Neue berufliche Herausforderungen

Aber nur temporär.

Das glaubt ihr nicht!! Aber könnt ihr ruhig. Dienstag bin ich überraschend in einen neuen Berufszweig geschliddert. Ich kam dazu, wie die Jungfrau zum Kinde. Und das kam so…..

Eine ältere Dame war letzten Samstag mit Kind & Kegel bei mir, um Autos zu besichtigen. Dabei kamen schließlich zwei Modelle in die engere Auswahl. Sie bat um Informationsmaterial über technische Details und Preise und nahm diese mit nach Hause. Außerdem gab sie bekannt, sie müsse da auf jeden Fall mal ein paar Nächte drüber schlafen. Kein Problem soweit.

Am Dienstagmorgen rief sie an und zündete Stufe II der Rakete. Eine Probefahrt stand an. Aber da sie keine Möglichkeit hatte, zu mir zu kommen, bot ich ihr einen Hausbesuch an.  Ja, sowas Tolles machen wir für unsere Kunden möglich.

Ne Stunde später fuhr ich mit einem schicken schwarzen Golf auf ihr Grundstück. Sie kam sofort aus dem Haus und nahm freudestrahlend auf dem Fahrersitz Platz. Und dann hätte es los gehen können. Sie schaute mir in die Augen und suchte nach Worten. Ich wunderte mich und fragte mich im Stillen, was denn nun das Problem sei. Und warum sie wohl nicht los fuhr. Sie meinte dann: „Ich muss Sie jetzt mal um Hilfe bitten!“
**in meinen Augen standen Fragezeichen**

Sie erklärte sich dann und informierte mich darüber, dass sie den Führerschein vor 43 Jahren gemachte habe und auch regelmässig Auto gefahren sei, ABER die letzten 20 Jahre nur Autos mit Automatikgetriebe. **Bingo**

Dieses Auto hatte aber nun eben ein Schaltgetriebe. Und weiter erklärte sie, das Auto hier gefiele ihr soooo so so gut und sie wolle es höchstwahrscheinlich auch kaufen. Aber dafür müsse sie nun probieren, ob sie damit klar käme. **schluck** Und mich hatte sie sich als Fahrlehrerin ausgesucht.

Ich bin kein Hasenfuß und so stimmte ich ohne lange nachzudenken einfach zu. Was ich allerdings im nächsten  Moment schon wieder bereute, als sie mich fragte: „Was kommt nochmal zuerst? Erst die Kupplung treten? Oder erst den Gang einlegen?“ **Herr hilf***

Sie würgte die Karre dann mehrfach ab…… ich habe ja Verständnis für solche Situationen, denn ich hatte ein ähnliches Problem, als ich vor Jahren den ersten Firmenwagen bekam, der auch ein Schaltgetriebe anstatt des gewohnten Automatikgetriebes hatte……. und Frau Fahrlehrerin entschied, dass die Schülerin so auf keinen Fall auf die viel befahrene Bundesstraße raus fahren und am öffentlich Verkehr teilnehmen konnte. Deshalb übernahm ich das Steuer und wir fuhren erstmal in die Walachei, wie man hierzulande zur ländlichen Einöde sagt. Dort, auf breiten und gut asphaltierten Feldwegen und kleinen Straßen, die einzelne Höfe miteinander verbinden, haben wir dann das Anfahren und das Kurven fahren und das Schalten und Kuppeln und Blinken und Einparken geübt. Eine Stunde lang.

Am Ende waren wir beide ganz happy, denn es ging immer besser. Und die 73 jährige Dame, eine ehemalige Lehrerin, war ganz begeistert. Und ich auch. So freuten wir uns gemeinsam über ihren deutlichen Fortschritt und ich über meinen Mut, der Dame die Fahrlehrerin gegeben zu haben. Schließlich ließ ich zu, dass sie auf die Bundesstraße einbog und in den Ort rein fuhr, dort in einem Kreisverkehr drehte und wir wieder zu ihr nach Hause fuhren. Tiptop, 1A. Alles wunderprächtig.

Sie bedankte sich und verabschiedete sich von mir. Und sie betonte erneut: „Ich muss da jetzt mal wieder drüber schlafen.“ Das bedeutete: der Autokauf war immer noch nicht eingetütet.

Gestern kam sie wieder. Diesmal mit einem Nachbar. Der prüfte das Auto auch nochmal auf Herz und Nieren und fuhr ne Runde damit. Und dann….tataaaaa…. hat sie gekauft.

So hat sich meine Geduld und der ganze Nervenkitzel doch wenigstens ausgezahlt.

Zum Glück sind nicht alle Kunden so „bedürftig“.

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8 Antworten zu Neue berufliche Herausforderungen

  1. torenia schreibt:

    as ist ja eine tolle Aktion. Wie lieb von Dir. Sehr cool!!!

    • chinomso schreibt:

      Ich verstehe die Dame sehr gut, denn vor Jahren bin ich nach langer Zeit von Automatik auch mal wieder auf „handgerührt“ umgestiegen. Und ich habe mich ziemlich dusselig angestellt. Meine Kinder waren damals Teenies und waren immer peinlich berührt, wenn ich das Auto mitten auf einer viel befahrenen Kreuzung abgewürgt hatte oder an der roten Ampel nicht vom Fleck kam. Während ich Blut & Wasser schwitzte haben die Jungs sich um die Aussenwirkung Sorgen gemacht.

  2. freiedenkerin schreibt:

    Du bist wirklich mit dem ganzen Herzen dabei, liebe Iris. Ich finde das großartig! Von deinem Charakter und deiner herrlichen Wesensart könnten sich Viele eine ordentlich dicke Scheibe abschneiden.

  3. Lutz schreibt:

    Hast du klasse gemacht. Eine gute Verkäuferin sollte immer auf die Kunden Bedürfnisse eingehen. L.G.

  4. Seelenstreusel schreibt:

    Eine tolle Geschichte, die mich ein bisschen an meinen Kollegen vom Bauamt erinnert. Der sagte mal „Es gibt Leute, die siehst du beim Bauantrag abgeben und das war’s – und dann gibt es andere, bei denen baust du das Haus quasi mit.“ (weil sie jede Woche mit einer anderen Frage kommen und nichts ohne vorherige Rückfrage veranlassen – egal, ob bereits alles vollständig genehmigt ist oder nicht)

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