Männer (13) ein Fallbeispiel

Wie die Überschrift schon sagt….. es kam zum Fall. Der Anbahnungsversuch geriet ins   Straucheln und fiel auf die Nase. Immer noch besser, als ich. 

Mitunter denke ich im ersten Moment: „Das ist doch jetzt ein Witz!! Das kann unmöglich der Wahrheit entsprechen! Gleich kommt einer um die Ecke, der sagt, dass das alles nur Spaß ist.“

So war es auch bei Wilfried (*Namen vorsichtshalber geändert). Er schrieb mich irgendwann Ende letzten Jahres an. Schien nett und freundlich zu sein und konnte sich zunächst auch gut ausdrücken. Allerdings war er recht wortkarg und wurde immer maulfauler. Hatte er mal geschrieben, dann wartete er stur auf eine Antwort ehe er wieder was von sich gab. Auch wenn keine konkrete Frage von ihm gestellt worden war. Es gestaltete sich zäh. Nach ner angemessenen Weile fragte ich ihn, ob wir nicht auf Handy umsteigen wollten. Darauf reagierte er überhaupt gar nicht erst. Ich nahm es zur Kenntnis und weiter ging es per Chat auf der Datingseite. Dann,  nach vielen Wochen der zähflüssigen Konversationen **gähn** über langweilige Themen….. so 1-2 Nachrichten in zwei Wochen…. kam er nicht mit der Sprache raus und hielt sich auch sehr zurück mit der Herausgabe von Informationen. Wieder und wieder meinte er, dass wir das alles mal besprechen können, wenn wir uns dann mal live und in Farbe treffen. Gut. Wann das allerdings sein sollte…? Noch vor Erreichen des Rentenalters? Ich war mir nicht sicher. 

Er schlug also auch kein Treffen vor. Irgendwann sagte ich dann: „Okay, dann lass uns jetzt mal treffen.“ Schnell einigten wir uns auf eine Verabredung an einem Freitagabend zum Essen bei einen Griechen hier im Ort. Der Vorschlag kam von ihm. Ich kannte das Restaurant noch nicht. Da er dort schon war und sicher wusste wie gut oder eben nicht gut es besucht war, nahm ich automatisch auch an, dass er sich ggf. um eine Tischreservierung kümmern würde. Er fragte in den verbleibenden Tagen dann nach, was ich denn zum Treffen anzuziehen gedenke. Das hat mich noch keiner vorher je gefragt. Fand ich seltsam, gab aber dennoch brav Auskunft: „Bluse, Hose, Jacke…. ne nach Temperatur an dem Tag.“ Und er brachte seine Enttäuschung zum Ausdruck, dass ich nicht mit Bluse, Rock oder Kleid, Strumpfhose und Pumps (und in seiner Vorstellung wahrscheinlich haltlosen Strümpfen) kommen wollen würde. Er möchte mich in einem fraulichen Outfit sehen, bemerkte er. Die Frauen heutzutage würden mehr und mehr wie Kerle rumlaufen. Womit er eigentlich nicht so ganz Unrecht hat. 

Ich erwiderte darauf, dass ich mich so anziehe, wie ich das für gut und bequem halte und mich grundsätzlich nicht verkleide. Und über zu wenig Fraulichkeit müsse er sich bei mir keine Sorgen machen. Da war er dann gleich wieder angepisst und schwieg drei Tage lang. Und ich war genervt und wollte ihn schon in den Wind schießen. Aber ich hatte mir vorgenommen, mich mal bisschen weniger ungeduldig zu zeigen in diesen Anbahnungs-Prozessen. Also sah ich drüber weg und schrieb ihn dann einen Tag vor dem Termin an, ob es dabei bliebe. Er antwortete entrüstet…. „Ja natürlich! Was denn sonst.“ Dann wollte er gerne von mir Ratschläge, was er anziehen solle. *Herr hilf!* Auch darauf ging ich mit Engelsgeduld und viel Verständnis ein. 

Dann der Tage der Tage. Ich fuhr 10 Minuten vor dem vereinbarten Zeitpunkt schon mal am Lokal vorbei. Handynummer hatte er immer noch nicht raus gerückt. Er stand schon da und hielt offensichtlich nach mir Ausschau. Anders als auf den Fotos, die ich gesehen hatte, hatte er eine recht lange, weiße Mähne. Keinen Haarschnitt also. **grmpf** Ich parkte woanders, denn bei dem Lokal war auch alles voll. Also ich dann auf ihn zu lief, lächelte er, schnappte mich und umarmte mich gleich. Was mich dann doch sehr überraschte und mir auch bisschen zuviel war. Ich fühlte mich regelrecht überrumpelt. Wir gingen rein und der Laden war brechend voll. Kein freier Tisch zu sehen. Freitagabend eben. Es war ein großes Lokal und eine Geräuschkulisse wie auf dem Hauptbahnhof. Er hatte allen Ernstes keinen Tisch reserviert und so wurden wir an einem sog. Katzentisch platziert. Ein 2-er Tisch halb im Gang, an dem es zog wie Hechtsuppe und um den die Kellner wie um eine Insel herum segelten. Mehrfach dachte ich, ich werde gleich mit heisser Suppe übergossen oder unter einem Tablett mit Weizenbier begraben. Der Typ sprach sehr leise und bemüht zahnlos. Das heisst, er verzog bei den wenigen Worten, die er raus brachte, den Mund immer so, dass man keine Zähne sehen konnte. Irgendwann sah ich dann auch warum das so war. Alles Ruinen, teilweise schwarz-braune Stumpen. *kreisch* Das war dann auch der erste, deutlich spürbare Moment, wo ich eigentlich gehen wollte. Oder hätte gehen sollen…. *lach** Ich blieb aber und stellte mich tapfer dieser Herausforderung. Seine Frage, ob wir denn was Essen wollten, überraschte mich dann doch. Freitagabend 19 Uhr bei einem Griechen und dann nichts essen und nur Wasser trinken?? Zumal wie das von Anfang an so besprochen hatten. Eine Verabredung zum Essen. Er bestellte sich ein kleines Wasser und ein, für meine Begriffe, sehr exotisches Essen. Bratkartoffeln mit Zsaziki. Das hatte ich noch nie gehört und war leicht amüsiert. Aber ich stellte auch fest, dass es eins der günstigsten Essen auf der Karte war. Irgendwie muss er befürchtet haben ich gehe davon aus, dass er mich einlädt. Und warum auch immer….. kleines Budget oder Geizkragen….. er wollte seinen eigenen Anteil klein halten. Er kann ja nicht wissen, dass ich es eigentlich so halte, dass ich bei ersten Date auf jeden Fall meine Zeche selber zahle. Kann man es im Zeitalter der Gleichberechtigung erwarten, eingeladen zu werden? Es sei dazu gesagt, dass es aber ein paar wenige Männer gibt, da ist es mir eine innere Freude, wenn sie mich einladen wollen und darüber nicht mit mir verhandeln. Ganze zwei waren das bisher in meiner gegenwärtigen Dating Phase. Also eher selten.

Also, der Abend war ein einziges Desaster. Ich bestellte auch was Kleines. Eine Vorspeise. Eigentlich nur, damit ich was zu tun hatte, während er seine Bratkartoffeln mit Zsaziki aß. Er erzählte in leisem, langsamen Tonfall über sich und seinen Job. Ich musste meine Rhabarberohren sehr spitzen um überhaupt etwas zu verstehen. Oft musste ich dennoch nachfragen, weil es einfach höllisch laut war in dieser griechischer Stätte der Gastlichkeit. Er ist (gefühlt) „so lange er lebt und atmet“ Beamter in einer großen Behörde in der Kreisstadt. Die 18km dahin fährt er täglich mit dem Rad, bei jedem Wetter. Auch bei Eis und Schnee oder einem Vulkanausbruch. Und zwar zwei Stunden vor Dienstbeginn, weil dann weniger Verkehr ist. Er beginnt aber auch zum frühest möglichen Zeitpunkt und hat um 14:30 Uhr immer Feierabend. Seinem Reden nach macht er in seiner Freizeit jeden Tag das Gleiche und er isst immer die gleichen Lebensmittel und zieht immer die gleichen Klamotten an…… Hoffentlich nicht immer die selben. Kurz und gut, er mag keine Abwechslung. Sein Leben muss exakt nach einem Schema ablaufen. Überraschungen sind ihm ein Graus. 

Genau das Gegenteil von mir. Ich habe ein bisschen aus meinem Leben erzählt. Und er stöhnte mehrfach auf, schnappte hörbar nach Luft und verzog gequält das Gesicht, als hätte er schlimme Schmerzen. 

Kennt ihr das, wenn man innerlich laut lachen oder schreien möchte?? Wenn man krampfartige Emotionsausbrüche nur mit Mühe unterdrücken kann?? Wenn sich Gedanken einschleichen, man möchte mit dem Kopf wieder und wieder auf die Tischplatte aufschlagen. Wenn man dem anderen an die Gurgel springen und ihn schütteln möchte, nur damit der mal eine menschliche Regung zeigt? So ging es mir mit diesem Mann.  Weio!!!! 

Wir zahlten. Und er lächelte, als ich dem Kellner mitteilte, dass er die Rechnungen bitte getrennt ausfertigen solle.

Vor dem Lokal schüttelten wir uns sittsam die Hand, wünschten uns gegenseitig Alles Gute und gingen in verschiedene Richtungen. Ohne uns hinterher zu schauen. Denke ich jedenfalls, denn ich habe mich ganz bewusst nicht umgedreht. Man soll ja nicht auf Misserfolge zurück blicken sondern immer positiv gestimmt in die Zukunft. 

Oder??

 

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18 Antworten zu Männer (13) ein Fallbeispiel

  1. finbarsgift schreibt:

    Klingt irgendwie bitter…
    Liebe Frühlingsgrüße vom Lu

  2. sweetkoffie schreibt:

    Es gibt Dates, die hätten sich besser im Vorfeld schon in Luft aufgelöst 😉

  3. sweetkoffie schreibt:

    Ähnlichkeiten sind rein zufällig 😎

  4. Myriade schreibt:

    Owei, hoffentlich finden sich ein paar bessere Exemplare ….

    • Clara HH schreibt:

      Es ist nur leider so, dass die besseren Exemplare die Nadeln im Heuhafen eines Datingportals sind.

      • chinomso schreibt:

        Ich gebe dir Recht, aber ohne diese Portale ist es auch nicht einfacher.
        Wie soll man denn wissen, ob einer auf der Suche ist, wenn man ihn auf der Straße oder an der Supermarktkasse trifft?

        Wie ich immer wieder höre, geht es den Männern nicht besser. Es sollen sehr viele weibliche Fakes unterwegs sein auf den Portalen. Professionelle Damen, die nur Kundschaft suchen.

        Traurig. Echt.

        • Clara HH schreibt:

          Ich hatte ja sogar eine kleine Gerichtsverhandlung am Hals, die ich aber ohne Anwalt gewonnen habe. Ein professionelles Partnerunternehmen hat mit einem sehr interessanten Lockvogel gearbeitet und eine einjährige Zugehörigkeit zu dieser Institution verlangt. Als es diesen „Vogel“ nicht gab, wollte ich kündigen. Die haben mir Geldeintreiber und sonst was auf den Hals gehetzt, mich mit Mails attackiert.
          Da die aber bei Gericht schon bekannt waren, ging es glimpflich für mich aus.
          Danach habe ich dann wohl endgültig aufgehört.
          Einige von meinen Bekannten wurden im Bekanntenkreis „verkuppelt“ – zusammen eingeladen und so. Bei meinem Ex hat es funktioniert und sie hatten schon Silberhochzeit.

          • chinomso schreibt:

            Ach du meine Güte. Ich hoffe, du hast nicht allzu viel Geld verloren durch den Vorfall.
            Das war sicher noch bevor die Datingportale ihre Dienste angeboten haben. Da hat man immer wieder von solchen unseriösen Halsabschneidern gehört.

            Ich bin mittlerweile nur noch auf kostenlosen Portalen aktiv. Denn bei denen, die versprechen alle 11 Minuten verliebe sich jemand über deren Portal…. das herrscht Totentanz. Oder ich stelle mich blöde an. Aber da habe ich auch ne Weile bezahlt für angeblich seriöse und erfolgversprechende Partnervermittlung.

            • Clara HH schreibt:

              Es ist schon sehr lange her – doch ich glaube, ich habe maximal zwei Monatsbeiträge bezahlt, ich glaube sogar nur einen und das konnte ich verschmerzen.
              Damals hätte ich ein wahnsinnig amüsantes Buch schreiben können – aber amüsant nur für die LeserInnen, für mich weniger.
              Ich glaube keinesfalls, dass du dich blöd anstellst – nur stimmen die Erwartungen eben nicht überein – und das wird mit steigendem Alter nicht besser. Ich will weder Krankenpflegerin sein noch einen „engagieren“, der mich dann „beerben“ will.
              Ich bin ganz froh so, wie es läuft.

            • Clara HH schreibt:

              Die Gerichtsverhandlungen mussten die anderen bezahlen – zum Glück!

              • chinomso schreibt:

                Wirklich Glück gehabt. Man hört da teilweise ganz andere Geschichten.
                Das mit dem Pflegefall und/oder Erbschleichern das geht natürlich jede(n) an, aber das steht bei mir derzeit noch nicht so sehr im Fokus. Kommt aber sicher noch. Wer weiss? Vielleicht auch nicht? Wenn ich irgendwann aufgesteckt habe und die Suche beende?

  5. Ingrid/ile, die Bastelmaus schreibt:

    Liebe Iris!
    Wie gut, dass Du bis zum Schluss ausgeharrt hast! DU um eine Erfahrung reicher und WIR mit einem köstlichen Beitrag versorgt…., danke!
    Und an dieser Stelle mal ein dickes Lob: Du hast eine wunderbare Wortwahl, kannst herrlich amüsant berichten und triffst genau den richtigen Punkt!
    LG Ingrid
    PS: Freue mich schon auf weitere Kommentare!

    • chinomso schreibt:

      Danke Ingrid.
      Ich sehe all diese vermasselten Dates immer auch als Erfahrung. Und ich frage mich: Was kann ich beitragen, dass es besser läuft? Geduld bringe ich schon deutlich mehr auf, als früher. Aber manchmal reicht allein Geduld eben nicht.

  6. Ohje, das hört sich aber wirklich nach einem sehr unangenehmen Date an. Ich finde die Frage nach deinem Date-Outfit allerdings auch schon völlig daneben! Aber hey, nach so einem Date kann es doch nur besser werden! ☺

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