BB – big brother 2020 angenehm untypisch

Seit Jahren quält man uns mit diesem Format. Ähnlich wie mit dem Dschungelcamp. Okay, keiner muss sich das antun, wenn er/sie nicht will. Aber dennoch, BB wurde mit den Jahren immer gruseliger, immer unwürdiger, immer dämlicher. Und so habe ich längst aufgehört mir sowas anzuschauen. Stempel aufgedrückt – das ist nicht Meins. Sowas brauche ich nicht.

Und dann das!!  2020 ist es meiner Ansicht nach erfrischend anders.

19 Uhr ist immer so die Zeit, wenn ich nach Hause komme. Während ich mir was zu essen machen, lasse ich den Fernseher laufen. Und so begab es sich, dass mir BB „vor die Flinte“ kam. Um mir meine Meinung mal wieder bestätigen zu lassen und dann entsetzt und kopfschüttelnd weg zu schalten, schaute ich mir die ersten Folgen an. Einzug ins Haus usw. Und ich war genauso erstaunt wie angenehm überrascht. Das ging ja ganz anders ab, diesmal.

Was war da los? Was ist da los? muss ich mich heute fragen. Aktuell läuft das normale BB, keine Promis sondern (bisher) unbekannte Leute unterschiedlichen Alters.  Völlig untypisch für dieses Format kriegen sich die Leute eben nicht in die Haare. Anfänglich gab es kleine Lästereien über Mitbewohner, aber das hängt damit zusammen, dass die Bewohner immer wieder ausgeblendet haben, dass sie im Grunde 24/7 gefilmt werden. Immer sind die Kameras und Mikros an und alles wird dokumentiert. Im echten Leben ist es für jedermann möglich, über andere zu reden ohne dass derjenige es jemals erfährt. Positiv und negativ. Das ist im BB Haus nicht möglich. Da wird alles ans Licht gezerrt und nachträglich auch wieder ausgegraben und zur Diskussion gestellt.

Zusätzlich bewerten die Zuschauer per Kommentar in den sozialen Netzwerken das Verhalten der einzelnen Bewohner und es wird ein Ranking aufgestellt, Punkte vergeben, Sympathie – und Abschusslisten erstellt, wenn man so will. Und die Bewohner werden regelmässig mit diesen öffentlich geäußerten Meinungen über sich konfrontiert.
All das ist part of the game. Das meiste davon wissen sie vorher, was auf sie zu kommt.

Während in der Vergangenheit die gut bewerteten Bewohner eher hämisch auf die mit schlechter Bewertung runter geschaut haben, gibt es jetzt Mut und Zuspruch untereinander, wenn es mal für den einen oder anderen nicht so gut läuft. Das ist regelrecht herzerwärmend.

Wie in anderen Jahren auch nominieren sich die Bewohner gegenseitig, wer das Haus demnächst verlassen muss. Es müssen ja wie eh und je Bewohner raus. Nach und nach alle, bis einer dann der Sieger sein wird. So weit, so gut.

Dieses Jahr werden die beiden Bereiche, Luxusbereich und der Bereich mit spartanischer Ausstattung, nicht so vorrangig gegeneinander ausgespielt sondern – oh Überraschung – man brachte nach einigen Tagen einfach alle im Luxusbereich zusammen, zog aber den Luxus raus. Weniger bis kaum noch Essen und der vorhandene Platz muss geteilt werden. Das heisst, teilweise müssen mehrere sich ein Bett teilen, weil nicht genügend Betten vorhanden sind. Ungewöhnlich und spannend.

Das hat Auswirkungen auf den Seelenzustand einzelner Bewohner. Manchmal liegen die Nerven einfach auch blank. Das ist ja gewollt und gehört zum Experiment. Schon verstanden. Nur diesmal gehen die Leute nicht aufeinander los und es gibt ein einziges Hauen und Stechen, wie in anderen Jahren. Nein, sie sind sehr sozial im Umgang miteinander. Und was mir besonders gefällt – sie reden über alles und sprechen sich aus, wenn es mal gekracht hat, wenn mal böse gelästert wurde und die Stimmung im Keller war. Sie analysieren regelrecht, warum es zu diesem Verhalten gekommen war. Sie setzen sich dann bewusst zusammen und sprechen darüber. Dann schließen sie Frieden und die verschiedenen Brandnester werden auf diese Weise vernichtet.

Grossartig. Vorbildlich für viele, die heute so extrem auf Krawall gebürstet sind. Man liest es ja täglich. Hass und Missgunst, Mobbing und Stalking sind an der Tagesordnung. Der eine gönnt dem anderen nichts. Und im Zweifelsfall wird immer erstmal angenommen, dass der andere einem in die Suppe spucken will. Aggressivität liegt in der Luft. Gerne lenken die Leute von ihren eigenen Unzulänglichkeiten ab, indem sie mit dem Finger auf die anderen zeigen. Das ist ja auch das Prinzip hinter vielen dieser TV Formate, dass der Zuschauer das Gefühl haben soll: Ich bin nicht so, wie die in der Sendung gezeigten Leute!! Ich bin klüger, ordentlicher, finanziell besser aufgestellt und habe das bessere Leben.

Na ja….. ich finde BB jedenfalls dieses Jahr anders. Sehr angenehm. Könnte man als Bildungsfernsehen bezeichnen. Und ich frage mich, ob das voraus zu planen ist, wie sich die Bewohner verhalten werden? Eigentlich bringen richtig fetter Zoff, Streit und Unfrieden doch mehr Quote. Was ist denn da los??

Ich bin sehr gespannt, ob das bis zum Ende dieser Staffel so bleibt.

 

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