Männer (14) – der Schnellschuß

Und dann war da noch ein Blitzdate an einem Sonntagnachmittag.

Es fing ganz spannend an. Ich hatte mich auf einer, für mich völlig neuen, Datingseite angemeldet. Ich glaube es war Zweisam-punkt-de. Und ich war keine zwei Stunden dort online, da kam ich mit einem gleichaltrigen Mann ins Gespräch, der nur wenige hundert Meter von mir entfernt wohnte. Das fanden wir beide ganz aufregend. Und weil wir keine konkreten Pläne für den Nachmittag hatten, vereinbarten wir ein Treffen auf einen Kaffee. Das Lokal was er vorschlug, war eins, wo ich seit 4 Jahren jeden Tag zweimal vorbei fahre, aber noch nie drin gewesen war. Also doppelt spannend für mich. Mann und Lokal – Neuland.

Er war herrlich spontan. Zack zack – verabredet und Nägel mit Köpfen gemacht. Das mag ich ja. Ich bin immer für Abenteuer zu haben. Er bot an, mich mit seinem Auto vor meiner Haustür abzuholen. Damit wusste er auch nach so kurzer Zeit schon meine Adresse. Das war mir bisschen seltsam, aber ich vertraute auf mein Bauchgefühl und  das sagte: „Take it easy. Alles gut.“ Und so kam er also ne halbe Stunde nach unserem Telefonat angerauscht. Ich stieg ein und ab gings.

Wir erreichten das Lokal leider vor 45 Minuten vor Schließung. Aber das hatten wir nicht vermutet. Sonntag ab 18 Uhr geschlossen? Seltsam. Aber na ja. Wir gingen dennoch rein und bestellten Kakao mit Sahne und einen Cappuccino. Alles gut.

Das Gespräch war sehr unterhaltsam und flüssig. Er ist geschieden, hat ne erwachsene Tochter von Mitte 20. Von Beruf ist er Metzger in einer großen Fabrik. Da macht er immer Frühschicht. Schon seit vielen Jahren. Immer dieselbe Tätigkeit. Morgens 05:30 Uhr gehts los.  Entsprechend früh hat er Feierabend. Er lebt sehr sparsam und erzählte stolz, dass ihn ein gesamter Wochenend-Einkauf im Schnitt mal gerade 8,50€ kostet. Und das er das genial findet und stolz ist, dass er so wenig braucht. Er isst vorwiegend Gemüse und trinkt Wasser, raucht nicht, trinkt keinen Alkohol und lebt ein unspektakuläres Leben. So seine eigene Aussage. Und da ihm seine Tochter sagte, er solle sich mal was gönnen, deshalb sucht er jetzt ne Frau, die Farbe in sein Leben bringen sollte.

So einer. Und dann ich. *kicher* Eine, die von allem ein bisschen mehr will. Mehr Aktion, mehr Leben, mehr Genuss und auch sonst so….. Die Luft muss flirren. Es muss wenigstens ein bisschen Konfetti regnen. Wenn auch nur im Kopf oder im Bauch oder südlicher. *räusper* Mindestens Geistesblitze muss es geben, wenn schon sonst keine Aufregung. Aber hier in dem konkreten Fall gab es nichts davon. Kein Konfetti, kein Brizzeln, keine Blitze.

Er war ein klarer Fall von Mismatch. Ich fand ihn zu farblos, er mich zu bunt. Er brachte mich nach Hause… shake hands und die klare Ansage von uns Beiden, dass das nett war und unterhaltsam, aber aussichtslos. Das fand ich dann sehr klar und erwachsen. Gefiel mir trotz allem am Ende gut. Der Nachmittag. Keine vergeudete Lebenszeit. Ich habe einen netten Menschen kennen gelernt. Der ein anderes Leben lebt als ich, eine andere Frau sucht als mich. Aber das ist völlig in Ordnung.

 

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Männer (13) ein Fallbeispiel

Wie die Überschrift schon sagt….. es kam zum Fall. Der Anbahnungsversuch geriet ins   Straucheln und fiel auf die Nase. Immer noch besser, als ich. 

Mitunter denke ich im ersten Moment: „Das ist doch jetzt ein Witz!! Das kann unmöglich der Wahrheit entsprechen! Gleich kommt einer um die Ecke, der sagt, dass das alles nur Spaß ist.“

So war es auch bei Wilfried (*Namen vorsichtshalber geändert). Er schrieb mich irgendwann Ende letzten Jahres an. Schien nett und freundlich zu sein und konnte sich zunächst auch gut ausdrücken. Allerdings war er recht wortkarg und wurde immer maulfauler. Hatte er mal geschrieben, dann wartete er stur auf eine Antwort ehe er wieder was von sich gab. Auch wenn keine konkrete Frage von ihm gestellt worden war. Es gestaltete sich zäh. Nach ner angemessenen Weile fragte ich ihn, ob wir nicht auf Handy umsteigen wollten. Darauf reagierte er überhaupt gar nicht erst. Ich nahm es zur Kenntnis und weiter ging es per Chat auf der Datingseite. Dann,  nach vielen Wochen der zähflüssigen Konversationen **gähn** über langweilige Themen….. so 1-2 Nachrichten in zwei Wochen…. kam er nicht mit der Sprache raus und hielt sich auch sehr zurück mit der Herausgabe von Informationen. Wieder und wieder meinte er, dass wir das alles mal besprechen können, wenn wir uns dann mal live und in Farbe treffen. Gut. Wann das allerdings sein sollte…? Noch vor Erreichen des Rentenalters? Ich war mir nicht sicher. 

Er schlug also auch kein Treffen vor. Irgendwann sagte ich dann: „Okay, dann lass uns jetzt mal treffen.“ Schnell einigten wir uns auf eine Verabredung an einem Freitagabend zum Essen bei einen Griechen hier im Ort. Der Vorschlag kam von ihm. Ich kannte das Restaurant noch nicht. Da er dort schon war und sicher wusste wie gut oder eben nicht gut es besucht war, nahm ich automatisch auch an, dass er sich ggf. um eine Tischreservierung kümmern würde. Er fragte in den verbleibenden Tagen dann nach, was ich denn zum Treffen anzuziehen gedenke. Das hat mich noch keiner vorher je gefragt. Fand ich seltsam, gab aber dennoch brav Auskunft: „Bluse, Hose, Jacke…. ne nach Temperatur an dem Tag.“ Und er brachte seine Enttäuschung zum Ausdruck, dass ich nicht mit Bluse, Rock oder Kleid, Strumpfhose und Pumps (und in seiner Vorstellung wahrscheinlich haltlosen Strümpfen) kommen wollen würde. Er möchte mich in einem fraulichen Outfit sehen, bemerkte er. Die Frauen heutzutage würden mehr und mehr wie Kerle rumlaufen. Womit er eigentlich nicht so ganz Unrecht hat. 

Ich erwiderte darauf, dass ich mich so anziehe, wie ich das für gut und bequem halte und mich grundsätzlich nicht verkleide. Und über zu wenig Fraulichkeit müsse er sich bei mir keine Sorgen machen. Da war er dann gleich wieder angepisst und schwieg drei Tage lang. Und ich war genervt und wollte ihn schon in den Wind schießen. Aber ich hatte mir vorgenommen, mich mal bisschen weniger ungeduldig zu zeigen in diesen Anbahnungs-Prozessen. Also sah ich drüber weg und schrieb ihn dann einen Tag vor dem Termin an, ob es dabei bliebe. Er antwortete entrüstet…. „Ja natürlich! Was denn sonst.“ Dann wollte er gerne von mir Ratschläge, was er anziehen solle. *Herr hilf!* Auch darauf ging ich mit Engelsgeduld und viel Verständnis ein. 

Dann der Tage der Tage. Ich fuhr 10 Minuten vor dem vereinbarten Zeitpunkt schon mal am Lokal vorbei. Handynummer hatte er immer noch nicht raus gerückt. Er stand schon da und hielt offensichtlich nach mir Ausschau. Anders als auf den Fotos, die ich gesehen hatte, hatte er eine recht lange, weiße Mähne. Keinen Haarschnitt also. **grmpf** Ich parkte woanders, denn bei dem Lokal war auch alles voll. Also ich dann auf ihn zu lief, lächelte er, schnappte mich und umarmte mich gleich. Was mich dann doch sehr überraschte und mir auch bisschen zuviel war. Ich fühlte mich regelrecht überrumpelt. Wir gingen rein und der Laden war brechend voll. Kein freier Tisch zu sehen. Freitagabend eben. Es war ein großes Lokal und eine Geräuschkulisse wie auf dem Hauptbahnhof. Er hatte allen Ernstes keinen Tisch reserviert und so wurden wir an einem sog. Katzentisch platziert. Ein 2-er Tisch halb im Gang, an dem es zog wie Hechtsuppe und um den die Kellner wie um eine Insel herum segelten. Mehrfach dachte ich, ich werde gleich mit heisser Suppe übergossen oder unter einem Tablett mit Weizenbier begraben. Der Typ sprach sehr leise und bemüht zahnlos. Das heisst, er verzog bei den wenigen Worten, die er raus brachte, den Mund immer so, dass man keine Zähne sehen konnte. Irgendwann sah ich dann auch warum das so war. Alles Ruinen, teilweise schwarz-braune Stumpen. *kreisch* Das war dann auch der erste, deutlich spürbare Moment, wo ich eigentlich gehen wollte. Oder hätte gehen sollen…. *lach** Ich blieb aber und stellte mich tapfer dieser Herausforderung. Seine Frage, ob wir denn was Essen wollten, überraschte mich dann doch. Freitagabend 19 Uhr bei einem Griechen und dann nichts essen und nur Wasser trinken?? Zumal wie das von Anfang an so besprochen hatten. Eine Verabredung zum Essen. Er bestellte sich ein kleines Wasser und ein, für meine Begriffe, sehr exotisches Essen. Bratkartoffeln mit Zsaziki. Das hatte ich noch nie gehört und war leicht amüsiert. Aber ich stellte auch fest, dass es eins der günstigsten Essen auf der Karte war. Irgendwie muss er befürchtet haben ich gehe davon aus, dass er mich einlädt. Und warum auch immer….. kleines Budget oder Geizkragen….. er wollte seinen eigenen Anteil klein halten. Er kann ja nicht wissen, dass ich es eigentlich so halte, dass ich bei ersten Date auf jeden Fall meine Zeche selber zahle. Kann man es im Zeitalter der Gleichberechtigung erwarten, eingeladen zu werden? Es sei dazu gesagt, dass es aber ein paar wenige Männer gibt, da ist es mir eine innere Freude, wenn sie mich einladen wollen und darüber nicht mit mir verhandeln. Ganze zwei waren das bisher in meiner gegenwärtigen Dating Phase. Also eher selten.

Also, der Abend war ein einziges Desaster. Ich bestellte auch was Kleines. Eine Vorspeise. Eigentlich nur, damit ich was zu tun hatte, während er seine Bratkartoffeln mit Zsaziki aß. Er erzählte in leisem, langsamen Tonfall über sich und seinen Job. Ich musste meine Rhabarberohren sehr spitzen um überhaupt etwas zu verstehen. Oft musste ich dennoch nachfragen, weil es einfach höllisch laut war in dieser griechischer Stätte der Gastlichkeit. Er ist (gefühlt) „so lange er lebt und atmet“ Beamter in einer großen Behörde in der Kreisstadt. Die 18km dahin fährt er täglich mit dem Rad, bei jedem Wetter. Auch bei Eis und Schnee oder einem Vulkanausbruch. Und zwar zwei Stunden vor Dienstbeginn, weil dann weniger Verkehr ist. Er beginnt aber auch zum frühest möglichen Zeitpunkt und hat um 14:30 Uhr immer Feierabend. Seinem Reden nach macht er in seiner Freizeit jeden Tag das Gleiche und er isst immer die gleichen Lebensmittel und zieht immer die gleichen Klamotten an…… Hoffentlich nicht immer die selben. Kurz und gut, er mag keine Abwechslung. Sein Leben muss exakt nach einem Schema ablaufen. Überraschungen sind ihm ein Graus. 

Genau das Gegenteil von mir. Ich habe ein bisschen aus meinem Leben erzählt. Und er stöhnte mehrfach auf, schnappte hörbar nach Luft und verzog gequält das Gesicht, als hätte er schlimme Schmerzen. 

Kennt ihr das, wenn man innerlich laut lachen oder schreien möchte?? Wenn man krampfartige Emotionsausbrüche nur mit Mühe unterdrücken kann?? Wenn sich Gedanken einschleichen, man möchte mit dem Kopf wieder und wieder auf die Tischplatte aufschlagen. Wenn man dem anderen an die Gurgel springen und ihn schütteln möchte, nur damit der mal eine menschliche Regung zeigt? So ging es mir mit diesem Mann.  Weio!!!! 

Wir zahlten. Und er lächelte, als ich dem Kellner mitteilte, dass er die Rechnungen bitte getrennt ausfertigen solle.

Vor dem Lokal schüttelten wir uns sittsam die Hand, wünschten uns gegenseitig Alles Gute und gingen in verschiedene Richtungen. Ohne uns hinterher zu schauen. Denke ich jedenfalls, denn ich habe mich ganz bewusst nicht umgedreht. Man soll ja nicht auf Misserfolge zurück blicken sondern immer positiv gestimmt in die Zukunft. 

Oder??

 

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Time in a bottle

Um 2 Uhr morgens kamen sie.

Die Zeiträuber.

Es war wieder einmal der Moment, an dem die kleine Stunde ihre Sommerpause antreten musste. So wurde sie aus ihrem angestammten Platz gerissen und in eine Flasche gesteckt. Dort soll sie nun verweilen bis zum Herbst. So sagte man es ihr. Die Flasche wurde dann luftdicht verschlossen, damit die kleine Stunde schön frisch bleibt und über den Sommer nicht austrocknet und welk wird.

Früher hatte sie alle 12 Monate an dem für sie vorgesehenen Platz zwischen 2 Uhr und 3 Uhr morgens verweilen und ihren Dienst tun dürfen. Und das hat ihr sehr gut gefallen. Doch dann kamen die Menschen auf diese seltsame Idee, sie dort raus zu reißen und den Sommer über weg zu sperren. Angeblich sollte das Vorteile habe, Energie sparen und so. Nie hat jemand das so wirklich nachvollziehen und verstehen können. Am wenigsten die kleine Stunde. Aber sie musste sich fügen. Genau wie die vielen Menschen, die es garnicht gut finden, sie den Sommer über vermissen zu müssen. Vor allem fällt vielen der Abschied schwer. Immer und immer wieder. All die Jahre.

Nun verstärkt sich das Gerücht, dass sie bald wieder das ganze Jahr bleiben darf. Das würde mich freuen.

Free the little hour.

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