Sommer

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Manchmal muss es einfach krachen. Groß und ausdrucksstark, plakativ und unübersehbar. Ohne viele Worte.

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Der Handwerker (2)

Pack die Badehose ein…..

So amüsant und schräg das erste Date auch war, es hat leider nicht gefunkt zwischen uns. Das Bauchgefühl sagte mehr oder weniger deutlich NEIN. Und dennoch habe ich mir eine Fortsetzung gegönnt. Mehr oder weniger aus Langeweile und aus Neugierde, was wohl als nächstes kommen würde. Es ist so, als wenn man ne Comedy Show besucht. Freak Show würde es wohl eher treffen.

Es war ein Sonntag. Meine Nachbarn hatten am Vortag Hochzeit gefeiert und der Tischschmuck musste unter die Leute. Viele, viele schöne Sträuße wurden verschenkt. (siehe Foto) Ich bekam auch welche, gerade als ich vor dem Haus stand und vom Handwerker abgeholt wurde. So nahm ich sie einfach mit ins Auto. Und wie es der Zufall wollte, der Mann hatte an diesem Tag Geburtstag. Was ich allerdings wirklich nicht gewusst hatte. Umso verdutzter war er, als ich mit Blumen ins Auto stieg.

Wie auch schon beim ersten Date, hatte er mal wieder was zu erledigen. Schnell mal in die nächst gelegene Großstadt fahren und dort in einer Arztpraxis Möbel besichtigen, die für kleines Geld verkauft oder sogar verschenkt werden sollten. Ich hatte nichts dagegen und fuhr natürlich mit. Und sollte es nicht bereuen, denn es fiel auch für mich was ab. Ganz wunderbare Stühle für meinen Esstisch und ein Designer Schreibtisch in massiv Erle für einen sensationell kleinen Preis. Und vor allem wurden die Sachen vom Handwerker am Tag drauf dort abgeholt und mir frei Haus geliefert. Besser gehts nicht.

Danach machten wir uns auf, Richtung Haus am See. Zunächst wunderte ich mich über die Route, denn das war nicht der kürzeste Weg. Er wollte mich weiter bestens über sein Leben und sein Vermögen informieren und zeigte mir im Vorbeifahren wo sich einige seiner insgesamt 15 Eigentumswohnungen befinden. Sowas finde ich immer sehr merkwürdig. Wie kann man eine völlig fremde Person ungefragt über die eigenen Vermögensverhältnisse aufklären? Das ist doch die pure Angeberei.  Oder? Mag sein, dass es Frauen gibt, die das gerne sofort wissen wollen. Mich irritiert sowas. Fremdschämen.

Als langjähriger Junggeselle kennt er so gut wie jedes Restaurant im Umkreis von 50km. Aber ich kannte dann doch ein Lokal, wo er noch nie war. Ein toller Mexikaner auf dem platten Lande. Dort fuhren wir hin und er lud mich zum Essen ein.

Wie sich heraus stellte, hatte er die Nacht zuvor am See verbracht und war von da direkt zu mir gekommen, um mich abzuholen. Ich war also der erste Kontakt an seinem Geburtstag. Er wollte mir zwar weismachen, dass es am Morgen schon im Haus am See eine kleinen Frühschoppen mit seinen Freunden gegeben hätte. Er erzählte, er habe sie regelrecht hinaus komplementieren müssen, weil er ja ein Date mit mir hatte. Aber ich bin überzeugt, die Geschichte ist frei erfunden. Denn als wir da ankamen, gab es keinerlei Hinweise auf Besuch an diesem Morgen. Weder Gläser noch Getränkeflaschen noch Teller, sauber oder gespült, keine Spuren von Besuch. Nichts war anders als bei meinem ersten Besuch am See. Tisch und Stühle standen unverändert und sogar die Dinge auf dem Tisch waren exakt in derselben Position. Er unterschätzt vielleicht, wie aufmerksam Frauen auf solche Details achten. So eine kleine Party war sicher sein stiller Wunsch. Und was nicht ist, das kann man sich in der Vorstellung herbei reden. Irgendwie traurig, sowas. Es zeigt, wie einsam er ist.

Diesmal ging mein Wunsch in Erfüllung und ich konnte im See baden. Ich war beinahe eine ganze Stunde im Wasser. Auch deshalb, weil wir zu zweit im Wasser gearbeitet haben. Klingt komisch, ist aber so. In den Tagen davor war im See Gras gemäht worden. Dieses Gras schwamm jetzt an der Wasseroberfläche und triftete an den Strand. Das sah natürlich nicht schön aus. Und wenn es nicht heraus geholt wird, dann sinkt es langsam auf den Grund des Sees und vergammelt dort. Was wiederum die Wasserqualität verschlechtert. Deshalb haben wir im Wasser das Gras zusammen gesammelt und der Handwerker hat es mit einer Schubkarre abtransportiert. Das war für mich besser als jede Wassergymnastik. Ich hatte echt Spaß. Der See ist wirklich traumhaft schön und es gibt sehr große Fische, Graskarpfen, die teilweise schon viele Jahre alt sind. Da sieht man dann bei der „Grasernte“ plötzlich eine Rückenflosse aus dem Wasser ragen und auf einen zu schwimmen. Der Witz ist, diese Graskarpfen dort sind Albinos, d.h. sie sind aufgrund einer Pigmentstörung weiß. Das erinnert schon gewaltig an den weissen Hai. Mir rutschte vorübergehend das Herz in die nicht vorhandene Hosentasche. Das bin ich ehrlich.

Später hatte der Handwerker dann die „grandiose Idee“ den Fernseher im Haus anzuschalten und sich zum Aufwärmen nach getaner Arbeit auf die Couch zu legen und völlig sinnfreie Filme anzuschauen. Der Plan dahinter….. soviel war mir klar…. ich könnte mich zu ihm legen und er würde den Versuch starten auf Tuchfühlung zu gehen. Neeeeee, das konnte er vergessen. Generell schon mal, weil das für mich auf keinen Fall in Frage käme und auch deshalb, weil ich mich bei schönen Sommerwetter an einem so wundervollen See nicht ins Haus und vor den Fernseher legen würde. Ging also nach hinten los, sein Plan. Ich legte mich alleine an den Privatstrand und genoss das Traumwetter. Er schaute, leicht angefressen, drinnen im Haus seinen spannenden Film. **hihi* Irgendwann kam er dann auch wieder raus. Tja, er hat es mit einer eigensinnigen Frau zu tun. **prust**

Es gab einen wunderbaren Sonnenuntergang und gegen Mitternacht brachte er mich wieder nach Hause.

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Edit: Ich denke es macht Sinn es hier an der Stelle zu erwähnen, dass ich ihm nach diesem Treffen klar gesagt habe, dass es für mich keinen Sinn macht weitere Treffen zu vereinbaren. Er hat bei beiden Treffen nahezu ohne Pause geredet und sich nicht mal im Ansatz für meine Geschichte interessiert. Würde man ihn fragen, was er über mich weiss, dann kämen da nicht mal die Eckdaten. Das ist keine Basis für eine Beziehung. Er lebt in seiner Welt und alles dreht sich um ihn und sein Leben. So ist mein Eindruck. 

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Der Handwerker

Er schrieb mich schon im November 2017 an. Ich fand seine Fotos irgendwie angsteinflößend. Dieser Blick…. geradezu gruselig. Er meinte, da wir doch im selben Ort wohnen, könnten wir uns bei einem Kaffee mal kennenlernen. Ich gab damals vor, ich hätte da gerade jemand kennen gelernt und würde erstmal sehen wollen, wie sich diese neue Bekanntschaft entwickelt. Also bekam der Handwerker einen Korb.

Im Dezember, kurz nach Weihnachten, kam die zweite Anfrage von ihm. Ähnlicher Text wie vier Wochen davor. Er schickt Anfragen scheinbar mit der Gießkanne und erinnerte sich offensichtlich nicht an meine Absage von damals. Also bekam er den zweiten Korb. Diesmal fiel es mir schon leichter.

Er bedauerte die erneute Absage. Dann nichts mehr bis er Mitte Juni wieder einen Anlauf nahm. Ich dachte, das dürfe ja wohl nicht wahr sein. Aber andererseits habe ich sein Hartnäckigkeit irgendwie auch toll gefunden. Deshalb beschloß ich, ihm diesmal wenigstens eine Chance einzuräumen. Komisches Aussehen hin oder her. Vielleicht würde er in Natura ja besser aussehen. Wir schrieben ne Weile auf der Dating Seite und stiegen irgendwann auf WhatsApp um.

Er ist Anfang 60 und es ist nicht selbstverständlich, dass die Herren in den Alter WA überhaupt kennen oder nutzen. Mir sind bisher einige begegnet, die das heftigst ablehnen. Teilweise auch, weil sie noch kein Smartphone haben. Nebenbei bemerkt, ich bin davon leicht genervt, wenn einer so auf die alte Technik besteht. Denn oft ist der einzige Grund dafür nur der, dass sie sich nicht ran trauen und irgendwie den Anschluß verpasst haben. Und sie argumentieren dann, man müsse ja nicht auf jeden Zug aufspringen und allen Scheiß mitmachen. Oder sie finden sich mit dieser Einstellung cool und sehen es als Vintage.

Der Handwerker jedenfalls machte dann Nägel mit Köpfen. Er schlug eines Tages vor, mich mit seinem Auto zu Hause abzuholen und mitzunehmen auf seinen letzten Geschäftstermin dieses Tages. Ich hatte inzwischen ein Gefühl dafür bekommen, dass er kein Kettensägenmörder ist. Ich kannte auch mittlerweile seinen vollen Namen, habe intensiv die Homepage seiner Firma studiert, bin mit meinem Auto schon um sein Anwesen herum gefahren – ein 20.000m2 Grundstück. Und ich habe einer Freundin gesagt, sie möge, falls ich nach diesem Abend irgendwie nicht wieder auftauchen sollte, den Herrn Handwerker bei der Kripo melden. **Spaß**

Er fuhr also gegen 18 Uhr mit seinem dicken Benz mit Hänger bei mir zu Hause vor.  Hielt in meiner Straße zwar an der richtigen Stelle, aber er vermutete mich  im Haus gegenüber. Als ich dann von der Beifahrerseite an das Auto ran trat und die Autotür aufriß, hätte ihn beinahe der Schlag getroffen. Dieses überraschte Gesicht war wirklich lustig. Ehrlicherweise muss ich sagen, auf den 1. Blick war ich eigentlich nun doch positiv überrascht. Er war nicht so hässlich, wie ich den Fotos nach befürchtet hatte.

Bevor wir los fuhren, versuchte er die Zieladresse ins Navi seines Benz einzugeben. So ein älteres Model von Navi mit Drehrädchen, wo man für jeden einzelnen Buchstaben kurbeln muss…. recht, links, hoch, runter -Enter….. nächster Buchstabe. Und er mühte sich redlich, schwitzte und stöhnte. Ich hätte es ihm am liebsten abgenommen. Ich bin eben eine hilfsbereite Frau. Allerdings ist Teil meines Plans mich mal nicht wieder gleich von Anfang an als Betriebsnudel anzubieten und überall einzumischen. Mal die anderen machen lassen, mal entspannt zurück lehnen und nur auf Anfrage helfen, wenn nichts mehr geht. Gar nicht so leicht. Ich bin ungeduldig und ich mag, wenn alles Zack Zack geht.

Dann ging die Fahrt also los. Und er redete und redete und redete und ich lauschte, lauschte und lauschte. Innerlich war ich teilweise lautstark am Quicken vor Vergnügen und ungläubigem Staunen. Das war pure Comedy, ich sage es euch. Seine Lebensgeschichte im groben Abriß in weniger als 25 Minuten. Das war dann aber erst das Inhaltsverzeichnis. Anschließend stieg er in die einzelnen Kapitel ein. Stichprobenartig. Motorradunfall vor paar Jahren…. Herzinfarkt vor ca. 5 Jahren, alle dabei erlittenen Verletzungen und gesundheitlichen Einschränkungen inklusive der Medikamente. Die Erwähnung seines Status als Privatversicherter, und damit die Möglichkeit immer die allerbesten und teuersten Medikamente zu bekommen. Es war von Echsen-Spucke die Rede, – kein Witz – die als Medikament bei Diabetes der allerneueste Schrei am  Pharma Himmel sein soll. Das war der Punkt, da platzte das große Lachen aus mir heraus. Selten habe ich so einen Vortrag gehört. Und selten kam ich mir so dermaßen heftig verarscht vor. Aber nach seiner Aussage entsprach das alles den Tatsachen. Ich erfuhr wann und warum die Ex abgehauen war, wann seine Mutter gestorben war und was die erwachsenen Kinder für PartnerInnen haben. Soviel Input in so kurzer Zeit. Und ich lauschte und lauschte und lauschte. Kam überhaupt nicht zu Wort. Kein bisschen. Dabei bin ich auch ein sehr kommunikativer Typ. Und wenn man sich kennenlernen möchte, wäre es schon schön, wenn jeder mal zu Wort kommt oder der eine auch mal auf Fragen des anderen reagieren kann…. wenn denn überhaupt Fragen gestellt werden.

Worauf ich ganz besonders scharf war, das wurde mir aber gleich beim ersten Date  erfüllt……. (wäre das nicht ein exzellenter Cliffhanger? Okay, so gemein will ich nicht sein) Er besitzt ein Häuschen an einem idyllisch gelegenen See. Da gibts einen Bootssteg und einen Privatstrand. Das alles wollte ich unbedingt schnellstmöglich sehen. Und er hat mich tatsächlich gleich bei diesem ersten Date mit dorthin genommen. Ich muss sagen, er hat nicht zu viel versprochen. Ein echtes Träumchen.

Nach dem Besuch am See sind wir noch zum Griechen zum Essen gefahren und um Mitternacht brachte er mich brav nach Hause. (Fortsetzung = Beschreibung des 2. Dates folgt…. dieses dauerte dann 12 Stunden)

 

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