Seltene Menschen mit noch selteneren Namen

…. die begegnen mir auch auf meiner Dating Reise. Aber auch da wieder nur eine Durchreise. Letztens hieß einer Anno. Und ich dachte erst an einen Schreibfehler. Arno kenne ich wohl, aber Anno? Nie gehört. Ich fragte ihn, was der Ursprung dieses Namens sei. Und er meinte, das habe ihn noch niemand gefragt und das wüsste er nicht. Da müsse er mal seine Mutter fragen. Und erst ich hätte ihn auf die Idee gebracht mal nachzuhaken.

Wir haben uns auch live getroffen. In der ersten Sekunde wusste ich es:
Nein, das wird nichts. Das geht nicht mit uns.

Gerne würde ich in solchen Momenten einfach die Kurve kratzen. Aber das tut man ja nicht. Der Höflichkeit halber habe ich es durchgezogen. Wir waren in einem Lokal verabredet, was aber schlicht zu voll und zu laut war, um eine vernünftige Unterhaltung hin kriegen zu können. Nach wenigen Minuten, die wir in dem Trubel saßen und uns am liebsten die Ohren zugehalten hätten, beschlossen wir noch vor einer möglichen Bestellung die Flucht zu ergreifen. Gemeinsam.

Wir sind dann in sein kleines Dörfchen gefahren und haben im örtlichen Hotel – einziges Restaurant am Platz – etwas gegessen, was an Schlichtheit kaum zu überbieten war. Oder muss das dann heissen: …zu unterbieten? Und damit passte es beinahe perfekt zum ganzen Abend. Es gab Kroketten, Schnitzel und Mischgemüse. Alles TK und frittiert. Die Erbsen / Möhren wohl aus der Dose. Nur warmgemacht. **örgs** Innerlich lachte ich. Äußerlich blieb ich gefasst.

Er arbeitete in seinem Traumberuf. LKW Fahrer für Schweinehälften. Sein halbes Leben lang schon. Nach Feierabend und an den Wochenenden sitzt er mit seinen Freunden auf einem Campingplatz für Dauercamper, der an einem nahegelegenen Fluss liegt. Dort wird den ganzen lieben langen Sommer über gegrillt, bis der Arzt kommt. Aber der kommt wohl eher dann, wenn es mal zu viel Alkohol war und eins der 36 Biere schlecht gewesen sein muss. Mehr Freizeitaktivitäten gibt es nicht. Im Winter kocht er bei sich zu Hause oft für die Freunde einen Schweinebraten. Er kommt ja günstig ran. Das geht ganz einfach. Man kocht das Schweinefleisch mit Salz und Pfeffer in einem großen Topf bis es weich ist und macht dann einfach eine dieser sehr leckeren Soßen aus der Packung von Morr und Knaggi dazu. Dafür gibts die ja.  Das ist die hohe Junggesellen-Kochkunst. Dazu paar Bierchen. Fertig ist die fette Party. (Achtung! Dies war der Ironie Modus).

Und ich da mitten drin?
Ich musste nicht lange überlegen bis ich zu dem Entschluss kam (…. den ich schon von Anfang an gefühlt hatte), dass ich das nicht möchte.

Und dennoch…. Es gibt da eine Sache, die mich sehr berührt hat und noch immer berührt. Und die mich selber in einem nicht so guten Licht da stehen lässt. Ich empfinde mich in Bezug auf ihn als ein bisschen zu oberflächlich und auch nicht gerade wenig arrogant. Das muss ich mal ehrlich zugeben.

Er hat mir im Laufe dieses Abends im Landhotel mit verschämten Lächeln ein kleines Päckchen über den Tisch geschoben. Es war irgendwie unförmig und nicht gerade perfekt verpackt, steckte aber in einem weihnachtlichen Papier. (das war natürlich in der Adventszeit) Ein kleines Geschenk für mich. Heraus kam dieser süße,  beige Engel aus Keramik mit großen Flügeln, braunen, dicken Wollhaaren und einem goldfarbenen, aufgemalten Herzchen.

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Und dieses kleine Geschenk rührt mich über die Weihnachtszeit hinaus irgendwie sehr. Es sagt so viel aus über den Schenker. Und es mag blöd klingen, aber ich habe deshalb mit ihm den Kontakt gehalten. Wir schreiben uns manchmal über WhatsApp und erzählen und gegenseitig wie es gerade so läuft oder eben nicht läuft. Der Mann mit den Engel ist also auf seine spezielle Weise auch ein Engel. Nur eben nicht mein Engel.

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22 Antworten zu Seltene Menschen mit noch selteneren Namen

  1. sweetkoffie schreibt:

    Es ist hochinteressant auf was für Menschen man beim Daten treffen kann. Ich dachte so, bei deiner Beschreibung von Anno, so einerlebt auch und er ist bestimmt nicht glücklicher oder unglücklicher als andere Leute.

    Apropos LKW-Fahrer für halbe Schweine: mein Ex-Mitbewohner hat mal den Berufswunsch „Nudelfahrer bei Barilla“ 😂
    Grüßle sk

  2. Das ist aber wirklich eine sehr nette Geste mit dem Engels-Geschenk, da merkt man mal wieder, wie sehr man doch von Vorurteilen und Klischees bestimmt wird, denn am Anfang hätte ich das nicht erwartet, als du von LKW-Fahrer und Schweinehälften schriebst :D. Und irgendwie schön, dass ihr Kontakt gehalten habt. Manchmal ist eine Freundschaft auch einfach mehr wert als eine Beziehung, die eh nicht halten würde. Und dein Kommentar mit dem Nudelwasser 😀 😀 den muss ich mir merken :D!

  3. Myriade schreibt:

    Engel hin oder her, aber die Aussicht auf tägliches Besäufnis am Dauercampingplatz hat dich ja voll zurecht abgeschreckt. Was für ein Leben!

  4. Clara Himmelhoch schreibt:

    Die Erlebnisse sind schon seeeeeeeeeeehr vielseitig.
    Aber den Namen „Anno“ habe ich mir für eine (meiner besten nach meiner Meinung) Geschichten auch einfallen lassen. Aber ich meinte es mehr witzig, weil die Hauptperson „Anno Domini“ heißt.
    https://chh150845.wordpress.com/2014/02/14/anno-domini-eine-internette-familiensaga/

    • chinomso schreibt:

      Der hier hieß bzw. heisst wirklich so.

      Aber zu „Anno Domini“ fällt mir auch was ein. Nachbarn einer Freundin hatten ihr neues Haus fertiggestellt, feierten Einweihung und ich sah am Sockel des Hauses stehen: „Anno Domino 1978“
      Der Lacher war köstlich. Den Hausherren war ganz anders, als es Ihnen einer steckte, dass das wohl falsch sei. **räusper**

      Warum nicht gleich „Anna Domina“?

      • Clara Himmelhoch schreibt:

        Genau das gleiche mit einer falschen römischen Zahl habe ich auch schon erlebt. Aber der Hausbesitzer wollte es partout nicht glauben, bis ich es ihm schlüssig nachweisen konnte. Aber das war so fest am Haus angebracht, das hätte er nie mehr ändern können oder nur mit riesigem Kostenaufwand

        • chinomso schreibt:

          Ich verstehe nicht, dass Leute die sowas an Häusern anbringen, da nicht ausreichend Ahnung haben.
          Wie Tätowierer, die schwach in Rechtschreibung sind.😂😂

          • Clara Himmelhoch schreibt:

            Der Kunde ist König. Und vielleicht amüsieren Sie sich sogar über ihre blöden Kunden, die etwas Falsches anbringen lassen wollen. Denn die Kunden haben ja das fette Geld, die Handwerker meistens nicht

            • chinomso schreibt:

              Das geht doch langfristig nicht gut. So einen Handwerker kann man wirklich nicht weiter empfehlen.

              Und ob einer, der gerade ein Haus gebaut hat, reicher als der Handwerker ist??? Das wage ich aber zu bezweifeln. 🤭

              • Clara Himmelhoch schreibt:

                Das sehe ich anders. Wenn die anderen vollkommen korrekt ist, der Handwerker ist nicht für den Inhalt zuständig. Über römische Zahlen muss dann schon der Kunde Bescheid wissen

                • chinomso schreibt:

                  Ich jedenfalls würde meine Kunden niemals so „ins Messer laufen lassen“.

                  • Clara Himmelhoch schreibt:

                    Das sehe ich anders. Vielleicht hat es der Handwerker wirklich nicht anders gewusst, denn der Fehler war ziemlich diffizil

                    • L. schreibt:

                      Wissentlich einem Kunden (k)eine falsche Beschriftung oder dergleichen anzubringen oder zu verkaufen, ist für mich eine Frage der Berufs-Ehre. Ich möchte nicht länger meinem Beruf nachgehen, wenn ich mich ob der Unkenntnis meiner Kunden (was kein Stigma ist, finde ich), amüsiere – geschweige denn, es nicht korrigieren würde…. Meine Güte, was ist dabei wenn jemand etwas nicht weiß. Dafür weiß er vielleicht etwas was ich nicht weiß.

  5. Ingrid/ile, die Bastelmaus schreibt:

    Nein, er ist wohl nicht der „Traummann“ für Dich, in so einer „Männerkligge“ würdest Du Dich gewiss nicht wohl fühlen.Aber es ist wirklich rührend, dass ei n Mann, der Schweinehälften transportiert so aufmerksam und evtl. zartfühlend ist!
    Ich finde es schön, dass Ihr Kontakt haltet, Freundschaften/Bekanntschaften sind auch etwas sehr Schönes!
    Weisst Du eigentlich, dass DEIN Blog von mir (fast) tgl. angeschaut wird, eine der wenigen…
    Freu mich jeden Tag drauf!
    LG Ingrid

  6. martinacarmenluise schreibt:

    Rührend… traurig… oder ist das nur eine Marotte von mir, dass ich selbstverständlich die Bedeutung aller Namen in der Familie kenne? Insbesondere beim Nachwuchs habe ich mir das reiflich überlegt, was ich ihn für eine Stempel aufdrücke.
    Hast Du mal gegooglet? Vielleicht muss er die wahre Bedeutung seines Namens auch verheimlichen… zumindest beim ersten Date?

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