehr amüsant.

Zurück im Kassenraum, von wo aus man den ganzen Laden überblicken konnte, fiel uns dann auf, dass wir die einzigen Frauen waren. Jedenfalls die einzigen ohne männliche Begleitung. Da gab es noch eine Asiatin, die mit ihrem da Gatten war. Wir stellten uns in die Schlange an der Kasse. Während ich wartend mein Geld abzählte und die überdimensionalen Flaschen, wie 2l oder sogar 5l Weinbrand, Whisky und Wodka bestaunte, bemerkte meine Mama, wie sich zwei Mitarbeiter des Ladens offensichtlich über uns zwei verruchte Weiber echauffierten, die die Dreistigkeit besaßen ohne Männer in den Laden zu spazieren und kackfrech Wein zu kaufen.

Leider war mit das entgangen. Sie hat mir erst später, draußen vor dem Laden davon erzählt. Andernfalls hätte ich gespielt empört zu meiner Mama auf Englisch gesagt, dass ich mir überlegen werde den Shop Manager zu kontaktieren, da sein Personal sich offen abfällig und respektlos über Kundinnen äußert. 😎 Das hätte mir Spaß gemacht.

Noch zu erwähnen wäre, dass es im Hotel durchaus auch Wein zum Abendessen gab. Aber der billigste kostete 8 € pro schlecht eingeschenktem Glas und 40€ pro Flasche. Und dabei war er nicht mal besonders gut oder hochwertig. Und so sind wir auf die Suche nach einer besseren und günstigeren Alternative gegangen. Und fündig geworden.

Eine Freundin erzählte mir neulich, dass sie mit ihrem Mann anlässlich ihrer Silberhochzeit einen Luxusurlaub in Dubai in einem sehr edlen Hotel gemacht hatte. Dort war es unter gar keinen Umständen möglich auch nur en Glas Wein oder Sekt zur Feier des Tages zu bekommen. Zu keinem Preis. So gesehen, hatten wir ja noch Glück.

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10 Antworten zu Abtauchen – auftauchen -abtauchen

  1. ute42 schreibt:

    Das war ja richtig abenteuerlich. Vermutlich wäre ich dazu zu feige gewesen und hätte lieber auf den Wein verzichtet.

  2. Ingrid, die Bastelmaus schreibt:

    Ich kann nur staunen! ICH hätte mir wohl vor lauter Angst in die Hosen gesch….. und versucht, irgendwie da raus zu kommen, ob mit oder ohne Wein! Ach was bin ich froh, dass Ihr das gut überstanden habt!!!!
    Da fällt mir spontan eine Sache ein, die schon Jahrzehnte zurück liegt. Und da es mir von meiner Kollegin erzählt wurde, glaub ich es auch bedingungslos. Ihre Cousine war mit Ehemann ebenfalls in einem arabischen Land, schaute sich in einem kleinen Geschäft irgend etwas an was sie interessierte und ist NIE MEHR aufgetaucht. Ihr Mann hat natürlich die Polizei sofort informiert, das deutsche Konsulat eingeschaltet, aber alles war vergebens. Er wurde mehrmals befragt, erinnerte sich an einen Vorhang in diesem Geschäft, den gab es wirklich, und so wurde vermutet, dass man sie hinter diesen gezogen hat. Ist es ihr europäisches Aussehen (bonde Haare, heller Teint) gewesen, der ihr zum Verhängnis wurde?

    • chinomso schreibt:

      Da hatte ich ja Glück. Bin ja auch blond. Aber vllt. doch ein zu reifer Jahrgang. Da ist die Gefahr einer Entführung geringer. Das Alter muss ja auch Vorteile haben.

      • Ingrid, die Bastelmaus schreibt:

        STIMMT!!! Liebe Iris
        Bei mir ist es nun schon so weit, dass mir ab und zu ein Sitzplatz angeboten wird…. bin ja (früher blond)allerdings jetzt auch schon weißhaarig und blass, hi, hi!
        LG Ingrid
        PS.: Frohe Ostern!!!

  3. freiedenkerin schreibt:

    Huh! Was für ein Abenteuer für ein bisschen Wein! Ich hätte es wie Ute gemacht, und lieber Wasser getrunken – oder aber auch nicht, denn gerade stelle ich fest, dass dies eine Geschichte ganz nach meinem Geschmack gewesen wäre. 😉

    • chinomso schreibt:

      Es ist ja nur verboten den Wein oder anderen Alkohol auf offener Straße zu trinken. Aber wird haben ihn dann auf unserer Terrasse im Hotel getrunken. So bestand keine Gefahr, dass man uns verhaftet. Gerade im Nachhinein ist es echt lustig. Ich bereue nichts.

  4. Ruthie schreibt:

    Ihr zwei Powerfrauen! Vielleicht dürft ihr mal in einem Krimi mitspielen 😉 Die Bilder sind schön!

  5. Cecilia schreibt:

    Wow, was für eine Geschichte. Das Strandphoto, wunderbar! Danke.

  6. Pia Maria schreibt:

    Danke für diese Geschichte. Abenteuerlich !!! Ein Freund hat für ein paar Jahr in Dubai gelebt. Seine Geschichten waren manchmal schweer zu glauben….sooo fremd diese Mänerwelt. r erzähltezum Beispiel, dass sehr viele Geschäftsleute ihre Frauen in den Wohnungen “ halten “ wie Gefangene. Grauselige Vorstellung

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