Männer (11) Das karierte Maiglöckchen

Schwer vermittelbar – nennt man das auf dem Arbeitsmarkt. Aber auch auf dem „Heiratsmarkt“ muss ich mich so einordnen (lassen).

Ich bin zu viel von allem. Das habe ich letzten Samstag mal wieder erfahren müssen. Und seitdem beschäftigen mich die folgenden Fragen:

Muss ich mich ändern?
Soll ich mich anpassen?
Wäre es besser, ich wäre brav und würde mich unterordnen?

NEIN !!!!!!!!!!!!! Denn ich mag mich so, wie ich bin. Und ich will mich – verflixt und zugenäht- nicht wie eine Schlingpflanze um einen Mann winden müssen, damit er mich gut findet. Der Preis, den ich dafür zahle ist hoch. Mir ist das klar. Aber ich möchte meine Seele nicht verkaufen. Um keinen Preis.

Ich traf ihn online. Wir waren uns auf Anhieb sehr sympathisch. Gleiches Baujahr, guter Pflegezustand. Kleine Lackschäden. Der gleiche Humor und als solide Basis eine Menge Lebenserfahrung auf beiden Seiten. Wir haben uns einige Tage im Chat und auf WhatsApp unterhalten, telefoniert, Fotos und Sprachnachrichten ausgetauscht und Pläne für ein erstes Treffen gemacht. Dieses fand dann also am letzten Samstagabend statt. ER und ich ticken ähnlich. Also waren wir, ohne das abgesprochen zu haben, einige Minuten vor dem vereinbarten Termin am Ort des Treffens. Stichwort: Besser paar Minuten eher als zu spät. Pünktlichkeit ist die Höflichkeit der Könige. Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance.

Der reservierte Tisch war noch nicht frei. Man sagte uns, es sollte noch ca. 20 Minuten dauern. Wir warteten in meinem Auto. Und es war erstaunlich. Es fühlte sich alles sehr vertraut an. Unser Gespräch verlief entspannt und innerhalb weniger Minuten gewann es mehr und mehr an Tiefe. Ich wäre sprachlos gewesen, wenn das meine Art wäre. Ist es aber nicht. ER erzählte mir bereits in den ersten Minuten, was sein Leben in den letzten zwei Jahren entscheidend geprägt hatte und was seine Pläne für die kommenden Jahre sind. Besonders gefreut hat mich, dass es da von seiner Seite überhaupt Pläne gibt. Denn zu oft treffe ich auf Männer meines Alters oder jünger, die offen bekunden, dass da ja wohl jetzt nicht mehr viel zu erwarten sei. So oder so ähnlich höre ich das leider in letzter Zeit immer öfter. Und das erschüttert mich ehrlich gesagt doch sehr.

Im Lokal bekamen wir einen schönen Tisch in einer stillen Ecke mit schöner Beleuchtung. Wir saßen mehr Seite an Seite, als gegenüber. Es war eine sehr entspannte Stimmung und es gab schöne Momente…. immer wieder ein Blick in die Augen, das eine oder andere Lächeln oder auch scheinbar unbeabsichtigte Berührungen der Hände, die auf dem Tisch lagen. Spannend war aber nicht nur das, sondern auch, was er zu erzählen hatte. Beeindruckende Veränderungen lagen hinter ihm. Beruflich und privat. Und auch eine gesundheitlicher Einschnitt hatte sein Leben in eine völlig neue Richtung gelenkt. Da war sehr viel Optimismus und Elan. Aber auch Gelassenheit und viel Lust auf  Leben und Spaß am Genuss. Genau mein Ding. Und wie das so ist….. auf einige seiner Fragen hatte ich dann auch Antworten und gab gerne Auskunft über mein Leben. Ich scheute mich nicht, ihm die Wahrheit zu sagen. Denn das ist meiner Ansicht nach die Basis einer guten Partnerschaft. Und dieser Mann war seit langer Zeit des Frösche-Küssens mal wieder einer, der Potential zum Prinzen hatte. Und er ist eins der seltenen Exemplare der Ledigen. Kein Seitenspringer also. Einer, den ich nicht teilen müsste. Einer der Zeit für mich hat und Zeit mit mir verbringen will. Auch am Wochenende und wann immer uns danach ist.

Leider kippte die Stimmung ab dem Zeitpunkt, wo ich, nach langem Zuhören, aus meinem doch recht bewegten Leben erzählte. Er fragte auch viel nach. Ich musste ihm nichts aufdrängen. Aber er wurde mit der Zeit immer stiller. Und er fiel irgendwie in sich zusammen.

Nach mehr als drei Stunden angeregter Unterhaltung stellte er fest: Mein Leben schien ihm deutliche spannender als seins. Und er sagte wörtlich: „Ich dachte, ich hau hier mal was raus und erzähle dir, was ich so erlebt habe. Dann wirst du staunen. Aber wenn ich deine Erlebnisse so höre, da kann ich ja einpacken.“

Ich hatte nicht gewusst, dass wir einen Wettbewerb veranstalten: Wer hat mehr erlebt?Und wessen Erlebnisse wiegen schwerer, sind spannender?

Im weiteren Gespräch stellte sich heraus, dass er gerne eine Frau hätte, für die er „der Held“ ist. Die ihn bewundert, die zu ihm auf schaut, bei der er mit Erlebnissen und Lebenserfahrung punkten kann. Er möchte der Fels in der Brandung sein. Anders, als er es in seiner gescheiteren Ehe erlebt hat. Für diesen letzten Lebensabschnitt möchte er es noch einmal richtig krachen lassen.

Klingt für mich sehr nach Midlife Crisis. Passend dazu hat er sich auch ein Auto zugelegt, was klein und ps-stark ist, was laut röhrt und Aufsehen erregt. Ein Auto für einen Jungen, kein Auto für einen Mann. (das ist meine Meinung dazu). Und mir wäre es eher peinlich da einzusteigen und mit ihm herum zu fahren.

Das Ende war also ernüchternd und für mich enttäuschend.

Daher auch die Frage: Sollte ich mich zukünftig eher zurück nehmen und bescheiden und mit großen, glänzenden Augen SEINEN Erzählungen lauschen…. mit Aaaaaah und Oooooh und Oh Gott!!! reagieren??

Antwort: Wohl kaum. Denn das wäre nicht ich.

Ich schaue weiter nach dem Mann, der gemeinsam mit mir was erleben will und sich nicht auf Erlebtem ausruht. Ein Mann auf Augenhöhe, wie man so schön sagt.

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5 Antworten zu Männer (11) Das karierte Maiglöckchen

  1. finbarsgift schreibt:

    Da tust du sicherlich gut daran…
    Dankeschön für’s ehrliche Erzählen!
    Liebe Frühlingsgrüße vom Lu

  2. Clara HH schreibt:

    Ich weiß nicht mehr, wie alt ich war, als ich feststellte, dass das alles nicht meins ist, diese Suche, dieses Abschätzen und abgeschätzt werden – ich dachte mir, dass es besser ist, mein Leben so zu gestalten, wie ich das möchte. Und jetzt schon gleich gar nicht mehr – ich will weder Pflegeobjekt noch Pflegerin werden – letzteres kann man wohl nur machen, wenn man mit diesem Menschen über Jahre hinweg alt geworden ist – dann pflegt man ihn auch.
    Du kannst ja überlegen, was du lieber möchtest.
    Lieben Gruß von mir

    • chinomso schreibt:

      Clara, nach dem Abschätzen und abgeschätzt werden kommt aber doch hin und wieder eine gute Zeit. Auch wenn die jeweils nicht von langer Dauer ist. Bisher war das jedenfalls so. Ich möchte davon nicht eine Minute müssen.

      Pflegefall oder Pflegerin?
      Das möchte ich nicht entscheiden bevor es soweit ist. Ich habe gut vorgesorgt, falls ich es sein sollte, die dann da liegt. Auf einen Mann, der sich dann kümmert, hoffe ich nicht.

      Bis es soweit ist, lass ich es krachen. Ohne trübe Gedanken zuzulassen.😎

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