Männer (10) Ist er das Schwein?

…..der Seitenspringer? Der, der seine Frau/Partnerin betrügt? Natürlich!! werden die meisten sagen. Sowas macht man ja auch nicht! Das gehört sich einfach nicht.

An der Stelle muss einfach erwähnt werden, dass es selbstverständlich genauso (viele?) Frauen gibt, die aus einer Beziehung ausbrechen und sich anderweitig vergnügen. Nur darüber kann ich nichts schreiben. Denn ich kenne keine.

Mir sind aber bei meiner Suche nach einem neuen Partner eine ganze Reihe fremdgehende Männer begegnet. Und als die Katze dann schon mal aus dem Sack war, haben wir uns über die Gründe unterhalten. Und die sehen leider immer wieder sehr ähnlich aus. Am Wahrheitsgehalt der Erzählungen der einzelnen Männer könnte man jetzt zweifeln. Aber ich habe eine ganz gute Menschenkenntnis und kann schon unterscheiden, wo grob überzogen wird und was so in etwa passen könnte. Und dann sind da noch eigenen Erfahrungen aus meiner Vergangenheit als Ehefrau, die sich teilweise mit den Berichten der Männer verweben lassen.

Das Hauptproblem ist die fehlende Kommunikation. Und die Ursache dafür liegt in unser aller Erziehung. Denn über sowas spricht man nicht. Mann nicht. Und Frau nicht. Das hat man so gelernt. Elternhaus, Kirche und Gesellschaft haben einen da geprägt. Aus der Falle kommt man nur mit einigermaßen großer Anstrengung raus. Auch wenn die Partner teilweise seit Jahrzehnten auf engsten Raum zusammen leben und beinahe alles voneinander wissen und miteinander teilen. Da klemmt es.

Da resignieren einfach viele und suchen (Zitat) „ihr Liebesglück einfach woanders“.

Es zeichnet sich da eine für mich völlig neue Sichtweise bzgl. Treue ab. Es gibt da eine Unterscheidung. Treue zur Partnerin wird in zwei Typen eingeteilt: Einmal die sexuelle Treue und zweitens die Treue, die alle anderen Belange des Zusammenlebens abdeckt.  Er steht zu seiner Frau, ist treuer Partner, der das Geld nach Hause bringt, den Rasen mäht, sich gerne mit um die Enkel kümmert und den Wasserhahn im Bad repariert. Er geht mit ihr ins Kino, zum Kegelabend, zum Geburtstag ihrer besten Freundin und freut sich, wenn sie zu Hause tagtäglich was Leckeres für die Beiden gekocht hat. Er fährt mit ihr am Wochenende nach Holland zum Einkauf, auch wenn er lieber ausschlafen würde. Und er steht auch in allen anderen Lebenslagen zu seiner Frau. Wenn sie Sorgen hat, dann kann sie diese mit ihm besprechen und er hilft ihr so gut er kann. Umgekehrt genauso. So, wie das in einer guten Beziehung sein sollte. Einzig die Sexualität liegt seit mehr als 10 Jahren brach. Da zuckt nichts mehr. Bei ihr. Aber sehr wohl bei ihm. Anfangs hat er es schmerzlich vermisst und immer wieder den Versuch gemacht, damit bei ihr zu landen. Aber sie wehrte erst zaghaft und dann immer energischer ab. Schließlich verkündete sie, dass sie das, wenn irgend möglich, nie wieder tun möchte. Bevor es soweit kam hat sie monatelang auch nur noch still gehalten, wenn er mal wieder Lust auf sie hatte.  Ihm zu Gefallen. Aber nicht ihr zu Gefallen. So gar nicht mehr.

Er kam sich zunächst schlecht vor. Schuldig und so, als wären seine Wünsche unrecht. So, als wäre es abnormal, diese Gefühle zu haben. Dabei war ihm klar: Das sind normale Bedürfnisse, für die Mann (und Frau) sich nicht schämen muss. Und für ihn war das all die Jahre ebenso ein Ausdruck seiner Liebe zu dieser Frau. Mit ihrer Ablehnung hat sie ihn natürlich auch verletzt. Aber er wollte gleichzeitig nicht, dass sie jedes Mal gegen ihr eigenes Gefühl handelte, wenn sie ihn gewähren ließ. Deshalb musste eine Lösung her. Und die bestand letztlich darin, sich eine Geliebte zu suchen und das Zusammentreffen mit ihr geheim und sehr diskrete ablaufen zu lassen. Keiner sollte davon wissen. Seine Frau möglichst auch nicht. Und so baute er den Besuch bei der Geliebten in seine Freizeitaktivitäten ein, an denen die Frau noch nie beteiligt gewesen war. Er ging zum Sport. Punkt. Mehr war nicht bekannt. Und alle waren zufrieden.

Ist er ein Schwein?

 

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4 Antworten zu Männer (10) Ist er das Schwein?

  1. Du sprichst mir aus der Seele! Fast alle Beziehungen scheitern letztendlich an der fehlenden Kommunikation und daran, dass über die eigentlichen Bedürfnisse eben nicht gesprochen wird. Es gibt immer zwei Seiten, was man zu schnell vergisst.

  2. keloph schreibt:

    vieles könnte ich beisteuern, aber das sind wie du andeutest, dunkle kapitel, wo sich selten jemand mit ruhm bekleckert.

    • chinomso schreibt:

      Hey, willkommen hier in meinem Blog.

      Ach, das ist aber schade, dass du nichts beitragen kannst/möchtest. Denn es würde mich brennend interessieren. Das Thema ist gerade meins. Und ich verstehe gleichzeitig, dass es nicht so ganz leicht fällt, darüber zu schreiben. Es ist schon sehr speziell.
      Ich bin mit vielen Menschen zu dem Thema in Kontakt. Es geht mir besonders um den Bereich „Sexualität Ü50“, denn da liegt oft der Deckmantel des Schweigens drüber. Scham, Unsicherheit und alte oder neue Wunden.

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