Freizeit in meiner Kindheit

Neulich erinnerte ich mich, was ich als Kind in meiner Freizeit gemacht hatte. Einiges davon gibt es heute gar nicht mehr oder es erscheint so merkwürdig, dass die Youngsters von heute bestenfalls ein Kopfschütteln dafür übrig haben. Dafür und für mich in dem Moment.

Beginnt das so, wenn man langsam wunderlich wird? *lach**

Kann jemand von euch etwas mit dem Begriff „Schaufensterbummel“ anfangen?
In den Jahren, bis ich so ca. 15 war und noch die meiste freie Zeit mit meinen Eltern verbracht habe, gingen wir oft sonntags auf einen Schaufensterbummel in die Stadt. DIE STADT, das war eine Kleinstadt in Thüringen mit ca. 15.ooo Einwohnern. Da gab es ein unscheinbares Kaufhaus. Das war ein Flachbau mit Möbeln und Klamotten in den Schaufenstern. Und ansonsten gab es da nur eine Einkaufsstrasse mit je einem Geschäft für Schuhe, Haushaltswaren, Taschen- und Lederwaren, Schreibwaren, einer Drogerie/Parfümerie, einem Optiker, einem Handarbeitsgeschäft, einer Boutique für Damenoberbekleidung und einem Laden für Haushaltswaren. Dann gab es – was es heute kaum noch wo gibt – einen Molkereiladen, der hauptsächlich Käse, allerlei Sorten Quark, Milch und Joghurt anbot.

Der Oberkracher war ein Geschäft für Jugendmode. Darüber habe ich mich immer wieder aufgeregt oder köstlich amüsiert, weil es dort wirklich kein einziges Kleidungsstück gab, was ich gekauft oder angezogen hätte. Hässlicher ging es nicht mehr. Jeans, deren Material an Dachpappe erinnerte und Jacken, Blusen und Kleider in unglaublich hässlichem Schnitten und Mustern.

Dass in dem Laden überhaupt was über die Ladentheke ging, wunderte mich immer wieder.
Na gut, ich muss dazu sagen, ich war/bin die Tochter einer ambitionierten Schneiderin. Ich bekam alles von meiner Mutter genäht und vernünftigen Stoff wussten wir uns schon zu beschaffen. Man nannte es „Vitamin B“, damit waren gute Beziehungen gemeint. Und wenn man jemand kennte, der jemanden kannte, dann konnte alles beschafft werden. Auch echte Westartikel, wie z. B. Levis Jeans. Himmel, was für ein Objekt der Begierde!!!! Somit war ich also privilegiert gegenüber den anderen.

War es ein Sonntag im Herbst, Winter so sehr frühem Frühjahr, dann ging ich mit meinen Eltern auf einen Spaziergang in DIE STADT. Dort schlenderten wir durch die verkehrsberuhigte Einkaufsstrasse und schauten uns die Artikel in den Schaufenstern an. Besonders spannend war das, wenn endlich mal wieder neu dekoriert worden war. Manche Geschäfte taten das so selten, dass die Artikel in der Auslage elendig vor sich hin gilbten. Da gab es dann zweifarbige Schuhe, einen Schatten- und einen Sonnen Schuh.

Heute gehen die Leute shoppen. Oft höre oder lese ich von Jugendlichen, dass dies ihre wichtigstes oder sogar einziges Hobby sei. Keiner käme auf die Idee, bewusst dann in die Stadt zu gehen, wenn die Geschäfte geschlossen haben. So ändern sich die Zeiten.

Es war schon ein bisschen wie Bullerbü, meine Kindheit.

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Eine Antwort zu Freizeit in meiner Kindheit

  1. Clara Himmelhoch schreibt:

    Ja, ich kann was mit dem Begriff anfangen. Görlitz war ja auch ein ziemliches Kaff, vielleicht ein kleines bisschen größer.
    Meine Oma hat ein wenig für mich genäht, aber nicht sonderlich gut. Und meine Mutter war als Lehrerin, die nichts bieten konnte, zu unbegabt dafür, Vitamin-B-Kontakte zu knüpfen oder zu pflegen. – Aber wie man sieht, bin ich auch groß geworden.
    Lieben Gruß

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