Offline XXL

Alle sprechen von Multimedia Detox. Ich kenne viele, die das gerade in der Advents- und Weihnachtszeit praktizieren oder spätestens mit den Rauhnächten damit beginnen. Sich bewusst raus ziehen und nicht online sein. Sich mal wieder auf sich besinnen und der Berieselung entziehen. Das halte ich für keine schlechte Idee, wenn man das Gefühl hat, man konsumiert zu viel in der Hinsicht. Einige, die ich gesprochen habe, die sehen sich selber schon halbwegs süchtig nach der schnellen Information und dem seichten Entertainment. Lückenfüller, Pausenunterhaltung und zur Vermeidung eines Gefühls, was man mit Leere beschreiben könnte. Es wird oft schon als eine Art digitaler Nabelschnur empfunden, an der wir hängen. All die, die eben die sogenannten modernen Medien nutzen. Je jünger die Menschen sind, desto mehr konsumieren sie. Die Nachteile liegen neben den Vorteilen auf der Hand. Man muss nur mal genau hin schauen.

Ich wurde in den letzten Tagen zu einer digitalen Zwangspause verdonnert. Und mit mir alle Bewohner meiner Stadt. Am letzten Freitag, den 13-ten!!! hat hier ein Bagger eine Hauptschlagader des Internets „durchgebissen“. Ab ca. 15 Uhr ging deshalb nichts mehr.

Man hatte vollen Empfang, alle Router funktionierten einwandfrei. Wir schalteten das WLAN ab und wieder an, fuhren die Rechner runter und wieder hoch und schalteten alle Endgeräte aus und wieder an. Nichts!!!! Kein Empfang. Dann ein Rundruf in der Nachbarschaft und einer wusste dann, dass diese wichtige Leitung kaputt gegangen war und die Telekom sagte, man arbeite fieberhaft an der Behebung des Schadens, könne aber nicht genau sagen, wann es wieder weiter gehen könne.

Hätte es sich nur um private Belange gedreht, dann wäre es ja halb so wild gewesen. Zumal das Wochenende vor der Tür stand. Aber im Job standen auch so gut wie „alle Räder still“. Keine Mails gingen raus oder kamen rein. Ich hatte mir kurzerhand vorgenommen, mich um die Buchhaltung zu kümmern. Belege sortieren und erfassen, sollte ja gehen. Aber auch da kam ich immer wieder an den Punkt, wo ich online gehen wollte um z.B. Dokumente auszudrucken. Ging nicht.

Dann auch am Samstag….. ich wollte Preisschilder drucken. Die bekomme ich auch nur über die diversen Onlineportale, wo wir unsere Autos inseriert haben. Kunden kamen, schauten sich ein Auto an, machten eine Probefahrt und dann fragten sie nach einer Finanzierung. Ging nicht, denn auch das geht heute nur online. Also Zettel und Stift raus geholt und aufgeschrieben, was der Kunde möchte.

Kaufvertrag schreiben? Ja, auch aus dem Onlineportal. Adresse und Öffnungszeiten der jeweiligen Zulassungsstelle abfragen? Nur online möglich…. Dokumente zur Zulassung für diverse Standorte….. nur online zu bekommen. Eine Versandzulassung organisieren inkl. Beauftragung von DHL…. nur online.

Tja, da kann man auch gleich nach Hause gehen.Vorzeitig ins Wochenende!!! Dort aber ging es weiter in der Art. Ich möchte Musik hören? Das mache ich mittlerweile nur noch aus der großen Onlinequelle, die mir die Klänge übers Handy per Bluetooth an die Boxen sendet. Filme / Serien anschauen? Auch nur online möglich. Und im TV kommt nichts, was mir gefällt. Selbst telefonieren ging nicht mehr reibungslos. Ich wollte per Festnetz meine Eltern informieren, dass es einen Netzausfall gibt. Doch ich erreichte sie nicht auf ihrem Festnetztelefon, denn auch das läuft heute internetbasiert.

Am Handy ging die Telefonie noch und auch SMSsen konnte ich verschicken. Das war dann also für insgesamt 48 Stunden meine Nabelschnur zur Außenwelt.

Als das Netz am späten Sonntagnachmittag dann wieder funktionierte, zog ich mal Bilanz. Und das war schon recht überraschend. Was mir gar nicht gefehlt hatte, das war FB und Insta. Da besteht bei mir keinerlei Suchtgefahr. Es gibt ein paar WhatsApp Gruppen in denen ich aktiv bin…. hatte ich gedacht. Aber auch da zeigte sich, man hatte meine Abwesenheit teilweise nicht mal bemerkt. Und als ich die versäumten Nachrichten der anderen nachgelesen hatte, stellte ich fest, dass es auch ohne gegangen wäre…. zukünftig ohne gehen könnte?

Fazit: Geschäftlich gehts echt nicht ohne. Da steht so ziemlich alles still, wenn das Internet tot ist. Privat fehlen mir Musik und Filme – aber da lese ich eben ein Buch und /oder telefoniere wieder mehr. Auch nicht schlecht.

Und einfach mal wo sitzen und die Stille genießen. Mal nichts tun. Nicht lesen, nicht lauschen, nicht reden, nur Löcher in die Luft gucken und dabei relaxen. Das hat was!!!

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6 Antworten zu Offline XXL

  1. freiedenkerin schreibt:

    Da ich ja zum Glück in keinster Weise geschäftlich aufs Internet angewiesen bin, beschränke ich seit Jahren schon meine Anwesenheit im WWW. Ich habe auch nach wie vor kein modernes Handy, sondern ein höchst schlichtes Teil, das mich vor einigen Jahren 17,50 Euronen gekostet hat. Damit kann ich telefonieren, simsen, den Wecker stellen, rechnen, und, falls mal erforderlich, einen Notruf absetzen. Meine Uralt-Stereoanlage, sie hat mindestens dreißig Jahre auf dem Buckel, funktioniert nach wie vor zuverlässig und gut, und die Stadtbib. ist nur wenige hundert Meter entfernt. 😉

    • chinomso schreibt:

      Tja, da kann man privat autark bleiben.

      Meine Musikanlage ist von 1990. Funktioniert zwar noch, aber da bin ich auf die Tonträger (Platten & CDs) angewiesen, die ich besitze. Irgendwann war mir das zu wenig.

  2. meinedatesundich schreibt:

    Wenn bei mir mal seltener Weise das Internet ausfällt, merkt man erst wie abhängig man von dem Internet ist. Vor allem – wie Du schon schreibst – wenn man Musik und / oder Filme / Serien schauen will. Die anderen Medien wie fb, Instagram und WhatsApp… joar kann man drauf verzichten. Aber ich denke zu Anfang merkt man dass einem doch irgendwas fehlt, sich das aber schnell wieder gibt. Die Nachrichten über WhatsApp sind ja zumeist sowieso arg belanglos und Quatsch auf den man gut und gerne verzichten kann. In meinem Fall zumindest.

    • chinomso schreibt:

      Sehe ich ganz genauso.
      Gestern habe ich wieder mit dem Laptop im Bett gelegen und meine Serie geschaut.
      TV wird immer uninteressanter. Ich finde es halt auch so genial online…. ich schaue so lange ich Lust habe und mache dann aus. Am anderen Tag dann weiter an der Stelle.

      Über WhatsApp habe ich täglich Kontakte, die mir schon sehr wichtig sind. Zum Beispiel auch zu meiner 80jährigen Mama, die sich jeden Tag zumindest morgens und abends einmal meldet und ein bisschen was schreibt. Dadurch weiss ich auch…. alles okay bei ihr und meinem Vater.

  3. Seelenstreusel schreibt:

    Da bestätigt es sich einmal wieder: es ist toll, was zwischenzeitlich alles erreicht wurde und was man alles per Internet/Computer erledigen kann. Aber wehe, es geht mal nicht (Stromausfall u.a.), dann merkt man erst einmal, wie abhängig man mittlerweile davon ist…
    Liebe Grüße und noch eine schöne Vorweihnachtszeit,
    Karina

  4. Anna-Lena schreibt:

    So ein Einbruch zeigt wahrlich nackte Tatsachen auf.
    Wäre ich noch berufstätig, ginge vieles bei mir auch nicht mehr, aber privat versuche ich immer noch in vielem, mich nicht vom Netz abhängig zu machen.

    Lieben Gruß
    Anna-Lena

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