Boykottversuch

Nicht alle guten Vorsätze haben ihren Startpunkt in der Silvesternacht. Seit dem 2. Weihnachtsfeiertag abends um 21:00 Uhr bin ich meiner persönlichen Fitness auf der Spur. Ich hatte sie für eine Weile aus dem Auge verloren und suche sie seitdem. Manchmal, je nach Wetterlage, sehe ich sie schon am Horizont aufleuchten.

Im Klartext, ich walke wieder. Außer an den wenigen Tagen, an denen wir hier Eisregen und somit übles Glatteis hatten, war ich jeden Abend unterwegs. Immer so zwischen  20 – 40  Minuten.  Je nach  Witterung. Da ich wochentags nur abends nach der Arbeit dazu komme, gehe ich sicherheitshalber nur im Wohngebiet laufen und umschiffe die Pfützen, Schneehaufen und Eisschollen auf den Gehwegen. Am Wochenende komme ich früher dazu, wenn es noch hell ist. Dann wähle ich die Strecke, die teilweise durch den Wald führt. Zur Steigerung des Spaßfaktors bringe ich allerlei Motivationshilfen ins Spiel. So zum Beispiel meine Fitness App Runtastic Pro, mit deren Hilfe ich aufzeichnen kann wie viele Kilometer ich gelaufen bin, welche Durchschnittsgeschwindigkeit ich dabei erreicht habe,  wie viele Schritte pro Minute das waren, wie viele Kalorien ich verbraucht habe uvm. Der Verlauf jeder Trainingseinheit wird aufgezeichnet und so kann ich sehen, was ich pro Woche oder pro Monat geschafft habe. Natürlich würde es auch ohne dem gehen, aber mir macht es so mehr Spaß. Zusätzlich habe ich seit einiger Zeit die Kopfhörer in den Ohren und höre meine Lieblingsmusik dazu. Und Fotos. Ohne geht ja bei mir auch nichts. Mit dem Handy schieße ich gerade am Wochenende immer wieder die wunderbaren Sonnenuntergänge auf freiem Feld oder den strahlend blauen Winterhimmel. Ein Must.

Zugegebenermaßen ist es manchmal nicht leicht den inneren Schweinehund zu überlisten und auch wirklich nach einem langen Arbeitstag noch los zu gehen.  Er streut mir immer wieder neue Erklärungen und Begründungen ins Hirn, warum ich mich heute unmöglich diesem Stress aussetzen kann. Zu kalt, zu windig, Knie tut weh, zu dunkel, zu glatt, du bist doch zu müde, du frierst doch sowieso schon….usw. Aber in der Regel gewinne ich den Kampf im Kopf. Und dann freue ich mich über die frische Luft, auch wenn sie mitunter sehr eisig ist und ich komme gut durchgewärmt und stolz zurück nach Hause. Es ist einfach ein sehr gutes Gefühl wieder mal was für die Gesundheit getan zu haben.

Gestern dann hat es der Schweinehund echt übertrieben. Er wollte mich ausknocken. Kaum hatte ich das Haus zu einer großen Runde verlassen, ich war noch keine 100m gegangen, da war mein Handy aus. Mausetot. Das hieß dann, kein Runtastic, keine Musik und keine Fotos auf der Wegstrecke. Der Akku war leer. Ich hatte vergessen das Handy tagsüber mal aufzuladen. Umgehend sank meine Lust, los zu gehen, auf Null ab. Genau wie der Ladestand des Handys. Der Schweinehund schrie: “ Hurra, wir kehren um!! Es geht wieder nach Hause auf die Couch! Glück gehabt. Kein Training heute!! Und stell dir mal vor…. so ohne Handy….. was da alles passieren kann. Du kannst mitten in der Walachei stürzen und nicht mal Hilfe herbei rufen! Undenkbar. Also nee, das geht auf keinen Fall!. Schnell, lass uns heim gehen.“

Und ich überlegte echt. Stand für einige Sekunden ratlos auf dem Fußweg und wägte ab: Will ich das? So ganz ohne meine gewohnte technische Unterstützung? Macht das denn Spaß? Ist das nicht unglaublich langweilig? Und es würde mein Wochen- und Monatsergebnis verfälschen. Dieser Tag würde trotz durchgeführtem Training in der Statistik fehlen. Katastrophe!!

Nein, natürlich nicht. Gar keine Katastrophe. Einfach nur ein böswilliger Versuch des Schweinehunds mich von meinen Zielen abzubringen. Doch dem habe ich ne lange Nase gemacht und bin dennoch los. Das wär doch gelacht!!

so so ….. nur 90m also.

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9 Antworten zu Boykottversuch

  1. freiedenkerin schreibt:

    Vielleicht sollte ich auch mit dem Walken beginnen. Bis jetzt habe ich mich noch nicht so recht dazu durchringen können. Aber Wandern, das tue ich ausgesprochen gerne, und da fühle ich mich auch ohne elektronische Hilfsmittel sehr wohl. 😉

    • chinomso schreibt:

      (den Kommentar schreibe ich jetzt zum 4. Mal. Bin gespannt, ob es jetzt klappt. Bin im Büro und das Internet spinnt heute. Immer wenn ich den Kommentar senden will, habe ich kein Netz und der Kommentar ist weg)

      Also….. Wandern passt besser in die Berge, die du ja quasi vor der Haustüre hast. Hier im Flachland (und das ist es im Vgl. zu euch da) braucht man beim täglichen Training und wenn das vor allem im Dunkeln stattfindet ein wenig Unterhaltung. Sonst ist es zu öde. Immer bzw. oft die gleiche Strecke und dann noch ohne Musik? Nee, das wär mir nichts.

      Ja, probiere es doch mal aus, wenn du die Gelegenheit hast zu walken, Vielleicht gibt es ja in deiner Nähe auch einen Park? Die frische Luft tut jedenfalls gut und die Bewegung auch. Ich gehe übrigens lieber alleine. Denn die Trainingsstände anderer Personen sind immer anders als meine, Ich hatte das schon, dass ich entweder hinter anderen her gehechelt bin oder Rücksicht nehmen und langsamer gehen musste. Das ist nicht so zielführend.

  2. Myriade schreibt:

    Ach wie ich das kenne ! Ich benütze eine Schrittzähler-app, die den ganzen Tag lang mitläuft und ich bin immer ganz grantig wenn ich ein paar Schritte mache und das handy vergesen habe. Blöd aber wahr 🙂

    • chinomso schreibt:

      Solche Schrittzähler habe ich vor Runtastic auch benutzt. Das ist mitunter doch erstaunlich, was da im Laufe des Tages an Schritten zusammen kommt. Man soll für die Herzgesundheit hat 10.000 Schritte pro Tag machen. Schaffst du das immer? Ich nicht.

      • Myriade schreibt:

        Aber gar keine Rede ! Meine selbsterstellte Regel ist, dass es absolut jeden Tag mindestens 4000 sein müssen. Tatsächlich sind es dann zwischen 4000 und 9000. Da betreibe ich aber keinen Sport sondern nur meinen autolosen Alltag und freue mich, dass ich die Disziplin aufbringe wirklich jeden Tag die 4000 hinzukriegen.

        • chinomso schreibt:

          Ja autolos. Das hat was. Aber das ist bei mir als Autohändlerin schlecht möglich. Ich muss schon von Berufs wegen viel fahren. Und zur Arbeit käme ich ohne Auto auch nur mit Bussen und mit mehrmaligen umsteigen. Allerdings plane ich für den Sommer…..2014, 2015 und 2016 ist das nicht passiert…. mit dem Rad zur Arbeit zu fahren.
          Das wären 7km one way. Ich bin dann mal gespannt, ob das in 2017 mal oder gar regelmässig passieren wird.

          • Myriade schreibt:

            Ja, ja, eine Autohändlerin, die nicht mit dem Auto fährt, macht sich nicht so gut 🙂 Täglich 14 Km mit dem Rad fällt mir bei mir schon fast unter Leistungssport 🙂 Das würde ich sehr bewundern

  3. Seelenstreusel schreibt:

    Ich finde es toll, wie du durchhälst und dem inneren Schweinehund die rote Karte gezeigt hast. :o) Meine Lieblingsausrede ist „Die Woche ist noch lang und wenn du heute nicht gehst, hast du ja noch 5/4/3/2 Tage Zeit.“ 😀

  4. Ruthie schreibt:

    Boah, dieses Mistvieh! Mit allen Mitteln hat er’s probiert, oder? Gut, dass du stärker warst! Respekt!

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