Neue Nachbarn

Als im Haus eine Wohnung frei wurde, suchte die Vermieterin uns neue Nachbarn. Es dauerte nicht lange und wir anderen Bewohner hörten, dass jemand gefunden worden sei. Ein junges Paar zog ein. Zwei Namen auf einem Klingelschild. Wohl unverheiratet, die Beiden. Sie sah sie nur wenige Kisten und Tüten in die erste Etage tragen. Nie wurde ein Möbelwagen gesehen. Aber wir sind ja auch nicht immer zu Hause. Und in diesem Haus wird wenig beobachtet und getratscht, was ich als sehr angenehm empfinde. Das war immer so und soll auch so bleiben. Deshalb hoffen wir anderen drei Mieter bei einem Wechsel jeweils, dass die Hauseigentümerin eine gute Wahl trifft, die auch uns freut. Es sollte im Idealfall so harmonisch bleiben.

Die Neuen sind jetzt vier Wochen da. Bisher gab es außer „Guten Tag“ und ein Lächeln im Treppenhaus oder vor der Haustür noch keinen Kontakt, kein Gespräch. Mit keinem der alten Mieter. Das weiss ich, denn es gibt die ersten Schwierigkeiten. Wir drei alten Mieter haben uns darüber ausgetauscht und überlegen nun, wie wir das klären können, ohne dass die Harmonie langfristig gesehen damit zerstört wird. Denn bisher gab es noch keine Gelegenheiten die Gemeinschaft mit dem neuen Puzzleteilen zu festigen.

Typisch für die meisten Hausgemeinschaften hierzulande ist es, dass es Regeln für das Zusammenleben gibt. Und zwar meine ich die, die über eine allgemeine Hausordnung hinaus gehen und von deren Einhaltung alle irgendwie abhängig sind. Die Sache mit dem Müll zum Beispiel. Wer wann die jeweiligen Tonnen – grün, gelb oder schwarz – an die Straße stellt, damit sie am nächsten Morgen geleert werden und wir alle dann wieder in den nächsten zwei oder auch vier Wochen wissen, wohin mit unseren Abfällen. Der Plan hängt im Flur an einer Pinnwand. Alles easy eigentlich. Sollte man meinen.

Nun, es klappte von Anfang an nicht mit den Neuen. Wir anderen dachte: „…. ja, lass sie mal. Sie sind noch in der Einzugsphase und müssen erstmal ankommen.“ Und wir haben das mit den Tonnen für sie beim ersten Termin erledigt. Es waren die großen gelben Tonnen für Plastikmüll, die echt schwer sind und gerade im Sommer richtig schön müffeln. Und am nächsten Tag haben wir auch die Tonnen fürs Papier raus gezerrt. Nur, die neuen Mieter haben auch nicht daran gedacht, dass die Tonnen dann wieder zurück an ihren Platz gestellt werden müssen.

Keiner wollte „sich opfern“ und mit ihnen darüber offen reden. Denn, wenn der erst Talk schon eine Problemdiskussion ist, dann ist die gute Stimmung vielleicht langfristig im Eimer. Oder?

Weiter gehts jetzt…… wir leben in einer Kleinstadt und die Müllabfuhr ist hier pingelig. Wenn in den Tonnen Kram ist, der da nicht rein gehört, dann lassen die Müllfahrer die Tonne voll stehen und kleben einen netten Meckerzettel dran. Darauf stehen eindeutige Hinweise, wie der Inhalt in Zukunft nicht aussehen sollte, damit die Tonne wieder mal geleert wird. Und wir alle haben bis zum nächsten Abfuhr Termin das Problem: Wohin mit dem Müll?

Und sie mischen gnadenlos. Mülltrennung Fehlanzeige. Ich frage mich, wo sie vorher gewohnt haben, denn in Deutschland ist das doch mittlerweile flächendeckend üblich. Oder irre ich mich?

Da landen dann eben große, durchsichtige Plastiktüten mit Allem, was man so wegwerfen kann – Küchenabfälle, Eispapier und sogar Pfandflaschen – teilweise sogar in der Biotonne. *Haare rauf** Aktuell ist die Biotonne halbvoll mit dem Müll der neuen Nachbarn.

Was soll man da machen?
Wer opfert sich nun?
Wer macht den Erklär-Bär.

Ich nicht. Das habe ich entschieden. Soll doch die Vermieterin sich um die neuen Schäfchen kümmern, da sie die  schließlich für uns ausgesucht hat.

 

 

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Mein Fake Experiment (2)

Sobald ich zurück war, fragte er doch echt wieder:“Was hast du mir mitgebracht?“ Ich machte mir auch nen Spaß und forderte ihn  auf :“Komm doch vorbei und hole es dir ab. Dann wirst du schon sehen, was es ist.“

Er fand das nicht lustig. Bisschen angepisst meinte er, ich wüsste doch, dass er im Sudan wäre. Und das wäre schwer genug. Ich sollte ihm nicht sowas Schönes vorschlagen. Aber er hätte da ne Idee. Ich könnte Guthaben bei iTunes kaufen und ihm den Code schreiben. Dann könnte er dort im Kriegsgebiet sich ein bisschen schöne Musik runter laden oder einen romantischen Film anschauen. Wenn er schon noch ne Weile ohne mich auskommen müsse.

Das war genau mein Stichwort. Ich schlug ihm vor, doch ein schönes Buch zu lesen. Es gäbe da sehr spannende Literatur. Auf seine Nachfrage was ich damit meinte, sagte ich ihm: „Lies mal ein Buch über Love Scamming.“

Er stellte sich dumm und fragte, was das sei, worum es dabei ginge und wer der Autor sei. Wieder und wieder bohrte er und wollte mehr wissen. Ich habe dann gesagt: „Forget about it.“

Ich sagte dann bald Gute Nacht und meinte, ich wäre jetzt gleich offline. Er antwortete ganz unaufgeregt mit: “ Schlaf gut. Und wir lesen uns morgen.“

Danach habe ich nie wird von ihm gehört/gelesen.

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Mein Fake Experiment

Nachdem ich im Sommer 2016 meinen ersten echten Kontakt mit einem Fake Lover nach dem Strickmuster Love Scamming hatte, habe ich mich neulich bewusst angeln lassen um zu sehen, wie die das anstellen. Lest gerne  hier und auch hier  sowie schliesslich da nochmal nach, was mir damals beinahe passiert ist.

Damals habe ich nicht gleich gewusst was abgeht, aber nach 4 Tagen ging mir ein Licht auf. Glück gehabt. Bis dahin wusste ich nicht mal, dass es sowas gibt.

Vor ca. einer Woche funkte mich nun ein sehr attraktiver Mann auf Instagram an. Erst folgte er meinem Account, dann kam per PN ein „Hello how are you?“ Es entwickelte sich eine lockere Unterhaltung zwischen uns. Er erzählte, er stammt aus Ohio und sei bei der Army. Momentan „on my last mission“ im Sudan. Demnächst würde er aber ins Privatleben zurück kehren. Und er würde sich neu niederlassen. Und das müsse ja nicht in den USA sein. Meine Bedenken wegen dem Altersunterschied – er sagte, er sei 45 – und der Entfernung Deutschland – Ohio, fegte er vom Tisch. Er meinte, wenn man sich mag und die Chemie stimmt, dann ist das alles nebensächlich. Er sagte er sei geschieden und habe eine 7 jährige Tochter, die bei der Mama in den USA lebt. Zu diesem Zeitpunkt war mir bereits klar, dass an der Geschichte nichts stimmt. Da sind schon ganz viele Punkte, die typisch für Love Scamming sind.

Ich wollte wissen wie diese Leute agieren. Deshalb machte ich weiter mit.

Dabei war ich aber kein leichter Fang. Ich zappelte an der Angel und brachte immer wieder Argumente, warum das mit uns nicht klappen könne. Er blieb stets sehr höflich und positiv gestimmt. Er überschüttete mich mit Komplimenten und fing auch recht bald an, mich Darling zu nennen. Morgens, tagsüber und auch abends, immer schickte er Nachrichten. Fragte wie es mir geht, wo ich gerade bin, was ich heute mache usw. Selbstverständlich habe ich ihm nichts von mir erzählt. Und wenn, dann war es frei erfunden. Ich war mir schließlich sicher, dass er ein Fake ist.

Bei dieser Vorgehensweise konnte ich mir gut vorstellen, wie schön sowas für einsame Frauen sein muss. Ein überdurchschnittlich attraktiver Mann, der einen umschmeichelt und der einen scheinbar wirklich kennenlernen möchte. Er ist einfühlsam, hört zu und geht auf einen ein. Hat für alles Verständnis und sagt genau das, was Frau hören will. Bedenken werden weg argumentiert. Das alles immer mit viel Geduld und durchweg positiver Einstellung. Diese Leute sind psychologisch gut geschult. Soviel steht fest.

Als ich kurz darauf für zwei Tage wegfahren musste und mich quasi beim ihm dafür abmeldete, weil ich dann komplett offline sein wollte, geschah etwas Seltsames. Er sagte:“Ich hoffe, du wirst mir etwas mitbringen, wenn du zurück kommst!“ Ich nahms als Scherz und nur so daher gesagt, denn es schien mir so, als wenn einer kleiner Junge dies seine Mama fragt. Ich erinnere mich, dass ich den Spruch ganz süß fand, aber schon auch seltsam. Er gab ja vor gerade im Sudan zu sein und ich hier in Deutschland. Wie sollte man denn da ein Geschenk übergeben?

Und als ich zurück kam……….. (ich schreibe sofort weiter – Finale kommt heute noch)

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